mini|hochkant|Angela Winkler, 2009 Angela Winkler (* 22. Januar 1944 in Templin) ist eine deutsche Theater- und Filmschauspielerin, die unter anderem durch ihre Auftritte im Neuen Deutschen Film bekannt wurde. Für ihre Titelrolle in Die verlorene Ehre der Katharina Blum erhielt sie 1976 das Filmband in Gold.
Herkunft und Laufbahn Angela Winkler wuchs als mittleres von fünf Kindern in Templin und Erlangen auf. Ihre Mutter war Hamburgerin und hatte Klavier und Gesang studiert; ihr Vater kam 1949 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Von 1954 bis 1962 besuchte Winkler in Erlangen das Gymnasium. Mit siebzehn Jahren brach sie die Schule ab, um Schauspielerin zu werden. Zunächst absolvierte sie eine Ausbildung als medizinisch-technische Assistentin in Stuttgart. 1964 begann sie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart ein Schauspielstudium, das jedoch bereits nach zwei Monaten endete.Die Schauspielerin Angela Winkler, 67, über ihre Scheu und das Leben auf dem Land, KulturSpiegel 7/2011 Auf Vermittlung ihrer Mitstudenten kam sie nach München und nahm Schauspielunterricht bei Ernst Fritz Fürbringer und Hanna Burgwitz. Ihre Reifeprüfung bestand sie bei der Bühnengenossenschaft.
1967 erhielt Angela Winkler ihr erstes Theaterengagement in Kassel, anschließend spielte sie in Castrop-Rauxel. Nachdem Winkler bereits in Fernsehfilmen mitgewirkt hatte, gab sie 1969 ihr Leinwanddebüt als Dienstmädchen Hannelore in Peter Fleischmanns Filmdrama Jagdszenen aus Niederbayern. Über diesen entdeckte der Theaterregisseur Peter Stein sie für die Berliner Schaubühne, wo Winkler von 1971 bis 1978 spielte.Angela Winkler bei der Berliner Schaubühne, abgerufen am 7. März 2025
Ihr nächster Film, Die verlorene Ehre der Katharina Blum von Volker Schlöndorff und Margarethe von Trotta nach einer Erzählung von Heinrich Böll, machte sie 1975 bei Kritikern und Publikum zum Schauspielstar des Neuen Deutschen Films. Für ihre Darstellung der Katharina Blum erhielt sie 1975 den Deutschen Kritikerpreis und wurde 1976 mit dem Filmband in Gold ausgezeichnet. 1979 spielte sie die Mutter von Oskar Matzerath in Schlöndorffs oscarprämierter Filmadaption Die Blechtrommel des gleichnamigen Romans von Günter Grass und wurde damit auch international bekannt.
Zwischenzeitlich konzentrierte sich Winkler auf die Theaterarbeit und erschien nur selten auf der Leinwand oder im Fernsehen. Unter anderem arbeitete sie mit Peter Zadek, der sie 1999 als Hamlet und 2004 als Mutter von Peer Gynt am Berliner Ensemble besetzte. In den 2010er Jahren trat sie wieder öfter in Filmen auf, unter anderem in Tom Tykwers Komödie Drei (2010), Matti Geschonnecks Literaturverfilmung In Zeiten des abnehmenden Lichts (2017) und Luca Guadagninos Neuverfilmung (2018) des Horrorklassikers Suspiria. Im Fernsehen stand Winkler in den letzten Jahren für mehrere Krimireihen vor der Kamera und spielte in der ersten deutschen Netflix-Serie, Dark (2017), die Rolle der Großmutter Ines Kahnwald.
Im Jahr 2008 hielt Winkler anlässlich der Gedenkstunde zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in Vertretung von Lenka Reinerová eine Rede vor dem Deutschen Bundestag. Seit 2010 ist sie Mitglied der Akademie der Künste Berlin.
2010 trat Winkler mit Max Raabe, Thomas Quasthoff und Udo Samel mit dem Volkslieder-Programm Die Gedanken sind frei auf. 2011 erschien ihr Musikalbum Ich liebe dich, kann ich nicht sagen, auf dem sie unter anderem Chansons von Barbara und Édith Piaf und Songs von Sophie Hunger und Element of Crime interpretiert.
Privates Angela Winkler lebt mit dem Bildhauer Wigand Witting in Berlin und Frankreich und ist Mutter von vier Kindern. Ihre Tochter Nele wurde mit einem Down-Syndrom geboren; sie ist ebenfalls Schauspielerin und tritt im Berliner RambaZamba-Theater auf. Ihr Sohn Lasse Winkler ist DJ, Sänger und Musikproduzent, macht Club- und Popmusik und arbeitet auch als Theatermusiker.
