Buchen (Odenwald) ist eine Stadt im Neckar-Odenwald-Kreis im Norden von Baden-Württemberg. Sie gehört zur europäischen Metropolregion Rhein-Neckar. Buchen gehörte im Mittelalter zu Kurmainz und war bis 1973 Kreisstadt des aufgelösten, landwirtschaftlich geprägten Landkreises Buchen.
Geographie Lage und Naturraum Buchen liegt in der Metropolregion Rhein-Neckar am Übergang zwischen dem südöstlichen Odenwald und dem Bauland auf 250 bis , im Dreieck der Großstädte Mannheim, Würzburg und Heilbronn.
Buchen grenzt im Norden an den Landkreis Miltenberg in Unterfranken, dann schließen sich im Uhrzeigersinn folgende Gemeinden des Neckar-Odenwald-Kreises an: Walldürn, Rosenberg, Osterburken, Seckach, Limbach und Mudau.
Das Gemeindegebiet gehört zum Naturpark Neckartal-Odenwald und dem Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald und wird vom Obergermanisch-Raetischen Limes durchzogen.
Bevölkerung Die Anzahl der Einwohner bezieht sich auf die Stadt Buchen sowie deren Stadtteile.
+ Bevölkerungsentwicklung Jahr 1808 1828 1852 1871 1895 1925 1939 1950Einwohner 7.107 8.270 8.841 8.565 7.892 8.372 8.177 12.486 Jahr 1961 1970 1987 2008 2014 2015 2016 2017Einwohner 12.133 14.100 14.100 18.495 17.571 17.704 17.922 17.851 Jahr 2018 2019 2020 2021Einwohner 17.796 17.772 17.773 17.756
Stadtgliederung mini|Stadtzentrum, Luftbild 2012 Die Gemeinde Buchen (Odenwald) besteht aus den 14 Stadtteilen Bödigheim, Buchen-Stadt, Eberstadt, Einbach, Götzingen, Hainstadt, Hettigenbeuern, Hettingen, Hollerbach, Oberneudorf, Rinschheim, Stürzenhardt, Unterneudorf und Waldhausen. Die Stadtteile sind räumlich identisch mit den früheren Gemeinden gleichen Namens, mit Ausnahme des Stadtteils Buchen-Stadt erfolgt ihre offizielle Benennung in der Form „Buchen (Odenwald) – …“.Hauptsatzung der Stadt Buchen (Odenwald) i.d.F. vom 11. Dezember 2020 (PDF; 501 kB). Abgerufen am 27. März 2021
Zu Buchen-Stadt zählen die Wohnplätze Am Weidenbaum, Hainstadter Mühle, Mittelmühle und Siedlung Am Kaltenberg. Zum Stadtteil Bödigheim gehören die Höfe Faustenhof, Griechelternhöfe, Siedlungshöfe Hohlenstein, Roßhof und Sechelseehöfe sowie das Haus Sägmühle. Zum Stadtteil Einbach gehört das Gehöft Einbacher Mühle. Zum Stadtteil Hettingen gehört die Hollerstocksiedlung. Zum Stadtteil Unterneudorf gehört das Haus Unterneudorfer Mühle. Zum Stadtteil Waldhausen gehört das Gehöft Glashof.
Im Stadtteil Eberstadt liegen die Wüstungen Klarenhof und Reinstadt, im Stadtteil Götzingen die Wüstungen Rönningen und Buklingen.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 263–270LEO-BW, Landeskunde entdecken online, Buchen (Odenwald)
Klimatabelle
Daten für den Zeitraum von 2008 bis 2018
Geschichte mini|Blick zum Mainzer Tor, dem Stadtturm. mini|hochkant|Museumshof (Außenseite) Buchen wurde 773/774 im Lorscher Codex, dem Urkundenbuch des Klosters Lorsch, anlässlich einer Schenkung an das Kloster als Bucheim erstmals erwähnt. Weitere Schenkungen folgten.Ortsliste zum Lorscher Codex, Buchen, Archivum Laureshamense – digital, Universitätsbibliothek Heidelberg. Der Ort war bereits in vorgeschichtlicher Zeit und während der Zeit der Römer besiedelt. Etwa fünf Kilometer östlich verlief der sogenannte „Vordere Limes“ des Obergermanisch-Rätischen Limes. Es stand zur Zeit der Karolinger unter dem Einfluss des Klosters Amorbach, dessen Vögte, die Herren von Dürn, die Gerichtsbarkeit und Vogteirechte an Buchen erlangten. Während der Zeit der Stammesherzogtümer lag der Ort im Herzogtum Franken. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erhielt der Ort die Stadtrechte verliehen, 1280 wurde Buchen erstmals urkundlich als Stadt bezeichnet. Beim Niedergang der Herren von Dürn wurde Buchen 1303/09 an Kurmainz verkauft und verblieb dort 500 Jahre lang. 1346 bildete Buchen mit Amorbach, Aschaffenburg, Dieburg, Külsheim, Miltenberg, Seligenstadt, Tauberbischofsheim und Walldürn den Neunstädtebund.
