In Wien lebten am 1. Oktober 2024 laut der auf dem Zentralen Melderegister (ZMR) beruhenden Statistik des Bevölkerungsstandes 2.026.029 Menschen. Nach mehreren Jahrzehnten mit stagnierenden oder schrumpfenden Bevölkerungszahlen wächst Wien seit dem Jahr 1988 wieder und hat im Herbst 2023 erneut, nach 1910, die Zwei-Millionen-Grenze überschritten.

Bevölkerungsentwicklung (Zum Beispiel Veränderung der Bevölkerung nach Zahl und Altersstruktur, die aus Ausgangsbestand, Alters- und Geschlechtsstruktur einer Bevölkerung sowie den Bevölkerungsbewegungen und deren Änderungen resultieren)

Bevölkerungsentwicklung

Wohnbevölkerungheutiger Gebietsstand Jahr Einwohner 1830 401.200 1840 469.400 1850 551.300 1857 683.000 1869 900.998 1880 1.162.591 1890 1.430.213 1900 1.769.137 1910 2.083.630 1916 2.239.000 1923 1.918.720 1934 1.935.881 1939 1.770.938 1951 1.616.125 1961 1.627.566 1971 1.619.885 1981 1.531.346 1991 1.539.848 2001 1.550.123 2002 1.571.123 2003 1.592.846 2004 1.610.410 2005 1.632.569 2006 1.652.449 2007 1.661.246 2008 1.671.221 2009 1.680.135 2010 1.689.995 2011 1.702.855 2012 1.717.084 2013 1.741.246 2014 1.766.746 2015 1.797.337 2016 1.840.226 2017 1.867.582 2018 1.888.776 2019 1.897.491 2020 1.911.191 2021 1.920.949 2022 1.931.593 2023 1.982.097 2024 2.005.760 2025 2.028.289

mini|links|Bevölkerung von Wien, 1590–2016 Vor der ersten Zählung 1754 gibt die Forschung nur Schätzungen für die Einwohnerzahl von Wien samt Vororten an: Um 1600 waren es noch rund 29.000, nach der Verlegung der Residenz des Kaisers aus Prag zurück nach Wien stieg die Bevölkerung rasch an: Bis Mitte des 17. Jahrhunderts auf 50.000, 1670/80 waren es rund 80.000, 1700 etwa 113.000 Einwohner.Sylvia Hahn: Migration - Arbeit - Geschlecht. Arbeitsmigration in Mitteleuropa vom 17. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. V&R Unipress, Göttingen 2008, ISBN 978-3-89971-451-7, S. 161.Annemarie Steidl: Auf nach Wien! Die Mobilität des mitteleuropäischen Handwerks im 18. und 19. Jahrhundert am Beispiel der Haupt- und Residenzstadt Wien. Verlag für Geschichte und Politik, Wien 2003, ISBN 3-7028-0403-X, S. 50 und 74. Digitalisat auf Google Buchsuche Die Bevölkerungszahlen in nebenstehender Tabelle beruhen auf den Angaben des österreichischen Statistikamtes und sind auf den heutigen Gebietsstand umgerechnet. 1794/1795 wurden bei der Zählung der anwesenden Zivilbevölkerung, was österreichweit bis 1857 praktiziert wurde, erstmals für Wien separate Zahlen ermittelt. Zuvor, wie 1810 und 1821, war die Einwohnerzahl Wiens dem Land Niederösterreich zugerechnet worden. Ab 1830 sind durchgehend Bevölkerungszahlen für Wien verfügbar. Ab 1869 wurden österreichweit in zehnjährigen Abständen Volkszählungen abgehalten, bei denen allerdings bis 1923 weiterhin die anwesende Zivilbevölkerung gezählt wurde; erst ab 1934 bis 1981 die Wohnbevölkerung. Die Zahlen von 1982 bis 2001 weisen die Jahresdurchschnittsbevölkerung aus, wobei diese Zahlen erst 2002 rückwirkend ermittelt wurden. Seit 2002 werden Hauptwohnsitze auf Basis des Zentralen Melderegisters zur Bevölkerungsermittlung herangezogen.

