mini|BMW R 80 G/SErste fernreisetaugliche Enduro der 1980er mini|BMW R 1200 GSSchwere Reiseenduro der 2000er-Jahre mini|Yamaha Ténéré 700Ein repräsentatives Modell der 2020er Jahre. Eine Reiseenduro (oder Reise-Enduro) ist ein straßenzugelassenes Motorrad, das für längere Fahrten auf asphaltierten Strecken und im leichten Gelände konzipiert ist. Im Vergleich zu Enduros bieten Reiseenduros eine bessere Reisetauglichkeit im Hinblick auf Reichweite, Fahrkomfort und Zuladung bei gleichzeitigen Einbußen in der Geländetauglichkeit.
Klassifikation Reiseenduros vereinen die Fahrwerksgeometrie von Enduros mit den drehmomentstarken Motoren und der Ausstattung von Tourern. Ein Windschild reduziert den Winddruck auf den Fahrer und schützt vor Regen. Ein Kraftstofftank mit mehr als 20 Liter Fassungsvermögen ermöglicht Reichweiten von über 300 km. Eine tourentaugliche, breite und weiche Sitzbank steigert den Sitzkomfort bei ausdauernder Fahrt. Sitzhöhen von über 80 cm ermöglichen einen entspannten Kniewinkel und ein aufrechtes Sitzen. Vorrichtungen für Gepäckträgersysteme für Seitenkoffer und Topcase vereinfachen die Beladung und vergrößern das Stauvolumen. Eine längere Übersetzung in den hohen Gängen senkt den Kraftstoffverbrauch auf langen Autobahnfahrten. Ein straßentaugliches Reifenprofil verbessert die Straßenlage bei hohen Geschwindigkeiten. Niedrige Kotflügel reduzieren die Beeinträchtigung durch Spritzwasser. Ein Motorschutz und Sturzbügel schützen Antrieb und Verkleidungsteile. Fahrerassistenzsysteme wie Antiblockiersystem und Traktionskontrolle unterstützen die Bremsanlage. Darüber hinaus werden Reiseenduros im Gegensatz zu Tourern meist mit Kreuzspeichenrädern ausgeliefert, die sich bei Beschädigungen auch abseits der Zivilisation einfacher als Gussräder reparieren lassen.
Statt auf Höchstleistung sind die Motoren auf Durchzug und Elastizität ausgelegt. Nennleistungen von bis bei einem Hubraum zwischen 800 und 1200 cm³ sind marktüblich. Wegen der profilarmen Bereifung, einem breit dimensionierten Kraftstofftank und Antrieb sowie einem hohen Leergewicht von meist deutlich über 200 kg sind die Offroad-Eigenschaften von Reiseenduros zum Teil erheblich eingeschränkt. Laut Peter Mayer bringen Reiseenduros von allen Motorrad-Segmenten am besten in Einklang.
Zur Klassifikation ihrer Reiseenduros verwenden Zweiradhersteller synonyme Marketingbezeichnung wie „Adventure“ (Triumph, Honda, BMW), „Sport-Enduro-Tourer“ (Suzuki), „Travel“ (KTM) oder schlicht „Enduro“ (Yamaha). In Fachzeitschriften wird auch der Begriff „Großenduro“ verwendet.
