Der Penis des Menschen, genannt auch männliches Glied des Menschen, ist neben dem Hodensack eines der äußeren Geschlechtsorgane des Mannes. In seiner Anatomie ist er ein typischer Penis der Säugetiere. Der Penis ist das männliche Begattungsorgan und dient außerdem dem Ausscheiden des Urins. Bei der Entwicklung der Geschlechtsorgane geht der Penis des Mannes wie auch die Klitoris der Frau aus dem Genitalhöcker hervor. Der Penis des Menschen hat – anders als bei den meisten Säugetieren und Primaten – keinen Penisknochen.
Anatomie mini|hochkant=1.2|Äußere anatomische Strukturen des menschlichen Penis: A = Eichel (Glans penis) B = Penisschaft (Corpus penis) C = Vorhautbändchen (Frenulum praeputii) D = äußerer Harnröhrenausgang (Meatus uretrae externus) E = Eichelrand (Corona glandis) F = Penisvorhaut (Praeputium) G = Hodensack (Skrotum) H = After (Anus) I = Verwachsungsnaht (Raphe perinei) 5 = Bild 5 zeigt einen Lusttropfen (Präejakulat)
Der Ursprungsbereich wird Peniswurzel (Radix penis) genannt. Diese ist am Becken über Muskeln und Bänder befestigt. Der sich anschließende Penisschaft (Corpus penis) geht am vorderen Ende in die Eichel (Glans penis) über. An der Eichel finden sich oft sogenannte Hornzipfel, die keine Erkrankung darstellen.
Die Eichel ist von der schützenden Penisvorhaut (Praeputium penis) umgeben. Diese besitzt eine Hautfalte zur Unterseite des Penis, das Vorhautbändchen (Frenulum praeputii). Die Eichel und das innere Blatt der Vorhaut sondern Zellen und Talg ab, die bei mangelhafter Hygiene mit Resten von Urin das Smegma bilden. An der Unterseite des Penis verläuft bis zum Hodensack die Penisnaht.
Erigierte Penisse sind oft leicht oder stärker gekrümmt, was eine natürliche Variation darstellt. Diese Penisdeviation kann in jeder Richtung vorliegen. Kombinierte Biegungen eines Penis in verschiedene Richtungen sind nicht selten (s-förmig, wendelförmig). Wenn die Penisdeviation den Geschlechtsakt behindert, kann sie behandlungsbedürftig sein.
Schwellkörper Der Penis enthält drei Schwellkörper. Die zwei Schwellkörper an der Oberseite werden als Penisschwellkörper (Corpora cavernosa penis) bezeichnet. Sie verwachsen zur Mitte hin miteinander und sind nur durch ein Septum penis voneinander getrennt. Ein weiterer Schwellkörper, der Harnröhrenschwellkörper (Corpus spongiosum penis), verläuft an der Unterseite und setzt sich in der Eichel als Eichelschwellkörper (Corpus spongiosum glandis) fort. Im Harnröhrenschwellkörper verläuft der Penisteil der Harnröhre. Bei sexueller Erregung füllen sich die Schwellkörper mit Blut, wodurch der Penis größer und hart wird, es kommt zur Erektion („Aufrichtung“, „Versteifung“). Für die Versteifung sorgen vor allem die Penisschwellkörper.
Muskeln Die Muskeln des Penis sind der Musculus bulbospongiosus und der Musculus ischiocavernosus. Sie verankern ihn am knöchernen Becken, verstärken durch Abschnürung der Abflussvenen und Kompression der Schwellkörper an ihrer Basis die Erektion – insbesondere während der abschließenden Versteifungs-Phase (englisch rigid-erection phase)Gregory B. Auffenberg, Brian T. Hellfand, Kevin T. McVary: Normal Erectile Physiology. In: Kevin T. McVary: Contemporary Treatment of Erectile Dysfunction. A Clinical Guide. Springer Science & Business Media, 2010, ISBN 978-1-60327-536-1, S. 11–22, S. 15. – und unterstützen die Ejakulation des Spermas durch rhythmische Kontraktionen.
Gefäße Die Blutversorgung erfolgt über drei Endäste der Arteria pudenda interna: Die Penisrückenarterie (Arteria dorsalis penis) zieht auf der Oberseite des Penis bis zur Eichel, die tiefe Penisarterie (Arteria profunda penis) verläuft im Penisschwellkörper und ist für die Erektion wichtig, während die Arteria bulbi penis die Verdickung des Harnröhrenschwellkörpers (Bulbus penis) versorgt. Der vierte Endast ist die Harnröhrenarterie (Arteria urethralis), die neben dem Harnröhrenschwellkörper liegt und die Harnröhre (Urethra) mit arteriellem Blut versorgt. Alle diese Arterien sind paarig angelegt, das heißt, dass sie auf der rechten und linken Seite des Penis „spiegelverkehrt“ angelegt sind.Gerhard Aumüller u. a.: Duale Reihe Anatomie. Thieme, Stuttgart 2010, ISBN 3-13-136043-7, S. 754 f. Durch die Haut scheinen die Venae dorsales penis superficiales (subcutaneae) hindurch. Sie verlaufen im lockeren subkutanen Bindegewebe, unter der alle Strukturen des Penis zu einem einheitlichen Körper zusammenfassenden Fascia penis profunda.Detlef Kießling, Sabine Stannat: Anatomie am Lebenden (= Exa-Med. Band 4b). Jungjohann, Heidelberg 1981, ISBN 3-88454-104-8, S. 96–97.
