Die ehemalige Prioratskirche Notre-Dame liegt in der französischen Gemeinde Corme-Écluse mit Einwohnern (Stand ) im Département Charente-Maritime in der Region Nouvelle-Aquitaine. Der Fassadenschmuck von Notre-Dame gehört zu den bedeutendsten Kleinoden der romanischen Baukunst in der Saintonge.

miniatur|250px|Notre-Dame Corme-Écluse, Ansicht von NW

Geschichtliches Am 2. November 1047 wurde in Saintes die erste Kirche der Abtei konsekriert, die bald darauf von ihrer Gründerin Agnes von Burgund dem Orden der Benediktinerinnen übertragen wurde. Im Jahr 1081 hatte Guy-Geoffroy, Graf von Poitou und Herzog von Aquitanien die Organisation der Bauarbeiten an der großen Pilgerkirche Saint-Eutrope den Benediktinern der Abtei Cluny in Burgund übertragen, die deren Nutznießung einschloss.

Die führende Rolle der cluniazensischen Benediktiner bei den Kirchenbauten in Saintes übertrug sich auch auf die Orte der Region.

Im Jahr 1104 genehmigte Ramnulfus Focauldi, von 1083 bis 1106 Bischof von Saintes, den Bau eines Priorates mit seiner Kirche Notre-Dame in Corme-Écluse. Das Priorat unterstand den Benediktinerinnen der Abbaye aux Dames in Saintes. Im Jahr 1200 wurden die Bauarbeiten vollendet und die Kirche mit einer Statue aus Eichenholz ausgestattet, die daraufhin ein beliebtes Wallfahrtsziel wurde.

Die Kirche mit dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes trägt etliche bis heute unveränderte Stilelemente der Cluniazenser, wie zum Beispiel die angespitzten Tonnen und Bögen.

Im 13. Jahrhundert erhielt der Stumpf des Vierungsturms, der eine Trompenkuppel einschloss, eine vertikale Erweiterung um ein ungewöhnlich hohes gotisches Stockwerk mit einer neuen Glockenstube. Dadurch haben sich damals schon die Proportionen des sehr hoch aufragenden Vierungsturms, gegenüber den romanischen Vorbildern der Region stark verändert.

Die Zeiten des 13. bis zur Hälfte des 14. Jahrhunderts sind die weitgehend friedlichen Blütezeiten des mittelalterlichen Lebens und der Kirchen und Klöster, also auch vom Priorat Corme-Écluse.

Die Geschehnisse des Hundertjährigen Krieges (1339–1453), der Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und England um Aquitanien, der Hugenottenkriege (1562–1598) und der Französischen Revolution (1789) und deren Folgezeit, hinterließen auch Corme-Écluse nicht unberührt.

So blieben von den Gebäuden des Priorates, die vermutlich wie bei fast allen Klöstern, auf der Südseite der Kirche angebaut waren, oberirdisch nichts übrig. Die noch vorhandene Tür in der Westwand des südlichen Querhausarms legt Zeugnis ab von der ehemaligen Verbindung zwischen Kirche und Priorat, dessen Kreuzgang sich in den Winkel aus südlicher Langhauswand und der vorgenannten Querhauswand hineinschmiegte. Möglicherweise gab es auch in der Südwand des südlichen Querhausarms noch einen direkten Zugang zu den Konventsräumen des Klosters. In der Regel waren dort der Kapitelsaal, das Refektorium und im Obergeschoss das Dormitorium angebaut.

Lediglich die Prioratskirche blieb weitgehend verschont von den Beschädigungen oder gar Zerstörungen dieser Zeiten. Vor allem der wertvolle Skulpturenschmuck der Fassade zeigt, abgesehen von Spuren der Verwitterung, keine mutwillig zugefügten Schäden. Es mussten an dieser Kirche auch keine Strebepfeiler oder andere Konstruktionsverstärkungen – weder außen noch innen – angefügt werden, wie man sie an fast allen Bauwerken dieser Epoche vorfinden kann. Das ist nicht zuletzt ein Zeichen für ein hervorragendes statisches Tragwerk, vor allem hinsichtlich der Mauerwerks- und Gewölbetechniken und eines zuverlässigen Baugrundes.

