Die United States Navy SEALs [] sind Spezialeinheiten der U.S. Navy. Sie unterstehen dem United States Naval Special Warfare Command (NAVSPECWARCOM), das sein Hauptquartier in Coronado (Kalifornien) hat und selbst Teil des US Special Operations Command (USSOCOM) ist.
Der Begriff „SEAL“ ist ein Akronym aus den Wörtern Sea, Air, Land (Meer, Luft, Boden), die die Einsatzorte der Spezialeinheit zum Ausdruck bringen. Es entspricht ferner dem englischen Ausdruck für Seehund/Robbe und wird auch so ausgesprochen.Vgl. die Logos der Teams unter Organisation
Inoffizielles Motto der Einheit ist: The Only Easy Day Was Yesterday (dt.: „Der einzige leichte Tag war gestern“).
Geschichte Vorgeschichte Der Ursprung der U.S. Navy SEALs liegt bei den Navy Combat Demolition Units (NCDU), die im eigentlichen Sinne ein Kampfmittel-Räumdienst der Marine waren, dessen Aufgabe darin bestand, vor Landungen, wie zum Beispiel im Zweiten Weltkrieg bei der Operation Overlord, Strände aufzuklären und Hindernisse zu räumen. Die Mitglieder der NCDU setzten sich zum größten Teil aus Pionierbataillonen (SEABEES) der United States Navy zusammen. Es gab zwei verschiedene Teams – die NCDUs, die hauptsächlich in Europa eingesetzt wurden, sowie die UDTs (Underwater Demolition Teams), die im pazifischen Kriegsgebiet arbeiteten. Die UDTs unterschieden sich gegenüber den NCDUs vor allem durch ihre leichtere Ausrüstung, so trugen die UDTs während einfacher Einsätze oftmals nur Badehose und Flossen. In Japan waren die UDTs fast an jeder Landeoperation beteiligt, und ihre Stärke betrug zu Kriegsende etwa 3000 Mann. Während des Krieges in Korea operierten sie aber oftmals an Land.
Wegen der missglückten Landung in der Schweinebucht 1961 und der sich daraufhin anbahnenden Kubakrise offenbarte sich die Unfähigkeit der damals federführenden CIA, solche ihnen ursprünglich zugedachten Sonderoperationen durchzuführen. Zur Schließung dieser operativen Lücke ordnete US-Präsident John F. Kennedy die Aufstellung neuer militärischer Spezialeinheiten an, weshalb die U.S. Navy mit der Aufstellung ihrer SEAL-Teams begann. Die Bezeichnung SEAL (Sea, Air, Land) kennzeichnete die Umgebungen, in denen sie später operieren sollen. Schließlich wurden am 1. Januar 1962 das SEAL-Team 1 in Coronado, Kalifornien an der Pazifikküste und das Team 2 in Little Creek, Virginia an der Ostküste aufgestellt. Viele Mitglieder der UDT wurden direkt übernommen, sie blieb trotzdem bestehen. Die Mitgliederzahl war anfangs mit je zehn Offizieren und 50 SEALs gering. Direkt nach deren Aufstellung erfolgten ein großer Ausrüstungskauf und das Üben alter sowie die Entwicklung neuer Taktiken bzw. Techniken.
Vietnamkrieg mini|SEAL Team One, 1967 in Südvietnam mini|Gefangennahme eines Vietcong-Kämpfers 1969 nahe Mỹ Tho Ab 1964 zunächst unter dem Kommando des örtlichen CIA-Residenten als Ausbilder südvietnamesischer Truppen besonders der „vietnamesischen SEALs“ Lien Doc Nguoi Nhia (LDNN) sowie Aufklärungseinheiten (Provincial Reconnaissance Units) in Da Nang eingesetzt, wurden die SEALs 1964 dem Military Assistance Command, Vietnam (MACV), dem militärischen Oberkommando für Vietnam, unterstellt und waren somit erstmals direkte Kombattanten im Vietnamkrieg. Dabei erwarben sie sich einen exzellenten Ruf als Kämpfer und waren beim Kriegsgegner, soweit überhaupt als eigenständige Einheit wahrgenommen, sehr gefürchtet. Neben ihren ursprünglichen Aufgaben waren sie maßgeblich an dem von der CIA geleiteten Phoenix-Programm beteiligt, der gezielten Liquidierung kommunistischer Führungskader hinter feindlichen Linien, dem (nach US-Quellen) rund 6500 Personen zum Opfer fielen. Im Februar 1966 wurde das SEAL Team ONE nach Südvietnam beordert und nahm an Operationen im Raum Nhà Bè südlich von Saigon (heute Ho-Chi-Minh-Stadt) teil. Das letzte SEAL-Platoon verließ am 7. Dezember 1971 Vietnam, die letzten Ausbilder im März 1973. Die Gesamtzahl der in Vietnam eingesetzten SEALs betrug nicht mehr als 200 Soldaten und etwa 30 Offiziere.
