Der Kassel-Marathon ist ein Marathon, der seit 2007 in Kassel stattfindet. Er wird von der AS-Event GmbH aus Ahnatal veranstaltet, vertreten durch Michael Aufenanger, dem Sohn des langjährigen Marathon-Bundestrainers und Mitbegründer des Kasseler Citylaufs Winfried Aufenanger. Zum Programm gehören auch ein Halbmarathon, ein Mini-Marathon über 4,2195 km für Kinder und Jugendliche, Walking-Wettbewerbe sowie eine Marathon-Staffel, bei denen vier Läufer je einen Teil der Marathonstrecke bewältigen.
Überblick Sensenstein-Marathon (1972–1979) mini|Sportbildungsstätte Burg Sensenstein Der Kassel-Marathon hat seinen Ursprung im Jahr 1972, als von der Gruppe Sport für Jedermann des KSV Hessen erstmals ein Volksmarathonlauf am Sensenstein bei Nieste ausgetragen wurde. Der Lauf wurde nach den Bedingungen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) durchgeführt, sodass die Leistungen in die Bestenliste aufgenommen werden konnten. Zielschluss war nach sieben Stunden. Bei der Erstaustragung des Sensenstein-Marathons starteten 179 Teilnehmer, darunter der siebenmalige Gewinner der 100 km von Biel Helmut Urbach vom TV Refrath und der Teilnehmer der Leichtathletik-Europameisterschaften 1974 über 3000 Meter Hindernis Herbert Leyens aus Belgien.
War in den ersten beiden Austragungsjahren die Marathonstrecke noch als eine große Schleife angelegt mit Start an der Jugendburg Sensenstein und Ziel am großen Parkplatz unterhalb der Jugendburg, blieben die Läufer ab der dritten Austragung im unteren Niestetal und durchliefen dreimal einen etwa 13,5 km langen Pendelkurs durch den Kaufunger Wald, zuzüglich Anlauf- und Ablaufstrecke ab dem Sensenstein. Diese neue Streckenführung über 30 km Schotterwege und zwölf Kilometer asphaltierte Wege wies geringere Steigungen als der alte Rundkurs auf, dennoch war sie mit insgesamt 180 Höhenmetern anspruchsvoll.
Kassel-Marathon (1980–1997) mini|Auestadion, im Hintergrund die Karlsaue Zur neunten Austragung 1980 wählte die Gruppe Sport für Jedermann des KSV Hessens eine neue Streckenführung im Kasseler Fuldatal mit Start und Ziel auf der Fuldatalstraße in Höhe der Schule Wolfsanger. Der neue ebene und durchgehend asphaltierte 7.032,5 m lange Pendelkurs über die Fuldatalstraße wurde für den Marathon sechsmal durchlaufen. Im Rahmenprogramm wurde die bisherige 28,5 km lange Probierstrecke ab Sensenstein durch einen 25 km langen Straßenlauf ersetzt, hinzu kamen Gehwettbewerbe. Während der Premierenveranstaltung mit Zielschluss nach vier Stunden wurde die Fuldatalstraße halbseitig gesperrt und die Geschwindigkeit des stadteinwärtigen Verkehrs auf 30 km/h beschränkt. Der Auto- und Motorradverkehr konnte wegen einer Straßensperrung im Schocketal nicht von der Fuldatalstraße umgeleitet werden und wirkte sich störend auf die insgesamt 230 teilnehmenden Läufer und Geher, davon 90 Starter über die Marathondistanz, aus. Beim 10. Kasseler Marathon des KSV Hessen 1981 ersetzte ein Jedermannlauf über 10 km den letztjährig und damit einmalig durchgeführten 25-km-Straßenlauf, dessen einzige Sieger somit Elke Ötermann vom TV 05 Wetter und der Teilnehmer der Crosslauf-Weltmeisterschaften 1987 und des IAAF-Weltcup-Marathons 1987 Reiner Gutschank vom KSV Hessen Kassel blieben.
Im Jahr 1982 zog der Kassel-Marathon erneut um, diesmal ans Auestadion, wo sich Start und Ziel auch noch heute von der seit 2007 durchgeführten Veranstaltung unter Winfried Aufenanger befinden. Der damalige für Läufer viermal zu durchlaufende 10-km-Rundkurs führte vom Auestadion-Vorplatz über Damaschkestraße und -brücke, die Straße Fuldaaue, Waldauer Fußweg, Kaufunger Straße, Jahnstraße, Blücherstraße, Arndtstraße, Schwimmbadbrücke, Auedamm, An der Karlsaue, Landaustraße und Menzelstraße ins Auestadion. Für die erforderliche Streckenlänge der Marathondistanz befand sich auf dem Auedamm in Nähe der Gärtnerplatzbrücke ein Wendepunkt, der von der Schwimmbadbrücke aus angelaufen wurde. Um den Anforderungen der Deutschen Leichtathletikordnung (DLO) gerecht zu werden, wurden die Gehwettbewerbe auf einer 2,5 km langen Pendelstrecke ausgetragen. Bei der 11. Austragung des Kassel-Marathons über diesen neuen Rundkurs hatte Nachtfrost die Strecke in eine Rutschbahn verwandelt, sodass sämtliche Startzeiten um eine halbe Stunde verschoben werden mussten. Es nahmen 130 Marathonläufer, 50 Jedermannläufer und 30 Geher in den einzelnen Disziplinen teil.
