Inari [] (nordsamisch Anár, inarisamisch Aanaar, skoltsamisch Aanar, schwedisch Enare) ist eine Gemeinde im finnischen Teil Lapplands. Sie liegt am See Inarijärvi und hat Einwohner (Stand ) auf einer Fläche von etwa 17.300 Quadratkilometern. Ein großer Teil des Gemeindegebietes besteht aus menschenleerer Wildnis. Verwaltungssitz der Gemeinde Inari ist der Ort Ivalo. Die samische Kultur ist in Inari, dessen Bevölkerung zu 30 Prozent aus Angehörigen dieses indigenen Volkes besteht, stark präsent. Neben der traditionellen Rentierzucht und Forstwirtschaft ist heute der Tourismus, vor allem dank des Wintersportorts Saariselkä, zum Haupterwerbszweig der Gemeinde geworden.

Geografie Lage und Ausdehnung Inari liegt im Norden der finnischen Landschaft Lappland circa 250 Kilometer nördlich des Polarkreises und ca. 250 Kilometer südlich vom Nordkap. Inari hat eine extrem ausgedehnte Gemarkung: Mit 17.334 km² umfasst die flächenmäßig größte Gemeinde Finnlands fünf Prozent der gesamten Landesfläche und ist damit etwas größer als etwa das deutsche Bundesland Thüringen. Ein Großteil des Gemeindegebietes besteht dabei aus unbewohnter Wildnis. Bei weniger als 7000 Einwohnern ergibt sich so eine Bevölkerungsdichte von 0,46 Einwohnern pro Quadratkilometer.

Nachbargemeinden von Inari sind Utsjoki im Norden, Sodankylä im Süden, Kittilä im Südwesten und Enontekiö im Westen. Im Nordwesten und Nordosten grenzt Inari an Norwegen (Kommunen Karasjok und Kautokeino im Nordwesten sowie Sør-Varanger im Nordosten) und im Osten an Russland (Rajon Petschenga).

Ortschaften Verwaltungssitz der Gemeinde Inari ist Ivalo. Etwa die Hälfte der Gemeindebevölkerung lebt in dem am Fluss Ivalojoki südlich des Inarijärvi gelegenen Ort. Das namensgebende Kirchdorf Inari hat dagegen nur etwa 450 Einwohner. Es befindet sich am Westende des Inarijärvi. Die restliche Bevölkerung verteilt sich auf eine Reihe kleiner und teilweise sehr abgelegener Dörfer im Gemeindegebiet.

Die Dörfer von Inari (Einwohnerzahlen vom 31. Dezember 2005 in Klammern) (finn.): Akujärvi (157) Akujärvi, übriger Teil (26) Angeli-Pyhäjärvi-Koiraoja (86) Inari (459) Inari, Umgebung (310) Ivalo (3.379) Ivalo, Umgebung (157) Kaamanen (192) Keväjärvi (185) Koppelo (217) Kuttura (21) Lisma (15) Menesjärvi-Lemmenjoki (138) Nellim (194) Partakko (75) Riutula-Kettukoski-Tirro (82) Saariselkä (311) Sevettijärvi-Näätämö (238) Törmänen (351) Törmänen, Umgebung (274) Ukonjärvi (21) Veskoniemi (71)

Landschaft und Natur mini|Fjell-Vegetation im Muotkatunturi-Wildnisgebiet Landschaftlich gehört Inari zum Großraum Lappland. Größtenteils gehört das Gemeindegebiet zu Wald-Lappland, in dem noch Kiefern und Fichten vorkommen. Höhere Lagen sind baumfrei und werden nur von Flechten bedeckt. Kiefer und Fichte erreichen in Inari die Grenze ihres Verbreitungsgebietes, nördlich davon beginnt der Landschaftstyp Fjell-Lapplands, wo Tundra-artige Vegetation vorherrscht und in niedrigen Lagen nur noch gedrungene Birken wachsen. Aus der größtenteils eher flachen Umgebung erheben sich vereinzelte Fjells (tunturi), deren höchster der Viipustunturi mit 599 m ist. 72,2 % der Fläche Inaris stehen unter Naturschutz unterschiedlichen Grades. Im Gebiet der Gemeinde befindet sich der Großteil des Nationalpark LemmenjokiNationalparks Lemmenjoki, mit 2850 km² der größte Finnlands, ein kleiner Teil des Nationalparks Urho Kekkonen sowie die Wildnisgebiete Hammastunturi, Kaldoaivi, Muotkatunturi, Paistunturi, Tsarmitunturi und Vätsäri. In der Wildnis von Inari leben verschiedene wilde Tiere, darunter Elche, Bären, Vielfraße, Wölfe und Steinadler. Die allenthalben anzutreffenden Rentiere sind halbdomestizierte Nutztiere.

