Tschechische Zentren (tschechisch: Česká centra) sind eine staatliche Kulturinstitution der Tschechischen Republik und ein Netzwerk von Kulturinstituten im Ausland. Sie dienen der internationalen Präsentation der Tschechischen Republik sowie der Förderung kultureller Beziehungen, insbesondere in den Bereichen Kunst, Bildung, Wissenschaft und Sprache.
Die Tschechischen Zentren stehen unter der Zuständigkeit des Außenministeriums der Tschechischen Republik. Ihre Tätigkeit ist Teil der tschechischen auswärtigen Kulturpolitik und wird häufig im Zusammenhang mit Konzepten der öffentlichen Diplomatie und internationalen Kulturbeziehungen betrachtet.
Die Organisation verfügt über ein internationales Netzwerk von Auslandszentren. Neben der Präsentation tschechischer Kultur gehören auch die Tschechischkurse sowie die Unterstützung internationaler Kooperationen zu ihren Aufgaben.
Geschichte mini|Böhmische Nationalhalle - Sitz des Tsechechischen Zentrum New York Die Geschichte der Tschechischen Zentren reicht bis ins Jahr 1949 zurück, als die sogenannten Kultur- und Informationszentren in Sofia und Warschau eröffnet wurden. Die KIZ waren die unmittelbaren Vorläufer der Tschechischen Zentren und konzentrierten sich vor allem auf kulturelle Veranstaltungen. Sie organisierten Film- und Literaturabende, Vorträge, Konzerte sowie Sprachkurse. Diese Aktivitäten waren Teil der ideologischen Propaganda und richteten sich an die befreundeten sozialistischen Staaten.
Nach dem politischen Wandel von 1989 veränderte sich die internationale Kulturarbeit der Tschechoslowakei. Während staatliche Kulturpräsentation zuvor stärker mit politischen Funktionen verbunden war, entwickelte sie sich nach 1989 zunehmend zu einem Instrument internationaler Kulturbeziehungen und öffentlicher Diplomatie.
Die Tschechischen Zentren entstanden nach der Gründung der selbständigen Tschechischen Republik im Jahr 1993 im Zusammenhang mit der Neuorganisation der staatlichen Auslands- und Kulturarbeit.
Seit ihrer Gründung wurde das Netzwerk der Tschechischen Zentren schrittweise erweitert. Die Einrichtungen entwickelten Programme in unterschiedlichen Bereichen der zeitgenössischen Kultur sowie in Bildung, Wissenschaft und Kreativwirtschaft.
Organisation und Aufgaben
Die Tschechischen Zentren sind keine unabhängigen Kulturvereine, sondern staatlich getragene Einrichtungen. Ihre zentrale Verwaltung befindet sich in Prag und koordiniert die Tätigkeit der einzelnen Auslandsstellen.
Die einzelnen Zentren arbeiten mit lokalen Kulturinstitutionen, Hochschulen, Bildungseinrichtungen und weiteren Partnern zusammen. Die Programme umfassen verschiedene Bereiche der Kultur- und Bildungsarbeit. Dazu gehören Ausstellungen, Filmvorführungen, literarische Veranstaltungen, Konzerte, Diskussionen sowie Projekte in Architektur, Design und Wissenschaft.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Vermittlung der tschechischen Sprache. Die Zentren organisieren Sprachkurse und unterstützen internationale Sprachprüfungen.
Als staatlich getragene Kulturinstitute gehören die Tschechischen Zentren zu einer größeren Gruppe europäischer Organisationen mit ähnlicher Funktion. Vergleichbare Einrichtungen anderer Staaten sind unter anderem das deutsche Goethe-Institut, das französische Institut français und das spanische Instituto Cervantes.