Mehrere Überraschungen gab es bei der 19. Austragung im Jahr 1990. Der damals 21-jährige Chemiestudent Matthias Körner aus Leipzig verbesserte seine im vorherigen Jahr erzielte persönliche Bestzeit um fast fünfzehn Minuten und stellte mit einer Zeit von 2:29:27 h einen neuen Streckenrekord auf. Im internationalen Teilnehmerfeld mit Läufern aus der DDR, der CSSR, Polen, Dänemark, Belgien, Frankreich und Großbritannien war auch der Australier Bob Brett, damaliger Konditionstrainer von Boris Becker, der auf Empfehlung eines Freundes vom Deutschen Tennis Bund (DTB) in Kassel über die Marathondistanz an den Start ging. Im darauffolgenden Jahr 1991 konnte Matthias Körner Streckenrekord und persönliche Bestzeit mit 2:23:48 h nochmals verbessern und erhielt dafür die für eine Siegerzeit von unter 2:25 Stunden ausgesetzte Geldprämie in Höhe von 500 Mark. Auch bei den Frauen wurde in jenem Jahr der Streckenrekord aufgestellt; Ursula Starke vom VfL Wolfsburg lief eine Zeit von 2:56:18 h.
Nachdem der den Kassel-Marathon austragende Verein KSV Hessen Kassel im Juli 1993 mit einer Schuldenlast von 2,5 Millionen Mark in Konkurs ging übernahm der neu gegründete Leichtathletik Verein Kassel (LAV) die Laufveranstaltung, in welchen die ehemalige KSV-Abteilung Sport für jedermann aufging. Der LAV Kassel sollte den Marathon noch vier Jahre lang bis 1997 durchführen, bevor die Veranstaltung mit der 26. Austragung eingestellt wurde. Neben finanziellen Gründen sowie fehlendem Nachwuchs und Müdigkeit in der Organisation war der Hauptgrund die in den letzten Austragungsjahren wiederkehrende Kollision von Läufern mit dem Straßenverkehr zwischen Damaschkestraße und Seglergaststätte in der Fuldaaue, Parallelveranstaltungen der Messe Kassel ließen keine Straßensperrungen zu.
Kassel-Marathon (ab 2007) mini|Zielbereich im Auestadion (2016) mini|Staffelwechselpunkt in der Mombachstraße (2016) mini|hochkant|Finisher-Medaille (2013) Die Pläne für die Neuauflage eines Marathonlaufs in Kassel unter Winfried Aufenanger begannen 2005. Als Strecke wurde ein für Marathonläufer bis 2009 zweimal zu durchlaufender und 2006 offiziell vermessener Rundkurs festgelegt, der mit Start und Ziel an den Messehallen über Zehntscheune, Waldau, Lilienthalstraße, Söhrestraße, Königinhofstraße, Hafenbrücke, Holländischer Platz, Halitplatz, Rothenditmold, Zentgrafenstraße, Berliner Brücke, Friedrich-Ebert-Straße, Friedrichsplatz und Auedamm führte. Diese weitestgehend flache Streckenführung wies eine größere Steigung auf, die etwa beginnend am Halitplatz über Mombachstraße und Wolfhager Straße in Rothenditmold bis zur Berliner Brücke auf einer Länge von circa vier Kilometern fünfzig Höhenmeter beinhaltete. Für viele Läufer ist diese Steigung einer der Hauptkritikpunkte des Kassel-Marathons; der Kasseler Sportwissenschaftler Kuno Hottenrott dagegen bezeichnete den Anstieg als kein Problem für den Durchschnittsläufer, die muskuläre Umstellung wäre durchaus vorteilhaft. Die Inliner wählten zur Vermeidung von Straßenbahnschienen in der Fußgängerzone Obere Königsstraße und Kopfsteinpflaster hinunter zur Orangerie an zwei Stellen eine alternative Strecke: einmal über Ufa-Palast und einmal über Altmarkt, Fuldabrücke, Unterneustädter Kirchplatz, Maulbeerplantage, Blücherstraße, Arndtstraße und Schwimmbadbrücke. Später fuhren die Inline-Skater vom Unterneustädter Kirchplatz über Waldauer Fußweg, Lore-Klitsch-Weg und Arndtstraße zur Schwimmbadbrücke. Teilnehmerstärke Jahr DEU HE 2007 23 2 2008 32 4 2009 34 3 2010 22 2 2011 29 3 2012 29 2 2013 31 2 2014 35 2 2015 30 2 2016 31 2 2017 35 2 2018 33 2 2019 34 2 2020 – 2021 – 2022 33 2 2023 n. a. n. a. 2024 38 2 2025 32 2
