Der Landkreis Mittelsachsen ist ein Landkreis im Freistaat Sachsen, der im Zuge der sächsischen Kreisreform 2008 zum 1. August 2008 entstanden ist.
Der Kreis erstreckt sich auf dem Gebiet der vorherigen Landkreise Döbeln, Freiberg und Mittweida. Er grenzt im Westen an den Landkreis Altenburger Land (Freistaat Thüringen), im Südwesten an den sächsischen Landkreis Zwickau und die kreisfreie Stadt Chemnitz, im Süden an den sächsischen Erzgebirgskreis und an Tschechien, im Osten an die sächsischen Landkreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Meißen, im Norden an den Landkreis Nordsachsen und im Nordwesten an den Landkreis Leipzig. Der Sitz des Landkreises Mittelsachsen ist in Freiberg.
Geografie Der Landkreis reicht vom Mittelsächsischen Hügelland im Norden über das Erzgebirgsvorland bis zu den Höhen des Osterzgebirges. Den Norden durchschneidet die A 14 zwischen Leisnig und Döbeln, südlich davon die A 4 zwischen Frankenberg und Siebenlehn. Im Osten markiert unter anderem der Tharandter Wald und nach Westen hin das Tal der Zwickauer Mulde bei Penig sowie die kreisfreie Stadt Chemnitz den Rand des Landkreises. Nach Süden reicht der Landkreis bis an den Erzgebirgskamm, über den auch die Grenze zwischen Deutschland und Tschechien verläuft.
In diesem Landkreis bzw. unmittelbar außerhalb der Kreisgrenzen befinden sich nach verschiedenen Methoden errechnete Mittelpunkte des Freistaates und des ehemaligen Königreiches Sachsen. Der geographische Mittelpunkt des Landkreises Mittelsachsen befindet sich in Cunnersdorf, einem Ortsteil der Stadt Hainichen.
Die Höhen der im nördlichen Teil leicht gewellten Hochfläche jedoch im südlichen Teil bewegteren Landschaft reichten von (Tal der Freiberger Mulde bei Leisnig als tiefster Punkt) bis 855 m über NN (an der Grenze zu Tschechien bei Neuhausen im Erzgebirge als höchster Punkt). Die größte Erhebung ist mit 837 m der Kohlberg, einen km westlich vom höchsten Punkt gelegen.
Die wichtigsten Gewässer sind die Zwickauer und die Freiberger Mulde, die Zschopau mit der Talsperre Kriebstein, die Bobritzsch, die Striegis mit ihren Quellflüssen Große und die Kleine Striegis, die Gimmlitz mit der Talsperre Lichtenberg sowie die Flöha mit der Talsperre Rauschenbach. Die Flüsse, meist noch als Oberlauf oder Mittellauf, sind mit ihren windungsreichen und nach Norden hin stark ausgeprägten Kerb- und Kerbsohlentälern in das umliegende Gelände eingeschnitten. Somit stellten sie von je her bis in das 19. Jahrhundert hinein für die west-östlich verlaufenden Verkehrswege ernsthafte Hindernisse dar, während sie in Nord-Süd-Richtung Zugang zum Gebirge boten. Der Kreis hat in seinem südlichen Teil Anteil am Naturpark Erzgebirge/Vogtland.
Bemerkenswert sind die auf den alten Erzgängen aufsitzenden, heute noch sichtbaren Bergbauhalden, die so genannten Züge zwischen Halsbrücke, Freiberg und Brand-Erbisdorf. Kunstteiche und Kunstgräben um Freiberg, Brand-Erbisdorf und Großhartmannsdorf stellten mit ihrem Graben- und Röschensystem die Wasserversorgung und -entsorgung des Erzbergbaus jahrhundertelang sicher, darunter der Rothschönberger Stolln, der Brander und Freiberger Bergbau über die Triebisch zur Elbe hin entwässerte.
Kreisübergreifend war zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit den Städten Nossen im Landkreis Meißen, Roßwein, Großschirma, den Städten Freiberg und Brand-Erbisdorf eine Zone der Verstädterung tendenziell im Entstehen. Diese umfasste 2004 etwa 75.000 Einwohner.
Im Norden des Kreises ist das Land, das sich an die Lößzone der Lommatzscher Pflege anschließt, von Ackerflächen, Wiesen und Wäldern bedeckt. Die geoökologische Grenze zwischen Hügelland und Bergland liegt ungefähr auf der Linie Seifersdorf – Großschirma – Sand – Oberschaar – Herrndorf – Landberg im Tharandter Wald (Weißeritzkreis). Auf den steinigen Hochebenen wächst überwiegend Fichtenwald, an den steilen Talhängen vorwiegend Laubwald. Je weiter man nach Süden kommt, umso mehr nimmt der Anteil der Ackerbauflächen ab, es dominieren Bergwiesen und ganz im Süden in Nähe der im Winter schneesicheren, rauen Kammlagen findet sich geschlossener Fichtenwald. Die Böden setzen sich im Norden aus Lößen und Lehmen und nach Süden hin mehr und mehr aus Verwitterungsböden zusammen.