Abgesehen von der Erhöhung des Vierungsturms im 13. Jahrhundert zeigt sich das Kirchenbauwerk im Wesentlichen in seiner Originalsubstanz aus dem 12. Jahrhundert. miniatur|hochkant|Ansicht von SW

Das Bauwerk miniatur|hochkant=1.6|links|Grundriss (Handskizze) miniatur|hochkant=1.6|links|Längsschnitt (Handskizze)

Innere Abmessungen (zirka): Schiff (Breite mal Länge): 7,0 × 14,6 m Querhaus (Breite mal Länge, über Vierung hinweg): 5,4 × 22,9 m Chor (Breite mal Länge, inklusive Apsis): 5,5 × 8,2 m Höhe Schiff: 11,5 m Höhe Querhausarme: 9,5 m Höhe Chor: 8,7 m Höhe Vierungskuppel: 14,9 m Bodenversatz Eingang/Schiff: 60 cm

Äußere Abmessungen ohne Wandpfeiler (zirka): Länge (Westfassade bis Chorapsis): 31,4 m Breite (Querhauslänge): 24,9 m Langhauslänge: 14,6 m Langhausbreite: 8,2 m Querhausbreite: 7,4 m Chorbreite: 7,8 m Chorlänge: 7,8 m Turmhöhe: 26,0 m

Inneres Langhaus miniatur|hochkant|Schiff aus Joch 1

Das einschiffige Langhaus ist durch einen im Querschnitt rechteckigen Gurtbogen in zwei fast gleich breite Joche aufgeteilt. Der Bogen und die anschließenden Gewölbe sind der Tradition der cluniazensischen Baumeister entsprechend leicht angespitzt. Die Bogenansätze stehen auf hohen profilierten Kämpfern, die schlicht gestaltete Kapitelle abdecken, die von Bündelpfeilern getragen werden. Die Gewölbeansätze stehen auf unterseitig abgeschrägten Kraggesimsen in Höhenlage der vorgenannten Kämpfer.

Die Wände des Schiffs werden zwischen den Bündelpfeilern mit je zwei Blendarkaden in Breite der Joche gegliedert. Die großen Arkadenbögen in Form von Kreisabschnitten bestehen aus im Querschnitt fast quadratischen Keilsteinen mit gerundeten Sichtkanten, die außenseitig von schmalen gerundeten Kragprofilen überfangen werden. Die Bogenscheitel reichen bis unter das Kraggesims unter dem Gewölbeansatz. Die Bögen stehen an beiden Enden auf schlanken Rundsäulen, die in die Ecken der die Bogennischen begrenzenden Bauelemente eingefügt sind und diese begleiten. Bögen und Säulchen werden durch schlichte Kapitelle und Kämpfer getrennt.

In jedem Blendarkadenbogen ist ein schlankes schlitzartiges Rundbogenfenster ausgespart, dessen Gewände sich allseitig nach innen stark aufweiten. Der einzige Schmuck der Fenster ist je ein schlankes halbkreisförmiges Kragprofil, das die glatten Keilsteine der Fensterbögen überfängt und oberseitig knapp unter die Blendarkadenbögen reicht. miniatur|hochkant|Chor aus Vierung Die Westwand verfügt weit über dem Eingangsportal, knapp unter dem Gewölbescheitel, über ein kleines rundbogiges Fenster. Bei der gegenüber liegenden Vierungswand fällt auf, dass die Öffnung, die mit einem leicht angespitzten Bogen überdeckt ist, nicht axial zum Schiff, sondern leicht nach rechts versetzt angeordnet worden ist. Auf der nördlichen Seite der Öffnung gibt es daher ein kurzes Stück glatte Wand des Querhauses.

Querhaus und Vierung Das Mittelstück des Querhauses, die Vierung, besitzt in ihren vier Seitenwänden nahezu gleich große Öffnungen, deren leicht angespitzte Bögen geringfügig niedriger sind als die Gewölbe der Querhausarme und des Chors. Die Bögen bestehen aus zwei Schichten glatter Keilsteine. Die obere ist so breit wie die darauf aufstehende Wand und schließt mit ihr bündig ab. Die untere/innere Keilsteinschicht ist deutlich zurückversetzt und etwas breiter, als die sie tragenden Dienste. Der zum Schiff hin weisende Triumphbogen besteht aus drei Schichten Keilsteinen, allerdings mit geringeren Rückversätzen untereinander. miniatur|Vierungsbündelpfeiler

Die Bündelpfeiler der Vierung bestehen zunächst aus den am weitesten hervorragenden, „alten“ halbrunden Diensten, welche die untere/innere Keilsteinschicht der Bögen tragen. Sie werden auf beiden Seiten begleitet von „jüngeren“ Diensten, die die oberen/äußeren Keilsteinschicht tragen. Zwischen den vorgenannten Begleitern verbleibt, zur Vierungsmitte weisend, ein Schlitz, in den exakt eine weitere gleich dicke Säule hineingestellt ist. Die vier Pfeilerbündel werden bekrönt von entsprechenden Kapitellbündeln und Kämpfern, auf denen die oben aufgezeigten Lasten der Vierungswände aufliegen. Die meisten Kapitelle tragen auf ihren Ecken je einen zähnefletschenden Raubtierkopf, vermutlich der eines Löwen. Der Rest des Kapitells wird durch eine eher schlichte Gestaltung mit glatten Oberflächen komplettiert. Andere Kapitelle sind gänzlich schlicht gearbeitet. Die Kämpferplatten sind mehrfach profiliert.

