Kirsten Bruhn (* 3. November 1969 in Eutin, Schleswig-Holstein) ist eine ehemalige deutsche Schwimmerin und eine der bekanntesten und erfolgreichsten Aktiven im deutschen Behindertensport.

Leben Kirsten Bruhn wuchs als jüngstes von fünf Kindern in einer schwimmsportlich geprägten Familie auf; beide Eltern betrieben Leistungsschwimmen. Kirsten Bruhn betreibt seit ihrem zehnten Lebensjahr Leistungsschwimmen. Als Jugendliche trainierte sie zeitweise täglich bis zu sechs Stunden. Sie legte 1990 ihr Fachabitur ab und ging anschließend für ein Jahr als Au Pair nach New Jersey in die Vereinigten Staaten.Kirsten Bruhn beim deutschen Behindertensportverband e. V.

Im Jahr 1991 wollte sie mit einem Studium im Fach Grafik und Design beginnen, erlitt jedoch im Urlaub als Beifahrerin auf dem Motorrad ihres damaligen Freundes einen Unfall und in Folge eine inkomplette Querschnittlähmung mit Ausnahme der vorderen Oberschenkelmuskulatur.Franziska Ringleben: Paralympics-Schwimmerin Bruhn: Schluss mit Jammern, in: Spiegel online vom 30. August 2012 Seit diesem Unfall ist sie keine Fußgängerin mehr und benötigt als Hilfsmittel einen Rollstuhl. In der Rehabilitation griff sie den Schwimmsport wieder auf; das Training wurde für sie zu einem Mittel, den Einschnitt nach dem Unfall aktiv zu gestalten. 1993 durchlief sie eine Ausbildung zur Sozialversicherungsfachangestellten bei der AOK Schleswig-Holstein in Neumünster.

2002 meldete sich Bruhn erstmals zu einem Schwimmwettkampf im Behindertensport an und belegte bereits in dem Jahr bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft in Berlin den ersten Platz in 50 m Rücken, den 3. Platz in 100 m Rücken sowie jeweils den vierten Platz in 50 m Freistil und 100 m Freistil. Seitdem nahm sie erfolgreich an zahlreichen Meisterschaften teil und zählt zu den schnellsten Handicap-Schwimmerinnen der Welt. Trainiert wurde sie dabei von ihrem Vater Manfred Bruhn.

Bei den Paralympics 2004 in Athen gewann sie Gold über 100 Meter Brust, zweimal Silber und einmal Bronze. Im Jahr 2005 stellte sie 9 Welt-, 11 Europa- und 15 deutsche Rekorde auf. 2004, 2005 und 2008 wurde sie zur Sportlerin des Jahres mit Handicap des DBS gekürt. 2006 wurde sie als einzige deutsche Vertreterin für den Laureus Sport Award in Barcelona nominiert. Bei den Sommer-Paralympics 2008 in Peking gewann sie die meisten Medaillen im Team des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) mit Gold über 100 m Brust und Weltrekordzeit im Vorlauf, sowie einer Silber- und drei Bronze-Medaillen. Bei den Sommer-Paralympics 2012 gewann sie zum dritten Mal in Folge Gold über 100 m Brust und Silber über 100 m Rücken. Sie beendete Ende 2014 ihre paralympische Karriere.Bruhn vergoldet ihren Abschied, auf: ARD-Sportschau online, 6. September 2012

Engagement und öffentliche Wirkung Bruhn ist seit 2012 als Botschafterin für Rehabilitation, Prävention und Sport tätig beim Unfallkrankenhaus Berlin.Schwimmerin Bruhn macht den Tag für Deutschland perfekt, in: Berliner Morgenpost vom 6. September 2012 (nur mit Abonnement abrufbar) Sie ist auch als Rednerin und Referentin in diesem Bereich aktiv. Ein besonderes Anliegen ihrer öffentlichen Arbeit ist ein Perspektivwechsel von den Defiziten behinderter Menschen hin zu ihren Fähigkeiten. Sie setzt sich besonders für Sichtbarkeit, Förderung und Anerkennung des Behindertensports ein.

mini|Kirsten Bruhn bei der Einweihung der Kletterwand im DRK-Schul- und Therapiezentrum Raisdorf (2011) Seit 2001 ist Kirsten Bruhn Botschafterin für das DRK Schleswig-Holstein, seit 2008 auch für den Weißen Ring. Zudem engagiert sie sich in weiteren Ehrenämtern für und im Sport.