Die Reagan-Ära und Gründung des Naval Special Warfare Command Auflösung der UDTs Ab Mai 1983 teilten sich Kampfschwimmer in Navy-SEAL-Einheiten auf.mini|SEALs mit AN-PEQ-1-Laserdesignator (rechts) und M14 (links)
Naval Special Warfare Command Der Goldwater-Nichols Act und dessen Anhang, das Nunn-Cohen Amendment, stellte die Spezialeinsatzkräfte der USA auf eine eigene finanzielle Basis und trennte sie durch ihre Zusammenfassung im United States Special Operations Command (SOCOM) (dt. „US-Oberkommando für Sondereinsätze“) von ihren Mutterteilstreitkräften. Dies hatte zur Folge, dass sie nun nicht mehr mit ihren Teilstreitkräften um Etats konkurrieren mussten und fortan nicht mehr finanziell „stiefmütterlich“ behandelt werden konnten. Durch diese Maßnahmen entstand de facto eine eigene Teilstreitkraft, in der alle Special Operations Forces des US-Militärs zusammengefasst sind.Interview von Tom Clancy mit Gen. (ret.) Henry H. Shelton, S. 92, Tom Clancy, John Gresham: Special Forces – Die Spezialeinheiten der U.S. Army. Heyne, München 2002, ISBN 3-453-86912-5.
Die Navy richtete am 16. April 1987 in Coronado bei San Diego, Kalifornien das U.S. Naval Special Warfare Command (NAVSPECWARCOM oder NAVSOC) ein. Das neue Oberkommando war von nun an für die Einsatzbereitschaft, Ausbildung und Verfügbarkeit sämtlicher Sondereinsatzkräfte der Navy verantwortlich und fungiert als maritimes Komponentenkommando des übergeordneten US Special Operations Command (SOCOM), in dem alle militärischen Sondereinsatzkräfte der Vereinigten Staaten vereint sind.
Nach dem Kalten Krieg bis heute (Auswahl) Panama, Somalia, Bosnien, Haiti und Liberia Die SEALs waren von 1989 bis 1990 in Panama, von 1987 bis 1991 am Persischen Golf während der Operation Earnest Will sowie in Somalia (Operation Restore Hope), Bosnien (Operation Joint Endeavour), Haiti (Operation Uphold Democracy) und Liberia (United Nations Mission in Liberia) im Einsatz.
Afghanistan (Operation Enduring Freedom) 2002 nahmen SEALs als Teil der Combined Joint Special Operations Task Force (CJSOTF) South an der Operation Anaconda in Afghanistan teil und 2003 wurden sie im größeren Rahmen bei der Invasion des Iraks (Operation Iraqi Freedom) zur Sicherung der Ölterminals und Hafenanlagen in Umm Qasr eingesetzt. Im September 2008 wurden rund 20 Navy Seals, unterstützt durch Hubschrauber und ein sogenanntes Gunship (dt. „Kanonenboot“, ein schwerbewaffnetes Flugzeug) vom Typ AC-130 Spectre, in Südwasiristan in Pakistan gegen mögliche Al-Qaida-Kämpfer eingesetzt.Präsident Bush autorisiert Einsatz von Bodentruppen in Pakistan, auf wsws.org
2008 erhielt Lieutenant Michael P. Murphy posthum die Medal of Honor für seinen Einsatz in Afghanistan am 27. und 28. Juni 2005. Nach ihm wurde der Lenkwaffenzerstörer USS Michael Murphy benannt. Der Soldat Michael Anthony Monsoor erhielt 2008 ebenfalls posthum die Medal of Honor für seinen Einsatz im Irak.
Am 6. August 2011 kamen nach Angaben der ISAF beim Abschuss eines Transporthubschraubers vom Typ CH-47F Chinook im Distrikt Sayd Abad in der Provinz Wardak 30 US-Soldaten (darunter 22 Navy SEALs), sieben afghanische Soldaten und ein Dolmetscher ums Leben. Die Taliban bekannten sich zu dem Angriff.
