Das Opet-Fest (auch Ipet-Fest, Amun in seinen Privaträumen (Luxor)) ist erstmals unter Königin Hatschepsut im Neuen Reich belegt und galt seit Einführung als eines der wichtigsten Feste im Alten Ägypten.
Als mehrtägiges Fest symbolisieren die Prozessionen den Zyklus Heilige Hochzeit, Zeugung des königlichen Ka, Legitimierung und Krönung des KönigsLegitimierung belegt unter Haremhab sowie Verjüngung des Amun-Re durch den Vollzug des Götterkultes.
Hatschepsut verstand sich in diesem Zusammenhang als Ipet mit ihrem Eigennamen „Die erste der vornehmen Frauen (Damen), die Amun umarmt“ und stellte damit den Bezug zu ihrer „göttlichen Geburt“ und „göttlichen Empfängnis durch Amun“ her.
Hintergrund Ursprung mini|hochkant|Thronname von Thutmosis II. im Tempel von Hatschepsut in Luxor
Das Datum des Opet-Festes steht in Verbindung mit dem 15. Achet II (29. September) 1492 v. Chr., dem Tag der Krönung von Thutmosis II.Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten. Mainz 1950, S. 87; Urkunde IV, 82. Die Regentschaft für den sehr jungen König übernahm ab diesem Tag zunächst Hatschepsuts Mutter, Königin Ahmose. Im Anschluss rebellierten im ersten Regierungsjahr nubische Fürsten, die zuvor Thutmosis I. eingesetzt hatte.Kurt Sethe: Urkunden der 18. Dynastie. Berlin 1984, S. 68–69. Auf einer Stele, die zwischen Assuan und Philae stand, berichtete Thutmosis II. von der Niederschlagung der Revolte:
Thutmosis II. ließ später an seinem Krönungstag ein Siegesdenkmal am dritten Katarakt in der Nähe von Kerma aufstellen. Dieser besondere Tag stellte zugleich das Beginndatum des späteren Opet-Festes dar. Thutmosis III. stiftete aus Verehrung seines Vaters das Opet-Fest als gleichnamiges Fest des Amun in Elephantine, das dort ebenfalls zeitgleich am Abend des 14. Achet II begann.Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten. Mainz 1950, S. 84; Urk. IV 824, 10.
Das Opet-Fest unter Hatschepsut mini|hochkant|Wiedererrichtete Rote Kapelle im Freilichtmuseum von Karnak
Unter Hatschepsut ist das Opet-Fest erstmals 1462 v. Chr. für den 14. Achet II belegt. Hatschepsut ließ Szenen des Festaktes im nächsten Jahr an den Wänden der Roten Kapelle anbringen. Im Terrassentempel von Deir el-Bahari ist der Bericht zu lesen, der die „göttliche Zeugung“ von Hatschepsut durch Amun schildert:
Festdaten Thutmosis III. kehrte im 23. Regierungsjahr nach seinem Sieg in der Schlacht bei Megiddo rechtzeitig nach Karnak zurück, um die Götterfahrt des Amun im Rahmen der Feierlichkeiten des Opet-Festes am 15. Tag des Monats P3 Jpt (Paophi) (15. Achet II (21. September) 1457 v. Chr.) zu begleiten. Nachdem Hatschepsut in den Jahren zuvor das Opet-Fest eröffnete, führte Thutmosis III. erstmals den Prozessionszug des Amun in Verbindung eines zusätzlichen Siegesopfers hinsichtlich der siegreichen Schlacht bei Megiddo an:Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten. Mainz 1950, S. 85.
Am 14. Achet II begannen am Abend die ersten Zeremonien des Opet-Festes, das nach 11 Tagen am 25. Achet II endete. Dieser Termin wurde spätestens unter Ramses III. auf den 18. Achet II verlegt, dem am 19. Achet II der erste Feiertag folgte. Die Gründe für die Verschiebung sind bisher nicht geklärt. Ramses III. verlängerte bei seinem Regierungsantritt die Festdauer zudem auf 27 Tage. Mit der Ankunft von Amun am 15. Achet III schloss das Opet-Fest; unter Ramses II. mit 23 Feiertagen am 11. Achet III
Auf der Siegesstele des Pije sind erneute Abänderungen der Festdauer genannt, da Amun von Pije bereits am 9. Achet I zum Opet-Fest gerüstet wurde. Am 2. Achet III kehrte Amun in den Tempel von Karnak zurück. Unter Psammetich I. trifft dagegen seine Tochter Nitokris pünktlich zum ursprünglichen Datum unter Hatschepsut am Abend des 14. Achet II in Karnak ein.Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten. Mainz 1950, S. 86–87.