Bevölkerungsgeschichte

Vor 1918

Wien erlebte bereits ab Ende des 18. Jahrhunderts einen regen Bevölkerungszustrom, doch vervielfachte sich die Zahl der Zuwanderer ab Mitte des 19. Jahrhunderts, als Wien allein zwischen 1857 und 1869 rund 218.000 neue Einwohner bekam. In den nächsten elf Jahren wuchs die Bevölkerungszahl um über 261.000 Personen, von denen rund ein Drittel auf den Geburtenüberschuss und zwei Drittel auf die Zuwanderung zurückzuführen waren. Von 1880 bis 1890 kamen mit 267.000 ähnlich viele neue Einwohner hinzu, wobei das Verhältnis zwischen Zuwanderung und Geburtenüberschuss (40 %) sich allmählich anglich. In den nächsten zehn Jahren, von 1890 bis 1900, stieg die Einwohnerzahl sogar um 339.000 Personen. Knapp 49 % davon waren nun auf den Geburtenüberschuss zurückzuführen. Grund hierfür waren die einsetzende Industrialisierung und die bedeutende Stellung Wiens als Kaiserstadt (Hauptstadt) des Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn. 22 % der Zuwanderer kamen aus Böhmen, Mähren und Österreichisch-Schlesien, je 15 % aus Niederösterreich und dem Ausland, nur 4 % aus den übrigen heutigen österreichischen Bundesländern.Der Donauraum. Band 13, Forschungsinstitut für Fragen des Donauraumes, Wien 1968, S. 22. Der Rest verteilte sich auf die übrigen Kronländer der Monarchie. Rund 2,1 Millionen bevölkerten Wien kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges, Wien war die fünftgrößte Stadt der Welt. Mit der Auflösung des Habsburgerreiches verlor Wien auch an Bedeutung für Zuwanderer. Der Krieg kostete zehntausende Soldaten aus Wien ihr Leben. Tausende einst zugewanderte Menschen kehrten in ihre Heimatländer bzw. ehemaligen Kronländer zurück.

1918–1945

Nach dem Ersten Weltkrieg hatte Wien rund 200.000 Einwohner weniger als zuvor. In den Zwischenkriegsjahren wanderten etwa 104.000 Personen in die Stadt; das Geburtendefizit von 87.000 Menschen zwischen 1923 und 1934 wurde ausgeglichen. Im Jahr 1934 zählte Wien bereits wieder 1.935.881 Einwohner. Die in der Folge wieder gesunkene Bevölkerungszahl wurde durch die Errichtung von Groß-Wien im nationalsozialistischen Deutschland 1938 mehr als kompensiert. Allerdings mussten bzw. konnten 140.000 jüdische Wiener das Land verlassen, weitere 60.000 wurden während des Krieges ermordet (Judenverfolgung, Deportationen). Vom einst blühenden jüdischen Leben, vor allem im zweiten Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt, war binnen kurzem nichts mehr übrig. Das von Adolf Eichmann in Wien entwickelte Terrormodell wurde im „Altreich“ übernommen.

Die Entwicklung der während des Zweiten Weltkriegs versorgten Zivilbevölkerung Wiens wurde 1953 vom Statistischen Bundesamt der Bundesrepublik Deutschland nach Unterlagen des Statistischen Reichsamts veröffentlicht und lässt einen Rückgang in Groß-Wien bis Anfang Dezember 1944 auf 1,548 Millionen Personen erkennen.| Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Statistische Berichte, Arb.-Nr. VIII/19/1, Die Zivilbevölkerung des Deutschen Reiches 1940–1945. Ergebnisse der Verbrauchergruppen-Statistik. Wiesbaden 1953, S. 39 (Dok.-S. 37), siehe auch S. 13 (Dok.-S. 11)

Seit 1945 miniatur|hochkant=1.7|Bevölkerungsentwicklung in Wien seit 2002 Nach Kriegsende war die Wiener Bevölkerung auf 1.616.125 Menschen gesunken. Zehntausende jüdische Wiener waren vertrieben oder ermordet und viele weitere Wiener waren als Soldaten gefallen oder kehrten aus der Kriegsgefangenschaft nicht wieder zurück. Die Stadt war zu einem Fünftel zerstört und von alliierten Soldaten besetzt. Spätestens seit der Anwerbung und Zuwanderung von sogenannten Gastarbeitern in den 1960er und 1970er Jahren ist Wien neuerlich eine Zuwanderungsstadt. Aufgrund des großen Geburtendefizits führte dies zunächst jedoch nicht zu einem Wachstum der Bevölkerung, außerdem setzte eine Abwanderung in das Umland ein. Ab dem Jahr 1974 bis 1988 schrumpfte die Stadt weiter auf 1.484.258 Personen, den tiefsten Einwohnerstand seit 1890. Seither wächst die Bevölkerung wieder und könnte laut Prognosen hauptsächlich durch Zuwanderung bis zum Jahr 2027 erneut die Marke von 2 Millionen erreichen. Die 2-Millionen-Marke wurde jedoch bereits im Herbst 2023 überschritten.

