mini|Blutentnahme aus einer Armvene

Bluttransfusion bezeichnet die intravenöse Gabe (Übertragung bzw. Infusion) von Erythrozytenkonzentraten (Erythrozyten = rote Blutzellen) oder (heute sehr selten) von (Voll-)Blut. Stammen das Blut bzw. die Blutbestandteile von einem fremden Blutspender, handelt es sich um Fremdblut und eine Fremdblutspende (Allotransfusion). Sind Blutspender und Blutempfänger dieselbe Person, spricht man von einer Eigenblutspende (Autotransfusion). Sie ist eine Anwendung von zellulären Blutprodukten, ähnlich der Gabe von Thrombozyten- und Granulozytenkonzentraten.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Transfusion ist, dass das verabreichte Blut bzw. die Blutbestandteile Blutgruppen-kompatibel sind. Jede Bluttransfusion erfordert die Einwilligung des Patienten nach entsprechender AufklärungFrank Wahner: Die Aufklärung des Patienten - aus juristischer Sicht (mit Beispielen). (PDF; 241 kB) 40. Jahreskongress der DGTI – 18. September 2007. durch einen Arzt, wovon nur in begründeten Notsituationen abgewichen werden kann.

Die erste Bluttransfusion von Tier zu Tier gelang 1666, die erste von Tier zu Mensch 1667; die erste Transfusion von Mensch zu Mensch erfolgte 1824 in London.

Übertragene Blutkomponenten mini|Erythrozytenkonzentrat (zelluläre Blutbestandteile) mini|Thrombozytenkonzentrat (zelluläre Blutbestandteile)

Vollbluttransfusionen werden heute nur noch selten durchgeführt. In der Regel wird heute das Blut in seine Komponenten aufgetrennt und komponentenweise transfundiert.

Das hat zwei Vorteile: Zum einen erhält der Patient nur die Blutbestandteile, die ihm fehlen, beispielsweise nur Erythrozyten (rote Blutzellen) bei Anämie, nur Plasma bei Mangel von Plasmaproteinen. Zum anderen lassen sich die Blutkomponenten in getrennter Form wesentlich länger aufbewahren. Vollblut muss bei mindestens 4 °C aufbewahrt werden, da ansonsten die Erythrozyten und vor allem die Blutplättchen (Thrombozyten) Schaden erleiden. Bei dieser Temperatur verlieren viele Plasmaproteine (insbesondere die Gerinnungsfaktoren) innerhalb von Tagen ihre Wirksamkeit. Trennt man dagegen das Plasma ab, so kann man es einfrieren und monatelang ohne Funktionsverlust lagern.

Transfundiert werden: Erythrozyten-Konzentrate (EK): bei Blutarmut (Anämie) Granulozyten-Konzentrate: bei Mangel an Granulozyten (Granulozytopenie) und schweren Infektionen Thrombozyten-Konzentrate (TK): bei Mangel an Thrombozyten (Thrombozytopenie) und Blutungsneigung Plasma (Gefrierfrischplasma, FFP = fresh frozen plasma): bei Mangel an Plasmaproteinen (z. B. nach großen Blutverlusten) oder bei Blutungsneigung Blutstammzell-Präparate i. d. R. im Rahmen einer Stammzelltransplantation Gerinnungsfaktor-Konzentrate: bei Mangel an Gerinnungsfaktoren Immunglobuline bei Antikörper-Mangel mit Infektneigung Humanalbumin bei symptomatischem Albuminmangel (Hypalbuminämie)

Indikation zur Transfusion von Blutbestandteilen Blutkomponenten werden eingesetzt bei akutem Blutverlust und hämorrhagischem Schock (z. B. Unfall, Operation) bis zu Massivtransfusion chronische Blutkrankheiten im Sinne einer Blutbildungsstörung (Anämien, Hämoblastosen, Agranulozytose)

Ob eine Therapie angezeigt ist, wird am Hämoglobin (Hb) gemessen. Die Hb-Normwerte für Männer sind 8,6–11,2 mmol/l (14–18 g/dl), für Frauen 7,4–10 mmol/l (12–16 g/dl). (Zur Besonderheit der Bestimmung der Hb-Werte in mmol/l siehe Hämoglobin.) Es gibt seltene Formen von angeborenen Blutbildungsstörungen, bei denen die Patienten seit Geburt einen sehr niedrigen Hb-Wert haben, damit aber gut im Alltag zurechtkommen. Andererseits können Menschen mit ausgeprägter Herzinsuffizienz (Herzschwäche) und anderen kardialen Vorerkrankungen wie der koronaren Herzkrankheit schon Hb-Werten unter 9,0 g/dl Symptome im Sinne von Luftnot, Kreislaufschwäche etc. bekommen. Wann eine Transfusion zu erfolgen hat, muss also individuell entschieden werden. Grundsätzlich gilt, dass eine langsam (z. B. über Monate) entstandene Anämie vom Patienten besser toleriert wird als eine, die durch eine massive Blutung innerhalb von Stunden entsteht.

