mini|hochkant|Kopie einer Inschrift von Unas in Elephantine S. 82. Siehe .

Unas war der neunte und letzte König (Pharao) der altägyptischen 5. Dynastie im Alten Reich. Er regierte etwa innerhalb des Zeitraums von 2380 bis 2350 v. Chr.Jahreszahlen nach Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96053-3.

Herkunft und Familie In den Pyramidentexten werden Unas und seine Eltern als Heliopolitaner bezeichnet, wobei für Unas ergänzend angemerkt wird, dass er „auch dort geboren wurde“.Ein Heliopolitaner ist Unas, oh Re, ein Heliopolitaner wie du ist Unas, oh Re, die Mutter des Unas ist Heliopolitanerin, der Vater des Unas ist Heliopolitaner. Unas selbst ist Heliopolitaner, der in Heliopolis geboren wurde (Übersetzung nach: Raymond Faulkner: The ancient Egyptian pyramid texts . Aris & Phillips, Warminster 1969, ISBN 0-85668-297-7, S. 95 In: Susanne Voß: Untersuchungen zu den Sonnenheiligtümern der 5. Dynastie. Bedeutung und Funktion eines singulären Tempeltyps im Alten Reich. Hamburg 2004 (zugleich: Dissertation, Universität Hamburg 2000) (), S. 166); siehe auch PT 482a-483b. Er stammte wohl nicht aus königlichem Hause, was auch für seine beiden Gemahlinnen Nebet und Chenut galt. Der Name seines ältesten Sohnes ist nicht überliefert, auch sein zweiter Sohn Unasanch starb vor dem Vater. Seine Töchter waren Hemetre Hemi, Seschseschet Idut, Chentkaus und die spätere Frau des Königs Teti II., Iput I., möglicherweise auch Neferetkaus Iku und Neferut.

Herrschaft Regierungsdauer Über die genaue Regierungsdauer von Unas herrscht große Unsicherheit. Nach dem im Neuen Reich entstandenen Königspapyrus Turin hat er 30 Jahre regiert. Der im 3. Jahrhundert v. Chr. lebende ägyptische Priester Manetho gibt 33 Jahre an. Während einige Forscher wie etwa Winfried Barta oder Thomas Schneider diese Angaben für plausibel hielten, gingen andere von einer deutlich niedrigeren Anzahl an Jahren aus. So nimmt etwa Jürgen von Beckerath nur 20 an. Die zeitgenössischen Datumsangaben bringen nur wenig Klarheit, da nur sehr wenige erhalten sind, die sich eindeutig der Regierungszeit des Unas zuordnen lassen. Die höchste sicher zuweisbare Datumsangabe ist ein „8. Mal der Zählung“. Hiermit ist die ursprünglich als Horusgeleit eingeführte landesweite Zählung des Viehs zum Zwecke der Steuererhebung gemeint. Weiterhin gibt es die Nennung eines „11. Mals der Zählung“, die entweder Unas oder seinem Vorgänger Djedkare zuzuordnen ist. Gewisse Probleme bringt der Umstand mit sich, dass diese Zählungen ursprünglich alle zwei Jahre stattfanden (das heißt auf ein „x-tes Jahr der Zählung“ folgte ein „Jahr nach dem x-ten Mal der Zählung“), später aber zum Teil auch jährlich stattfinden konnten (auf ein „x-tes Jahr der Zählung“ folgte das „y-te Jahr der Zählung“). Selbst bei einer regelmäßigen zweijährlichen Zählung sprächen die erhaltenen Datumsangaben aber eher für eine Regierungsdauer von etwa 20 Jahren oder weniger, nicht aber von 30 Jahren oder mehr. Hierzu passen auch die Untersuchungen des Grabes des Beamten Nikauisesi in Sakkara. Dieser begann seine Karriere unter Unas' Vorgänger Djedkare und starb während der Regierungszeit seines Nachfolgers Teti. Eine anthropologische Untersuchung seines Skeletts ergab ein Sterbealter von 40 bis 45 Jahren, was ebenfalls gegen eine dreißigjährige Herrschaft von Unas spricht.siehe hierzu M. Verner: Archaeological Remarks. Prag 2001.

Kriegszüge Ein Feldzug in die Region von Retjenu ist dokumentiert.

Landesverwaltung Auch Unas' Wesire sind namentlich bekannt: Nefer-sechem-sechat, Inefret, Ihi und möglicherweise auch Nianchba, Achti-hotep und zum Ende seiner Herrschaft Kagemni.

Andere Ereignisse Das Bruchstück einer Biographie eines Beamten scheint über den Transport der Granitsäulen für den Pyramidentempel des Herrschers innerhalb von vier Tagen von Elephantine zu berichten.H. G. Fischer: A Speedy return from Elepantine. In: Journal of Egyptian Archaeology. Nr. 61, 1975, S. 33–35, Tafel XVI, 1.