Marktübersicht Bild Hersteller Modell Motor Hubraum Leistung Antrieb Leergewicht Verkaufsstart 100px BMW G 310 GS 1-Zylinder-Motor 313 cm³ Kettenantrieb 175 kg2023 BMW F 800 GS 2 Zylinder, Reihenmotor 895 cm³ Kettenantrieb 227 kg2023 100px BMW F 900 GS / Adventure 2 Zylinder, Reihenmotor 895 cm³ Kettenantrieb 219 kg / 246 kg2023 100px BMW R 1250 GS Adventure 2 Zylinder, Boxermotor 1254 cm³ Kardanantrieb 268 kg2018 100px BMW R 1300 GS / Adventure 2 Zylinder, Boxermotor 1300 cm³ Kardanantrieb 237 kg / 269 kg2023 100px Ducati Multistrada 1200 2 Zylinder, V-Motor 1198 cm³ Kettenantrieb 224 kg2010 100px Honda XL 750 Transalp 2 Zylinder, Reihenmotor 755 cm³ Kettenantrieb 208 kg2023 100px Honda CRF 1100 L Africa Twin 2 Zylinder, Reihenmotor 1084 cm³ Kettenantrieb 226 kg2020 100px Honda VFR 1200 X Crosstourer 4 Zylinder, V-Motor 1237 cm³ Kardanantrieb 275 kg2012 100px Kawasaki Versys 1000 4 Zylinder, Reihenmotor 1043 cm³ Kettenantrieb 239 kg2012 100px KTM 1290 Super Adventure R 2 Zylinder, V-Motor 1301 cm³ Kettenantrieb 229 kg2014 100px Moto Guzzi V85 TT 2 Zylinder, V-Motor 853 cm³ Kardanantrieb 229 kg2019 100px Moto Guzzi Stelvio 2 Zylinder, V-Motor 1042 cm³ Kardanantrieb 246 kg2024 100px Moto Morini Granpasso 1200 2 Zylinder, V-Motor 1187 cm³ Kettenantrieb 210 kg2008 100px MV Agusta Turismo Veloce 800 3 Zylinder, Reihenmotor 798 cm³ Kettenantrieb 190 kg2015 100px Royal Enfield Himalayan 450 1-Zylinder-Motor 452 cm³ Kettenantrieb 198 kg2023 100px Suzuki V-Strom 1000 ABS 2 Zylinder, V-Motor 1037 cm³ Kettenantrieb 228 kg2014 100px Triumph Tiger 800 3 Zylinder, Reihenmotor 799 cm³ Kettenantrieb 210 kg2011 100px Triumph Tiger 1200 3 Zylinder, Reihenmotor 1215 cm³ Kardanantrieb 259 kg2012 100px Yamaha Ténéré 700 2 Zylinder, Reihenmotor 689 cm³ Kettenantrieb 204 kg2019
Entwicklung, Modelle
1970er- und 1980er-Jahre
Als erste Enduro kann die XT 500 von Yamaha angesehen werden. Bei diesem Modell wurde ab 1975 erstmals ein geländegängiges Serienmotorrad mit einem 500-cm³-Motor ausgestattet. Die Federwege waren länger als bei früheren Scramblern, die Kotflügel höher angebracht und der vordere Reifen mit 21 Zoll höher und schmäler. Andere Hersteller entwickelten Modelle, welche komfortabler und reisetauglicher waren. Mit dem Modell R 80 G/S hat BMW die erste reisetaugliche Enduro auf den Markt gebracht und damit einen neuen Motorrad-Typ entwickelt, der unter anderem auch durch Erfolge bei der populären Rallye Dakar und entsprechende Sondermodelle rasch Verbreitung gefunden hat.
Beispiel-Bauformen:
Typische Modelle: BMW R 80 G/S (1980–1987) BMW R 80 GS (1987–1994), R 100 GS (1987–1996), R 65 GS (1987–1992) Cagiva Elefant 650 (1985–1987) Honda XL 500 (1979–1984) Honda XL 600 V Transalp (1987–1999) Honda NX 650 Dominator (1988–2000) Honda XRV 650 Africa Twin (1988–1989) Kawasaki KLR 650 Tengai (1989–2003) Moto Guzzi V65 TT (1983–1987) Moto Guzzi NTX (1987–1995) Suzuki DR Big 750 S (1987–1990) Yamaha XT 500 (1976–1989) Yamaha XT 600 Z Ténéré (1983–1990) Yamaha XTZ 750 Super Ténéré (1989–1997)
1990er-Jahre
Seit den 1990er-Jahren ist ein Trend zu mehr Straßentauglichkeit zu Lasten der Geländeeignung zu verzeichnen. Eine Ausnahme bildete das Konzept von Yamaha; Yamaha beteiligte sich von Anfang an an der Rallye Dakar. Es gelang Yamaha, einen Twin in einen voll Offroad-tauglichen Rahmen zu verbauen. Damit wurde die XTZ-Ténéré-Serie auf 750 cm³ erweitert, und Yamaha konnte Siege einfahren. Die späteren Adventure-Modelle von KTM, welche erst mit dem Bestreben durch Hans Kinigadner „Dakar“-tauglich wurden, besitzen vergleichsweise gute Offroad-Eigenschaften.