Siehe auch: Liste der Landschaften in Sachsen, Liste der Gewässer in Sachsen, Liste von Bergen in Sachsen, Naturräume in Sachsen Naturschutz
Im Landkreis befinden sich 23 FFH–Gebiete mit einer Gesamtfläche von 12.285 ha, 8 SPA–Gebiete mit einer Gesamtfläche von 11.636 ha, 16 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 1.890 ha, 20 Landschaftsschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 59.000 ha, 217 Flächennaturdenkmale mit einer Gesamtfläche von 485 ha, 94 Naturdenkmale zum Schutz von 257 Einzelbäumen und 1 Naturpark mit einer Gesamtfläche von 18.036 ha (Stand Januar 2018).Information auf landkreis-mittelsachsen.de/
Bevölkerung Jahr Einwohner 2008 335.797 2009 332.336 2010 328.342 2011 320.062 2012 317.204 2013 314.591 Jahr Einwohner 2014 312.711 2015 312.450 2016 310.505 2017 308.153 2018 306.185 2019 304.099 Jahr Einwohner 2020 301.474 2021 299.329 2022 297.991 2023 297.766 2024 296.431
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres
Politik Kreistag Der aktuelle Kreistag des Landkreises Mittelsachsen wurde am 9. Juni 2024 gewählt. Der Landkreis Mittelsachsen ist dabei in 14 Kreistags-Wahlkreise aufgeteilt, von denen im ehemaligen Landkreis Döbeln drei, im ehemaligen Landkreis Freiberg sechs und im ehemaligen Landkreis Mittweida fünf liegen. Die 98 Sitze im Kreistag verteilen sich folgendermaßen auf die einzelnen Parteien. Weiterhin ist der amtierende Landrat im Kreistag stimmberechtigt.
Die Wahlergebnisse der vergangenen drei Wahlen zeigt die folgende Tabelle: Parteien und WählergemeinschaftenProzent 2024Sitze 2024 Prozent2019 Sitze2019 Prozent2014 Sitze2014 Prozent2008 Sitze2008 AfD Alternative für Deutschland30,330 22,0 22 4,2 4 – – CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands26,726 27,8 28 42,2 42 41,3 43 FW Freie Wähler Mittelsachsen17,117 16,5 16 9,4 9 – – SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands6,67 8,9 9 12,1 12 13,2 13 DIE LINKE. DIE LINKE.5,55 11,1 11 16,2 16 18,5 19 FS Freie Sachsen3,33–––––– GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen3,33 5,55 4,3 4 2,6 2 FDP Freie Demokratische Partei2,22 5,1 5 6,0 6 9,6 9 BSW Bündnis Sahra Wagenknecht2,83–––––– RBV Regionalbauernverband Erzgebirge1,31 2,2 2 1,8 1 1,6 1 WiFF Wählerinitiative Flöha-Falkenau0,81–––––– NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands–– 1,0 – 3,8 3 4,7 4 Sonstige0,20 – – – – 8,5 8 Gesamt10098 100 98 100 98 100 98 Wahlbeteiligung68,6 % 63,6 % 51,5 % 48,0 %
mini|Landratsamt in Freiberg
Landrat 2002–2015: Volker Uhlig (CDU) 2015–2022: Matthias Damm (CDU) 2022–2024: Dirk Neubauer (parteilos) seit 2025: Sven Krüger (parteilos)
Bei der Landratswahl am 7. Juni 2015 erreichte der ehemalige Mittweidaer Oberbürgermeister Matthias Damm (CDU) die absolute Mehrheit der Stimmen (65,7 %).
Bei der Landratsstichwahl am 3. Juli 2022 setzte sich Dirk Neubauer, der Bürgermeister Augustusburgs, als parteiloser Kandidat mit 55,6 % der gültigen Stimmen durch, nachdem er im Vorjahr aus der SPD ausgetreten war.Termin Landratswahl 2022 Neubauer kündigte im Juli 2024 seinen vorzeitigen Rücktritt an, der zum 30. September 2024 erfolgte. Seitdem übte der erste Beigeordnete Lothar Beier die Amtsgeschäfte aus.
Bei der Neuwahl am 26. Januar 2025 wurde Sven Krüger, der Oberbürgermeister von Freiberg, mit 50,3 % der gültigen Stimmen zum Landrat gewählt.
