Tödliche Versprechen – Eastern Promises () ist ein britisch-kanadischer Thriller mit Viggo Mortensen, Vincent Cassel, Naomi Watts und Armin Mueller-Stahl. Regie führte David Cronenberg nach einem Drehbuch von Steven Knight. Der Film erschien 2007 zu hervorragenden Kritiken.
Handlung Der in Russland geborene Nikolai Luschin arbeitet offiziell als Fahrer für den alkoholsüchtigen und psychisch instabilen Kirill. Dessen Vater Semjon leitet in London eine Organisation der russischen Mafia, die zur Bruderschaft Wory w Sakone (Diebe im Gesetz) gehört. Hinter den Kulissen sorgt Nikolai dafür, die Folgen der Exzesse Kirills zu beseitigen. Als Kirill einen Mann ermorden lässt, der ihn beleidigt hatte, macht Nikolai die Leiche unkenntlich, bevor er sie gemeinsam mit Kirill in der Themse versenkt.
Anna Chitrowa, selbst halb russischer Abstammung, arbeitet als Hebamme in einem Londoner Krankenhaus. Eines Tages stirbt dort ein junges russisches Mädchen während der Geburt ihres Kindes. Anna erlebt dies aufgrund ihrer eigenen Fehlgeburt sehr intensiv und forscht der Abstammung des Kindes nach: Sie bittet ihren Onkel Stepan, das bei dem Mädchen gefundene Tagebuch zu übersetzen. Doch der Onkel weigert sich zunächst, sich in fremde Angelegenheiten einzumischen. Kurz darauf fährt Anna zu einem russischen Restaurant, dessen Visitenkarte sie im Tagebuch gefunden hat, aber der Gastronom Semjon will das Mädchen nicht gekannt haben. Als er von dem Tagebuch erfährt, überredet er Anna dazu, es von ihm übersetzen zu lassen. Sie bringt ihm eine Kopie des Tagebuchs. Inzwischen hat aber auch ihr Onkel mit dem Übersetzen angefangen. Als er herausfindet, dass das Mädchen Tatiana mit den Wory w Sakone zu tun hatte, bekniet Stepan Anna, mit der Suche aufzuhören.
Beim nächsten Treffen mit Semjon gibt dieser vor, sich Sorgen um seinen Sohn Kirill zu machen, dessen illegale Taten in dem Tagebuch angedeutet würden. Er bittet Anna deshalb um das Original. In Wirklichkeit jedoch zeigt das Tagebuch, dass Semjon selbst Tatiana vergewaltigt hatte, um die 14-Jährige als Prostituierte gefügig zu machen. Als Anna immer misstrauischer wird, beauftragt Semjon Nikolai, das Tagebuch zu beschaffen und Annas Onkel Stepan zu beseitigen.
Scheinbar als Belohnung für seine Zuverlässigkeit wird Nikolai auf Betreiben von Semjon innerhalb der Hierarchie der Mafia befördert und mit den dafür vorgesehenen Sternen tätowiert. In Wirklichkeit ist diese Beförderung eine Intrige von Semjon, denn sein Sohn Kirill hatte einen Anführer der Tschetschenen töten lassen. Dessen Brüder wollen nun dafür an Kirill Rache nehmen, wissen jedoch nicht, wie dieser aussieht. Semjon arrangiert ein Treffen in der Sauna, schickt aber Nikolai statt Kirill. Aufgrund der Tätowierungen halten die zwei Killer Nikolai für Kirill und versuchen, ihn zu ermorden. Doch dem unbewaffneten, nackten Nikolai gelingt es, die beiden Angreifer zu töten. Im Krankenhaus erhält er Besuch von Scotland Yard. Es stellt sich heraus, dass Nikolai ein verdeckter Ermittler des FSB ist. Obwohl der Beamte ihm anbietet, ihn aus der Operation abzuziehen, will er die Wory w Sakone weiter infiltrieren. Nikolai wird am Krankenbett auch von Anna aufgesucht, die eine Erklärung zum Verschwinden ihres Onkels Stepan verlangt. Er offenbart Anna, dass ihr Onkel Stepan nicht ermordet, sondern sicher in einem Hotel in Schottland untergebracht wurde. Es bahnt sich eine Romanze zwischen den beiden an.
Kurz darauf entführt Kirill das Baby, da dessen DNS beweisen würde, dass Semjon Tatiana vergewaltigte. Er will das Kind – wohl auf Befehl seines Vaters – in der Themse ertränken. Dies kann von Nikolai und Anna im letzten Moment verhindert werden: Nikolai appelliert an Kirills Gewissen und ihre Freundschaft. In den letzten Szenen sieht man, dass Anna das Baby adoptiert hat und in Sicherheit ist, während Nikolai mit steinerner Miene in Semjons Restaurant sitzt. Er hat die Nachfolge des Mafiabosses angetreten.
