Gransee []Duden - Das Aussprachewörterbuch, 7. Auflage, Berlin 2015, S. 414., auch [] ist eine Stadt im Landkreis Oberhavel in Brandenburg. Sie ist Verwaltungssitz des Amtes Gransee und Gemeinden.

Geographie Die Stadt liegt nördlich von Berlin im Ruppiner Land auf einer Grundmoränenplatte und südlich der Sanderflächen der Mecklenburgisch-Brandenburgischen Seenplatte.

Der Ortsteil Dannenwalde liegt im Naturpark Uckermärkische Seen zwischen Kleinem Wentowsee und Großem Wentowsee. Es gehörte bis 1950 als Teil des Fürstenberger Werders zum „Land Stargard“ in Mecklenburg-Strelitz und war damit die erste Eisenbahnstation in Mecklenburg auf der Reise von Berlin zur Ostsee (Berliner Nordbahn). Der Ortsteil Gramzow ist ebenfalls Teil des bis 1950 mecklenburgischen Fürstenberger Werders.

Nachbargemeinden Gransee grenzt im Norden und Osten an die Stadt Fürstenberg/Havel, im Osten an die Stadt Zehdenick, im Süden an die amtsfreie Gemeinde Löwenberger Land und im Westen an die amtsangehörigen Gemeinden Sonnenberg, Schönermark und Großwoltersdorf.

Stadtgliederung Zur Stadt gehören laut ihrer Hauptsatzung 14 Ortsteile:Hauptsatzung der Stadt Gransee vom 30. März 2009 Altlüdersdorf Buberow ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Historische Dorfkerne im Land Brandenburg“. Dannenwalde Gramzow Kraatz Margaretenhof Meseberg Neulögow Neulüdersdorf Seilershof Wendefeld Wentow Ziegelei Ziegelscheune

Hinzu kommen die Wohnplätze Eichholz, Fischerwall, Ilseberg, Karlshof, Katharinenhof, Kraatz-Ausbau, Kraatz-Siedlung, Kraatzer Plan, Kreuzkrug, Lindenhof, Plan, Polzower Wachthaus und Waldhof.

Geschichte Der Name Gransee kommt aus dem Althochdeutschen (Mittelniederdeutschen) von grans für Schnabel, Spitze, Horn, oder, was weniger wahrscheinlich ist, grand/grant für Kies, Sand. Der zweite Teil des Namens dürfte vom mittelniederdeutschen oie oder altniederdeutschen ouwie für Aue, Land am Wasser oder Insel stammen. Im Jahr 1262 schrieb sich Gransee Grasoyge, 1267 Gransoye, 1285 und 1290 Granzoye, 1302 Granzogefratres minores in Granzoge (3. Mai 1302) nach P. Riedel, D. Schumann: Gransee - Franziskaner, in: Brandenburgisches Klosterbuch 2007, Bd. 1, S.&3;536–542, 1333 Granzowe und 1373 Gransoge. Im Jahr 1499/1500 erschien dann Cransehe.Ernst Eichler: Städtenamenbuch der DDR. Leipzig 1988, S. 116

mini|hochkant=2|Ansicht der Stadt Gransee um 1840 Archäologische Funde belegen, dass das Gebiet der heutigen Stadt Gransee bereits zur Bronzezeit besiedelt war. Das Schwert von Gransee wird auf die mittlere Bronzezeit (1600–1300 v. Chr.) datiert.H. Wüstemann: Schwerter in Ostdeutschland, in: Prähistorische Bronzefunde, Abt. IV, Bd. 15, Stuttgart 2004 Bei Stadterneuerungsarbeiten wurden Urnen aus der jüngeren Bronzezeit (1300–800 v. Chr.) unter dem Straßenpflaster gefunden.J. Kleemann: Unter dem Pflaster. Urnen der jüngeren Bronzezeit in Gransee in: Jahrbuch "Archäologie in Berlin und Brandenburg" 2003, Stuttgart 2004, S. 67

Zwischen 600 v. Chr. bis zur Zeitenwende war rund um Gransee die Jastorfkultur verbreitet, eine prägermanische Kultur, aus der sich ein germanischer Stammesverband entwickelte, der von den Römern Sueben genannt wurde. Mit dem beginnenden Zerfall des weströmischen Reiches und dem Einfall der Hunnen bei den Ostgoten in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts setzte die Völkerwanderung ein, bei der viele germanische Stämme ihre angestammten Gebiete verließen und Richtung Westen und Süden zogen. Ihnen folgten Mitte des 6. Jahrhunderts Slawen von östlich der Oder (Sukow-Szeligi-Gruppe) und die Slawen der sogenannten Prager-Gruppe, die sich zwischen Elbe und Oder niederließen und aus denen sich die Abodriten und die Havel-Spree-Stämme entwickelten. Der heutige Ortsteilname Wendefeld verweist auf das frühere Vorhandensein slawischer Stämme in der Umgebung von Gransee.