Festverlauf mini|hochkant|Luxor-Tempel
Durchquert man heute den Großen Hof Ramses II., so erreicht man den Säulengang Amenophis III.2 mal 7 Papyrusbündelsäulen mit offenem Doldenkapitell. Die Wände der Kolonnade sind auf ihren Innenseiten mit Darstellungen des Opet-Festes geschmückt, die aus der Zeit Tutanchamuns, Ejes und Haremhabs stammen.
Begleitet vom König sowie Wab- und Vorlesepriestern werden die Götterstatuen von Mut, Chons und Amun auf ihren Kultbarken vom Karnak- zum Luxortempel geführt.Ursprünglich zu Beginn der Feierlichkeiten zu Land und auf dem Rückweg auf Booten; seit Tutanchamun in beiden Richtungen auf dem Nil: The Festival Procession of Opet in the Colonnade Hall by the Epigraphic Survey. The University of Chicago Oriental Institute Publications: u. a. Tafel 12 und Tafel 68. Während der Prozession ist das Nilufer von der einheimischen Bevölkerung gesäumt, die den vorbeiziehenden Götter und dem König huldigen.W. J. Murnane: Opetfest. In: Wolfgang Helck, Eberhard Otto (Hrsg.): Lexikon der Ägyptologie. Band 4: Megiddo – Pyramiden. Harrassowitz, Wiesbaden 1982, ISBN 3-447-02262-0, S. 574–579. Im sogenannten Geburtsraum des Ipet rsjt, dem Mammisi, vollzieht sich anschließend die alljährliche rituelle Vereinigung des Reichsgottes mit der Königsmutter, der die Geburt des königlichen Ka folgt. Der Ka verschmilzt danach mit dem König, der mit seinem neugeborenen Ka wieder als „Sohn des Amun-Re“ vor den jubelnden Festteilnehmern erscheint,Ian Shaw and Paul Nicholson: The British Museum Dictionary of Ancient Egypt. British Museum Press, London 1996. am
Mit der „Rechtfertigung“ und dem „Erscheinen“ des „Guten Gottes“,nṯr-nfr sowie durch die kultische Regeneration des Amun-Re in seinem jpt rsjt wird die ideale kosmische und soziale Ordnung erneuert, ein Heilszustand (…), von dem Menschen und Götter, soziale und kosmische Sphäre gleichermaßen betroffen sind:
Literatur Rolf Krauss: Sothis- und Monddaten. Studien zur astronomischen und technischen Chronologie Altägyptens (= Hildesheimer ägyptologische Beiträge. (HÄB) Band 20). Gerstenberg, Hildesheim 1985, . Jean Meeus, Denis Savoie: The history of the tropical year. In: Journal of the British Astronomical Association. Band 102, Nr. 1, 1992, , S. 40–42, (). Richard A. Parker: The calendars of ancient Egypt (= Studies in Ancient Oriental Civilization Band 26, ). University of Chicago Press, Chicago (IL) 1950. Georges Posener: De la Divinité du Pharaon (= Cahiers de la Société asiatique. Band 15, ). Imprimerie Nationale, Paris 1960. Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten (= Abhandlungen der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Klasse. [AM-GS]. 1950, Band 10, ). Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz 1950. Peter H. Schulze: Herrin beider Länder Hatschepsut. Frau, Gott und Pharao. Weltbild-Verlag, Augsburg 1990, ISBN 3-89350-082-0. Kurt Sethe: Urkunden der 18. Dynastie (= Urkunden des aegyptischen Altertums. Deutsch. Abteilung 4 (Urk IV) Band 1). Bearbeitet und übersetzt. Hinrichs, Leipzig 1914 (Nachdruck: Akademie-Verlag, Berlin 1984). The Festival Procession of Opet in the Colonnade Hall with Translation of Texts, Commentary, and Glossary by the Epigraphic Survey. In: The University of Chicago (Hrsg.): The University of Chicago Oriental Institute Publications. Band 112, Chicago 1994, ISBN 0-918986-94-X.
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Festkalender des Monats Achet II Kategorie:Religiöses Fest (Altes Ägypten)