Elbasan ( ) ist eine Stadt in Mittelalbanien. Sie ist Amtssitz einer Bashkia und der Hauptort des Qarks Elbasan. Die von Industrie geprägte Stadt liegt nördlich des Flusses Shkumbin. Mit 66.834 Einwohnern (Volkszählung 2023) ist sie die viertgrößte Stadt des Landes, obwohl sie in den zwölf Jahren davor 15 % der Bevölkerung verloren hat.
Geographie mini|links|Blick auf die Stadt von Süden
Elbasan liegt in einer breiten Talebene, einer Verlängerung der Küstenebene ins Landesinnere, auf rund Die Entfernung zum Adriatischen Meer beträgt rund 60 Kilometer. Wenige Kilometer östlich tritt der Shkumbin aus seinem Felstal und ermöglichte hier in der Geschichte ertragreichen Ackerbau. Im Norden und Süden der Stadt erheben sich bis zu 1000 Meter bzw. 1800 Meter hohe Berge.
In Elbasan herrscht Mittelmeerklima. Die Sommer sind heiß und trocken. Der Winter, welcher hier sehr niederschlagsreich und kalt ist, bekommt auch den kontinentalen Einfluss zu spüren.
Zum 2015 stark erweiterten Gemeindegebiet gehören auch die eingegliederten Gemeinden im Norden und Osten des ehemaligen Kreises Elbasan. Die neue Gemeinde hat 115.101 Einwohner (Volkszählung 2023). Das sind 19 % weniger als zwölf Jahre zuvor (Volkszählung 2011: 141.714 Einwohner).
+ Njësitë administrative (ehemalige Gemeinden) Name Einwohner 2023 Einwohner 2011 Gemeindeart Elbasan 66.834 78.703 Bashkia Bradashesh 9.375 10.700 Komuna Funar 1.295 2.122 Komuna Gjergjan 3.634 5.126 Komuna Gjinar 2.133 3.478 Komuna Gracen 1.245 2.192 Komuna Fushë-Labinot 6.299 7.058 Komuna Mal-Labinot 3.666 5.291 Komuna Papër 4.439 6.348 Komuna Shirgjan 5.930 7.307 Komuna Shushica 7.359 8.731 Komuna Tregan 2.067 3.036 Komuna Zavalina 825 1.622 Komuna
Geschichte Antike Die ersten historischen Siedler der Gegend waren die Illyrer, welche im 2. Jahrhundert v. Chr. erste Wohnstätten errichteten. So wurden 2010 zwei illyrische Gräber nahe der Stadtmauer gefunden und ausgegraben. Nach dem Ende des Dritten Makedonisch-Römischen Krieges 168 v. Chr. kam ganz Illyrien unter römisches Protektorat. 146 v. Chr. legten die Römer die Handelsstraße Via Egnatia an, welche als Fortsetzung zur italienischen Via Appia auf dem Balkan diente und die direkte Verbindung zwischen Rom und Byzantium stellte. Sie begann bei den zwei Hafenstädten Dyrrhachium und Apollonia an der Adria und vereinigte sich westlich von Elbasan am Fluss Genusus. An dieser Stelle befand sich ein römischer Handelsplatz, der Mansio Scampa genannt wurde. Scampa ist das illyrische Wort für „Felsen“ (vgl. albanisch shkëmb/-i).
Später wurden entlang dieser Strecke in regelmäßigen Abständen Rastplätze angelegt, – Station für das Wechseln der Zugtiere bei jeder fünften Meile. Erhalten geblieben ist die Station beim heutigen Dorf Bradashesh, sieben Kilometer (fünf Meilen) westlich von Elbasan und an der heutigen Straße nach Durrës. Etwas versteckt am Bergfuß liegen die Reste einer kleinen aber technisch ausgereiften Badeanlage mit Sammelbecken für Quellwasser aus der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr.Das römische Bad liegt vom Kreisverkehr der Abzweigung Elbasan-Durrës-Tirana zwei Kilometer entfernt am Ende einer kleinen Straße parallel der Schnellstraße nach Durrës. Beschreibung und Grundplan in Guntram Koch: Albanien. Du Mont Buchverlag, Köln 1989.
Um 160 n. Chr. wird in einer römischen Grabinschrift Scampa wieder erwähnt. Darin ist von einer Stelle mit fruchtbarem Ackerland, der Lage am Fluss Genusus und von einer Wegkreuzung an der Via Egnatia die Rede.
Scampa wurde von den Römern Anfang des 4. Jahrhunderts zu einer Festung ausgebaut. Noch heute sind spätantike Mauerreste mancherorts bis zu einer Höhe von drei Metern erkennbar. Die Lage des Mauerrechtecks von 348 Meter auf 308 Meter bildet bis heute die Grenze der Altstadt, die bis ins 19. Jahrhundert noch von einem Wassergraben umgeben war. Die Via Egnatia verlief durch die beiden in der Mitte der West- und Ostseite gelegenen Stadttore. Ein Nebentor zum Fluss befand sich im Süden.