Nerven Die sensible Innervation der Eichel erfolgt über den Nervus dorsalis penis. Die Penishaut und die Vorhaut werden über den Ramus genitalis des Nervus genitofemoralis innerviert. Die Schwellkörper und Blutgefäße werden über das vegetative Nervensystem gesteuert. Dessen parasympathische Anteile lösen eine Erektion aus und verlaufen in den Nervi splanchnici pelvici aus dem Kreuzabschnitt des Rückenmarks.
Nervenendigungen Der Penis, insbesondere die Vorhaut und die Eichel, ist mit zahlreichen sensorischen Nervenendigungen ausgestattet. Die Vorhaut enthält neben freien Nervenendigungen eine große Anzahl an spezialisierten Nervenendigungen (auch korpuskuläre Nervenendigungen, korpuskuläre Rezeptoren oder Mechanorezeptoren genannt) einschließlich Meissner-Tastkörperchen, Merkel-Körperchen und Vater-Pacini-Körperchen. Diese sind für die Wahrnehmung feiner Berührungsreize wie leichter Berührungen oder Vibrationen verantwortlich. Im Verhältnis zur Vorhaut ist die Eichel relativ arm an spezialisierten Nervenendigungen und enthält überwiegend freie Nervenendigungen.
Erektion und Samenerguss
Durch mechanische Reize, insbesondere durch Selbstbefriedigung (Masturbation) oder Geschlechtsverkehr, oder auch durch psychische Reize (sexuelle Erregung) erfolgt eine Versteifung und Aufrichtung (in vielen Fällen auch Zunahme von Länge und Umfang) des Penis, die sogenannte Erektion (von , „Aufrichtung“). Die Erektion wird hervorgerufen durch Steigerung des Blutzuflusses und Drosselung des Blutabflusses in den Schwellkörpern und stellt eine Voraussetzung für den Vollzug des normalen Geschlechtsverkehrs dar.
Bei fortgesetzter mechanischer Stimulation oder durch anhaltende psychische Erregung kommt es schließlich zum Samenerguss (Ejakulation, von , „auswerfen, herausschleudern“), bei dem Sperma stoßweise aus der Harnröhre freigesetzt wird. Dies geschieht durch rhythmische Kontraktionen der Muskulatur des Samenleiters, der Samenblase, der Schwellkörper und des Beckenbodens. In der Regel ist der Samenerguss mit einem Orgasmus, dem psychischen Höhepunkt des Sexualempfindens, verbunden, wobei umgekehrt ein Orgasmus auch ohne Samenerguss möglich ist.
Auch im Schlaf kann es ohne aktives Zutun zu unbewussten, unwillkürlichen Erektionen und zum Samenerguss kommen (Pollution).
Größe Länge Die durchschnittliche Länge eines erigierten Penis beträgt nach verschiedenen Untersuchungen 12,9 bis 15 Zentimeter.H. Wessells, T. F. Lue, J. W. McAninch: Penile length in the flaccid and erect states: guidelines for penile augmentation. In: The Journal of Urology. Band 156, 1996, S. 995–997.J. Chen, A. Gefen, A. Greenstein, H. Matzkin, D. Elad: Predicting penile size during erection. In: International Journal of Impotence Research. Band 12, Dezember 2000, S. 328–333.Ansell Research: The Penis Size Survey. Auf: esvc000171.wic049u.server-web.com; zuletzt abgerufen am 11. Juli 2021.D. Veale, S. Miles, S. Bramley, G. Muir, J. Hodsoll: Am I normal? A systematic review and construction of nomograms for flaccid and erect penis length and circumference in up to 15 521 men. In: BJU International. Band 115, 2015, S. 978–986. doi:10.1111/bju.13010 In Studien wurden geringe bis hohe Relationen zwischen der Körpergröße und der Penisgröße nachgewiesen.
Bei einer 2021 veröffentlichten Übersichtsarbeit wurden acht Studien mit insgesamt 1020 Teilnehmern ausgewertet; alle Messungen wurden durch medizinisches Fachpersonal durchgeführt. Festgestellt wurde eine durchschnittliche Länge des erigierten Penis von 13,76 Zentimetern.King: Average-Size Erect Penis: Fiction, Fact, and the Need for Counseling In: Journal of Sex & Marital Therapy. Band 47, Ausgabe 1, 2021, S. 80–89. doi:10.1080/0092623X.2020.1787279 (Volltext als PDF).