Kirsten Bruhn ist eine von drei Porträtierten in dem deutschen Dokumentarfilm Gold – Du kannst mehr als Du denkst,Filmvorstellung in Fernsehsendung Brisant (ARD) am 27. Februar 2013 der Parapictures Film Production GmbHCarsten Volkery: Paralympics-Star Kirsten Bruhn: „Pistorius wäre in Deutschland undenkbar“, in: Spiegel online vom 8. September 2012 der auf der Berlinale 2013 am 15. und 16. Februar in der Rubrik Berlinale Spezial gezeigt wurde.Darstellung des Films auf Berlinale.de

Für ihre außerordentlichen Leistungen bei den Paralympischen Sommerspielen 2012 wurde der Goldmedaillengewinnerin am 22. November ein Bambi in der Kategorie „Sport“ überreicht.Bambi-Verleihung: Viel Prominenz für das Rehkitz bei shz, 23. November 2012

Seit 2015 trägt die 1972 eröffnete öffentliche Schwimmhalle in der Eutiner Riemannstraße, in der sie als Zweieinhalbjährige das Schwimmen lernte, Kirsten Bruhns Namen.

Im Juni 2015 wurde sie ins Präsidium des Behinderten-Sportverbandes Berlin gewählt.Kirsten Bruhn in neuer Funktion. Kobinet-Nachrichten, 13. Juni 2015. In Berlin ist sie Vizepräsidentin Sport im Präsidium des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbands.

Seit ihrer erstmaligen Wahl am 20. Juni 2015 ist Kirsten Bruhn auch ehrenamtliches Vorstandsmitglied des Landessportverbandes Schleswig-Holstein (LSV). Im LSV trug sie dazu bei, dass in die Aus- und Fortbildung von Trainerinnen und Trainern Module zur Inklusion aufgenommen wurden.

Im Jahr 2016 erschien ihre Autobiografie Mein Leben und wie ich es zurückgewann, im selben Jahr fungierte sie als Expertin für die ARD bei den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro. Im Januar 2024 wurde Bruhn als erste Para-Athletin in den achtköpfigen Gutachterausschuss der Stiftung Deutsche Sporthilfe berufen; sie folgte dort auf den Fecht-Olympiasieger Alexander Koch. Die Sporthilfe hatte sie von 2004 bis 2014 gefördert.

Am 26. Mai 2026 zeichnete Ministerpräsident Daniel Günther sie mit der Ehrenbürgerwürde des Landes Schleswig-Holstein aus. Sie wurde damit die erste Sportlerin und nach Heide Simonis die zweite Frau unter den Ehrenbürgern des Landes Schleswig-Holstein. Zur Begründung wurden ihre sportlichen Erfolge, ihr Einsatz für Chancengleichheit, Inklusion und gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie ihr öffentliches Eintreten für gleichberechtigte Teilhabe hervorgehoben.

Erfolge (Auszug) Paralympisches Gold 2004, 2008 und 2012, 11 paralympische Medaillen insgesamt 65-fache Deutsche Meisterin 54 Welt- und 64 Europarekorde sechsfache Weltmeisterin achtfache Europameisterin

Auszeichnungen 2004, 2005 und 2008: Sportlerin des Jahres des Deutschen Behinderten Sportverbandes (DBS) 2004, 2008 und 2012: Verleihung des Silbernen Lorbeerblattes durch den Bundespräsidenten 2005 und 2014: Sportplakette des Landes Schleswig-Holstein 2006: Nominierung für den Laureus Sports Award in Barcelona 2012: Bambi in der Kategorie „Sport“ 2013: Sparkassenpreis für Vorbilder im Sport 2026: Ehrenbürgerin des Landes Schleswig-Holstein

Schriften Kirsten Bruhn: Mein Leben und wie ich es zurückgewann, Neues Leben, Berlin 2016, ISBN 978-3-355-01844-9.

Literatur Manuela Junghölter: Kirsten Bruhn (* 1969). Sie kann mehr, als sie dachte. In: dieselbe: Starke Frauen aus Schleswig-Holstein. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2020, ISBN 978-3-8313-3256-4, S. 79–81.

Weblinks

Offizielle Website von Kirsten Bruhn

Einzelnachweise

Kategorie:Behindertensportler (Schwimmen, Deutschland) Kategorie:Paralympics-Sieger (Schwimmen) Kategorie:Paralympics-Teilnehmer (Deutschland) Kategorie:Teilnehmer der Sommer-Paralympics 2004 Kategorie:Teilnehmer der Sommer-Paralympics 2008 Kategorie:Teilnehmer der Sommer-Paralympics 2012 Kategorie:Sportler des Jahres (Deutschland) Kategorie:Träger des Silbernen Lorbeerblattes Kategorie:Ehrenbürger von Schleswig-Holstein Kategorie:Person (Deutsches Rotes Kreuz) Kategorie:Person (Deutscher Olympischer Sportbund) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1969 Kategorie:Frau