Die Tschechischen Zentren im deutschsprachigen Raum
Die Tschechischen Zentren sind auch in deutschsprachigen Ländern tätig. Deutschland und Österreich gehören aufgrund ihrer geografischen Nähe und der intensiven politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zu den wichtigsten Partnerländern der Tschechischen Republik. Die Tätigkeit der dortigen Zentren konzentriert sich auf kulturelle Veranstaltungen, Sprachvermittlung und institutionelle Zusammenarbeit. mini|Eingang zum Tschechischen Zentrum Wien In Deutschland bestehen Tschechische Zentren in Berlin und München. Beide Einrichtungen gehören zum internationalen Netzwerk der Tschechischen Zentren und arbeiten mit lokalen Kultur- und Bildungseinrichtungen zusammen.
Das Tschechische Zentrum Berlin ist seit 1993 tätig. Es organisiert Kulturveranstaltungen und Projekte in Bereichen wie zeitgenössische Kunst, Literatur, Film, Musik, Architektur und Sprache. Es organisiert auch Tschechischkurse.
Das Tschechische Zentrum München nahm seine Tätigkeit im Jahr 1999 auf. Seit 2000 befindet es sich in den Räumlichkeiten in der Prinzregentenstraße 7 in München. Ein Bestandteil seiner Tätigkeit ist auch die Vermittlung der tschechischen Sprache. Es arbeitet mit kulturellen, wissenschaftlichen und schulischen Einrichtungen im süddeutschen Raum zusammen.
Das Tschechische Zentrum Wien wurde 1994 gegründet. In Österreich arbeitet es mit kulturellen und institutionellen Partnern zusammen und organisiert Programme in den Bereichen Kultur, Sprache und Bildung.
Das Tschechische Zentrum Wien ist Mitglied von EUNIC Austria, einer Plattform nationaler Kulturinstitute europäischer Staaten in Österreich.
Das Zentrum veranstaltet unter anderem Ausstellungen, Filmvorführungen, Konzerte, literarische Veranstaltungen und Sprachkurse. Die Tätigkeit in Wien steht im Kontext der langjährigen kulturellen Beziehungen zwischen Tschechien und Österreich.
EUNIC und europäische Kulturdiplomatie
Die Tschechischen Zentren sind seit 2006 Mitglied des Netzwerks EUNIC (European Union National Institutes for Culture). EUNIC wurde als Zusammenschluss nationaler Kulturinstitute europäischer Staaten gegründet und dient der Zusammenarbeit im Bereich internationaler Kulturbeziehungen.
Die Zusammenarbeit innerhalb von EUNIC ermöglicht gemeinsame Projekte, Erfahrungsaustausch und eine stärkere Koordination europäischer Kulturinstitute im Ausland. Für kleinere europäische Staaten bieten solche Netzwerke eine Möglichkeit, ihre internationale Kulturarbeit gemeinsam mit anderen Institutionen sichtbar zu machen.
In der Forschung zur öffentlichen Diplomatie werden Kulturinstitute als langfristige Instrumente internationaler Beziehungen betrachtet. Sie unterscheiden sich von klassischen diplomatischen Vertretungen dadurch, dass sie vor allem durch kulturelle Zusammenarbeit, Bildungsangebote und gesellschaftliche Kontakte wirken. Literatur
Cull, Nicholas J.: Public Diplomacy: Foundations for Global Engagement in the Digital Age. Polity Press, Cambridge 2019. Melissen, Jan (Hrsg.): The New Public Diplomacy: Soft Power in International Relations. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2005. Nye, Joseph S.: Soft Power: The Means to Success in World Politics. PublicAffairs, New York 2004. Paschalidis, Gregory: Exporting national culture: histories of cultural institutes abroad. In: International Journal of Cultural Policy, 2009. Ondráčková, Natálie: Role EUNIC v kulturní diplomacii malých států: případ České republiky. Univerzita Karlova, Praha 2020.
Weblinks
Offizielle Website der Tschechischen Zentren European Union National Institutes for Culture (EUNIC)
Siehe auch
Auswärtige Kulturpolitik Public Diplomacy Kulturdiplomatie EUNIC Goethe-Institut Institut français Instituto Cervantes
Einzelnachweise
Kategorie:Kulturinstitut Kategorie:Kulturelle Organisation (Tschechien) Kategorie:Organisation (Prag)