mini|Ansicht des Stadtgarten mit Fontänenteich, 2025 mini|Froschbrunnen, 2025 Der Stadtgarten Wattenscheid ist eine historische Parkanlage im Bochumer Stadtteil Wattenscheid.
Lage
Der etwa 10 Hektar große Stadtgarten liegt zentral in Wattenscheid. Er wird eingerahmt von der Parkstraße im Westen und dem Stadtgartenring im Norden und Osten. In dem dicht besiedelten Bereich Wattenscheids dient der Park als „grüne Lunge“.
Geschichte Stadtgarten
Vorgeschichte bis zur Fertigstellung Aufgrund eines Entschlusses des Kreistages des Landkreises Gelsenkirchen wurde auf Anregung des Landrats Wilhelm Hammerschmidt 400 000 Mark als Mittel bewilligt, um den zum Landkreis gehörenden Gemeinden die Anlage von Volksgärten zu ermöglichen. In diesen sollte sich die Bewohner des Industriereviers erholen und neue Arbeitskraft gewinnen. Die Gemeinden hatten von den bereitgestellten Mitteln 44 Jahre lang 1 % als Amortisation abzutragen, der Rest wurde vom Kreis übernommen.
Planung Im Januar 1898 entschied sich die Stadt Wattenscheid, einen Stadtgarten anzulegen.
Eine aus fünf Mitgliedern gegründete Kommission untersuchte die infrage kommenden Grundstücke und entschied sich für eine 4,4 Hektar große Fläche in der Nähe des katholischen St.-Marien-Krankenhauses. Am 23. Juni 1898 wurde in einer Ratssitzung eine Stadtgartenkommission gewählt. Als erste Vorarbeit wurde eine Zuwegung geschaffen. Dazu wurde der sogenannte Prozessionsweg zur Parkstraße ausgebaut. Die Arbeiten waren zur Zufriedenheit des Rates, und am 1. November 1898 wurden die Flächen zwischen diesem Weg und der Sommerdelle übernommen. Der Preis betrug die Summe von 114 000 Reichsmark.WAZ Wattenscheid, Grüne Lunge wird 100 Jahre, 7. März 1998
Bauphase Die Wattenscheider Zeitung meldete am 17. November 1898: „Am Dienstag ist der Grundkomplex, welcher für die Anlage des Stadtgartens erworben ist und in der Gegend des Marienhospitals liegt, von Herrn Stadtbaumeister Peter Wallraven vermessen und ausgepfählt.“ Damit war quasi der Grundstein gelegt worden.Ruhr-Nachrichten Bochum, Ein Sommerfest zum Jubiläum, 15. August 1998
Der Schwanenteich wurde aus den alten Froschteichen im sumpfigen Uferbereich des nach Norden fließenden Bachlaufs der Vosskuhle gestaltet. Der Weiher lud im Sommer zu einer Runde mit dem Ruderboot und im Winter zum Eislaufen ein. Dieser erste Teil wurde unter der Leitung des vorher genannten Stadtbaumeisters sowie des Stadtgärtners Friedrich Diebold angelegt und von 15 Arbeitern, Gärtnern und Tagelöhnern ausgeführt.
In den folgenden Jahren bis 1901 entstand der erste Teil des Stadtgartens im Stil eines englischen Landschaftsgartens mit organisch geführten Wegen.
Fertigstellung des Stadtgartens In dem Verwaltungsbericht für das Rechnungsjahr 1900 (bis März 1901) heißt es: „Der Stadtgarten kann als fertig gestaltet betrachtet werden.“Bericht des Rechnungsjahres 1900, S. 19, VÖ Dezember 1901 Der Abschluss der Ausgestaltung des Gartens wurde im Verwaltungsbericht des Jahres 1901 für den 1. April bekannt gegeben.WAZ Wattenscheid, Grüne Lunge wird 100 Jahre, 7. März 1998 Von einer besonderen Eröffnungsfeier ließ sich bisher kein Beleg finden.