1382 scheiterte Kurfürst Ruprecht I. beim Versuch, die Stadt während eines Streits mit Kurmainz zu brechen. Die wehrhafte mittelalterliche Stadtbefestigung wurde um 1490 nochmals verstärkt und umschloss nunmehr auch die westlich gelegene Vorstadt. Ebenfalls 1490 wurde der Wartturm errichtet bzw. erneuert. Aus dem Jahr 1493 stammt der sogenannte Steinerne Bau als Sitz des kurmainzischen Amtmanns. Die Stadt hatte früh große Bedeutung als Marktstadt. Neben den vier großen Jahrmärkten (Fastnachtsmarkt, Maimarkt, Jakobimarkt und Martinimarkt) waren insbesondere die Garn-, Tuch- und Roßmärkte sowie der jeden Montag abgehaltene Wochenmarkt bekannt.
Im Bauernkrieg 1525 wurde Götz von Berlichingen im Hof des Steinernen Hauses (heute Museumshof) gegen seinen Willen zum Hauptmann des Bauernhaufens verpflichtet. Nach der Niederlage der Bauern wurde der Neunstädtebund von der Landesherrschaft faktisch aufgelöst, und Buchen verlor sein Selbstverwaltungsrecht.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort zunächst von den Schweden erobert. Diese mussten aber um 1634 kaiserlichen Truppen weichen. 1635 brach eine Pestepidemie aus, der 369 Einwohner aus der Stadt sowie viele Bewohner der umliegenden Ortschaften zum Opfer fielen. Die Bürger gelobten, künftig jährlich den Festtag des Hl. Rochus (16. August) mit einem Gottesdienst und einer feierlichen Prozession durch die Stadt zu begehen. Dieses Gelübde wurde im Typhuswinter 1942/43 erneuert und wird bis heute gehalten. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg suchten 1688 französische Truppen die Stadt heim und zerstörten einen Teil der Stadtbefestigung. Durch Blitzschlag kam es 1717 in der Kernstadt zu einem neuerlichen katastrophalen Stadtbrand, dem etwa die Hälfte der Gebäude zum Opfer fielen, darunter auch das alte Rathaus und der Dachstuhl der Kirche.
1803 wurde Buchen nach Auflösung des Kurfürstentums Mainz im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses dem durch Order von Napoleon umgesiedelten Fürstentum Leiningen zugeordnet, 1806 dann dem Großherzogtum Baden. 1815 wurden drei der Stadttürme abgerissen, lediglich der westliche Torturm (Mainzer Tor) blieb erhalten. Die Badische Revolution von 1848/49 fand auch in Buchen Unterstützung.
Bereits in kurmainzischer Zeit war Buchen Sitz eines Amtes. Diese Stellung als Verwaltungsmittelpunkt behielt die Stadt auch unter leiningscher und badischer Herrschaft. 1938 wurde aus dem Bezirksamt Buchen der Landkreis Buchen.
In der sogenannten Reichspogromnacht 1938 wurden die Synagogen in Buchen und Bödigheim geschändet. Bei den folgenden Deportationen vor allem nach Gurs kamen von den 1933 in Buchen lebenden 34 Einwohnern jüdischen Glaubens mindestens 13 ums Leben. Der ehemalige Verbandsfriedhof in Bödigheim ist heute noch Zeuge des früheren jüdischen Gemeindelebens im näheren, stark katholisch geprägten Umkreis.
Im Rahmen der Kreisreform 1973 wurde der Landkreis Buchen aufgelöst und die Stadt in den neuen Neckar-Odenwald-Kreis eingegliedert. Am 1. Dezember 1971 wurde Stürzenhardt nach Buchen (Odenwald) eingemeindet. Am 1. Dezember 1972 kam Unterneudorf hinzu. Die Gemeinden Bödigheim, Einbach, Oberneudorf und Waldhausen wurden am 31. Dezember 1973 eingegliedert. Die heutige Stadt wurde am 1. Oktober 1974 durch die Vereinigung der Stadt Buchen (Odenwald) und der Gemeinden Götzingen, Hainstadt, Hettigenbeuern und Hettingen neu gebildet. Rinschheim kam am selben Tag hinzu. Am 1. Januar 1975 erfolgten die Eingemeindungen von Eberstadt und Hollerbach.
1986 fanden in Buchen die Heimattage Baden-Württemberg statt.
Politik mini|Blick von der Marktstraße zum alten Rathaus.
Gemeinderat Der Gemeinderat hat normalerweise 26 ehrenamtliche Mitglieder, die für fünf Jahre gewählt werden. Die Gemeinderäte führen die Bezeichnung Stadtrat. Häufig erhöht sich die Zahl der Mitglieder durch Ausgleichssitze (gesamt 2019: 33 Sitze; 2014: 31). Hinzu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigter Gemeinderatsvorsitzender.
