mini|hochkant|Karsten Vilmar (1980) Karsten Vilmar (* 24. April 1930 in Bremen; † 16. Oktober 2024 ebenda)Nachruf. FAZ, 2. November 2024, S. 23, Traueranzeigen S. 25. war ein deutscher Chirurg und Standespolitiker.Helmut Laschet: Karsten Vilmar: Dauerpräsident in schwierigen Zeiten. In: Ärzte-Zeitung, 7. November 2024, Jahrgang 43, Nummer 45, S. 58 f.Michael Schmedt: Gradlinig und zielstrebig für die Ärzteschaft. In: Deutsches Ärzteblatt, 15. November 2024, 121. Jahrgang, Heft 23, S. A 1528 f. Er war von 1978 bis 1999 Präsident der Bundesärztekammer (BÄK).

Leben Nach dem Besuch des Alten Gymnasiums und dem Abitur 1950 in Bremen studierte Karsten Vilmar, ein Nachfahre des Theologen und Literaturhistorikers August Vilmar (1800–1868), an der Ludwig-Maximilians-Universität München Medizin. Nach dem Staatsexamen und der Promotion zum Dr. med. 1955 arbeitete er in Bremen in mehreren Kliniken, von 1964 bis 1996 als Chirurg und leitender Oberarzt der Unfallchirurgischen Klinik des Zentralkrankenhauses Sankt-Jürgen-Straße.

Ab 1968 war er zunächst als Mitglied der Delegiertenversammlung der Ärztekammer Bremen berufspolitisch aktiv. Von 1975 bis 1979 war er Bundesvorsitzender der Ärztegewerkschaft Marburger Bund (Verband der angestellten und beamteten Ärzte Deutschlands in Marburg) und von 1976 bis 1996 Präsident der Ärztekammer Bremen. Von 1975 bis 1978 war er Vizepräsident und von 1978 bis 1999 Präsident der Bundesärztekammer (Arbeitsgemeinschaft der Westdeutschen Ärztekammern in Köln) und des Deutschen Ärztetages. Darüber hinaus war Vilmar in einer Reihe weiterer Organisationen Mitglied und führend aktiv. Im Zusammenhang mit der Kontroverse um die Liberalisierung des Schwangerschaftsabbruchs bestritt Vilmar, dass es „in einem so reichen Staat wie der BRD eine Notwendigkeit zum Schwangerschaftsabbruch aus sozialer Notlage“ geben könne.Bundesarbeitsgericht: Urteil vom 21. Oktober 1982, Aktenzeichen: 2 AZR 591/80. Vilmar kritisierte eine „Vollkaskomentalität“ im Gesundheitswesen und verlangte mehr Selbstverantwortung. Die Krankenkassen sollten nur bezahlen, was gemäß Sozialgesetzbuch V „ausreichend, zweckmäßig, notwendig, wirtschaftlich“ sei. Vilmar verlangte ein Werbeverbot und einen Gesundheitszuschlag für Alkohol und Tabakwaren. Er befürwortete Zusatzversicherungen für Extremsportler.Karsten Vilmar. Nachruf. In: FAZ, 2. November 2024, S. 23. 1998 wurde der von Karsten Vilmar geprägte Begriff „sozialverträgliches Frühableben“ zum Unwort des Jahres gekürt. Ursprüngliche Absicht des Arztes war es, die Sparpläne der Bundesregierung zu kritisieren, allerdings seien nach Meinung der Juroren im Kontext Ironie und Satire in blanken Zynismus umgeschlagen.

In der Debatte der 1980er Jahre um die Rolle der Medizin im Nationalsozialismus behauptete Vilmar, „die große Mehrheit der Ärzte“ habe sich auch „im Dritten Reich selbstlos für eine auch unter schwierigsten Bedingungen möglichst gute Versorgung der Patienten eingesetzt, oft unter Gefahr für das eigene Leben“. Medizinhistoriker widersprachen diesen verharmlosenden Aussagen daraufhin öffentlich.

Vilmar war verheiratet und Vater zweier Söhne. Im Oktober 2024 starb er im Alter von 94 Jahren.

Ehrungen 1979: Ehrenvorsitzender des Marburger Bundes – Bundesverband 1979: Ehrenreflexhammer des Marburger Bundes – Bundesverband 1980: Verdienstorden der Italienischen Republik 1989: Ehrennadel der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) 1992: Ehrenmitglied der Vereinigung Nordwestdeutscher Chirurgen 1995: Ehrenmitglied des Bundesverbandes Deutscher Schriftsteller-Ärzte 1996: Ehrenmitglied der MOTESZMagyar Orvostudományi Társaságok Szövetsége – Verband der ungarischen medizinischen wissenschaftlichen Gesellschaften 1996: Ehrenvorsitzender des Marburger Bundes – Landesverband Bremen 1997: Ehrendoktorwürde durch die Medizinische und Pharmazeutische Universität Victor Babeș 1997: Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold 1998: Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie 1998: Goldmedaille des Staatspräsidenten der Republik Ungarn 1999: Ehrenpräsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages 2000: Paracelsus-Medaille 2002: Wolfgang-Müller-Osten-Medaille des Berufsverbandes der deutschen Chirurgen 2004: Ehrendoktorwürde durch die Universität Pyongyang (Nordkorea) Bundesärztekammer.

Literatur Vilmar, Karsten. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1281.

Weblinks

Biografie von Karsten Vilmar

Einzelnachweise

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