mini|hochkant|Barettabzeichen Die Heeresfliegertruppe (HFlgTr) ist eine Truppengattung im Heer der Bundeswehr. Die deutsche Heeresfliegertruppe zählt zu den Kampfunterstützungstruppen. Mit ihren Kampf- und Transporthubschraubern trägt die Heeresfliegertruppe zu luftbeweglichen und luftmechanisierten Operationen des Heeres bei.

Auftrag mini|Absetzen von Fallschirmjägern und Diensthund aus einer Bell UH-1D Die Heeresfliegertruppe ermöglicht mit ihren Hubschraubern die luftbewegliche Führung, Aufklärung, Kampf- und Einsatzunterstützung einschließlich des luftbeweglichen Personal-, Verwundeten- und Materialtransportes. Heeresflieger unterstützen alle Truppengattungen des Heeres sowie andere Bereiche der Bundeswehr. Heeresflieger tragen auch zu Einsätzen der Spezialkräfte des Heeres bei. Mit ihren luftmechanisierten Kräften ist die Truppe zum eigenständigen luftbeweglich geführten Kampf in und aus dem bodennahen Luftraum über feindbesetztem Gebiet befähigt. Basis der Luftmechanisierung und Luftmobilität des Heeres ist die Division Schnelle Kräfte, in der die Heeresflieger mit den luftlandefähigen Kräften und Spezialkräften des Heeres zusammenwirken. Die schnelle Abfolge von Feuerkampf (u. a. auch Flugabwehr und Panzerjagd) sowie Transport von Infanteristen, Material und Versorgungsgüter über kurze oder mittlere Entfernungen sind die Stärken der Heeresfliegertruppe, die sich besonders bei schnell ablaufenden Operationen entfalten. Durch ihre Mobilität tragen Heeresflieger in besonderem Maße zum freien Operieren der Streitkräfte, insbesondere bei Operationen in der Tiefe, bei.

Geschichte Vorgeschichte Im Jahr 1887 wurde die 1. Preußische Luftschifferabteilung mit Fesselballonen zur Nahaufklärung gegründet, womit die Geschichte der militärischen Luftfahrt in Deutschland begann. Im Jahr 1906 wurde eine „Versuchskompanie für Motorluftschifffahrt“ aufgestellt und das erste deutsche Heeresluftschiff in Dienst gestellt. Auftrag der Luftschiffe war zunächst die Aufklärung, später hauptsächlich strategische Bombardierungen. Im Jahr 1914 wurde die Fliegerschule Döberitz in die „Lehr- und Versuchsanstalt für das Militärflugwesen“ umgewandelt. Von 1914 bis 1918 wurden die Ballone und Luftschiffe im Ersten Weltkrieg verwendet. Gleichzeitig gab es eine Vielzahl von Kampf- und Aufklärungsflugzeugen, die organisatorisch dem Heer angehörten, da es im deutschen Militär eine reine „Luftwaffe“ noch nicht gab.

Mit der Gründung der Wehrmacht entstand im Jahr 1935 die Luftwaffe als eigene Teilstreitkraft, nachdem der Versailler Vertrag zunächst die militärische Luftfahrt in Deutschland verboten hatte. Bis 1945 gab es im Heer keine Heeresflieger, da Hermann Göring alles fliegende Material für die von ihm geführte Luftwaffe beanspruchte, was auch die fliegerischen Kräfte der Kriegsmarine betraf. Erst mit dem Aufbau der Bundeswehr ab 1955 wurde die deutsche Heeresfliegerwaffe namentlich und organisatorisch begründet.

Heeresstruktur I mini|Die Do 27: einziger Starrflügler in der Geschichte der Heeresflieger der Bundeswehr mini|Alouette II mit SS.11-Raketen zur Panzerabwehr im Jahr 1960 1954 wurde Oberst Horst Pape „Berater des Heeres für Fragen der Heeresflieger“ beauftragt, den Aufbau der Heeresfliegertruppe zu planen. Der erste fliegende Verband der Heeresflieger wurde im Mai 1957 in Niedermendig aufgestellt. Die ersten Einheiten wurden ab 1957 mit Bell 47 G-2 und Starrflüglern des Typs Do 27 ausgerüstet. Zur Erprobung wurden außerdem folgende Hubschrauber beschafft: 14 Bell 47 GH13, 6 Djinn So 1221, 10 Skeeter Mark 6, Bristol 171 Sycamore, 28 Vertol H21 und 26 Sikorsky S58 H34. Das Verbindungsflugzeug Do 27 wurde bereits 1959 durch 130 neu beschaffte Hubschrauber SA-318 Alouette II abgelöst. Die Alouette II diente lange Zeit noch als Schulungshubschrauber an der Heeresfliegerwaffenschule (aufgestellt 1959 in Niedermendig, ab 1960 Bückeburg), wurde erst ab dem Jahre 2000 durch den Eurocopter EC 135 abgelöst. Niedermendig, Celle und Fritzlar waren die ersten Flugplätze mit regelmäßigem Flugbetrieb.