Von 2010 bis 2019 liefen die Marathonläufer über einen 90 Höhenmeter flacheren Ein-Runden-Kurs, der auf der Halbmarathonstrecke basierte, jedoch insgesamt fünfmal von dieser abzweigt. Nach Crumbach und Forstfeld führte eine Schleife über Görlitzer Straße, Liegnitzer Straße, Glogauer Straße, Waldauer Weg, Justus-Liebig-Straße, Otto-Hahn-Straße, Forstbachweg, Erlenfeldanger, Heinrich-Steul-Schule, Leipziger Straße, Forstfeldstraße und Ochshäuser Straße, in Bettenhausen zweigte eine Schleife an der ehemaligen Salzmannfabrik ab und verlief über Stadtteilzentrum Agathof, Losseschule, Heiligenröder Straße, Hagen-Park und Philips-Park. Eine weitere Schleife mit Wendepunkt begann hinter der Hafenbrücke und führte über Martinstraße, Schützenstraße, Ostring, Wilhelm-Speck-Straße sowie die Fuldatalstraße entlang bis auf Höhe der Straßenbahnendhaltestelle Wolfsanger und wieder zurück, diesmal jedoch auf direktem Wege über die Weserspitze. Ähnlich vom Profil her die nächste Schleife entlang der Ahna durch den Stadtteil Nord (Holland) bis zur Zionskirche (ab 2014 Gahrenbergstraße) über das ehemalige Gottschalk-Gelände, Nordstadtpark, Fiedlerstraße und Bunsenstraße bis Halitplatz. Die letzte Schleife zweigte an der Komödie ab und führt über Königstor und Wilhelmshöher Allee bis zum Wehlheider Platz, von dort über Wittrockstraße und Kohlenstraße zum Georg-Stock-Platz und weiter der Drusel folgend über Tischbeinstraße, Philosophenweg und An der Karlsaue zum Marmorbad. 2012 und 2014 wurden Marathonstrecke und Halbmarathonstrecke im Zuge der Start/Ziel Verlegung von der Messe Kassel zum Auestadion überarbeitet und direkter geführt, bei der Marathonstrecke entfielen Abschnitte über Görlitzer Straße und Glogauer Straße in Waldau, Erlenfeldanger in Forstfeld, Wehlheider Platz und Georg-Stock-Platz in Wehlheiden sowie Innenstadt und Auedamm, wofür Streckenführungen rund um die Messehallen, über den Bergweg in Wolfsanger, Philippistraße und Angersbachstraße in Rothenditmold, Schönfelder Straße und Gräfestraße in Wehlheiden sowie die Kunsthochschule zum Auestadion hinzukamen.
2022 folgte für die Marathon-Läufer die Rückkehr zum Zwei-Runden-Kurs. Dieser basiert in weiten Teilen auf dem vorherigen Halbmarathon-Kurs, mit Rückkehr zur innerstädtischen Streckenführung über Friedrich-Ebert-Straße, Ständeplatz, Fünffensterstraße, Obere Königsstraße, Friedrichsplatz, Steinweg, Du-Ry-Straße und Marmorbad. In den Folgejahren erlebte die Streckenführung einige leichte Variationen in den Stadtteilen Waldau und Forstfeld.
Bei der Erstaustragung erreichten 1152 Marathonläufer das Ziel. Damit lag der Kassel-Marathon im deutschlandweiten Vergleich auf dem 23. Platz bezogen auf die Teilnehmerstärke und in Hessen nur hinter dem Frankfurt-Marathon. Die Finisherzahl im Marathon sank jedoch in den nächsten Jahren immer weiter und konnte erst 2015 stabilisiert werden. Seitdem beenden jährlich zwischen 300 und 400 Läufer den Marathonlauf. Zwischenzeitlich konnten der Darmstadt-Marathon (ausgetragen 2008–2012) und der Weiltalweg-Landschaftsmarathon mehr Finisher vorweisen. Seit 2012 behauptet der Kassel-Marathon jedoch seine Stellung als zweitgrößter hessischer Marathon hinter dem Frankfurt-Marathon. Die der jährlichen Marathon-Analyse des Internet-Journals laufreport.de entnommenen Platzierungen können in der Tabelle rechts eingesehen werden.
2007 mini|140px|Beatrice Omwanza, Siegerin 2007/2008