Entscheidend für das Wachstum der vergangenen Jahre waren vor allem die Zuwanderung aus dem Ausland rund um Ereignisse wie den Fall des Eisernen Vorhangs, die Kriege im ehemaligen Jugoslawien, den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union, die Osterweiterungen der Europäischen Union oder zuletzt die Fluchtmigration aus Syrien und Afghanistan rund um 2015: Nach mehr als einem Jahrzehnt sinkender Bevölkerungszahlen führte die starke Zuwanderung zwischen 1988 und 1994 trotz einer negativen Geburtenbilanz zu einem Wachstum der Wiener Bevölkerung um 58.409 Personen. Seit dem Beitritt zur Europäischen Union Jahr im Jahr 1995 ergaben die stark positive Wanderungsbilanz und die seit dem Jahr 2004 nun ebenfalls positive Geburtenbilanz zu einem deutlichen Bevölkerungswachstum um 368.524 Personen bis Anfang 2020.

In den letzten Jahren blieb die Einwohnerzahl mit Herkunft aus früheren Zuwanderungsländern wie dem ehemaligen Jugoslawien oder der Türkei nahezu konstant. Stattdessen nahm vor allem die Bevölkerung mit Herkunft aus Staaten der EU/EFTA oder aus sonstigen Drittstaaten (außer dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei) zu. Im Jahr 2023 hatten rund 17,4 % der Wiener Bevölkerung eine Herkunft aus Staaten der EU/EFTA, 11,7 % aus europäischen Drittstaaten, und 15,4 % aus außereuropäischen Drittstaaten.

Die Jahre als Hauptstadt eines Vielvölkerstaates haben Wien nachhaltig geprägt. Nach wie vor ist die Stadt ein Schmelztiegel von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Religion. Allerdings sind die Nachfahren der ehemals Zugewanderten heute assimiliert und nur die slawischen oder ungarischen Nachnamen sind erhalten geblieben. Namen wie Nowak, Dolezal, Navratil, Wewerka usw. werden längst zusammen mit einheimischen deutschen Namen, wie Hofbauer, Maier, Haider usw. als typisch wienerisch empfunden. Die Namensträger gehören inzwischen zu den Ur-Wienern, den alteingesessenen Einwohnern der Stadt, die noch den Wiener Dialekt verwenden, der sich aus vielen alt- und mittelhochdeutschen sowie jiddischen Begriffen zusammensetzt, aber von den jüngeren Generationen immer seltener verwendet und verstanden wird. Neben dem ursprünglichen Wiener Dialekt wird zunehmend seit Ende des 20. Jahrhunderts auch eine gehobene Wiener Mundart gesprochen.

Bevölkerungsstruktur

Sprache

Verschiedene Sprachgruppen genießen in Wien die Anerkennung als autochthone Sprachgruppen. Dies sind die tschechischsprachigen Wiener, die ungarischsprachigen, die slowakischsprachigen und die Sinti und Roma. Die rechtliche Stellung als gesonderte Sprachgruppe ist ähnlich geregelt wie im Burgenland.

Staatsbürgerschaft und Herkunft Am 1. Jänner 2023 waren 34,3 % der Wiener Bevölkerung ausländische Staatsbürger (678.866 Personen), 39,3 % wurden im Ausland geboren (778.454 Personen) und 44,4 % (879.526 Personen) hatten eine ausländische Herkunft – sie waren entweder ausländische Staatsbürger oder Personen mit österreichischer Staatsbürgerschaft, die im Ausland geboren wurden. Die wichtigsten Herkunftsländer der Wiener Bevölkerung mit ausländischer Herkunft waren Serbien (100.199 Personen), die Türkei (75.907 Personen), Deutschland (69.265 Personen) sowie Polen (55.151 Personen).

Historisch bewegt sich der Anteil der nicht im Territorium des heutigen Österreich geborenen Menschen zwischen 43 % 1880, zu 24 % 1934 und wieder 43 % 2022.

+Wiener Bevölkerung nach Staatsbürgerschaft und Herkunft (2023)Staatsbürgerschaft (absolut)Herkunft (absolut)Herkunft (in %)Österreich1.303.2311.102.57155,6Serbien76.652100.1995,1Türkei45.89575.9073,8Deutschland57.25769.2653,5Polen44.46955.1512,8Rumänien41.67147.7432,4Bosnien und Herzegowina21.76040.2562,0Ungarn27.52431.4891,6Kroatien26.86931.4981,6Syrien40.93042.4502,1Bulgarien22.55225.0231,3Sonstige18,2Insgesamt1.982.0971.982.097100,0

Religion