Horn von Afrika Am 12. April 2009 wurde der von vier somalischen Piraten auf einem Rettungsboot gefangengehaltene Richard Phillips, Kapitän des Containerschiffs Maersk Alabama, von einem SEAL-Team befreit, wobei drei der vier Piraten getötet wurden.
Pakistan Am 2. Mai 2011 wurde der damals meistgesuchte Terrorist der Welt, Osama bin Laden, der auch als Drahtzieher für die Terroranschläge am 11. September 2001 verantwortlich war, von Angehörigen der United States Naval Special Warfare Development Group in Abbottabad erschossen. Der Codename der Aktion war Operation Neptune Spear. Dabei wurden vier Helikopter sowie 25 Soldaten und ein Hund eingesetzt, wobei ein Helikopter während des 40-minütigen Einsatzes notlanden musste und danach von den eigenen Soldaten zerstört wurde.The Times: Osama bin Laden is dead.US-Spezialkräfte töten Osama Bin Laden.
Levantisches Meer nahe Zypern Das United States Special Operations Command Europe ordnete auf Befehl von US-Präsident Barack Obama, nach einer Bitte der libyschen und zypriotischen Regierungen an die USA, die Erstürmung des staatenlosen Tankschiffs Morning Glory an. Navy SEALs starteten am Abend des 16. März 2014 vom Zerstörer Roosevelt und konnten den Tanker in internationalen Gewässern südlich von Zypern unter ihre Kontrolle bringen. Milizen in Libyen wollten mit dem Tanker auf eigene Faust Rohöl exportieren. Drei bewaffnete Aufständische hatten das Schiff einige Tage vorher am Ölterminal von as-Sidr unter ihre Kontrolle gebracht. Das Schiff fuhr früher unter nordkoreanischer Flagge. Der Zerstörer Stout begleitete den Tanker zurück nach Libyen.Taz.de: Tanker von US-Soldaten gestürmt. 17. März 2014
Jemen Im Wadi al Kifah im Gouvernement al-Baidā' im Jemen greifen die US-Streitkräfte am 29. Januar 2017 mit Kampfdrohnen (UCAV) und Apache-Kampfhubschraubern einen Stützpunkt der Terrororganisation al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (AQAP) an. Dabei sterben 41 al-Qaida-Kämpfer und 14 Zivilisten. Unter den Getöteten sollen sich auch die Anführer Abdulraouf, Sultan al-Zahab und Saif Alawai al-Jawfi befinden. Der Navy SEAL Chief Special Warfare Operator William „Ryan“ Owens wird dabei getötet und drei weitere US-Soldaten beim Absturz einer MV-22 Osprey verletzt.
Somalia Bei einem Einsatz in Barii in der Region Shabeellaha Hoose gegen die islamistische al-Shabaab-Miliz wird der Navy SEAL Senior Chief Special Warfare Operator Kyle Milliken am 5. Mai 2017 getötet und zwei weitere verletzt.
Nordkorea Im Jahr 2005 drangen Navy Seals mit einem Mini-U-Boot bis zur Küste Nordkoreas vor, gingen an Land und verschwanden unbemerkt wieder. Das Missionsziel wurde Stand 2025 nicht veröffentlicht.
Im Februar 2019 fand eine weitere Operation statt, bei der Team Six mittels eines Atom-U-Boots erst in nordkoreanisches Hoheitsgebiet und schließlich mittels zweier Mini-U-Boote zur Küste schwamm. Missionsziel war die Installation eines Geräts für die Elektronische Aufklärung, um die Kommunikation von Kim Jong-un zu erfassen. Die Nachtmission scheiterte, als die Seals drohten durch ein kleines Boot entdeckt zu werden. Die auf dem Boot befindlichen zwei bis drei Nordkoreaner, bei denen sich herausstellte, dass es Zivilisten waren, die mit Neoprenanzügen nachttauchten, wurden, als sie sich den Mini-U-Booten näherten, erschossen. Die Mission wurde daraufhin abgebrochen.
Iran Anfang März 2026 wurden Navy SEALs über dem Iran per Fallschirm abgesetzt, um einen vermissten Waffensystemoffizier einer abgeschossenen F-15E zu retten.
Auftrag