Die nun fertige Grünanlage wurde gepriesen „... als die beste Gelegenheit zu wohltuender Bewegung und Erholung in Gottes freier Natur, was umso mehr anzuschlagen ist, als die hiesige eng bevölkerte Gegend an derartigen Erholungsstätten in der freien Natur ausgesprochen arm ist.“ Dementsprechend sollten sie auch geschützt werden. Dies untermauert eine Polizeiverordnung. Darin heißt es 1901 klipp und klar: Innerhalb von 150 Metern von der Grenze des hiesigen Stadtgartens dürfen Fabriken, Werkstätten oder gewerbliche Anlagen nicht errichtet und dergleichen bestehende Anlagen nicht erweitert werden. Den Besuchern des Stadtgartens sollen, ganz amtlich formuliert, „Belästigungen durch die Verbreitung von Dünsten, großen Staubmengen und Lärm erspart bleiben.“
Der Stadtgarten in der Anfangsphase mini|Ehemaliges Stadtgärtnerhaus, 2025 Bei der Fertigstellung betrug die Fläche des Stadtgartens „4 ha 40 a 16 qm“. Zu den Attraktionen des Parks gehörten ein Kinderspielplatz und der Schwanenteich. In der Mitte lag die Schwaneninsel. Heute befindet sich an dieser Stelle die Liegewiese um die Fontänen. Im Winter diente die Eisfläche für den Eissport. So vermeldete die Wattenscheider Zeitung im Januar 1914: "Die Muskeln und Lungen sind dort reichlich gestärkt." Und das es eine erfreuliche Summe von 395 Mark für den Stadtsäckel an Eintrittsgeldern gab, allerdings „… lediglich in Nickelmünzen, also 3950 Nickel.“
Für den Stadtgärtner wurde 1909 vom Bauunternehmer Franke auch ein Wohn- und Verwaltungsgebäude errichtet, welches in veränderter Form noch heute steht. Er wurde von zwei weiteren Gärtnern, fünf Arbeitern und fünf Frauen unterstützt, in den Sommermonaten durch Saisonkräfte ergänzt.Verwaltungsbericht Wattenscheid 1913–1925, S. 92
Erweiterungen des Stadtgartens mini|Der Stadtgarten nach der Erweiterung in den 1920er Jahren, nördlich des Sportplatzes Der Stadtgarten wurde seither kontinuierlich ausgebaut. 1919/20 kam ein Sport- und Turnplatz hinzu.
mini|Ehemaliger Gondelteich, 2025 Im Rahmen von Notstandsarbeiten erfolgte 1925 durch Erwerbslose eine Erweiterung um 5,83 Hektar. Dabei wurden ein 15 000 qm großer Gondelteich geschaffen sowie ein Erfrischungshaus und ein botanischer Garten mit Gewächshäusern angelegt. Dieser wurde von der Verwaltung als nützlich für die Schüler bezeichnet. Die Pflasterung wurde von den lokalen Baufirmen Hobein und Olivier übernommen. Nach der Erweiterung mache der Stadtgarten um 1925 die Hälfte der städtischen Grünfläche von 20,53 Hektar aus.Verwaltungsbericht Wattenscheid 1913–1925, S. 92, 93
Der Gondelteich erfreute sich großer Beliebtheit. Für die Zeit von 1928/1929 werden 12 300 Personen als Besucher angegeben. Davon waren 10 100 für den Kahnbetrieb, und 2 200 nutzten die Eisbahn für den Eissport. Diese wurde, wenn es der Winter zuließ, vom Gärtner, auf dem Teich angelegt.Verwaltungsbericht Wattenscheid 1928–1929, S. 44
NS-Zeit und Weltkrieg Im Jahr 1935 sind die Stadtgarten-Tore aus den Gründerjahren entfernt worden. Dies geschah wahrscheinlich im Rahmen der „Entgitterungsaktionen“. Eine große Hecke, die entlang der Parkstraße stand, wurde gerodet, um den Garten zur Stadt räumlich zu öffnen. Von den Nationalsozialisten wurde die noch heute vorhandene Freilichtbühne als Thingstätte erbaut und am 4. Juli 1936 eingeweiht.Chronica Wattenschedensis - Abschrift von Texttafeln des ehemaligen Wattenscheider Archives.
Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Vogelgehege im Stadtgarten, 2002 Ein neues Vogelhaus wurde 1951 errichtet. Die auf dem Stadtparkteich liegenden Kähne dienten als Gastronomie, sie wurden aber Ende der 1950er Jahre außer Dienst gestellt und abgewrackt. Das Vogelgehege wurde 1978 um Außenvolieren erweitert.
Bemerkenswert ist bis auf zwei Ausnahmen das Fehlen von Denkmälern oder öffentlichen Kunstwerken in dem Stadtgarten. Lediglich zwei Plastiken aus Baukeramik von Herbert Lungwitz, Elba und Schimäre, beide aus dem Jahr 1978, sind in dem Park zu finden.