Heeresstruktur II Ab 1963 wurden an der Heeresfliegerwaffenschule die Bell UH-1D als Schulungsluftfahrzeug und 1967 in die Truppe als Transporthubschrauber eingeführt.

Heeresstruktur III 1971 wurde das Hubschraubermuseum Bückeburg eingeweiht. 1972 wurden Hubschrauber des Typs Sikorsky S65 CH53 beschafft. Diese lösten die Sikorsky H-34 ab. Die zahlenmäßige Überlegenheit des Warschauer Paktes an Panzern führte zur Beschaffung der MBB BO105, die die Bundeswehr zusätzlich zur Panzerabwehr mit Lenkflugkörpern HOT aufrüstete. Ansonsten wurde die MBB BO105 ohne Zusatzbewaffnung als Verbindungs- und Beobachtungshubschrauber verwendet.

Heeresstruktur IV Durch die neuen Panzerabwehrhubschrauber wurden erstmals 1979 die Panzerabwehrhubschrauberregimenter (16 (Celle), 26 (Roth) und 36 (Fritzlar)) aufgestellt. Nach der Wiedervereinigung wurden zunächst die Hubschraubermuster Mi-8 und Mi-24 von der NVA übernommen, jedoch letztlich außer Dienst gestellt. Die übernommenen NVA-Einheiten der Armeefliegerkräfte waren die Kampfhubschraubergeschwader 3 und 5. Sie wurden zu den Heeresfliegerstaffeln 70, 80 und Ost umgegliedert. Seit 1991 wurden an der Heeresfliegerwaffenschule auch Soldaten anderer Truppen ausgebildet.

Heeresstruktur V (N) Die neu aufgestellte Heeresfliegerbrigade 3 (Mendig) vereinigte 1994 erstmals alle Kräfte der Transporthubschrauberverbände sowie fast alle Beobachtungs- und Verbindungsstaffeln. Damit war sie der Vorläufer der damaligen Luftbeweglichen Brigade 1. Zuvor waren die Heeresfliegerkräfte den deutschen Korps unterstellt und auch die Divisionen verfügten über eigene Heeresflieger-Verbindungsstaffeln. Der Kommandeur der Heeresfliegerwaffenschule war ab 1995 zugleich General der Heeresflieger, der zuvor im Heeresamt seinen Sitz hatte.

Nach 1997 1997 wurde auf dem Heeresflugplatz Fritzlar die Luftmechanisierte Brigade 1 in Dienst gestellt. Damit erhielt das Heer erstmals schnell verlegbare und luftbewegliche Infanteriekräfte. Zusammen mit den Kampfhubschrauberregimentern der Brigade konnten diese den luftbeweglichen Kampf aus der Luft und vom Boden aus führen. 1990 wurde ein erster Prototyp des NH90 an der Heeresfliegerwaffenschule vorgestellt. 1999 wurde die CH-53GS in die Truppe eingeführt. 2000 begann die Außerdienststellung der Alouette II mit Übergabe der ersten EC 135. Ende 2003 wurden die ersten Eurocopter Tiger zu Erprobungszwecken beschafft. Seit 2005 werden Piloten auf diesem Muster am Deutsch-französischen Heeresfliegerausbildungszentrum Tiger in (Le Cannet-des Maures) in Südfrankreich ausgebildet. 2012 wurde entschieden, die CH-53 in der Luftwaffe und den NH90 im Heer einzusetzen. Dies führte in der Konsequenz zur personellen und materiellen Reduzierung der Heeresfliegertruppe auf das internationale Hubschrauberausbildungszentrum in Bückeburg, zwei NH90 Regimenter und ein Kampfhubschrauberregiment. Seit 2012 verfügt die Truppengattung über ca. 200 Hubschrauber für Ausbildungs- und Einsatzaufträge. Analog dem Marinefliegerkommando wurde im Oktober 2020 ein Kommando Hubschrauber als neue oberste Fach- und Führungsebene des Flugbetriebs des Heeres aufgestellt. Sein Kommandeur ist damit gleichzeitig auch General Heeresfliegertruppe wie General Flugbetrieb Heer.

Einsätze mini|Heeresflieger während des SFOR-Einsatzes mini|Deutsche Heeresflieger bei der Operation Kurdenhilfe Heeresflieger waren und sind auf Grund ihrer speziellen Fähigkeiten an nahezu jedem Auslands- und Katastropheneinsatz des Heeres beteiligt. Dazu zählen u. a.: 1962: Flutkatastrophe – Hamburg 1975: Waldbrandkatastrophe in der Lüneburger Heide 1978–1979: Schneekatastrophe 1978/1979 1980: Erdbebenhilfe in der Region Neapel 1991: Operation Kurdenhilfe im Iran und Anatolien 1991–1996: UNSCOM – Irak 1993–1994: UNOSOM II – Somalia 1995–1996: IFOR – Jugoslawien 1996–1998: SFOR – Jugoslawien 1997: Hochwassereinsatz an der Oder 1997: Evakuierung von Zivilisten aus Tirana/Albanien 1998: Hilfeleistung bei den Löscharbeiten an der Pallas vor Amrum seit 1998: KFOR – Jugoslawien 2002: Hochwassereinsatz an der Elbe seit 2004 EUFOR Bosnien-Herzegowina 2002–2021: ISAF – Afghanistan und Usbekistan 2006: EUFOR – Kongo 2007: Waldbrände in Griechenland 2013: Hochwassereinsatz an der Elbe 2017/18: MINUSMA – Mali 2019: Waldbrand bei Lübtheen

