Die dOCUMENTA (13) war die dreizehnte Ausgabe der documenta, einer der weltweit bedeutendsten Ausstellungen für zeitgenössische Kunst. Sie fand vom 9. Juni bis zum 16. September 2012 in Kassel unter der künstlerischen Leitung von Carolyn Christov-Bakargiev statt und hatte 904.992 Besucher. Die Ausstellung stand unter dem Leitmotiv ( für Zusammenbruch und Wiederaufbau).Geheimnis gelüftet: „Zusammenbruch und Wiederaufbau“ wird documenta-Leitmotiv. In: hna.de. 2. Juli 2011, abgerufen am 20. Mai 2020. Satelliten der Ausstellung befanden sich in Afghanistan mit Kabul und Bamiyan (9. Juni bis 16. September 2012), in Ägypten mit Alexandria und Kairo (1. Juni bis 8. Juli 2012) und dem kanadischen Banff (2. August bis 15. August 2012).

Die Documentaleitung veröffentlichte die Namen von über 300 Teilnehmern. Davon trugen 187 Künstler und Künstlergruppen mit allen Formen künstlerischer Äußerungen, wie Bilder, Druckgrafiken, Skulpturen, Performances, Installationen, Filmen und Environments, zu der Ausstellung bei. Weitere 108 Teilnehmer waren durch Vorträge, Seminare, Kongresse, Dichterlesungen oder Schriften in der Documenta-Reihe 100 Notizen – 100 Gedanken beteiligt. miniatur|hochkant=1.6|Museum Fridericianum mit dOCUMENTA (13)-Beflaggung

Leitungsteam miniatur|hochkant|links|Carolyn Christov-Bakargiev (2010) Als künstlerische Leiterin wurde die US-amerikanische Kuratorin Carolyn Christov-Bakargiev ausgewählt, sie war Chefkuratorin des Castello di Rivoli – Museo di Arte Contemporanea in Turin und war 2008 auch Leiterin der Biennale of Sydney.

Projektleiterin ist die Kunsthistorikerin Christine Litz. Ihr obliegt es, die Konzepte der Leiterin Carolyn Christov-Barkagiev und ihrer Kuratoren umzusetzen.Süddeutsche Zeitung vom 7. Dezember 2009: Ab Juni 2012 wurde Litz als Direktorin an das Museum für Neue Kunst (Freiburg im Breisgau) berufen und Jenny Dirksen und Christoph Platz übernahmen die Leitung der Abteilung sowie die Abwicklung der Ausstellung. Die kuratorische Abteilung übernahm die spanische Kunsthistorikerin Chus Martínez. Sie ist gleichzeitig Mitherausgeberin der Schriftenreihe 100 Notizen – 100 Gedanken. Bevor sie 2009 Kuratorin am Museu d’Art Contemporani de Barcelona wurde, war sie Leiterin des Frankfurter Kunstvereins.

Als Leiterin der Publikationsabteilung wurde die in New York lebende deutsche Autorin und Publizistin Bettina Funcke benannt. Sie ist gleichzeitig Mitherausgeberin der Schriftenreihe 100 Notizen – 100 Gedanken. Sie war bis 2007 Redakteurin bei der Dia Art Foundation (heute Dia Center for the Arts) und von 2007 bis 2010 leitende Redakteurin bei der New Yorker Ausgabe der Kunstzeitschrift Parkett. Sie ist Mitbegründerin von The Leopard Press und dem Continuous Project Kollektiv. Mit der Publikation der Schriften wurde der Hatje Cantz Verlag beauftragt.

Für die organisatorische Abwicklung ist – seit 1996 – der Geschäftsführer der documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs-GmbH Bernd Leifeld verantwortlich.

Die Ausstellung wurde am 9. Juni 2012 durch Bundespräsident Joachim Gauck eröffnet.

Findungskommission Am 3. Dezember 2008 wurde der Auswahlprozess für die künstlerische Leitung der kommenden documenta abgeschlossen. Der Vorschlag der neunköpfigen Findungskommission wurde vom Aufsichtsrat der documenta einstimmig bestätigt. Die Findungskommission der documenta 13 bestand aus: Iossif Markowitsch Bakschtein – Direktor des Instituts für Probleme der modernen Kunst Moskau Manuel J. Borja-Villel – Direktor Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia Madrid Kathy Halbreich – Stellvertretende Direktorin Museum of Modern Art New York Paulo Herkenhoff – Freier Kurator und bis 2006 Direktor des Museu Nacional de Belas Artes in Rio de Janeiro Oscar Ho – Direktor MA Programme in Cultural Management, Chinesische Universität Hongkong Udo Kittelmann – Direktor Museum für Moderne Kunst Frankfurt/Main Kasper König – Direktor Museum Ludwig, Köln Elizabeth Ann Macgregor – Direktorin Museum of Contemporary Art Sydney Rein Wolfs – Künstlerischer Leiter der Kunsthalle Fridericianum Kassel