Mit der endgültigen Eroberung der Burg Brandenburg durch Albrecht den Bären 1157 wurde der Weg geebnet für deutsche Siedler aus Gebieten westlich der Elbe und die Verdrängung bzw. Assimilation der bisher hier ansässigen Slawen vom Stamme der Heveller und Sprewanen. Von seinem Sohn Otto I. von Brandenburg und dessen Nachfolgern wurde die Mark Brandenburg bis an die Oder ausgedehnt, was eine Voraussetzung für Kloster- und Stadtgründungen war.

Vermutlich ist die Stadt, die mit dem Recht der Altstadt Brandenburg ausgestattet wurde, um 1200 an der Kreuzung wichtiger Handelsstraßen entstanden. Gransee erlangte 1262 Stadtrecht und Zollfreiheit, 1319 wurde Gransee an die Grafen von Lindow-Ruppin verpfändet und in der Folge ein Teil der Herrschaft Ruppin. Im selben Jahr ist auch die erste Ratsverfassung nachgewiesen. Die Stadt wurde ab dieser Zeit als Grenzstadt zum nördlich gelegenen Mecklenburg und zur Uckermark stark befestigt. Ab 1330 wurde mit dem Bau einer Ringmauer mit 35 Wiekhäusern sowie der Anlage von Wallgräben begonnen, die später durch das Zehdenicker Tor, das Ruppiner Tor, Warttürme und Pulvertürme ergänzt wurden.

Im Jahr 1316 fand die Schlacht bei Gransee statt, bei der sich Brandenburg auf der einen und Dänemark und Mecklenburg auf der anderen Seite im Streit um das Land Stargard gegenüberstanden. Die Stadt bewohnten überwiegend Ackerbürger und Handwerker. Als Gransee den Falschen Waldemar einziehen ließ, fiel die Stadt beim Markgrafen Ludwig in Ungnade und musste die Stadttore vermauern. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurde ein Franziskanerkloster gegründet, welches 1541 im Zuge der Reformation aufgelöst wurde. Gransee kam 1524 als Teil der Herrschaft Ruppin an die Mark Brandenburg. Mehrere Stadtbrände (1604, 1621) und der Dreißigjährige Krieg fügten der Stadt schwerste Schäden zu. Ein Stadtbrand am 19. Juni 1711 war so verheerend, dass Gransee mit neuem Stadtgrundriss neu aufgebaut wurde. Von der Industrialisierung im 18./19. Jahrhundert blieb die Stadt, die nun zum Kreis Ruppin gehörte, weitestgehend unberührt, so dass das mittelalterliche Stadtbild trotz mehrerer Stadtbrände erhalten blieb.

Am 10. Juli 1877 wurde die Berliner Nordbahn eröffnet, wodurch Gransee eine schnelle und direkte Eisenbahnanbindung nach Berlin, Neustrelitz und Neubrandenburg erhielt. Die Fahrt mit der Eisenbahn bis nach Stralsund war 1878 möglich und mit der Eröffnung der Lloydbahn 1886 auch bis Rostock. Vom Bahnhof Gransee führte die Stechlinseebahn ab 1930 bis nach Neuglobsow. Anfang der 1950er Jahre fuhr die Bahn noch zwischen Gransee und Großwoltersdorf. Die Strecke wurde 2006 komplett abgebaut.

Ab 1859 bestand das Kreisgericht Neuruppin mit einer Zweigstelle (Gerichtskommission) in Gransee, welche 1879 aufgehoben wurde und es entstand das Amtsgericht Gransee, Dieses wurde wiederum 1952 aufgehoben und das Kreisgericht Gransee gebildet. Es wurde 1992 in Kreisgericht Zehdenick umbenannt. Bis Ende 1999 bestand eine Zweigstelle Gransee des Amtsgerichts Zehdenick.

Zwischen 1952 und 1993 war Gransee Verwaltungssitz des Kreises Gransee (bis 1990 im DDR-Bezirk Potsdam) und gehört seitdem zum Landkreis Oberhavel.

Am 14. August 1977 kam es in einem nahegelegenen Munitionslager der Roten Armee zur „Raketenkatastrophe von Dannenwalde“. Durch einen Blitzschlag starteten unkontrolliert mehrere Hundert sowjetische Katjuscha-Raketen und richteten im Umkreis bis zu 20 Kilometern erheblichen Sachschaden an, obwohl sie nicht mit Zündern ausgestattet waren. Opfer unter der ostdeutschen Bevölkerung gab es keine; die Verluste unter den sowjetischen Soldaten werden auf 70 Tote geschätzt. Die genauen Umstände und die Zahl der sowjetischen Opfer sind bis heute nicht genau bekannt.