Durch jüngst gefundene Siegelabdrücke ist belegt, dass unter Unas eine Expedition stattfand, die von der Hafenanlage Ain Suchna am Golf von Suez ausging. Das Ziel dieser Expedition ist allerdings unbekannt.Pierre Tallet: Les « ports intermittents » de la mer Rouge à l'époque pharaonique: caractéristiques et chronologie. In: Bruno Argémi, Pierre Tallet (Hrsg.): Entre Nil et mers. La navigation en Égypte ancienne (= Nehet. Revue numérique d’Égyptologie. Band 3). Université de Paris-Sorbonne/Université libre de Bruxelles, Paris / Brüssel 2015, S. 60, Tabelle 1 (Online).

Grabmal mini|hochkant|links|Die Unas-Pyramide in Sakkara mini|links|hochkant|Grundriss der Pyramide sowie des Tal- und Totentempels

Für seine Pyramidenanlage mit dem Namen „Schön sind die Stätten des Unas“ wählte der König einen Standort, mit dem er sich deutlich von seinen Vorgängern absetzte. Statt des königlichen Familienfriedhofs der mittleren 5. Dynastie in Abusir wählte er wie seine beiden unmittelbaren Vorgänger Menkauhor und Djedkare Sakkara. Unas errichtete seine Pyramide jedoch nicht in unmittelbarer Nachbarschaft eines ihrer Gräber, sondern platzierte sein Grabmal direkt südlich der Pyramide des Djoser aus der 3. Dynastie und über zwei königlichen Galeriegräbern der 2. Dynastie.Miroslav Verner: Die Pyramiden. Reinbek 1998, S. 369–370.

Mit einer Seitenlänge von 57,75 m und einer ursprünglichen Höhe von 43 m ist die Unas-Pyramide das kleinste königliche Grabmal des Alten Reichs. Der Pyramidenkern wurde in sechs Stufen errichtet. Als Baumaterial diente lokaler Kalkstein. Die Verkleidung wurde in feinerem weißen Kalkstein ausgeführt.Miroslav Verner: Die Pyramiden. Reinbek 1998, S. 370–371.

Trotz der starken Zerstörung des Pyramiden-Oberbaus ist das Innere der Pyramide gut erhalten. Der Eingang befindet sich vor der Nordseite. Der absteigende Gang mündet zunächst in eine Kammer und führt dann horizontal weiter. Im Gang befindet sich eine Blockiervorrichtung aus drei Granitblöcken. Der Gang mündet schließlich in eine Vorkammer, von der östlich eine Kammer mit drei Nischen und westlich die Grabkammer abzweigt. Vor- und Grabkammer weisen ein Giebeldach auf. An der Westwand der Grabkammer steht der gut erhaltene Sarkophag aus Grauwacke. Sowohl die Grab- als auch die Vorkammer sind erstmals mit Pyramidentexten versehen, welche aus Sprüchen und Beschwörungen für das Jenseits bestehen. Sie gelten als die ältesten religiösen altägyptischen Texte. Spätere Dynastien haben in differenzierter Form die Texte übernommen, teilweise wurden sie in die späteren Sargtexte und in das Totenbuch übernommen.Miroslav Verner: Die Pyramiden. Reinbek 1998, S. 371–372.

Der an einem einstigen Hafen gelegene Taltempel besitzt drei säulenbestandene Eingänge: einen Haupteingang an der Ostseite und zwei Seiteneingänge an den Schmalseiten. Zur Pyramide führt ein 720 m langer Aufweg. Dieser weist zahlreiche Reliefs mit unterschiedlichen Themen auf, etwa Jagd, den Transport von Granitsäulen oder Gefangenenprozessionen. Nahe dem oberen Bereich des Aufwegs wurden zwei 45 m lange Schiffsgräber aus Kalkstein errichtet.Miroslav Verner: Die Pyramiden. Reinbek 1998, S. 374–376.

Der Totentempel ähnelt dem der Djedkare-Pyramide, eine Besonderheit stellen jedoch zwei Türme an der östlichen Fassade dar. Den vorderen Teil des Tempels bilden eine Eingangshalle und ein säulenumstandener offener Hof, an die sich nördlich und südlich Magazinräume anschließen. Eine Querhalle trennt den äußeren vom inneren, intimen Tempelbereich. Dieser besteht aus einer Fünfnischenkapelle, einer antichambre carrée, einer Opferhalle und weiteren Magazinräumen. Südlich der Querhalle befindet sich der Zugang zu einer kleinen Kultpyramide. Die Königspyramide, die Kultpyramide und der innere Tempelteil werden von einer Mauer umschlossen.Miroslav Verner: Die Pyramiden. Reinbek 1998, S. 372–374.