Schreibweise als Logo miniatur|Hinweisschilder vor dem Fridericianum miniatur|101 013–1 der Deutschen Bahn AG mit Werbeaufschrift im Hauptbahnhof Mannheim am 14. März 2012

Im April 2010 wurde die „visuelle Identität“ der 13. documenta vorgestellt. Sie wurde von der Mailänder Grafikdesign-Agentur Leftloft entwickelt. Diese documenta verzichtet auf ein traditionelles Logo. Stattdessen wird die Schreibweise des Wortes als Symbol genutzt. Der Name wird am Anfang mit einem kleinen d geschrieben, die folgenden Buchstaben sind Großbuchstaben, gefolgt von der in Klammern gesetzten 13. Eine einheitliche Schriftart gab es nicht, diese variierte je nach Anwendung.

Die Grafikdesigner schrieben zu ihrem Entwurf:

Die künstlerische Leiterin, Carolyn Christov-Bakargiev, verwies auf die Tradition der Kleinschreibung der documenta seit ihrem Beginn in den 1950er Jahren und bemerkte:

Leitmotiv Das Leitmotiv der dOCUMENTA (13) lautet Zusammenbruch und Wiederaufbau (engl. ). Es wurde rund ein Jahr vor Beginn der Ausstellungseröffnung offiziell vorgestellt. Es bezieht sich zum einen auf die Geschichte der Stadt Kassel in den letzten 60 Jahren, in denen nach der Vernichtung durch die Bombardierung im Zweiten Weltkrieg der – bis heute nicht abgeschlossene – Wiederaufbau erfolgte. Mehrere Arbeiten, wie das Projekt trail von Natascha Sadr Haghighian, nehmen ganz unmittelbar auf das Leitmotiv Bezug. Die Künstlerin stellt eine Leiter an die Begrenzungsmauer der Straße Schöne Aussicht, über die die Besucher einen steilen Abhang erreichen, der 1955 aus Kriegstrümmern der Henschel-Werke aufgeschüttet wurde. Über ihn führt ein schmaler, unbefestigter und nicht ungefährlicher Pfad zum Talgrund der Karlsaue. Zum anderen, virulent, ist das Leitmotiv für den Ausstellungsort Kabul, das dort um die Bedingungen Belagerungszustand, Hoffnung, Rückzug und Bühne erweitert wurde.Andrea Viliani: Kabul – Bamiyan. In: Das Begleitbuch, Documenta 13, Hatje Cantz, 2012, S. 456

Eröffnung Am 21. Juni 2010, zwei Jahre vor Eröffnung der dOCUMENTA (13), wurde – entgegen der üblichen Gepflogenheiten – bereits die erste Arbeit öffentlich eingeweiht. Die Skulptur Idee di Pietra („Ansichten eines Steins“) von Giuseppe Penone, ein Vertreter der Arte Povera und mehrfacher documenta-Teilnehmer, wurde am Rande der Karlsaue aufgestellt. Die Arbeit war bereits auf der 16. Biennale of Sydney, die Carolyn Christov-Bakargiev 2008 kuratiert hatte, präsentiert worden. Es handelt sich um eine fast neun Meter hohe Bronzeskulptur in der Form eines Baumes, in deren oberem Teil ein großer Stein ruht. Neben der Skulptur wächst ein kleiner, echter, junger Baum. Penone war selbst anwesend und stellte seine Arbeit vor:

Bewusst war der Tag der Sommersonnenwende als Datum für die Veranstaltung gewählt worden. Die Verantwortlichen betrachteten die Aktion als einen Beitrag zur Geschichte der Außenskulptur im Rahmen der documenta-Ausstellungen und sahen in ihr insbesondere auch eine Einstimmung auf die in zwei Jahren stattfindende offizielle Eröffnung.

Am 9. Juni 2012 eröffnete der damalige Bundespräsident Joachim Gauck die Kunstausstellung.

Teilnehmende Kunstschaffende miniatur|hochkant|Giuseppe Penones Idee di Pietra

Ausstellungsorte

Die dOCUMENTA (13) umfasst neben Ausstellungsorten im gesamten Stadtraum von Kassel und in der Umgebung, auch Orte außerhalb Europas. In Kassel sind Kunstwerke an so zahlreichen unterschiedlichen Plätzen zu sehen, wie bei keiner anderen Documenta zuvor. Neben öffentlichen Gebäuden wie der Handwerkskammer, der Zentralbibliothek und dem Ständehaus, wurden auch private Kinos, Kaufhäuser und Hotels einbezogen. Die meisten Künstlerpräsentationen konzentrieren sich um den Friedrichsplatz, den Kulturbahnhof (Hauptbahnhof) und in der Karlsaue.