+Historische LandratswahlergebnisseBewerber fett: AmtsinhaberVorschlagStimmenAnteil in %gewähltStimmenAnteil in %gewählterster Wahlgangzweiter WahlgangEin zweiter Wahlgang wird nötig, wenn kein Kandidat im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erzielt und damit direkt gewählt ist. Im zweiten Wahlgang ist die relative Mehrheit für die Wahl zum Landrat ausreichend. Bewerber, die im ersten Wahlgang antreten, können vor dem zweiten Wahlgang ihre Kandidatur zurückziehen. Ein zweiter Wahlgang wurde bisher nur 2022 erforderlich.26. Januar 2025 Wahlbeteiligung: 54,2 %Sven KrügerFreie Wähler/CDU65.60650,3xJens TamkeAfD44.42034,0Mario Rolf LorenzSPD8.6056,6Cindy ReimerDie Linke7.6505,9Stefan TrautmannFreie Sachsen4.2533,312. Juni 2022 Wahlbeteiligung: 48,5 %3. Juli 2022 Wahlbeteiligung: 36,6 %Dirk NeubauerNeubauer48.92041,4keiner: 2. Wahlgang nötig50.10855,6×Sven LiebhauserCDU35.44230,018.36420,4Rolf WeigandAfD33.95428,721.68524,17. Juni 2015 Wahlbeteiligung: 42,0 %Matthias DammCDU69.88065,7×Marika Tändler-WalentaDie Linke36.41434,38. Juni 2008 Wahlbeteiligung: 48,0 %Volker UhligCDU66.67650,0×Jens StahlmannDie Linke25.98019,5Simone ViolkaSPD17.34813,0Konrad FelberFDP10.3077,7Hartmut KrienNPD7.6875,8Dan FehlbergGrüne5.3144,0
Beigeordnete Die beiden mittelsächsischen Beigeordneten sind Stellvertreter des Landrates und vertreten ihn in ihrem Geschäftskreis. Beigeordneten werden durch den Kreistag für eine Amtszeit von sieben Jahren gewählt und sind hauptamtliche Beamte auf Zeit.
1. Beigeordneter: Christoph Trumpp (* 1985), Geschäftskreis: Verwaltung und Finanzen, seit Juli 2025 2. Beigeordneter: Jörg Höllmüller (CDU) (* 1960), Geschäftskreis: Ordnung, Soziales und Gesundheit, seit September 2015
Wappen Um ein Wappen für den neu entstandenen Kreis zu finden, wurden Anfang September 2008 vom Landrat die Heraldische Gesellschaft „Schwarzer Löwe“ in Leipzig und das Grafikstudio Eberhard Heinicker aus Geringswalde beauftragt, verschiedene Entwürfe vorzulegen. Es wurden insgesamt sechs verschiedene Vorschläge eingereicht, wobei drei davon in jeweils zwei Farbvarianten gemacht wurden. Am 10. Juni 2009 beschloss der Kreistag die Annahme eines Entwurfs der Heraldischen Gesellschaft „Schwarzer Löwe“. Das Wappen ist geviert. Vorne rechts in Feld 1 aus Sicht des Schildträgers steht der Meißner Löwe (schwarz auf gelbem Grund) für die Markgrafschaft Meißen, der die drei alten Kreise angehörten. Vorne links in Feld 2 befindet sich (gelb auf schwarzem Grund) das Bergeisen, welches für den alten Kreis Freiberg und die Bergbauregion steht. Hinten rechts oder unten in Feld 3 zeigt der Entwurf drei blaue Wellen auf gelbem Grund, die dem alten Kreiswappen des Kreises Mittweida entnommen sind und hinten links in Feld 4 sind drei schwarze Wecken auf gelbem Grund zu sehen, die dem Wappen der Leisnig aus dem ehemaligen Landkreis Döbeln entlehnt sind.
Wirtschaft Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Mittelsachsen Platz 332 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „Zukunftsrisiken“. Der Zukunftsatlas 2019 listet den Landkreis Mittelsachsen leicht verschlechtert auf Rang 336, der von 2022 jedoch wieder erhöht auf 327, was die erste Hochstufung seit Gründung des Landkreises ist.
Der Landkreis wird durch einen Branchenmix geprägt, u. a.: Halbleiter- und Solarindustrie Holz-, Papier und Druckindustrie Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie Maschinen- und Fahrzeugbau, Automobilzulieferer Elektrotechnik und Elektronik Handwerk und Kunsthandwerk Tourismus
Verkehr Straße Der Landkreis wird durch drei Autobahnen erschlossen, die als Hauptmagistrale zwischen Ost und West, die zweigt nach Nordwesten ab. Im äußersten Westen tangiert die den Landkreis. Des Weiteren führen die Bundesstraßen , , , , , , , , und Staatsstraßen durch den Landkreis.
Eisenbahn Mit den Strecken Dresden–Freiberg–Chemnitz–Werdau, Riesa–Döbeln–Chemnitz, Neukieritzsch–Chemnitz und Borsdorf–Döbeln–Coswig führen vier Hauptbahnen durch den Landkreis Mittelsachsen.