Im 5. Jahrhundert wurde Scampa Sitz eines Bischofs. Es gibt den Bericht einer Delegation des Papstes Hormisdas, die 519 in dem in einer oströmischen Provinz gelegenen Scampa wohlwollend aufgenommen wurde. Die Lage der einstigen Bischofskirche ist unbekannt, Grabungen vom heutigen höheren Bodenniveau in der Altstadt haben Funde von weiteren christlichen Bauten erbracht. Außerhalb der Stadtmauern wurden auf einem Hügel im Westen (Tepe) die Reste einer Basilika freigelegt, deren Bauphasen mit dem 4. bis 6. Jahrhundert angegeben werden. Ebenfalls außerhalb der Stadtmauer in der Nähe des südlichen Nebentors wird seit 2007 der Mosaikfußboden einer weiteren Basilika freigelegt, vermutlich stammt er aus dem 6. Jahrhundert.Das sehr gut erhaltene Mosaik liegt in zwei Meter Tiefe im Park beim Hotel Scampa. Ab dem 7. Jahrhundert hat es mehrmals Einfälle von Slawen gegeben, in Scampa wurden schwere Zerstörungen durch Brände angerichtet. Der Ort wurde dann wohl verlassen. Es ist unklar, ob unter den Byzantinern eine Siedlung existierte.
Osmanische Periode mini|Römisch-osmanische Stadtmauern
Sultan Mehmeds II. Beiname „der Eroberer“ bezieht sich auf seine Einnahme Konstantinopels und weiter Teile des Balkans für das Osmanische Reich. Während mehrerer Feldzüge gegen die Festung von Kruja in Nordalbanien ließ er 1466 die Stadtmauer wieder aufbauen. Der Ort erhielt seinen heutigen Namen „Elbasan“, der auf Türkisch „starke Festung“ bedeutet. Der im Dienst des osmanischen Sultans reisende Evliya Çelebi hat 1670 mit seinem Seyahatnâme (türk. Reisebuch) überschriebenen Werk eine genaue Beschreibung der damaligen Stadt angefertigt. Er erwähnte drei Eingänge der Stadt mit jeweils doppelten Eisentoren, hinter dem südlichen lag der Basar mit einem Kaffeehaus. Innerhalb der Stadtmauern gab es 460 ein- und zweistöckige Häuser mit Ziegeldächern. Die Stadt insgesamt reichte weit über diesen Bereich hinaus und besaß 1150 Häuser, die als gepflegt inmitten von Weingärten und Parks gelegen beschrieben wurden.Klaus Kreiser (Hrsg.): Evliya Chelebi in Albania and adjactent regions. The relevant sections of the Seyahatname edited with translations, commentary and introduction by Robert Dankoff and Robert Elsie. Vol 5. Leiden, New York und Köln 2000, S. 307 ff. Ausschnitte in Robert Elsie: Early Albania. A Reader of Historical Texts 11th–17th Centuries. Balkanologische Veröffentlichungen Band 39. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2003.
Ende des 17. Jahrhunderts hatte Elbasan etwa 2000 Einwohner. Nach der Niederschlagung mehrerer Aufstände auf dem Balkan ließ der türkische Großwesir Reschid Pascha 1832 einen Großteil der Mauern niederreißen. Dennoch wurden in der Mitte des 19. Jahrhunderts drei Moscheen und eine Kirche erwähnt.
Aufgrund ihrer günstigen Lage entwickelte sich die Stadt im osmanischen Reich zu einem Zentrum für Handel und Handwerk. Neben albanischen und türkischen Kaufleuten siedelten sich auch griechische und slawische Händler an. Handelsgüter im 16. und 17. Jahrhundert waren vor allem Leder, Holz und Silber.
Nationalismus und Unabhängigkeit Albaniens Ab 1870 gab es in Albanien Bestrebungen zur Einführung einer einheitlichen albanischen Schriftsprache. Das in Elbasan entwickelte Alphabet konnte sich aber nicht durchsetzen. Für die Geschichte des Schulsystems im Land spielt Elbasan eine wichtige Rolle. Am 1. Dezember 1909 wurde in der Stadt eine Ausbildungsschule für Lehrer eröffnet, die erste überhaupt in Albanien. Auch der Übertritt einiger Orthodoxer aus Elbasan und Umgebung zum Katholizismus unter Beibehalt des byzantinischen Ritus im Jahr 1895, die Wiederbelebung der Albanischen griechisch-katholischen Kirche, ist im Kontext der albanischen Nationalbewegung Rilindja zu verstehen.
Die muslimische Mehrheit in der Stadt weigerte sich 1914, die Herrschaft des deutschstämmigen, christlichen Fürsten Wilhelm zu Wied über Albanien anzuerkennen.