Einheitsübersicht Liste der Truppenteile der Heeresfliegertruppe des Heeres der Bundeswehr

Ausbildung Zentrale Ausbildungseinrichtung der Truppengattung ist das Internationale Hubschrauberausbildungszentrum in Bückeburg. Für die Ausbildung von Luftfahrzeugführern und Luftfahrzeugtechnikern am Kampfhubschrauber Eurocopter Tiger unterhalten die deutschen und französischen Streitkräfte seit 2003 das Deutsch-Französische Heeresfliegerausbildungszentrum Tiger in Le Cannet-des-Maures (Frankreich) sowie die Deutsch-Französische Ausbildungseinrichtung TIGER in Faßberg. Die deutschen Anteile beider Einrichtungen sind dem Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum unterstellt.

Organisation Einordnung Die Heeresfliegertruppe ist eine Truppengattung des Heeres der Bundeswehr. Sie zählt zu den Kampfunterstützungstruppen.

Die anderen Teilstreitkräfte weisen ähnliche Kräfte wie die Heeresflieger auf, teilen sie jedoch nicht in Truppengattungen ein. In der Marine sind dies die Marineflieger der Marinefliegergeschwader. Die Luftwaffe fasst vergleichbare Kräfte im Hubschraubergeschwader 64 zusammen.

Die Transporthubschrauberregimenter übernehmen ähnliche Aufgaben wie die Heereslogistiktruppen. Kampfhubschrauberregimenter sind wie die Heeresaufklärungstruppe, die ehemalige Heeresflugabwehrtruppe, und die früheren Panzerjäger zur Panzerabwehr, Luftabwehr und Aufklärung befähigt.

Aktive Truppenteile Die Heeresfliegereinsatzkräfte waren bis März 2021 direkt der Division Schnelle Kräfte unterstellt. Seit dem 1. April 2021 sind alle fliegenden Verbände des Heers unter dem Kommando Hubschrauber zusammengefasst, welches wiederum Teil der Division Schnelle Kräfte ist. Die Heeresfliegertruppe umfasst folgende Truppenteile:

Bezeichnung Ort Verband Flugzeugmuster20px|Verbandsabzeichen Kommando Hubschrauber Bückeburg Division Schnelle Kräfte 20px|Verbandsabzeichen Internationales Hubschrauberausbildungszentrum Bückeburg Kommando Hubschrauber Eurocopter EC 135, NH90, Eurocopter Tiger, 20px|Internes Verbandsabzeichen Transporthubschrauberregiment 10 Lüneburger Heide Faßberg Kommando Hubschrauber NH9020px|Internes Verbandsabzeichen Transporthubschrauberregiment 30 TauberfrankenNiederstettenKommando Hubschrauber NH90; Airbus H145 LUH SAR (nur für SAR)20px|Internes Verbandsabzeichen Kampfhubschrauberregiment 36 KurhessenFritzlarKommando Hubschrauber Eurocopter Tiger

Außer Dienst gestellte Truppenteile

Ausrüstung Luftfahrzeuge mini|Kampfhubschrauber Eurocopter Tiger mini|Der Transporthubschrauber NH90 Den Heeresfliegern stehen folgende Hubschraubermuster zur Verfügung (Stand Oktober 2021):

Einsatzhubschrauber Eurocopter Tiger, 51 Stück: Gemäß Planung sollten insgesamt 51 Tiger weiterbetrieben werden. Die restlichen der insgesamt 68 bestellten und bis Juli 2018 ausgelieferten UH Tiger sollten als Ersatzteillager dienen. Zur Vereinheitlichung der Rüststände sollten weitere 33 Tiger in den Bauzustand „ASGARD“ umgerüstet werden (bis März 2014 wurden zunächst 12 Maschinen umgerüstet), Hubschrauber älterer Baureihen wurden ausgesondert. Im Mai 2023 hat die Bundeswehr entschieden, die verbliebenen Tiger nicht mehr weiter zu modernisieren, sondern durch Airbus Helicopters H145M zu ersetzen. Der Tiger soll bis 2035 ausgemustert werden. NH90, 82 Stück: Der NH90 ist Nachfolger des in den 70er Jahren eingeführten deutlich kleineren und leichteren Bell UH-1D und ersetzt diesen u. a. in der Rolle als taktischen Transporthubschrauber. Die letzte Maschine wurde im Oktober 2021 in Dienst gestellt.