Am 13. Februar 1997 wurden Altlüdersdorf, Kraatz-Buberow (Zusammenschluss von Buberow und Kraatz am 1. Januar 1974), Meseberg und Neulögow eingemeindet. Am 27. September 1998 folgte Seilershof. Dannenwalde wurde am 1. Januar 2003 eingegliedert.

Gemeindegebietsveränderungen Seit 1938 fanden auf dem heutigen Gebiet der Stadt Gransee fünf Gemeindegebietsveränderungen statt. In vier Fällen handelte es sich um Eingemeindungen, in einem Fall um eine Gemeindeneugründung.

Wirkungsdatum Aufgelöste Gemeinde Aufnehmende Gemeinde Art der Veränderung 01.01.1938NeulüdersdorfAltlüdersdorfEingemeindung 01.01.1974BuberowKraatzKraatz-BuberowGemeindeneugründung 13.02.1997AltlüdersdorfKraatz-BuberowMesebergNeulögowGransee, StadtEingemeindung 27.09.1998SeilershofGransee, StadtEingemeindung 01.01.2003DannenwaldeGransee, StadtEingemeindung

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 3.470 1890 3.982 1910 4.100 1925 4.044 1933 4.291 1939 4.521 Jahr Einwohner 1946 6.092 1950 5.865 1964 5.274 1971 5.302 1981 5.635 1985 5.477 Jahr Einwohner 1990 5.229 1995 4.904 2000 6.540 2005 6.405 2010 5.974 2015 5.814 Jahr Einwohner 2020 5.849 2021 5.877 2022 5.919 2023 5.899 2024 5.868 2025 5.828

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberhavel (PDF) S. 14–17Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember). Ab 2011 auf Basis des Zensus 2011. Ab 2022 auf Basis Zensus 2022Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022

Politik Stadtverordnetenversammlung Die Stadtverordnetenversammlung von Gransee besteht aus 18 Stadtverordneten und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 61,7 % (2019: 53,8 %) zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 31,7 % 6 30,6 % 6 AfD – – 23,6 % 4 SPD 27,2 % 5 18,4 % 3 Wählergemeinschaft Granseer Land 18,7 % 3 12,0 % 2 Die Linke 13,4 % 2 8,2 % 2 Bündnis 90/Die Grünen 5,8 % 1 4,3 % 1 Einzelbewerberin Marina Hillebrand – – 1,8 % – Piraten 3,3 % 1 1,0 % – Insgesamt 100 % 18 100 % 18

Bürgermeister 1998–2003: Günter Schmidt 2003–2014: Wilfried Hanke (SPD)Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen, S. 27 2014–2024: Mario Gruschinske (SPD) seit 2024: Andreas Hirtzel (CDU)

Gruschinske wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 mit 51,8 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019

Hirtzel wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 30. Juni 2024 mit 60,0 % der gültigen Stimmen zum ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 30. Juni 2024 Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)

Wappen mini|hochkant|Pulverturm und Ruppiner Tor

Städtepartnerschaften Hessisch Oldendorf in Deutschland Kolin in Tschechien De Ronde Venen in den Niederlanden

Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Granseer Wartturm mini|Denkmal für Königin Luise mini|Schloss Meseberg mini|hochkant|Kirche in Meseberg mini|hochkant|Kirche in Altlüdersdorf Gransee gehört zu den vom Land Brandenburg geförderten Städten mit historischem Stadtkern. In der Liste der Baudenkmale in Gransee sowie in der Liste der Bodendenkmale in Gransee stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale bzw. Bodendenkmale.

Heimatmuseum im ehemaligen „Heilig-Geist-Hospital“ (erbaut 1315, erneuert 1715) mit St.-Spiritus-Kapelle Ruppiner Tor, Wahrzeichen von Gransee (erbaut 1450) Stadtmauer mit Wiekhäusern (14. Jahrhundert) Pulverturm (15. Jahrhundert) Marienkirche aus der Gotik (14. Jahrhundert) Luisendenkmal, Entwurf von Karl Friedrich Schinkel (1811) Ehemaliges Franziskanerkloster (um 1280), östlicher Klausurflügel mit Kreuzgang erhalten Kornspeicher (18. Jahrhundert) Kriegerdenkmal Mittelalterliche Warte vor dem Ruppiner Tor (15. Jahrhundert) Schloss Meseberg, Gästehaus und Tagungsstätte der Bundesregierung Dorfkirche Meseberg