Kressenbach ist ein Stadtteil von Schlüchtern im osthessischen Main-Kinzig-Kreis.

Geografische Lage Kressenbach liegt im Nordosten des Main-Kinzig-Kreises etwa sechs Kilometer nordwestlich des Stadtzentrums von Schlüchtern auf einer Höhe von 252 m über NN. Es grenzt im Norden an den Ort Hintersteinau, im Nordosten an den Ort Wallroth, im Südosten an den Ort Breitenbach und im Westen an den Ort Uerzell. Innerhalb der Gemarkung von Kressenbach liegt die Wüstung Altengesäß.

Geschichte Mittelalter Die älteste erhaltene urkundliche Erwähnung von Cressenbach stammt aus dem Jahr 1167. Damals besaß das Kloster Schlüchtern die Filialkirche und den Zehnten im Dorf. Das Dorf gehörte zum Gericht Schlüchtern (später: Amt Schlüchtern), einem Lehen des Bischofs von Würzburg. Zunächst im Besitz derer von Grumbach erbten das Dorf 1243 die Herren von Trimberg. Die Vogtei über das Dorf war bis 1286 als Unterlehen an Dietrich von Erthal vergeben und sie ging in diesem Jahr auf die von Hutten und Aldenberg über. 1364 verkauften die von Hutten ihre Hälfte des Unterlehens an das Kloster Schlüchtern. 1377 erhielten die Herren von Hanau (ab 1429: Grafschaft Hanau) das Oberlehen im Tausch gegen die Burg Bütthard.Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900–1806 = Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63. Marburg 2014. ISBN 978-3-942225-17-5, S. 196–230 (208). Bei der Hanauer Landesteilung von 1456 kam Kressenbach zur Grafschaft Hanau-Münzenberg. 1444 war das Kloster Schlüchtern Dorfherr. Das Kloster begab sich 1457 endgültig in die Schutzherrschaft der Grafschaft Hanau.

Mit dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., fiel Kressenbach 1736 mit der ganzen Grafschaft Hanau-Münzenberg an die Landgrafschaft Hessen-Kassel, aus der 1803 das Kurfürstentum Hessen entstand.

Neuzeit Während der napoleonischen Zeit stand Kressenbach ab 1806 unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807–1810 zum Fürstentum Hanau und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es wieder an das Kurfürstentum Hessen zurück. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, im Rahmen derer Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, gehörte Kressenbach zum Landkreis Schlüchtern. 1866 wurde das Kurfürstentum nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg von Preußen annektiert und ist nach dem Zweiten Weltkrieg Bestandteil des Bundeslandes Hessen geworden. Kressenbach wechselte entsprechend die Verwaltungen, denen es zugehörte.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Kressenbach im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Stadt Schlüchtern eingemeindet. Für Kressenbach wurde, wie für die anderen eingemeindeten ehemals eigenständigen Gemeinden von Schlüchter, ein Ortsbezirk eingerichtet. Ebenfalls mit der Hessischen Gebietsreform wurde der Landkreis Schlüchtern 1974 aufgelöst und Kressenbach liegt seit dem im Main-Kinzig-Kreis.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Kressenbach angehört(e):

vor 1458: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau ab 1458: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Schlüchtern ab 1642: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau-Lichtenberg, Amt Schlüchtern ab 1736: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Schlüchtern ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hanau,Durch den Reichsdeputationshauptschluss. Amt Schlüchtern 1806–1810: Kaiserreich Frankreich,Infolge der Napoleonischen Kriege. Fürstentum Hanau, Amt Schlüchtern (Militärverwaltung) 1810–1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau, Distrikt Steinau ab 1816: Kurfürstentum Hessen,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Fürstentum Hanau, Amt Schlüchtern ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Hanau, Kreis SchlüchternVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 76.Trennung von Justiz (Justizamt Steinau) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hanau ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Hanau, Kreis Schlüchtern ab 1867: Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Schlüchtern ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Schlüchtern ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Schlüchtern ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Schlüchtern ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Schlüchtern ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Schlüchtern ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Schlüchtern ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Schlüchtern ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Schlüchtern, Stadt Schlüchtern ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Kinzig-Kreis, Stadt Schlüchtern

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Kressenbach 336 Einwohner. Darunter waren 18 (5,4 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 66 Einwohner unter 18 Jahren, 132 zwischen 18 und 49, 81 zwischen 50 und 64 und 60 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 126 Haushalten. Davon waren 24 Singlehaushalte, 36 Paare ohne Kinder und 54 Paare mit Kindern, sowie 3 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 27 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 84 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1538: 14 Steuernde • 1587: 14 Schützen, 9 Spießer • 1632: 18 Dienstpflichtige • 1753: 38 Haushaltungen mit 159 Personen • 1812: 33 Feuerstellen, 326 Einwohner

Religionszugehörigkeit • 1885: 275 evangelische (= 97,86 %), 6 katholische (= 2,14 %) Einwohner • 1961: 289 evangelische (= 92,33 %), 18 katholische (= 5,75 %) Einwohner

Religion 1167 gehörte Kressenbach zur Pfarrei Schlüchtern, später zur Pfarrei Wallroth. Die Grafschaft Hanau-Münzenberg schloss sich in der Reformation zunächst der lutherischen Konfession an, ab 1597 war sie reformiert.

2005 wurde das evangelische Kirchspiel aufgelöst und Kressenbach zusammen mit Wallroth und Breitenbach zu einer Kirchengemeinde zusammengeschlossen. Die Kirche steht in der Ortsmitte.

Politik Für Kressenbach besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Kressenbach) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 54,55 %. alle Kandidaten gehören der Liste „Zusammen für Kressenbach“ an. Der Ortsbeirat wählte Holger Gärtner zum Ortsvorsteher.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Im Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft wurde Kressenbach im Jahre 2005 Vizekreismeister. Der Fußballverein 1. FC Kressenbach wurde im Jahre 1961 gegründet. Er bildet mit der SG Ulmbach die Spielgemeinschaft SG Kressenbach/Ulmbach. In der Saison 2019/2020 gelang der Spielgemeinschaft unter Trainer Tim Mulfinger der erstmalige Aufstieg von der Kreisoberliga Fulda Süd in die Gruppenliga Fulda.

Infrastruktur Kressenbach wurde für 2008 in das Dorferneuerungsprogramm des Landes Hessen aufgenommen. Durch den Ort führt die Deutsche Märchenstraße. Die ehemalige Dorfschule wird heute als Bürgerhaus genutzt.

Literatur Matthias Nistahl: Studien zur Geschichte des Klosters Schlüchtern im Mittelalter (= Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte. Bd. 65). Hessische Historische Kommission u. a., Darmstadt u. a. 1986, ISBN 3-88443-154-4, S. 165 f., (Zugleich: Marburg, Universität, Dissertation, 1984). Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck. Bd. 14, ). Elwert, Marburg 1926, S. 288.

Weblinks Stadtteile In: Webauftritt der Stadt Schlüchtern.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

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