Dabei garantiert die Unechte Teilortswahl den Ortsteilen eine festgelegte Anzahl von Sitzen: Aus dem Hauptort Buchen (mit Hollerbach) kommen mindestens zehn, aus Hettingen mindestens drei, aus Götzingen und Hainstadt jeweils mindestens zwei Räte, und aus Bödigheim, Eberstadt, Einbach, Hettigenbeuern, Oberneudorf, Rinschheim, Stürzenhardt, Unterneudorf und Waldhausen kommt jeweils mindestens ein Gemeinderat.
Die Kommunalwahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis (mit Vergleichszahlen voriger Wahlen):Wahl des Gemeinderats 2024, Stadt Buchen, Amtliches Endergebnis, abgerufen am 1. Oktober 2024.
Gemeinderat 2024 Vorige Wahlen Partei / Liste Stimmenanteil Sitze 2019 2014 CDU 44,2 % 15 52,4 %, 18 Sitze 59,8 %, 18 Sitze FW 25,0 % 8 24,0 %, 8 Sitze 24,6 %, 8 Sitze SPD/Grün-Links* 11,6 % 4 19,4 %, 6 Sitze – Grüne 10,1 % 3 – – AfD 9,1 % 3 3,3 %, 1 Sitz – Wahlbeteiligung 59,83 % 58,2 % 47,0 % * 2024 ohne Grün-Links
Die Ortsteile bilden 13 Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, wobei die Ortsteile Buchen-Stadt und Hollerbach zu einem Wohnbezirk zusammengefasst sind. Abgesehen von diesem Hauptort sind in den anderen 12 Stadtteilen Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung eingerichtet, mit jeweils einem Ortschaftsrat und einem Ortsvorsteher als Vorsitzendem.
Bürgermeister Seit Februar 2006 ist Roland Burger (CDU) der Bürgermeister der Stadt Buchen. Zuvor (seit Februar 1991) war er Bürgermeister der Stadt Osterburken. Der frühere Bürgermeister Achim Brötel wurde Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises.
Wappen Die Blasonierung des Wappens lautet: „In silber auf grünem Dreiberg, auf dessen äußeren Kuppe je ein auswärts geneigter grüner Zweig, eine grüne Buche, deren Stamm beheftet mit einem gelehnten roten Schild, darin ein sechsspeichiges silbernes Rad.“ Dabei handelt es sich um das Mainzer Rad.
Wappen der ehemaligen Gemeinden
Wirtschaft und Infrastruktur Buchen hat als Mittelzentrum zwischen Neckar und Main eine Wirtschaftsstruktur aus Produktion, Handel, Handwerk und Dienstleistungen aufgebaut und in mehreren Gewerbegebieten angesiedelt. Fast die Hälfte der 7000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten arbeiten im produzierenden Gewerbe, der Rest überwiegend im Dienstleistungsbereich und Verwaltung.
Ansässige Unternehmen Die industrielle Entwicklung beschränkte sich traditionell auf die regionalen Rohstoffe Holz, Stein und Ton und bestand in kleineren Sägewerken, Ziegelfabriken und Mühlen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine kontinuierliche Ansiedlung industrieller Betriebe ein, die auch staatlich gefördert wurde. Unterstützend war dabei der Zuzug zahlreicher sudetendeutscher Heimatvertriebener, die Qualifikationen im Bereich Metall- und Kunststoffverarbeitung besaßen. Inzwischen hat sich die Stadt zu einem Standort mit typischer mittelständischer Industrie und über 3000 industriellen Arbeitsplätzen entwickelt.
Die Sitz- und Liegemöbelfabrik Franz Fertig besteht seit 120 Jahren und ist auf hochwertige Verwandlungsmöbel im Wohn- und Schlafbereich spezialisiert. Inzwischen werden auch Kreuzfahrtschiffe u. a. der AIDA Cruises ausgestattet.
Die Braas GmbH produziert im Stadtteil Hainstadt in einem Zweigwerk Tondachziegel. In einer strategischen Allianz wurde im Jahre 1990 das seit Jahrzehnten bestehende Familienunternehmen RuppKeramik eingegliedert, weil dieses Unternehmen einen hervorragenden Ton als Rohstoff zur Verfügung hat und die Braas Gruppe damit im Bereich Tondachziegel aktiv werden konnte.
Der Müsliproduzent Seitenbacher hat in Buchen seinen Sitz.
Krankenhaus Buchen Vor Ort ist das ehemalige Kreiskrankenhaus Buchen, heute Teil der Neckar-Odenwald-Kliniken.
Daneben existieren mehrere Altenheime. In Buchen gab es eine der ersten Wohnanlagen bundesweit nach dem Modell des betreuten Wohnens.
Verkehr Fernstraßen