Im August 1998 richtete die Bezirksvertretung Wattenscheid eine Feierlichkeit zum 100-jährigen Bestehen des Stadtgarten aus,Bochumer Themen 1998 in Bezug auf den Ankauf der Fläche oder das Ende der Vermessungsarbeiten (siehe oben).
Heutige Parkanlage In der Anlage gibt es verschiedene besondere Einzelbäume, wie z. B. den Mammut-, den Trompeten- oder den Tulpenbaum. Weiterhin gibt es eine Schützeneiche von 1926, eine Linde, die 2018 von der Bahai-Gemeinde gestiftet wurde, und einen Baum, der von pro grün e. V. in Gedenken an Klaus Steilmann gestiftet wurde.
Die Freilichtbühne ist zusammen mit dem angegliederten Biergarten ein Veranstaltungsort für Konzerte, Theateraufführungen und Musicals für Kinder und Erwachsene, aber zum Beispiel auch für Veranstaltungen zu Fronleichnam oder St. Martin.
Sanierung des Geländes 2020 wurde von der Bezirksvertretung Wattenscheid eine Umgestaltung beschlossen. Als Erstes war dies der Kinderspielplatz „Phönixnest“ im Jahr 2021. Im März 2025 wurde nach einer zweijährigen Bauzeit der Stadtgarten wiedereröffnet. Die Sanierung umfasste im Wesentlichen eine Erneuerung des Spielplatzes und des Wegesystems; neue Bäume wurden gepflanzt. Mit der Sanierung des Teiches dient dieser nun zur Aufnahme von Regenwasser aus der Nachbarschaft und als Rückhaltebecken. Die Investitionssumme war 4,78 Millionen Euro aus Mitteln der Europäischen Union, des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen sowie Mittel der Stadt Bochum.
mini|Storcherlebnispark, 2025 Ein wesentlicher Teil der Veränderungen ist der Abbau der alten Vogelgehege, welche durch den Storcherlebnispark Wattenscheid ersetzt wurden. In einer großen Freiflugvoliere sind Störche zu beobachten. Ein thematischer Spielplatz sowie einige Informationstafeln zu dem Leben der Störche runden den Storcherlebnispark ab. Der Park wird in Kooperation mit dem Tierpark Bochum betrieben.
2027 soll das Gelände in die Internationale Gartenbauausstellung einbezogen werden.Gestalterische und funktionale Aufwertung des Stadtgartens in Bochum-Wattenscheid auf brosk.de, abgerufen am 25. Januar 2023.
Stadtgarten oder Stadtpark Wattenscheid? Bis 1975 war Wattenscheid eine eigenständige Stadt, bevor Bochum und Wattenscheid im Rahmen der Gebietsreform von 1975 zusammengelegt wurden. Teilweise wurde der Stadtgarten früher auch als Stadtpark bezeichnet, sodass eine Umbenennung nach 1975 möglich wäre. Ähnliches gab es in Bochum mit dem heutigen Rechener Park, der früher als Südpark bezeichnet wurde, sich aber damit mit dem Südpark in Wattenscheid-Höntrop überschnitt. Allerdings wurde die Grünfläche im Rahmen der Volksgarten-Bewegung errichtet.
Bei den schriftlichen Quellen gibt es unterschiedliche Angaben. In den alten zeitgenössischen Verwaltungsberichten der Stadt Wattenscheid ist von Stadtgarten die Rede,Verwaltungsbericht Wattenscheid 1913–1925, S. 92Verwaltungsbericht Wattenscheid 1928–1929, S. 44 ebenso in der Zeitung. Im Verwaltungsbericht von 1951–1953 wird die Grünfläche als Stadtpark bezeichnet.Verwaltungsbericht Wattenscheid 1951–1953, S. 81 In amtlichen Stadtplänen ist ebenfalls die Bezeichnung Stadtpark zu finden. In der Broschüre Wattenscheid, die alte Stadt am Hellweg sind dann beide Bezeichnungen verwendet. Bei Postkarten gibt es ohnehin beide Varianten. Wie in vielen Fällen nahm man es wahrscheinlich in früheren Zeiten nicht so genau.
Siehe auch Liste von Parkanlagen in Nordrhein-Westfalen
Weblinks
Blaue Line der Stadt Bochum (Archive.org) Website der Freilichtbühne mit Veranstaltungskalender Stadtgarten auf wat-bewegen.de
Einzelnachweise
Kategorie:Parkanlage in Bochum Kategorie:Wattenscheid Kategorie:Parkanlage in Europa