Ausstellungsorte in Kassel und Umgebung: Das Museum Fridericianum ist mit Werken von 32 Künstlern wieder Mittelpunkt der Documenta. Zusätzlich werden in der Rotunde 28 plastische Arbeiten oder artifizielle Objekte gezeigt, unter anderem von Judith Hopf, Man Ray und Lawrence Weiner. Die documenta-Halle wird, neben frühen Zeichnungen von Gustav Metzger, die verdeckt in Schaukästen in der Vorhalle präsentiert werden, vor allem durch Arbeiten von Thomas Bayrle geprägt. Zwischen einem 8 Meter × 25 Meter messenden Papprelief Carmageddon auf der linken Wand und dem 8 Meter × 13,4 Meter messenden Flugzeug von 1982 bis 1983 stellte der Künstler aufgeschnittene Automotoren auf. Der Lärm der sieben Motoren wird aus Lautsprechern von eintönigen, sich immer wiederholenden Gebeten begleitet, die Bayrle in Frankfurter Kirchen aufgenommen und rhythmisiert hat. Es ist die größte Einzelpräsentation die bisher in der documenta-Halle zu sehen war.Michael Hierholzer: Maschinenrhythmus und Meditation. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. Juni 2012, S. 37 Ottoneum Karlsaue In der Neuen Galerie werden 18 künstlerische Positionen ausgestellt. Die Künstlerin Andrea Büttner zeigt in ihrem vorderen Raum neben zwei monochromen Farbflächen drei archaische, großformatige Holzschnitte. Im zweiten Raum zeigt sie unter anderem ein Video, das sich auf eine umfangreiche Recherche zu den Arbeiten des Ordens Kleine Schwestern Jesu im Vergnügungspark von Ostia bei Rom bezieht und bei der zwei Ordensangehörige über ihre Arbeit berichten.Konstanze Krüwell: Bescheidenes Glück im Vergnügungspark. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 1. Juli 2012, S. R5 Kassel Hauptbahnhof Das Gloria-Kino ist – wie auch bei der Documenta 12 – Vorführungsort des Filmprogramms. Tagsüber wird eine Diainstallation von Trisha Donnelly gezeigt. Ehemaliges Elisabeth-Krankenhaus (Oberste Gasse 4) Nie realisierte Moschee (Untere Karlsstr. 14) Im lichtlosen Bode-Saal des Hugenottenhauses Kassel zeigt Tino Sehgal eine viel beachtete Performance. Die eintretenden Besucher werden von 12 Akteuren, einzeln oder in kleinen Gruppen, umgeben, die sie hör- und fühlbar singend, summend, kriechend, schnalzend in einem choreografisch festgelegten Grundrhythmus umtanzen und dabei versuchen, die Eingetretenen in das Geschehen einzubeziehen.Karlheinz Schmid: Seitenwechsel – Tino Sehgals dunkles Geheimnis. In: Kunstzeitung, Ausgabe August 2012, S. 7 Hugenottenhaus Kassel ehemaliges Kino Kaskade Verschiedene Orte in der Kasseler Innenstadt Gedenkstätte Kloster Breitenau in Guxhagen

Weitere Ausstellungsorte: Kabul und Bamiyan in Afghanistan Alexandria und Kairo in Ägypten im Banff Centre in Kanada fand Anfang August 2012 mit The Retreat (Klausur, Rückzug) ein zweiwöchiges Seminar statt, in dem sich Autoren, Kuratoren und Künstler – darunter Teilnehmer der dOCUMENTA (13) – zu einem gemeinsamen Meinungs- und Ideenaustausch und dem Hören von Vorträgen trafen. Zu den Teilnehmern gehörte – neben Chefkuratorin Carolyn Christov-Bakargiev – die Künstler Pierre Huyghe, Brian Jungen und Claire Pentecost. Organisiert wurde das Banff Centre von Carolyn Christov-Bakargiev, Kitty Scott, Imre Szeman und Heather Zwicker.CCLA The Retreat: A Position of dOCUMENTA (13) Banff Research in Culture 2012 abgerufen am 21. Februar 2019 (englisch)

Streit im Vorfeld mini|hochkant|Die Plastik im Turm der St.-Elisabeth-Kirche während der dOCUMENTA (13)