mini|Blick von den überfluteten Oderwiesen zur Altstadt Lebus (2021)

Lebus () ist eine amtsangehörige Landstadt im Südosten des Landkreises Märkisch-Oderland in Brandenburg. Die Stadt ist Sitz der Verwaltung des Amtes Lebus.

Geographische Lage Lebus liegt im nach der Ortschaft benannten Land Lebus an der mittleren Oder, etwa zehn Kilometer nördlich von Frankfurt (Oder) auf 56 m ü. NHN. Das Stadtgebiet grenzt im Norden an die Gemeinde Lindendorf (Amt Seelow-Land) sowie an die Gemeinden Podelzig und Reitwein (Amt Lebus), im Osten an die polnische Woiwodschaft Lebus, im Süden an die kreisfreie Stadt Frankfurt (Oder), im Südwesten an die Gemeinde Treplin (Amt Lebus), im Westen an die Gemeinde Zeschdorf (Amt Lebus) und die Gemeinde Fichtenhöhe (Amt Seelow-Land).

Stadtgliederung Die Stadt Lebus besteht laut ihrer HauptsatzungHauptsatzung der Stadt Lebus vom 12. Februar 2009: verwaltungsportal.de (PDF). aus den bewohnten Stadtteilen Lebus Mallnow Schönfließ Wulkow Wüste Kunersdorf

Ortsteile im Sinne von § 45 ff. der Kommunalverfassung des Landes BrandenburgKommunalverfassung des Landes Brandenburg, § 45 ff. sind Mallnow, Schönfließ und Wulkow. Als Wohnplätze sind Elisenberg, Elisenheim, Lindenhof, Unterkrug und Wilhelmshof ausgewiesen., In: Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg.

Geschichte Mittelalter Lebus war eine polnische Bistums- und Stadtgründung auf dem linken Oderufer, die schließlich der deutschen Konkurrenzgründung Frankfurt unterlag.

Bis zur Gründung von Frankfurt (Oder) im Jahr 1253 galt Lebus als unbestrittener Mittelpunkt der gleichnamigen Landschaft Land Lebus. Die Stadt liegt auf einem Bergrücken von 500 m Länge und 50–100 m Breite, der auch Reste alter Wehranlagen trägt und sich durch Querrinnen in den Turmberg, den Schlossberg und den Pletschenberg teilt. Diese werden bereits in einem Teilungsvertrag von 1249 als obere, mittlere und untere Burg bezeichnet.

Bereits aus der jüngeren Bronzezeit um 1000 v. Chr. lassen sich erste Besiedlungsspuren feststellen, die sich über den gesamten Berg erstreckten. Diese Besiedlungsspuren wurden in der frühen Eisenzeit verstärkt und befestigt. Diese Anlagen wurden aber zur Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. aufgegeben.

Nach Abzug der Germanen in der Völkerwanderung findet sich spätestens zu Beginn des 9. Jahrhunderts eine neue Befestigung durch die einwandernden Slawen. Dabei wurde hier vermutlich bereits die Hauptburg des Stammes der Leubuzzi, des östlichsten Stammes der Wilzen angelegt, die links und rechts der Oder siedelten und diesem Land ihren Namen geben sollten. Seither ist der Name der Burg als Lubus, Lebuz oder Lebus überliefert. Es wird vermutet, dass der Name auf den des Wilzenfürsten Liubus zurückzuführen ist, der Anfang des 9. Jahrhunderts die Oberhoheit über die Stämme der Wilzen besaß. Um 925 wurde die Burg vermutlich durch Streitigkeiten innerhalb des Stammes wieder zerstört.

Noch vor dem Jahr 1000 wurde Lebus von dem polnischen Herrscher Mieszko I. oder seinem Sohn Bolesław Chrobry wiederaufgebaut und verstärkt. Lebus gehörte fortan zweieinhalb Jahrhunderte lang zum Piastenstaat und übte eine beherrschende Rolle über die sich hier kreuzenden Verkehrswege aus, da sich hier die weit und breit beste Furt der Oder befand.

Bolesław III. Schiefmund gründete 1125 das Bistum Lebus, das ein Suffragan des Erzbistums Gnesen war. Sitz des Bistums wurde Lebus, das eine Kathedralkirche erhielt. Sie war dem heiligen Adalbert von Prag geweiht und lag vermutlich auf dem Burgberg. Der heilige Adalbert stand für die Heidenmission des Piastenstaates, für die das Bistum offensichtlich bestimmt war.

