Der Hoheneichen-Verlag war ein während des Ersten Weltkriegs im Jahre 1915 von Dietrich Eckart gegründeter Verlag,Ernst Piper: Alfred Rosenberg. Hitlers Chefideologe. München 2005, ISBN 3-89667-148-0, S. 184; davon abweichend: Wolfgang Benz: Hoheneichen Verlag. In: Wolfgang Benz, Hermann Graml, Hermann Weiß (Hrsg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus. 5., aktualisierte und erweiterte Auflage. dtv, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-423-34408-1, S. 569. (Benz schrieb, dass der Verlag 1916 gegründet wurde und sich seit Ende 1918 im Besitz von Dietrich Eckart befand. Belege für das genaue Gründungsdatum fehlen allerdings sowohl bei Benz als auch bei Piper.); unklar auch das genaue Gründungsdatum bei Weiß, der die Verlagsgründung chronologisch noch vor Eckarts Umzug nach München im Herbst 1915 anführt, vgl. Hermann Weiß (Hrsg.): Biographisches Lexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-596-13086-7, S. 103. dessen Firmensitz in Wolfratshausen bei München sowie in München-Schwabing lag.Uwe Englert: Magus und Rechenmeister. Henrik Ibsens Werk auf den Bühnen des Dritten Reiches. Tübingen 2001, ISBN 3-7720-3093-9, S. 53; als Verlagsorte wurden in Dietrich Eckarts Wochenschrift „Auf gut deutsch“ zwischen Dezember 1918 und Juli 1920 Wolfratshausen und München angegeben, zwischen August 1920 und Mai 1921 hingegen nur München, vgl. Barbara Miller Lane, Leila J. Rupp: Nazi ideology before 1933. A documentation. Manchester University Press ND, 1978, p. 160, ISBN 978-0-7190-0719-4. books.google.de Allerdings wurde mindestens noch eine Schrift nach 1920 mit der Ortsangabe Wolfratshausen publiziert: Alfred Reifenberg: Des Götzen Moloch Ende. Politische Zukunftsphantasie. Hoheneichen-Verlag, Wolfratshausen vor München 1925 (d-nb.info). Verlegt wurde insbesondere national schöngeistiges,Anne-M. Wallrath-Janssen: Der Verlag H. Goverts im Dritten Reich. München 2007, ISBN 978-3-598-24904-4, S. 51 (Mit Hinweis der Autorin: „Vgl. Aus der Geschichte des Zentralverlags der NSDAP“). völkischesJoachim Köhler: Wagners Hitler. Der Prophet und sein Vollstrecker. 2. Auflage. München 1997, ISBN 3-89667-016-6, S. 223. und extrem rechtesRuth Heftrig (Hrsg.): Kunstgeschichte im „Dritten Reich“. Theorien, Methoden, Praktiken. Akademie-Verlag. Berlin 2008, ISBN 978-3-05-004448-4, S. 303. Schrifttum. Der Verlag, dem es von Beginn an wirtschaftlich äußerst schlecht ging, wurde im Mai 1929 vom Parteiverlag der NSDAP, dem Franz-Eher-Verlag, übernommen.Ernst Piper: Alfred Rosenberg. Hitlers Chefideologe. München 2005, S. 184 (Quelle: München – „Hauptstadt der Bewegung“, München 1993, S. 136). Da der Name „Hoheneichen-Verlag“ beibehalten wurde, konnte somit für Außenstehende der Eindruck entstehen, dass dessen Publikationen nicht im Eher-Verlag erschienen sind; der Verlag wurde nicht unmittelbar als Parteiverlag wahrgenommen.Othmar