Beispiel-Bauformen:
Typische Modelle: Aprilia Pegaso 650 (1992–2009) BMW F 650 (1993–1999, hergestellt bei Aprilia, weitgehend baugleich mit der Aprilia Pegaso) BMW R 1100 GS (1994–1999) → R 1150 GS (1999–2004) Cagiva Canyon 600 (1996–1998) Cagiva Elefant 750 (1987–1990) Cagiva Elefant 900 (1990–1997) Cagiva Gran Canyon 900 (1998–2000) Honda XRV 750 Africa Twin (1990–2000) Honda XL 1000 V Varadero (1999–2012) Kawasaki KLE 500 (1991–2007) KTM 640 Adventure (1997–2007) Moto Guzzi Quota 1000 (1992–1997) → 1100 ES (1998–2001) Suzuki DR 800 S (1991–1999) Suzuki XF 650 Freewind (1997–2003) Triumph Tiger 900 (1993–1998) Yamaha XTZ 660 Ténéré (1991–1999)
2000er-Jahre Nach der sehr schweren von 2001 bis 2005 gefertigten R 1150 GS Adventure (285 kg fahrbereit) ist der Hersteller BMW bei den Nachfolgemodellen wieder zu geringeren Gewichten zugunsten der Geländeeigenschaften zurückgekehrt. Große Hersteller stellen nun Reiseenduros in zwei Hubraumklassen her (BMW, Honda, Suzuki, Yamaha).
Beispiel-Bauformen:
Typische Modelle von Leichtkrafträdern mit bis zu 125 cm³ Hubraum: Honda XL125V Varadero (2001–2013)
Typische Modelle der Mittelklasse mit 600 bis 800 cm³ Hubraum: BMW F 650 GS (R13) (2000–2007) → F 650 GS (K72) (2008–2012) BMW F 800 GS (2008–2017) → F 850 GS (seit 2018) Honda XL 650 V Transalp (2000–2006) → XL 700 V Transalp (2007–2012) Kawasaki KLE 650 Versys (seit 2006) Suzuki DL 650 V-Strom (seit 2004) Yamaha XT 660 Z Ténéré (seit 2008)
Typische Modelle mit über 900 cm³ Hubraum: Aprilia ETV 1000 Caponord (2001–2009) Benelli TreK 1130 (seit 2007) BMW R 1150 GS Adventure (2001–2005) BMW R 1200 GS K25 (2004–2012) BMW R 1200 GS Adventure K255 (2006–2013) Buell Ulysses XB12X (2005–2009) Cagiva Navigator 1000 (2000–2006) Kawasaki KLV 1000 (2004–2005) KTM 950 Adventure (2003–2005) KTM 990 Adventure (2006–2013) Honda XL 1000 V Varadero (1999–2012) Moto Guzzi Stelvio (2008–2016) Moto Morini Granpasso 1200 (2008–2019) Suzuki DL 1000 V-Strom (2002–2009) Triumph Tiger 955i (2001–2006) Triumph Tiger 1050 (seit 2006)
2010er-Jahre Das Steigerung der Nennleistung der BMW-GS-Baureihe mit Boxermotor von im Jahr 1980 auf im Jahr 2018 um 270 % ist exemplarisch für die generelle Leistungsentwicklung im Segment der Reiseenduros. konnte sich laut Guido Kupper die 800er-Klasse in den vergangenen Jahren herausbilden. Nach Jochen Vorfelder machen sich