Kritiken
Tödliche Versprechen erhielt ein sehr gutes Presseecho, was sich auch in den Auswertungen US-amerikanischer Aggregatoren widerspiegelt. So erfasst Rotten Tomatoes größtenteils freundliche Besprechungen und ordnet den Film damit als „Verbrieft Frisch“ ein. Metacritic ermittelt aus den vorliegenden Bewertungen „Einhelliges Lob“ und stuft ihn als „Pflichtprogramm“ ein.
Roger Ebert bemerkte in der Chicago Sun-Times, der Film sei kein gewöhnlicher Thriller – genauso, wie Cronenberg kein gewöhnlicher Regisseur sei. Die Schlüsselfrage des Films sei nicht wie, sondern warum. Er erzähle über „plausible menschliche Wesen“, was Ebert dem Erzählen über einfache Charaktere vorziehe.Roger Ebert: Filmkritik vom 13. September 2007, abgerufen am 16. September 2007
Carina Chocano fand den Film in der Los Angeles Times „meisterhaft ausgeführt“. Der Regisseur habe früher in seinen Filmen die Angst vor der Technik thematisiert, jetzt spreche er die Xenophobie an.Carina Chocano: Filmkritik vom 14. September 2007, abgerufen am 16. September 2007
Gernot Gricksch schrieb in der TV Digital vom 14. Dezember 2007, dass gegenüber diesem Film sogar Departed – Unter Feinden bloß ein handelsüblicher Krimi sei. Dies sei ein dichtes, bitteres und hartes Unterweltsepos und setze neue Maßstäbe für das Genre.
Auszeichnungen und Bestenlisten miniatur|hochkant|Viggo Mortensen bei den British Academy Film Awards 2008 David Cronenberg gewann im Jahr 2007 den People’s Choice Award des Toronto International Film Festivals. Der Film wurde bei den Satellite Awards 2007 in sechs Kategorien nominiert: Bester Film, Regie, Hauptdarsteller (Viggo Mortensen), Drehbuch, Filmmusik und Schnitt. Mortensen wurde außerdem 2007 für den Chicago Film Critics Association Award nominiert.
Der Film wurde in drei Kategorien bei den Golden Globe Awards 2008 nominiert: Bester Film – Drama, Viggo Mortensen als Bester Hauptdarsteller – Drama und für die Beste Filmmusik. Er wurde bei den London Critics Circle Film Awards 2008 für den Titel des Britischen Films des Jahres nominiert. Viggo Mortensen wurde 2008 für den Screen Actors Guild Award und für den Broadcast Film Critics Association Award nominiert. Außerdem wurde Viggo Mortensen auch noch für den Oscar und für einen British Academy Film Award nominiert.
Insgesamt listet They Shoot Pictures, Don’t They? Tödliche Versprechen unter den angesehensten Filmen des 21. Jahrhunderts.
Entstehung und Veröffentlichung Für die Kostüme war Denise Cronenberg, die Schwester von Regisseur David Cronenberg, verantwortlich. Der Film wurde vom 19. November 2006 bis zum 16. Februar 2007 in London gedreht,Filming locations für Eastern Promises, abgerufen am 16. September 2007 darunter prominent in einem Badehaus des Stadtteils Finsbury, Ecke Ironmonger Row und Norman Street.
Darsteller Viggo Mortensen besuchte während der Dreharbeiten ein russisches Restaurant und löste sogleich betretenes Schweigen aus. Seine Tattoos wirkten so echt, dass ihn die anderen Gäste für einen hochrangigen Wor hielten. Erst als er dann englisch sprach, entspannten sie sich sichtbar. Laut Armin Mueller-Stahl hätten einige jedoch sofort das Restaurant verlassen. bei Cinefacts
Die Weltpremiere fand am 8. September 2007 auf dem Toronto International Film Festival 2007 statt. Er startete dann am 13. September 2007 in den russischen und tags darauf in den nordamerikanischen Kinos. Der deutsche Kinostart folgte am 27. Dezember 2007.Premierendaten für Eastern Promises, abgerufen am 29. Oktober 2007 Gegenüber einem geschätzten Budget von 25 Mio. Pfund Sterling (umgerechnet Mio. US-Dollar) spielte er an den weltweiten Kinokassen rund 56 Mio. US-Dollar ein, davon 17 Mio. US-Dollar in Nordamerika. Inflationsbereinigt entspricht dies inzwischen Gesamteinnahmen von etwa Mio. US-Dollar.
Weblinks
Interview mit Cronenberg zum Film
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2007 Kategorie:Britischer Film Kategorie:Kanadischer Film Kategorie:Thriller Kategorie:Filmdrama Kategorie:Mafiafilm Kategorie:David Cronenberg