mini|links|Am Inarijärvi 2129 km², das sind zwölf Prozent des Gemeindegebiets, werden von Wasser bedeckt. Rund die Hälfte hiervon entfällt auf den Inarijärvi. Mit einer Fläche von 1041 km² (fast das Doppelte des Bodensees) ist er der drittgrößte See Finnlands. Er liegt in einer Senke und ist bis zu 92 Meter tief. Die Küstenlinie des Sees mit seinen über 3000 Inseln ist stark zergliedert. Andere nennenswerte Seen sind der Mutusjärvi, Paatari und Patujärvi. Die übrigen Seen sind oftmals sehr klein. Im Norden von Inari wird mit durchschnittlich zehn Seen bzw. Teichen pro Quadratkilometer die höchste Seendichte Finnlands erreicht. (finn.) Durch das Gemeindegebiet von Inari fließen eine Reihe größerer Flüsse. Die Flüsse Ivalojoki, Lemmenjoki, Vaskojoki und Juutuanjoki münden in den Inarijärvi, der wiederum durch den norwegisch-russischen Grenzfluss Paatsjoki ins Eismeer entwässert wird. Der finnisch-norwegische Grenzfluss Inarijoki dagegen fließt in den Tenojoki (Tanaelva).

Klima mini|Klimadiagramm Inari Das Klima in Inari ist kaltgemäßigt und wie allgemein in Finnisch-Lappland recht kontinental geprägt. Der Jahresniederschlag Inaris gehört mit 405 mm zu den geringsten Finnlands, was aber durch die geringe Verdunstung aufgrund der kühlen Temperaturen kompensiert wird. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt −1,3 °C (zum Vergleich: Helsinki ca. +5 °C, Berlin ca. +9 °C). Der wärmste Monat ist der Juli mit einer mittleren Durchschnittstemperatur von 13,2 °C, der kälteste der Januar mit −13,5 °C. Der thermische Sommer dauert von Mitte Juni bis Ende August. Im kurzen Sommer können die Temperaturen aber durchaus hoch steigen. So wurden die Jahreshöchsttemperaturen Finnlands zuletzt 2000, 2004 und 2005 mit jeweils um die 30 °C im Dorf Sevettijärvi in Inari gemessen.Ilmatieteen laitos: Vuoden lämpimin ja kylmin paikka Suomessa (finn.) Die Winter sind lang und kalt – Tiefsttemperaturen von unter −40 °C sind keine Seltenheit. Eine bleibende Schneedecke herrscht meist zwischen Ende Oktober und Mitte-Ende Mai. Die Uferbereiche des Inarijärvi vereisen meist Ende Oktober, die offenen Flächen einen Monat später. Das Eis schmilzt meist erst Anfang Juni.

Durch seine Lage ca. 250 km nördlich des Polarkreises herrschen in Inari extreme jahreszeitliche Unterschiede in der Sonnenscheindauer: In Ivalo scheint zwischen 24. Mai und 21. Juli die Mitternachtssonne. Entsprechend herrscht zwischen 4. Dezember und 8. Januar die Polarnacht (kaamos).

Geschichte Vorgeschichte Nach dem Rückzug der Gletscher am Ende der letzten Eiszeit verbreitete sich die erste menschliche Besiedlung im Gebiet von Inari. Die ältesten Siedlungsspuren stammen aus der Zeit zwischen 8000 und 7000 v. Chr. Die ersten Siedler waren Angehörige der Komsa-Kultur, die von der Eismeerküste kamen. Später während der Steinzeit wanderte auch Bevölkerung aus Nordschweden und von der Weißmeerküste ein. (engl.) Durch die Vermischung dieser steinzeitlichen Urbevölkerung und der ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. einwandernden Finno-Ugrier entstand die samische Bevölkerung Lapplands, die in Inari bis ins 20. Jahrhundert vorherrschend blieb.

Die Kultur der in Inari indigenen Inarisamen unterschied sich von derjenigen der Samen Nordlapplands, da sie nicht von der Rentierzucht, sondern von Jagd und Fischerei lebten. Ihre Lebensweise war halbnomadisch: Die kalte Jahreszeit verbrachten sie in einem Winterdorf und machten Jagd auf die wilden Waldrentiere, im Sommer betrieben sie Fischerei und sammelten Beeren. Die Einwohner eines Winterdorfes bildeten eine Gemeinschaft, die das Nutzungsrecht an einem festgelegten Gebiet besaß. Im Fall von Inari entsprach das Gebiet des Dorfes etwa dem heutigen Gemeindegebiet. Im Winterdorf regelten die Samen auch ihre gerichtlichen Angelegenheiten. In Inari blieb diese samische Gerichtsbarkeit bis 1823 bestehen.Teuvo Lehtola: Kolmen kuninkaan maa. Inarin historia 1500-luvulta jälleenrakennusaikaan, Jyväskylä 1998, S. 22. Die Samen von Inari verfügten im Mittelalter über rege Handelskontakte zu den Pomoren an der russischen Weißmeerküste, den Birkarls an der Ostsee und den Häfen am Nordmeer, die von der Hanse angesteuert wurden.