Die von der EU-Kommission beauftragte SANGUIS-Studie (1994) stellte fest, dass die Entscheidungen, wann eine Bluttransfusion zu erfolgen hat und wie viel transfundiert werden soll, zwischen einzelnen Krankenhäusern in Europa oft stark unterschiedlich getroffen werden. Die verordnete Menge unterschied sich, je nach Krankenhaus und Region, teilweise um den Faktor 10. Diese Ergebnisse werden als Anzeichen dafür gewertet, dass generell zu viel Blut transfundiert wird.Use of blood products for elective surgery in 43 European hospitals. The Sanguis Study Group. In: Transfus Med. 4(4), 1994 Dec, S. 251–268. PMID 7889138

Plasma- oder Thrombozytentransfusionen können auch zur Blutungsprävention bei Patienten mit Blutgerinnungsstörungen vor verschiedenen chirurgischen Eingriffen verwendet werden. Dazu hat Cochrane Haematology einige Übersichtsarbeiten veröffentlicht.

Außerdem können Thromboztentransfusionen auch bei Patienten mit hämatologischen Erkrankungen während einer Chemotherapie oder einer Stammzelltransplantation notwendig sein.

Kompatibilität (verträgliche Blutgruppen) + Blutgruppenverträglichkeit bei Erythrozytentransfusion („rotes Blut“) Empfänger Spender 0 0 A A und 0 B B und 0 AB AB, A, B und 0

+ Blutgruppenverträglichkeit bei Blutplasma Empfänger Spender0 AB, A, B und 0 A A und AB B B und AB AB AB

Bei der Transfusion von zellulären Blutprodukten und Blutplasma müssen die verschiedenen Blutgruppenmerkmale beachtet werden. Es darf nur blutgruppenverträgliches (sog. kompatibles) Blut übertragen werden, sonst kommt es zu einer lebensbedrohlichen immunologischen Reaktion auf das fremde Blut. Besonders wichtig sind in diesem Zusammenhang das AB0-Blutgruppensystem und der Rhesusfaktor. Während in den meisten anderen Blutgruppensystemen Antikörper gegen fremde Merkmale erst nach einer Transfusion gebildet werden und somit erst frühestens einige Tage später, bei einer erneuten Transfusion, stören würden, sind im AB0-System solche Antikörper grundsätzlich gegen alle AB0-Merkmale vorhanden, die der Empfänger selber nicht hat.

Erhält eine Person mit Blutgruppe „A“ eine Spende vom Typ „B“, kann eine hämolytische Reaktion ausgelöst werden, die viele rote Blutkörperchen zerstört. Wird eine Rh-negative Person dem Blut eines Rh-positiven Spenders ausgesetzt, kann sie Rhesus-Antikörper entwickeln, die bewirken, dass Rh-positive rote Blutkörperchen zerstört werden. Aufgrund der hierbei aus den Zellen freigesetzten Substanzen ist eine Zerstörung von Erythrozyten nachteilig und kann tödlich enden.

Die Blutgruppen-Kompatibilität bei Transfusion von Plasma ist für AB0 gerade umgekehrt zu der Transfusion von Erythrozyten (siehe nebenstehende Tabellen), das heißt, genau dann wenn Person A an Person B rotes Blut spenden kann, kann Person B auch an Person A Plasma spenden.

Nebenwirkungen und Risiken Siehe auch: Hämovigilanz

Wie bei jedem anderen Arzneimittel kann es auch bei Blutprodukten zu unerwünschten Reaktionen und Nebenwirkungen kommen.

mini|Sog. Bedside-Test zur Blutgruppenüberprüfung

Immunologische Nebenwirkungen Eine schwerwiegende Ursache für einen Transfusionszwischenfall ist die Verwechslung von Blutkonserven. Durch Transfusion von AB0-inkompatiblen Blut kann es zur akuten hämolytischen Transfusionsreaktion (HTR) kommen. Daher ist unmittelbar vor der Transfusion der Bedside-Test am Patientenbett zur Testung der (AB0-)Blutgruppe des Empfängers auf einer Testkarte vorgeschrieben. Man unterscheidet die akute hämolytische Transfusionsreaktion (AHTR) von der Verzögerten (VHTR).