Plöckinger: Geschichte eines Buches: Adolf Hitlers „Mein Kampf“ 1922–1945. München/Oldenbourg 2006, ISBN 3-486-57956-8, S. 174; Konrad Heiden schrieb bereits 1937, dass der Hoheneichen-Verlag eine „für Verdunklungen geschaffene Abteilung des Partei-Verlags“ sei, vgl. Konrad Heiden: Adolf Hitler. Eine Biographie. Europa Verlag, Zürich 1937, S. 198. Im Oktober 1938 vereinbarten Max Amann und der Parteiideologe Alfred Rosenberg den Verlag dafür zu nutzen, die wissenschaftlichen und kulturpolitischen Schriften der Dienststelle Rosenberg sowie die zu erwartenden Schriften der geplanten „Hohen Schule“ zu publizieren.Jan-Pieter Barbian: Literaturpolitik im „Dritten Reich“. Institutionen, Kompetenzen, Betätigungsfelder. Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-7657-1760-6, S. 698 (Quelle: „Vereinbarung“ vom 31. Oktober 1938 zwischen Amann und Rosenberg, BArch Potsdam NS 8/129, Bl. 19). Ferner legten beide im Juni 1939 fest, das Unternehmen zum „weltanschaulich-wirtschaftlichen Verlag der NSDAP“ auszubauen,Institut für Zeitgeschichte (Hrsg.): Akten der Partei-Kanzlei der NSDAP. Rekonstruktion eines verlorengegangenen Bestandes. Teil 1. München u. a. 1992, ISBN 3-486-50181-X, S. 503. in dem Rosenbergs Schriften und drei Schriftenreihen seiner Reichsstelle verlegt werden sowie eine Prüfung der Produktion durch das Amt Rosenberg stattfindet.Dazu gehörten die von Alfred Baeumler geleiteten „Forschungen zur Philosophie und Geistesgeschichte“, zwei Reihen der „Arbeitsgemeinschaft Volkskunde“ und drei Zeitschriften, vgl. Dietrich Strothmann: Nationalsozialistische Literaturpolitik. Ein Beitrag zur Publizistik im Dritten Reich. 2., verbesserte und mit einem Register ausgestattete Auflage. Bonn 1963, S. 367. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Verlag öffentlich als „Verlag der Hohen Schule“ gekennzeichnet.Wilhelm Grau (Hrsg.): Der Weltkampf. Die Judenfrage in Geschichte und Gegenwart. Heft 1/2 (April–September 1941). Schriftleitung: Peter Heinz Seraphim. Hoheneichen-Verlag, München 1941, S. 1; Kommission für Wirtschaftspolitik der NSDAP (Hrsg.): Die wirtschaftspolitische Parole. Mitteilungen der Kommission für Wirtschaftspolitik der NSDAP. 6. Jg., Heft 2, 20. Januar 1941, München 1941, S. 640 und 687. Publiziert wurde bis in das Jahr 1944,A. Sanders: Kaukasien, Nordkaukasien, Aserbeidschan, Armenien, Georgien. Geschichtlicher Umriß. 2. Auflage. Hoheneichen-Verlag 1944; A. Sanders: Osteuropa in kontinentaleuropäischer Schau. 1. Teil: Osteuropa bis zum Mongoleneinbruch. 3. Auflage. Hoheneichen Verlag, München 1944. zum Ende hin vor allem Schriften zur nationalsozialistischen Europapolitik und Ostpolitik. Nach Kriegsende stellte der Verlag – wie auch andere NS-Verlage – seine Tätigkeit ein.Hans Benecke: Eine Buchhandlung in Berlin. Erinnerungen an eine schwere Zeit. Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-596-12735-1, S. 170.