Filmografie (Auswahl)
Theater 1996: Der Kirschgarten von Anton Tschechow (Burgtheater, Wien) – Regie: Peter Zadek 1999: Hamlet von William Shakespeare (Wiener Festwochen) – Regie: Peter Zadek 2000: Rosmersholm von Henrik Ibsen (als Rebekka West, am Burgtheater, Wien) – Regie: Peter Zadek – Nominierung zum Nestroy-Theaterpreis Beste Schauspielerin 2002: Anatol von Arthur Schnitzler (als Gabriele, am Burgtheater, Wien) – Regie: Luc Bondy 2003: Die Nacht des Leguan von Tennessee Williams (als Hannah Jelkes, am Burgtheater, Wien) – Regie: Peter Zadek 2003: Mutter Courage und ihre Kinder von Bertolt Brecht (als Mutter Courage, am Deutschen Theater Berlin) – Regie: Peter Zadek 2004: Peer Gynt von Henrik Ibsen (als Aase, am Berliner Ensemble) – Regie: Peter Zadek 2005: Ein Wintermärchen von William Shakespeare (als Paulina, am Berliner Ensemble) – Regie: Robert Wilson 2007: Die Dreigroschenoper von Bertolt Brecht (als Jenny, am Berliner Ensemble) – Regie: Robert Wilson 2011: Lulu nach Frank Wedekind (als Lulu, am Berliner Ensemble) – Regie: Robert Wilson 2015: Faust I und II von Johann Wolfgang von Goethe (als Stimme von Homunkulus, am Berliner Ensemble) – Regie: Robert Wilson 2021: Eurotrash von Christian Kracht (als Mutter, an der Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin) – Regie: Jan Bosse 2021 und 2022: Jedermann von Hugo von Hofmannsthal (Mutter von Jedermann), Salzburger Festspiele – Regie: Michael Sturminger
Hörspiele 2002: Volker Braun: Die 14. Provinz – Regie: Barbara Plensat (Hörspiel – SFB-ORB) 2013: E. M. Cioran: Vom Nachteil, geboren zu sein – Regie: Kai Grehn (Hörspiel – SWR) 2015: Astrid Litfaß: Aus dem Leben der Nachtmulle (Monika) – Regie: Andrea Getto (Hörspiel – RBB) 2018: Etel Adnan: Nacht – Bearbeitung: Klaudia Ruschkowski und Giuseppe Maio, Regie: Giuseppe Maio (Hörspiel – DLF)
Auszeichnungen 1975: Deutscher Kritikerpreis in der Sparte Film 1976: Deutscher Filmpreis als Beste Darstellerin in Die verlorene Ehre der Katharina Blum 1987: Kulturpreis der Stadt Erlangen 1996: Kainz-Medaille der Stadt Wien für ihre Rolle in Der Kirschgarten 1999: Nominierung Deutscher Fernsehpreis als Beste Schauspielerin Nebenrolle in Die Bubi-Scholz-Story 1999: Schauspieler des Jahres der Zeitschrift Theater heute 2001: Nominierung Nestroy-Theaterpreis als Beste Schauspielerin als Rebekka West in Rosmersholm 2001: Gertrud-Eysoldt-Ring für Beste Schauspielerin als Rebekka West in Rosmersholm 2015: Auszeichnung der Deutschen Akademie für Fernsehen in der Kategorie Schauspielerin Nebenrolle für Das Gewinnerlos 2019: Deutscher Schauspielpreis – Theaterpreis 2023: Götz-George-Preis 2024: Deutscher Hörbuchpreis in der Kategorie Beste Unterhaltung zusammen mit Adriana Altaras für Besser allein als in schlechter Gesellschaft.
Filmdokumentation 2011: Einfach und Stolz – Die Schauspielerin Angela Winkler. 85 Min., Regie: Christoph Rüter. * Inhaltsangabe bei Christoph Rüter Filmproduktion
Publikationen 2019: Mein blaues Zimmer: Autobiographische Skizzen, gemeinsam mit Brigitte Landes, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2019, ISBN 978-3-462-04823-0
Literatur Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag GmbH, München • Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 1116. Danielle Krüger: Angela Winkler – Schauspielerin. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 1, 1984. C. Bernd Sucher (Hrsg.): Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel und Marietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1999, ISBN 3-423-03322-3, S. 774 f. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 8: T – Z. David Tomlinson – Theo Zwierski. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 420.
Weblinks
Angela-Winkler-Archiv im Archiv der Akademie der Künste, Berlin
Angela Winkler Biographie bei deutsches-filmhaus.de Angela Winkler bei der Agentur Denis-Winkler & Frey
Einzelnachweise
Kategorie:Träger des Kulturpreises der Stadt Erlangen Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Hörspielsprecher Kategorie:Träger der Kainz-Medaille Kategorie:Träger des Deutschen Filmpreises Kategorie:Mitglied der Akademie der Künste (Berlin) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1944 Kategorie:Frau Kategorie:Mitglied der Deutschen Filmakademie