Nichthämatolytische Transfusionsreaktionen (NHTR) umfassen allergische Reaktionen bis zur Anaphylaxie, das Auftreten einer posttransfusionellen Purpura sowie das transfusionsassoziierte akute Lungeninsuffizienzsyndrom (Transfusion related acute lung injury, TRALI). Dieses stellt eine der gefährlichsten Transfusionsreaktionen dar (Häufigkeit 1:2500 bis 1:100.000). Durch eine Schädigung der Lungengefäße (Trauma, Operation, Entzündung, Vergiftung) mit massiver Flüssigkeitsüberladung der Lunge, die zum Lungenversagen führt. Die Behandlung erfolgt intensivmedizinisch, meist ist eine Beatmung notwendig. Die Sterblichkeit beträgt bis zu 15 %.

Vermehrungsfähige weiße Blutkörperchen können bei der Übertragung an immungeschwächte Patienten auch die Graft-versus-Host-Reaktion (Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion) hervorrufen, bei der die fremden Leukozyten den Empfängerorganismus angreifen. Seit 2001 werden deshalb in Deutschland ausschließlich solche Vollblutpräparate, Erythrozytenkonzentrate und Thrombozytenkonzentrate in Verkehr gebracht, deren Leukozytengehalt weniger als 1.000.000 pro Einheit (Blutkonserve) beträgt (leukozytendepletierte Präparate). Das Risiko für eine GvH-Reaktion kann auch durch die Bestrahlung von Blutprodukten reduziert werden.

Infektionen mini|Glas, das bei der alten Methode der Bluttransfusion verwendet wurde. Mit einer Blutkonserve können Bakterien (z. B. Treponema pallidum) und Viren (HIV, Hepatitis-C-Virus (HCV), Hepatitis-B-Virus (HBV)) sowie selten Protozoen und Prionen übertragen werden.

Heutzutage ist dank einer sorgfältigen Spenderauswahl und der Einführung von molekularbiologischen Testmethoden die Gefahr der Übertragung von HBV, HCV und HIV äußerst gering (jeweils unter 1:1 Million). Bis zur Entwicklung dieser Testverfahren Mitte der 1980er Jahre wurden in Deutschland über 1.500 Personen durch Bluttransfusionen mit HIV infiziert, besonders Hämophile waren von Infektionen mit HIV und HCV betroffen. Seit 1985 hat die Zahl der transfusionsbedingten HIV-Übertragungen dank Antikörpertests und der hochspezifischen Polymerase-Kettenreaktion (PCR) drastisch abgenommen. Bei Hepatitis C wurde 1991 eine Antikörpertestung eingeführt. Davor war das HCV die hauptsächliche Ursache der nicht seltenen Posttransfusionshepatitis.C. G. Schüttler, G. Caspari u. a.: Hepatitis C virus transmission by a blood donation negative in nucleic acid amplification tests for viral RNA. In: Lancet. 355 (9197), 1. Jan 2000, S. 41–42. PMID 10615893 Die häufigsten Virusübertragungen betrifft das Cytomegalie- (1:10 bis 1:30) und Epstein-Barr-Virus (1:200), was bei immunsupprimierten Patienten relevant ist. Ab Oktober 2019 wird verbindlich auf Hepatitis E getestet.

Bakterielle Infektionen betreffen fast ausschließlich Thrombozytenpräparate, die bei Raumtemperatur gelagert werden müssen.

Um die Infektionsgefahr zu vermindern, werden spezielle Techniken und industrielle Prozesse zur Virusinaktivierung angewandt.

Weitere Nebenwirkungen Weitere mögliche Nebenwirkungen sind eine Eisenüberladung (Hämosiderose) bei langfristiger Transfusionstherapie sowie Auswirkungen des enthaltenen Citrats, Unterkühlung (Hypothermie) und Volumenüberlastung des Körpers bei großen Transfusionsvolumen.

Unklar war bislang, ob Blutspenden von Patienten mit einer (subklinischen) Krebserkrankung für den Empfänger ein erhöhtes Risiko bergen, im weiteren Verlauf selbst an Krebs zu erkranken. Eine 2007 in der Fachzeitschrift The Lancet publizierte Studie konnte nachweisen, dass dem nicht so ist: Auch wenn der Blutspender zu einem späteren Zeitpunkt an Krebs erkrankt, bringt eine Bluttransfusion für den Empfänger kein erhöhtes Krebsrisiko mit sich.Gustaf Edgren u. a.: Risk of cancer after blood transfusion from donors with subclinical cancer: a retrospective cohort study. In: The Lancet. Band 369, S. 1724–1730. PMID 17512857. Siehe auch:

In einer epidemiologische Studie in der Ausgabe des International Journal of Cancer vom 15. September 2009 wurde hingegen nachgewiesen, dass verabreichte Bluttransfusionen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an Lymphdrüsenkrebs zu erkranken.

Blutspender Entscheidend für den Erfolg einer Bluttransfusion ist die sorgfältige Auswahl von Blutspendern. In der Richtlinie Hämotherapie werden folgende Kriterien genannt: Untersuchung des Blutspenders