Nordöstlich der Unas-Pyramide befinden sich die Mastaba-Gräber der königlichen Gemahlinnen Nebet und Chenut.Miroslav Verner: Die Pyramiden. Reinbek 1998, S. 377.

Die mögliche Mumie des Unas 1946 entdeckte Ahmed M. Batrawi im Magazin des Ägyptischen Museums in Kairo eine Schachtel, die laut Beschriftung Teile des Leichnams von König Unas enthalten sollte. Es handelte sich um den linken Unterarm und um ein Schädelfragment, das noch Kopfhaut und Haare aufwies. In keinem der Grabungsberichte zur Unas-Pyramide wird jedoch vom Fund menschlicher Überreste berichtet. Es ist daher fraglich, woher die Funde tatsächlich stammen und ob sie wirklich in die 5. Dynastie oder nicht eher in eine spätere Zeit zu datieren sind.Renate Germer: Überreste von Königsmumien aus Pyramiden des Alten Reiches – Gibt es sie wirklich? In: Sokar. Band 7, 2003, S. 39–40.

Besondere Funde

Zahlreiche Alabaster-Gefäße mit Namensnennungen des Unas sind bekannt. Von unbekannter Herkunft ist ein kugeliges Gefäß, das sich heute im Louvre in Paris befindet (Inv.-Nr. E 32372). Es hat eine Höhe von 17 cm und einen Durchmesser von 13,2 cm. Es zeigt auf einer Seite Name und Titulatur des Unas, flankiert von zwei Anch-Zeichen und zwei Uräusschlangen und auf der anderen Seite einen Falken, der seine Schwingen ausbreitet.Christiane Ziegler: Jar Inscribed with the Name of King Unis. In: Metropolitan Museum of Art (Hrsg.): Egyptian Art in the Age of the Pyramids. Metropolitan Museum of Art, New York 1999, ISBN 0-87099-906-0, S. 361–362. Eine zylindrische Vase befindet sich im Archäologischen Nationalmuseum in Florenz (Inv.-Nr. 3253).Touring Club italiano: Firenze e provincia. Touring Editore, 1993 ISBN 88-365-0533-3, S. 352 (eingeschränkte Onlineversion). Das Petrie Museum in London beherbergt die Randscherbe einer weiteren Vase (Inv.-Nr. UC13258).UCL Petrie Collection Online Catalogue Aus Byblos stammen eine Vase und Fragmente eines weiteren Gefäßes. Die Stücke befinden sich heute im Nationalmuseum in Beirut.Bertha Porter, Rosalind L. B. Moss: Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs and Paintings. VII. Nubia, the Deserts, and Outside Egypt. Griffith Institute, Oxford 1952, Reprint 1975, ISBN 0-900416-23-8, S. 390 (PDF; 21,6 MB). Ein weiteres Alabaster-Gefäß wurde in den 1990er Jahren auf Elephantine gefunden.Werner Kaiser et al.: Stadt und Tempel von Elephantine. 25./ 26./ 27. Grabungsbericht. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. (MDAIK) Band 55, 1999, S. 88.

Unas im Gedächtnis des Alten Ägypten Altes Reich Der nach Unas’ Tod eingerichtete Totenkult hatte mindestens bis zum Ende des Alten Reichs Bestand. Hiervon zeugen sieben Gräber aus Sakkara, in denen Priester und niedere Beamte bestattet wurden, die im Totentempel der Unas-Pyramide gedient hatten. Drei dieser Gräber sind in die Zeit kurz nach dem Tod von Pepi I. zu datieren, drei weitere in die Regierungszeit von Pepi II. und das jüngste ans Ende des Alten Reichs.Hartwig Altenmüller: Zur Vergöttlichung des Königs Unas im Alten Reich. In: Studien zur Altägyptischen Kultur. Band 1, 1974, S. 4–10 (Online).

Daneben ist die Verehrung des Unas im späten Alten Reich auch durch eine Reihe basilophorer Namen bezeugt, etwa Unasanch, Unashaischetef, Nianchunas und Seenunas.Hartwig Altenmüller: Zur Vergöttlichung des Königs Unas im Alten Reich. In: Studien zur Altägyptischen Kultur. Band 1, 1974, S. 3–4, 18 (Online).

Mittleres Reich Auch im Mittleren Reich sind mehrere Namen bezeugt, die den Königsnamen Unas als Bestandteil tragen, darunter Unasemsaef, Unasergesptah, Unasiiuemheb und Unas.Hartwig Altenmüller: Zur Vergöttlichung des Königs Unas im Alten Reich. In: Studien zur Altägyptischen Kultur. Band 1, 1974, S. 3 (Online).