Stadtbild Die einstige Stadtmauer mit elf Metern Höhe wurde durch 26 regelmäßig angeordnete und aus der Wand hervorspringende Türme verstärkt. Die osmanische Altstadt mit ihren gewundenen Gassen im Zentrum des modernen Straßenplans ist erkennbar und konnte etwas orientalischen Charakter bewahren. Von der Stadtmauer ist praktisch nur noch der südliche Teil mit dem einstigen Nebentor erhalten.
Rund 100 Meter nördlich im Zentrum der Altstadt liegt die Königsmoschee () aus dem Jahr 1492, eine der ältesten in Albanien erhaltenen Moscheen. Es ist ein unauffälliger, nahezu quadratischer Bau mit flachem Holzdach. Unter einem weißen Farbanstrich ist ein sorgfältiges Schachtelmauerwerk erkennbar. Diese Technik wurde dem früheren Kirchenbau entlehnt. Der bereits erwähnte Evliya Çelebi fand 1670 die Moschee außen vollständig bemalt mit religiösen Gedichten in feinster Kalligraphie, noch bis in die 1960er Jahre waren die Wände bedeckt mit roter arabischer Schrift. Es gab weitere Moscheen aus dem 17. Jahrhundert wie die Blaue Moschee, die bei der Atheismuskampagne Ende der 1960er Jahre zerstört wurden. Die Königsmoschee hat diese Zeit unter anderem als politischer Versammlungsraum überlebt.
Nicht weit entfernt liegt die Kathedrale der Heiligen Maria (alb. Katedralja e Shën Merisë), eine dreischiffige Basilika von 1833 mit sehenswerter Ikonostase aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der an Nord- und Südseite angebaute Portikus lassen das Gebäude noch breiter erscheinen.
Das Hamam (türkisches Badehaus) außerhalb der Stadtmauer neben dem Hotel Scampi bestand schon Ende des 17. Jahrhunderts, damals von engen Ladenstraßen umgeben lag das Bad innerhalb des Wochenmarktes. Im 19. Jahrhundert wurde es renoviert und war bis in die 1940er Jahre in Gebrauch. Außen in gutem Zustand, erübrigt sich eine Beschreibung der Innenräume. Es wurde nach 1990 zu einem Restaurant umgebaut.
Rund einen Kilometer südlich der Burg liegt die Naziresha-Moschee aus dem 16. Jahrhundert. Zerstört durch die kommunistische Diktatur wurde der Namazgjah, der erste Gebetsplatz des Landes.
Kultur Das Ethnographische Museum (alb. Muzeu Etnografik), in einem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert untergebracht, zeigt traditionelles Handwerk aus osmanischer Zeit. Das Archäologische Museum (alb. Muzeu Arkeologjik) befindet sich in der Südwestecke der Altstadt.
Die Stadt ist berühmt für das Frühlingsfest Dita e Verës, für das das süße Gebäck ballokumja gebacken wird.
Sport Der lokale Fußballklub KF Elbasani wurde 2022 aufgelöst. Der Nachfolgeverein AF Elbasani spielt seit der Saison 2024/25 in der höchsten Liga, nachdem er sich innert drei Jahren von der vierten Liga hochgearbeitet hatte.
Die Elbasan Arena (früher Ruzhdi-Bizhuta-Stadion) wurde 2014 renoviert und wurde ab 2016 für zahlreiche Länderspiele der Fußballnationalmannschaft genutzt, nachdem das Nationalstadion in Tirana abgerissen worden und der Neubau noch nicht fertiggestellt war. Seit Eröffnung des Air Albania Stadium finden kaum mehr wichtige Partien in Elbasan statt. Elbasan war Gastgeber für vier Partien der U-17-Fußball-Europameisterschaft 2025 und wird Austragungsort der U-21-Fußball-Europameisterschaft 2027 sein.
Politik mini|130x130px|Das Stadtwappen
Elbasan ist Amtssitz einer Bashkia, die als Verwaltungseinheit die Stadt und weitere Umgebung mit anderen Ortschaften umfasst. Die Stadt selber ist in sechs Bezirke, genannt „Rayons“ (alb. Rajon), unterteilt, die sich wiederum in mehrere Viertel (alb. Lagja) teilen. Insgesamt gibt es 21 Stadtviertel. Als politische Organe besitzt die Bashkia unter anderem den Bürgermeister (alb. Kryebashkiaku), der von der örtlichen Bevölkerung für eine Legislaturperiode von vier Jahren gewählt wird. Bei den Wahlen 2011 und 2015 wurde Qazim Sejdini (PS) in seinem Amt bestätigt. Er wurde 2007 erstmals zum 22. Bürgermeister von Elbasan gewählt. Auf ihn folgte 2019 Gledian Llatja (PS), der 2023 wiedergewählt wurde. Eine wichtige politische Rolle übernimmt zudem der Stadtrat (alb. Këshilli Bashkiak). Er besteht aus 51 Mitgliedern und hat legislative Funktionen.
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