Seit 1138 war Lebus im Besitz der schlesischen Piasten und kam durch die Politik Heinrichs I. „des Bärtigen“ zeitweise an Großpolen. Heinrich I. verlieh dem Ort auch 1226 oder früher das Stadtrecht. Vermutlich während der folgenden Kämpfe wurde die Burg zerstört. Als 1241 oder 1242 Mieszko, der Sohn Heinrichs II. „des Frommen“, starb, wurde er nicht in der Grabkirche der Dynastie im Kloster Leubus, sondern in der Peterskirche unterhalb der Burg beigesetzt. 2025 wurde vor der Marienkirche ein Gedenkstein für Mięszko errichtet. mini|2025 vor der Peterskirche errichteter Gedenkstein für Miesko von Lebus Mitte des 13. Jahrhunderts ergriffen Askanier als Markgrafen von Brandenburg die Herrschaft über Lebus, regierten es ab 1249/50 als Kondominium zusammen mit dem Erzbischof von Magdeburg und waren seit 1287 die alleinigen Herren der Burg wie auch des Landes Lebus. Sie förderten die Stadt allerdings kaum noch, sondern hatten in Konkurrenz zu ihr 1253 die Stadt Frankfurt gegründet, wodurch Lebus rasch zur Bedeutungslosigkeit herabsank und 1354 an den Bischof fiel. Der Bischofssitz wiederum wurde schon 1276 nach Göritz (Oder) (heute Górzyca) verlegt, als Kathedralkirche diente im 14. Jahrhundert die Peterskirche mit dem Grab Heinrichs II. unterhalb der Burg Lebus. 1373 ging mit dem Sitz des Bischofs auch der der Kathedrale nach Fürstenwalde/Spree, wenn auch das Bistum den Namen Lebus bis zur Säkularisation beibehielt. Nach der Schlacht bei Müllrose am 10. April 1432 wurde das in seiner Bedeutung schon stark geschmälerte Lebus am 14. April durch eine ca. 1000 bis 1500 Mann starke Abteilung des Hussitenheeres geplündert und völlig zerstört.

1555 wurde das Bistum säkularisiert. Seitdem verfiel auch die Burg, 1589 und 1631 brannten die meisten Gebäude nieder, 1713 auch die letzten festen Türme. 1765 wurden die Reste abgetragen. Seit dem 18. Jahrhundert trägt auch die Siedlung dörflichen Charakter. mini|1861 nobilitierter Pächter der Domäne Lebus. August von Gansauge (1795–1863). Portrait 1865. Ernst Hildebrandt