Gründungsphase Den Startpunkt des Verlags markierte das Feld der Dichtung. Im Jahre 1916 veröffentlichte Eckart in seinem neu gegründeten Verlag das Buch Henrik Ibsens Peer Gynt.Dietrich Eckart: Henrik Ibsens Peer Gynt. In: freier Übertragung für die deutsche Bühne eingerichtet, mit Vorwort und Richtlinien von Dietrich Eckart nebst 9 Szenenbildern nach Originalradierungen von Otto Sager. München 1916. (2. Auflage 1917) (d-nb.info). Noch vor seinem Umzug nach München-Schwabing im Sommer 1915 hatte Eckart auf der Schloßstraße zu Steglitz den Herold-Verlag gegründet, in dem er sein Bühnenstück Peer Gynt in einer „freien Übertragung“ veröffentlichen wollte. Seine Identifikation mit dieser Figur ging so weit, dass er in jener Zeit auf seinen Briefbögen anstatt seines eigenen Namens den Namen „Peer Gynt“ drucken ließ.Herbert Küsel: Zeitungs-Artikel. Mit einer Einleitung von Dolf Sternberger. Heidelberg 1973, S. 26 f. (Quelle: Herbert Küsel: Dietrich Eckart. In: Frankfurter Zeitung, Erstes Morgenblatt vom 23. März 1943). Allerdings erntete sein „Peer Gynt“ ebenso scharfen Widerspruch, wie sein Schauspiel Heinrich der Hohenstaufe, das im Januar 1915 im Königlichen Schauspielhaus aufgeführt wurde. Eckart nannte seine Kritiker fortan „die Krummen“. Auf dem Hintergrund dieser Ereignisse fand während des Ersten Weltkriegs die Gründung des Hoheneichen-Verlags statt. Passend zu den historischen Ereignissen in Deutschland und zu Eckarts Leidenschaft für die Dichtung publizierte der Verlag im Jahre 1917 eine „Kriegsrede“ von Walter Stohmann.Walter Stohmann: Kriegsrede. Gesprochen in fünf dramatischen Bildern. Hoheneichen, München 1917. Nach Kriegsende und dem Beginn der Weimarer Republik folgte Eckarts Tragödie Lorenzaccio im Jahre 1918,Dietrich Eckart: Lorenzaccio. Tragödie in 5 Aufzügen. Hoheneichen-Verlag, München 1918 (4.–5. Auflage 1920). 1919 seine Einführung in Ibsens „Peer Gynt“ und in Griegs Musik zu der DichtungDietrich Eckart: Einführung in Ibsens „Peer Gynt“ und in Griegs Musik zu der Dichtung. Hoheneichen-Verlag, Wolfratshausen bei München 1919. sowie seine antisemitische „Laienpredigt“ unter dem Haupttitel Das ist der Jude!Dietrich Eckart: Das ist der Jude! Laienpredigt über Juden- und Christentum. Hoheneichen-Verlag, München 1919. In diese Zeit fällt auch eine erste wirtschaftskritische Veröffentlichung des Verlages mit dem Titel Die Rettung des Mittelstandes. die von Johannes Dingfelder unter dem Pseudonym „Germanus Agricola“ publiziert wurde.Germanus Agricola (Pseudonym): Die Rettung des Mittelstandes. Umkehr oder Umsturz. Hoheneichen-Verlag, Wolfratshausen 1919; das Pseudonym „Germanus Agricola“ steht für einen Autor mit dem bürgerlichen Namen „Johannes Dingfelder“, vgl. Hans Fenske: Konservatismus und Rechtsradikalismus in Bayern nach 1918. Bad Homburg 1969, S. 325. Dingfelder, auf dessen Parole „Schafft billige Lebensmittel!“ sich in der Nachfolgezeit die NSDAP in ihren Resolutionen zur Ernährungs- und Versorgungsfrage berief, ging es in erster Linie um eine „sittliche Idee im Wirtschaftsleben“ und Überwindung des Kapitalismus, den er in seiner Position gegenüber dem Arbeiter und Mittelstand als ausbeuterisch wahrnahm.Martin H. Geyer: Verkehrte Welt. Revolution, Inflation und Moderne. München 1914–1924. Göttingen 1998, ISBN 3-525-35791-5, S. 304.
Weimarer Republik Frühe Mitwirkung des NSDAP-Ideologen Alfred Rosenberg