Die das Vierungsquadrat umschließenden Wände reichen etwa einen Meter höher als die Scheitel der Vierungsbögen und schließen mit einem profilierten Kraggesims ab. In die Ecken der Vierung ist je eine unbelastete schlanke Rundsäule gestellt, die vom zugehörigen Kämpfer bis zum vorgenannten Kraggesims reicht. Die Säulen wechseln im oberen Bereich ihre Dimension und werden deutlich schlanker. Ihre oberen Enden werden bekrönt von leicht nach innen geneigten Löwenköpfchen.

miniatur|Vierungskapitelle Darüber folgt die Trompenzone, in der fächerförmig gewölbte Trompen vom Vierungsquadrat zum unteren Kreis der halbkugelförmigen Kuppel überleiten. Der untere Kuppelrand wird durch ein skulptiertes Kraggesims markiert. Auf der Ostwand öffnet sich zwischen zwei Trompen ein kleines rundbogiges Fenster, mit nach innen aufgeweitetem Gewände und steil nach unten abgeschrägter Bank. Das Fenster reicht mit einer Stichkappe noch weit in die Kuppel hinein. Im Scheitel der Trompenkuppel ist eine kreisrunde Öffnung ausgespart, durch welche die Glocken transportiert werden konnten.

miniatur|Vierungskapitelle Die Querhausarme weisen einen rechteckigen Grundriss auf. Im nördlichen Querhausarm ist auf der Ost- und Westwand je ein kleines schlitzförmiges Fenster mit rundbogiger Überdeckung ausgespart. Ein etwas größeres Rundbogenfenster zentral in der oberen Zone der Nordwand, belichtet den Raum zusätzlich. In dieser Wand gibt es in der westlichen Ecke ein kleines rundbogiges Portal. Im südlichen Querhausarm weist die Westwand ein schlitzartiges Fenster und eine Tür auf, der Zugang vom ehemaligen Kreuzgang. Die Südwand besitzt das größte Fenster der Kirche. Es ist mit einem Spitzbogen überdeckt. Etwa mittig in der Ostwand öffnet sich eine Querhauskapelle mit einer halbkreisförmigen Apsis, von einer Kalotte eingewölbt.

Chor Hinter dem Triumphbogen öffnet sich das fast quadratische Joch des Chors, das von einer runden Tonne überwölbt wird. Die Chorapsis mit einem halbkreisförmigen Grundriss ist mit einer Kalotte eingewölbt. Apsis und Joch werden getrennt von einem im Querschnitt rechteckigen Gurtbogen, der von Halbsäulen getragen wird. Die Kapitelle sind aufwändig mit üppigem Rankenwerk skulptiert. Die profilierten Kämpfer in Höhe der Bogenansätze werden auf den Wänden als skulptierte Kraggesimse fortgesetzt. Das zentrale rundbogige Fenster in der Apsis ist etwas größer als die beiden benachbarten. Alle drei Fenster besitzen allseitig stark aufgeweitete Gewände. Die beiden Fenster im Chorjoch werden zusätzlich von Rückversätzen der Gewändekanten und deren Profilierungen geschmückt.

miniatur|hochkant|Fassade von West miniatur|Fassade, Erd- und Obergeschoss

Äußere Gestalt miniatur|Fassade, Erdgeschoss

Langhaus Auch äußerlich ist gut zu erkennen, dass das Langhaus höher ist als Querhaus und Chor. Jeweils zwei kräftige rechteckige Wandpfeiler teilen die Nord- und Südwand in zwei Joche. Ähnlich den Wandgliederungen der Innenseiten sind auch außen je zwei große Blendarkaden in Breite der Joche angebracht worden. Das Zurücktreten der Bogennischen auf beiden Wandseiten hatte offensichtlich neben der dekorativen, auch materialsparende Bedeutung. Die im Querschnitt quadratischen Bögen aus Keilsteinen sind an ihren Sichtkanten ausgerundet und stehen auf schlanken, die Wandpfeiler begleitenden Rundsäulen. Auf der Südseite sind die Querschnitte der Begleiter quadratisch. Die Begleiter werden von einfach skulptierten Kapitellen und profilierten Kämpfern gekrönt. Die Bögen im zweiten Joch sind Kreisabschnitte, die im ersten Joch sind angespitzt und reichen deutlich höher hinauf, als ihre Nachbarn. Die Fensteröffnungen entsprechen denen des Abschnitts: Inneres/Langhaus. Sie sehen aber von außen eher wie Schießscharten aus.