Amt und Domäne Lebus Im 19. Jahrhundert bestand eine große staatliche Domäne. Diese wurde jeweils auf eine Laufzeit verpachtet. Langjährige Pächter war die im Lebus weit verbreitete Familie Gansauge, die nebenbei standesgemäß ab etwa 1845 eine Pferdezucht betriebC. H. Vogler: Allgemeines Gestüt-Buch. Ein Verzeichniss der Vollblut-Pferde nebst ihrer Abstammung. A. Asher & Comp. Selbstverlag, Berlin 1847, S. 190. und zeitgleich die Aufgabenstellung eines Ober-Amtmann zu Lebus innehatte.Bericht über die im Jahre 1845 zu Breslau abgehaltene Neunte Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe. Graß, Barth und Comp., Breslau 1846, S. 213. Mit August von Gansauge wurde ein Vertreter 1861 geadelt.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1913. Siebenter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1912, S. 246 f. Die Domäne Lebus beinhaltete zu seinen Lebzeiten eine Größe von 994,50 ha, davon waren 16,50 ha Forsten. Reprint: ISBN 3-226-00787-4. Die Domäne war identisch mit dem Amt Lebus und Eigentum vom Fiskus, war ein nicht kreistagsfähiges Gut, kein Rittergut im konventionellen Sinn und nicht berechtigt an der direkten Landratswahl teilzunehmen. Die Familie von GansaugeLandesarchiv Sachsen-Anhalt: H 246, Nr. 31 Vormundschaft der von Gansauge’schen Kinder, 1810-1811. betrieb in Lebus eine Zuckerfabrik.C. Scheibler (Hrsg.): Zeitschrift des Vereins für die Rübenzucker-Industrie des Deutschen Reichs. Band XXV, Neue Folge, Zwölfter Jahrgang 1875, Allgemeines: Verzeichniss der Mitglieder und der Aemter. C. Feister (L. Mewes), Berlin 1875, S. 2. Als Ober-Amtmann, zuletzt kgl. preuß. Amtsrat und Mitbesitzer der Zuckerfabrik Lebus, folgte dann 1864 der jüngste Sohn Emil von Gansauge (1829–1893), als RechnungsführerAmts-Blatt der Königlich Preußischen Regierung zu Frankfurt a.O. Nr./Stück 37, Außerordentliche Beilage. Trowitzsch & Sohn, Frankfurt a. O. Ausgegeben am 16. September 1874, S. 7. Hans Malocki von Trzebiatkowski (1834–1889). Letzterer war ein jüngerer Sohn und ein Bruder zweier preußischer Generalmajore.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Alter Adel und Briefadel. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. 1925. Achtzehnter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1924, S. 598 f. Nachfolgend als Pächter der Königlichen Domäne Lebus geführt wurde Hauptmann a. D. Heinrich von Glansauge,Georg Volger: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche. 1896. Erste Lieferung: Provinz Brandenburg. 3. Auflage, Kreis Lebus, Nicolai’sche Verlags-Buchhandlung R. Stricker, Berlin 1896, S. 78 f. der 1901 in Lebus verstarb. Die Pachtfläche betrug 1896 etwa noch 482,34 ha.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestanden anstatt dieser Domäne Lebus mehrere landwirtschaftliche Einzelbetriebe, 1914 waren es acht, gleichgestellt einem Stadtgut, auf der Gemarkung von Lebus. Die Betriebsgröße betrug zwischen 50 und 114 ha, hier des Landwirts Paul Joseph.Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und größeren Bauernhöfen. . Handbuch der Königlichen Behörden. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band VII, 2. Auflage, Regierungsbezirk Frankfurt a. O. Kreis Lebus, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 292 f. Bei der letzten amtlichen Erhebung vor 1930 finden sich die Daten wieder, mittlerweile bestanden zehn Höfe. Das Stadtgut Elisenheim bewirtschaftete die H. Jungclaußen GmbH.Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Hogrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. . Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts, Mit Unterstützung von Staats- und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. in: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band VII, 4. Auflage, Regierungsbezirk Frankfurt a. O. Kreis Lebus, (Letzte Ausgabe-Paul Niekammer-Reihe), Selbstverlag von Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 237.

Der Begriff „Lebuser Land“ lebt bis heute auch im Namen der benachbarten polnischen Woiwodschaft Lebus () fort.

Nach 1945 Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurde Lebus bei den Kampfhandlungen im Zuge der Schlacht um die Seelower Höhen fast völlig zerstört und in den 1950er/1960er Jahren wieder aufgebaut. So wurde unter anderem das Volkssturmbataillon 7/108 „Franken“ im Frühjahr 1945 an der Oderfront zwischen dem zur Festung erklärten Frankfurt (Oder) und der Stadt Lebus eingesetzt. mini|hochkant|Evangelische Stadtkirche Bis etwa Mitte der 1970er Jahre gab es eine Forschungsstelle der Akademie der Wissenschaften der DDR auf dem Burgberg. Der Prähistoriker Wilhelm Unverzagt hatte bereits 1938 bis 1943 als Direktor am Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte am Burgberg und an anderen Burgwällen wie bei Lossow, Reitwein oder Zantoch wissenschaftliche Ausgrabungen durchgeführt. Mit der Forschungsstelle wurde dies von ihm weiter vorangetrieben.Moz.de/Index: Von Bülow brachte Glanz ins Bistum. In: Märkische Oderzeitung, 1. März 2006. Nachdem die Grabungen von Wilhelm Unverzagt abgeschlossen waren, wurden die Grabungsstellen wieder zugeschüttet und wucherten nach und nach zu.Infotafel „Turmberg Lebus: Landschaftsgestaltung und Reminiszenz 2013“ am Turmberg.

Am 27. Juni 1977 kollidierten ein fehlgeleiteter Bäderschnellzug der Reichsbahn und ein Güterzug beim Eisenbahnunfall von Lebus. Das Unglück kostete 29 Menschen das Leben.

Im August 2003 wurde der größte spätbronzezeitliche Fund im Oderraum in Lebus gemacht.Bronzehort von Lebus., In: Das Private Lebuser Heimat-Lexikon.Größter Bronzeschatz zwischen Elbe und Weichsel., In: Berliner Zeitung, 3. September 2003. Der Bronzehort vom Burgberg Lebus wird im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg in Brandenburg an der Havel der Öffentlichkeit gezeigt. Mehr als 100 Bronzebeile unterschiedlicher Kategorien und Herkunft konnten gesichert werden. In: Märkische Oderzeitung, 6. April 2005.