Bei einer 2015 im BJU International veröffentlichten systematischen Übersichtsarbeit wurden Daten aus verschiedenen Studien ausgewertet; alle Messungen wurden von medizinischem Fachpersonal vorgenommen. Die durchschnittliche Penislänge lag im schlaffen Zustand bei 9,16 Zentimetern (16 Studien, 10.704 Probanden), im langgezogenen Zustand bei 13,24 Zentimetern (17 Studien, 14.160 Probanden) und im erigierten Zustand bei 13,12 Zentimetern (vier Studien, 692 Probanden).
Bei einer Studie 2001 wurde der langgezogene, nicht erigierte Penis (Penisoberseite von Schambein bis Eichelspitze) von 3300 italienischen 17- bis 19-Jährigen vermessen. Dabei wurde ein Median von 12,5 cm festgestellt mit einem ersten Dezil von 9 cm bzw. und einem neunten Dezil von 15 cm.Mondaini u. a.: Penile length is normal in most men seeking penile lengthening procedures. In: International Journal of Impotence Research. Band 14, 2002, S. 283–286. doi:10.1038/sj.ijir.3900887 (Volltext als PDF).
Breite, Dicke, Umfang, Durchmesser Bei einer Studie im Jahr 2001 betrug bei 111 deutschen 18- bis 19-Jährigen der Durchmesser des erigierten Penis an der Basis 3 bis 5 cm, durchschnittlich 3,95 cm mit Standardabweichung von 0,38 cm, der Durchmesser an der Eichel 2,6 bis 4,5 cm, durchschnittlich 3,49 cm mit einer Standardabweichung von 0,35 cm.T. Schneider, H. Sperling, G. Lümmen, J. Syllwasschy, H. Rübben: Does penile size in younger men cause problems in condom use? a prospective measurement of penile dimensions in 111 young and 32 older men. In: Urology. Band 57, 2001, S. 314–318, doi:10.1016/S0090-4295(00)00925-0 300 Personen in Mexiko hatten 2001 einen Durchmesser des erigierten Penis von durchschnittlich 4,01 cm mit Standardabweichung 0,42 cm.Ansell Research.- Dady Rock nightclub in Cancun, Mexico, März 2001. Auf: esvc000171.wic049u.server-web.com; zuletzt abgerufen am 11. Juli 2021.
Der Umfang ist der Durchmesser mal der Kreiszahl Pi: Nach vorgenannter Studie haben 90 % der Penisse einen Umfang von 9,2 bis 14,8 cm, der Median liegt bei 12,5 cm, das 90-Prozent-Perzentil bei 15 cm, das 99-Prozent-Perzentil bei 17,5 cm.
Kondome haben auf der Verpackung eine „nominelle Breite“ aufgedruckt, diese ist theoretisch „Umfang geteilt durch 2“ oder auch „Durchmesser geteilt durch 2 mal Pi“. Die meisten Kondome haben eine Standardbreite von 52 mm, was einem Penisumfang von 10,4 cm und einem Durchmesser von 3,3 cm entspricht. Kondome werden in den nominellen Breiten 49 bis 72 mm angeboten.
Größe und die Entsprechung der weiblichen Genitalien Der sensibelste Bereich der weiblichen Genitalien beinhaltet die Klitoris und die Gräfenberg-Zone im vorderen Bereich der Vagina. Die Vagina ist bei erwachsenen Frauen etwa 8 bis 12 cm lang.Arne Schäffler, Nicole Menche: Mensch – Körper – Krankheit: Biologie, Anatomie, Physiologie. 3., überarbeitete Auflage. Urban & Fischer, München 1999, ISBN 3-437-55192-2, S. 396.
Fehlbildungen und Erkrankungen mini|hochkant|Ein durch das Zytokin Interleukin-11 verursachtes Penisödem, als Folge eines Vascular-Leak-Syndroms
Die Unfähigkeit zur Erektion wird heute als erektile Dysfunktion (allgemein Impotenz) bezeichnet. Sie ist aber nicht mit Orgasmusunfähigkeit gleichzusetzen. Alle nicht-penetrierenden sexuellen Betätigungen mit dem Penis sind ohne (ausreichende) Erektion zumeist möglich. Häufiges Radfahren kann durch Druck des Sattels auf die Peniswurzel und ihre empfindlichen Nerven zu erektilen Dysfunktionen führen. Dies kann durch geeignete Sattelformen und eine sportliche Fahrweise verhindert werden. Mittels Potenzmitteln kann versucht werden, der erektilen Dysfunktion entgegenzuwirken.