Schwedische und russische Zeit Mit der Erschließung Lapplands im späten Mittelalter rückte auch Inari in den Blickpunkt Schwedens, Norwegens und Russlands. Die erste schriftliche Erwähnung Inaris stammt aus einer Urkunde des Moskauer Großfürsten Wassili III. über die Besteuerung Lapplands aus dem Jahr 1517. 1595 wurde die schwedisch-russische Grenze im Frieden von Teusina festgelegt und 1617 im Frieden von Stolbowo nochmals bestätigt. Sie verlief östlich des Inarijärvi unweit der heutigen Grenze. Praktisch blieb das Gebiet aber mehr oder weniger herrenlos, der staatliche Einfluss beschränkte sich im Wesentlichen auf das Eintreiben von Steuern. Inari wurde dabei bis 1751 sowohl von Schweden und Norwegen als auch von Russland besteuert. Im 16. Jahrhundert übernahmen die ersten Einwohner Inaris den christlichen Glauben. In einer schwedischen Steuerliste von 1570 tragen bereits sechs von 17 Steuerpflichtigen einen christlichen Namen. Endgültig setzte die Christianisierung Inaris im 17. Jahrhundert ein. Ab 1630 bekehrte der Pfarrer Johan Pictorius aus Kemi die Einwohner Inaris zum Christentum, 1646 wurde die erste Kirche in Pielpajärvi errichtet. (finn.)

Ab dem 18. Jahrhundert begann die sesshafte Ackerbaukultur an die Stelle der halbnomadischen Lebensweise zu treten. Den ersten Bauernhof Inaris gründete um 1740 der Inarisame Johan Nilsson Aikio. Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts ließen sich finnische Neusiedler im Dorf Kyrö, dem heutigen Ivalo, nieder. Als die Waldrentierbestände im 19. Jahrhundert durch die intensive Bejagung zurückzugehen begannen, nahm die Bedeutung der Viehzucht als Erwerbszweig zu. Zugleich versuchte der Staat, die Samen durch Steuerbegünstigungen dazu zu veranlassen, sesshaft zu werden. So entstanden vor allem ab 1830 in ganz Inari neue Bauernhöfe. Insgesamt wurden 121 Höfe gegründet, davon knapp drei Viertel durch Samen und über ein Viertel durch Finnen. (finn.)

Als Schweden 1809 im Vertrag von Fredrikshamn das Gebiet des heutigen Finnland an Russland abtrat, wurde auch Inari zu einem Teil des neugegründeten Großfürstentums Finnland. Als 1852 die russisch-norwegische und 1889 die russisch-schwedische Grenze geschlossen wurden, konnten die Rentiernomaden Nordlapplands nicht mehr wie zuvor mit ihren Herden an die Eismeerküste ziehen und mussten ihre Weidegebiete nach Süden ins Binnenland verlegen. Hierdurch entstand auch in Inari eine Nordsamisch sprechende, Rentierzucht betreibende Bevölkerung. In der Folge übernahmen auch Inarisamen, die zuvor nur wenige Rentiere als Zugtiere gehalten hatten, und Finnen die Rentierzucht als Erwerbszweig.

Seit der Unabhängigkeit Mit der finnischen Unabhängigkeitserklärung wurde auch Inari 1917 Teil der unabhängigen Republik Finnland. Zu dieser Zeit stellten die Samen noch die Bevölkerungsmehrheit in Inari. Als aber 1920 rund 200 Samen der Spanischen Grippe zum Opfer fielen, kehrte sich das Mehrheitsverhältnis um.Marko Jouste: Lappi maailmansodan vuosina (finn.) Im Frieden von Dorpat erhielt Finnland 1920 von Sowjetrussland das nordöstlich von Inari gelegene Gebiet von Petsamo (Petschenga) und damit einen Zugang zum Eismeer. 1931 wurde mit der Eismeerstraße von Rovaniemi über Ivalo zum Hafen Liinahamari eine durchgängige Straßenverbindung nach Petsamo geschaffen. Das Dorf Ivalo profitierte von seiner Lage an der Eismeerstraße und überflügelte bald das alte Kirchdorf Inari.

mini|Das im Lapplandkrieg zerstörte Ivalo