Typische Modelle der Mittelklasse mit 400 bis 900 cm³ Hubraum (nach Erscheinung sortiert): Benelli TRK 502 (seit September 2016)Dennis Chung: 2015 EICMA: Benelli TRK 502. In: Motorcycle.com, 19. November 2015. (englisch). BMW G 650 GS (2009–2015) BMW F 700 GS (2012–2017) → F 750 GS (2018–2023) BMW F 800 GS Adventure (2013–2018) → F 850 GS Adventure (2018–2023) CCM GP450 Adventure (seit 2016) Honda VFR 800 X Crossrunner (seit 2010) Kawasaki KLE 650 Versys (seit 2006) KTM 790 Adventure (2019–2021)Peter Schönlaub: Abenteuer in der Mitte. In: Motorrad Magazin. 8. November 2018. Mash Adventure 400R (seit 2015)Thomas Schmieder: Mash Adventure 400 R im Test. In: Motorrad. Ausgabe 20/2015. 17. September 2015. Moto Guzzi V85 TT (seit 2019) Royal Enfield Himalayan (2016–2022) Suzuki DL 650 V-Strom (seit 2004) SWM Superdual Adventure (2016–2019)Ben Purvis: SWM Superdual adventure single. In: Motorrad International. 2016. (englisch) Triumph Tiger 800 (2010–2014) → Tiger 800 X (2015–2016) → Tiger 800 XR/XC (seit 2017) Yamaha Ténéré 700 (seit 2019) Yamaha Tracer 700 GT (seit 2019)
Typische Modelle mit über 900 cm³ Hubraum: Aprilia ETV 1200 Caponord (2013–2016) BMW R 1200 GS (K50) (2013–2018) → R 1250 GS (2018–2023) BMW R 1200 GS Adventure K51 (2014–2018) → R 1250 GS Adventure (seit 2018) Ducati Multistrada 1200 (2010–2017) → Multistrada 1260 (seit 2018) Ducati Multistrada 1200 Enduro (2016–2018) → Multistrada 1260 Enduro (seit 2019) Honda VFR 1200 X Crosstourer (seit 2012) Honda CRF 1000 L Africa Twin (2015–2019) → CRF 1100 L Africa Twin (seit 2019) Kawasaki Versys 1000 (seit 2012) KTM 1190 Adventure (2013–2016) KTM 1290 Super Adventure (2014–2018) KTM 1050 Adventure (2015–2016)Downsizing bei KTM: 1050 Adventure vorgestellt. In: Alpentourer. 5. November 2014. Suzuki V-Strom 1000 (2013–2019) → V-Strom 1050 Triumph Tiger Explorer (2012–2018) → Tiger 1200 (seit 2018) Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré (seit 2010)
2020er-Jahre Aprilia Tuareg 660 (seit 2022) BMW R 1300 GS (seit 2023) CF Moto 800 MT (seit 2022)Uli Baumann: China-Adventure-Bike mit KTM-Twin ab 9.899 Euro. In: Motorrad. 9. Februar 2022. Ducati DesertX (seit 2022)Die neue Ducati DesertX. In: tourenfahrer.de. 10. Dezember 2021. Harley-Davidson Pan America (seit 2020)Uli Baumann: Das ist die Milwaukee-Enduro. In: Motorrad. 6. November 2019. Husqvarna Norden 901Uli Baumann: Reiseenduro mit 900er-Twin wird gebaut. In: Motorrad. 5. Dezember 2019. Moto Guzzi Stelvio (seit 2024) Moto Morini X-CapeUli Baumann, Dina Dervisevic: Neues Mittelklasse-Adventure Bike. In: Motorrad. 5. November 2019. Royal Enfield Himalayan 450 (seit 2023) Triumph Tiger 900 (seit 2020)Uli Baumann: Leichter, stärker, dynamischer, ab 11.350 Euro. In: Motorrad. 3. Februar 2020.
Motorräder dieser Bauart werden auch mit den Geländelimousinen (SUV) aus dem Automobilsektor verglichen. Am Beispiel der Honda VFR 1200 X Crosstourer ist zu erkennen, dass dies auch als negativ konnotierter Vergleich benutzt wird:
Reiseliteratur