Altdorf bei Nürnberg (; amtlich Altdorf b.Nürnberg) (Fränkisch: Alddorf bei Nämberch) ist eine Stadt und ein Mittelzentrum im mittelfränkischen Landkreis Nürnberger Land und zählt zur Metropolregion Nürnberg.

Geografie mini|hochkant=1.31|Luftaufnahme aus dem Jahr 2005. Der Blick geht in etwa nach Westen.

Geografische Lage Die ehemalige Universitätsstadt liegt etwa 25 km südöstlich von Nürnberg (von Stadtgrenze zu Stadtgrenze ca. 10 km) inmitten einer Mittelgebirgslandschaft (400–) mit Rhätschluchten (Rhät, Oberer Keuper) und wald- und wiesenreichem Oberland. Im Winter ist Altdorf sehr schneereich, im Sommer bietet die hügelige Umgebung viele Freizeitmöglichkeiten, wie Radtouren oder Wanderungen. Von Hegnenberg aus kann man bei sonnigem Wetter einen Panoramablick über das mittelalterliche Städtchen genießen.

Gemeindegliederung Die Stadt Altdorf besteht aus den nachstehend aufgeführten 25 Gemeindeteilen. Ferner werden der jeweilige Siedlungstyp und die betreffenden Einwohnerzahlen angegeben: GemeindeteilSiedlungstypHauptwohn-sitze (2025)GemeindeteilSiedlungstypHauptwohn- sitze (2025)AdelheimWeiler33PrethalmühleWeilerAltdorfStadt10.126PühlheimDorf134AuDorfRaschPfarrdorf930EismannsbergPfarrdorf350RaschbachDorf41FallhausRöthenbachDorf1.050GrünsbergDorf237SchleifmühleDorf120HagenhausenKirchdorf636StürzelhofDorfHegnenbergDorf140UnterriedenDorf445LochmannshofEinödeUnterwellitz-leithenDorf109LudersheimDorf509WappeltshofenDorf55OberriedenDorf106WeinhofDorf395Oberwellitz-leithenDorf81ZiegelhütteDorf174PrackenfelsDorf71 Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Altdorf, Eismannsberg, Grünsberg, Hagenhausen, Penzenhofen (Gemarkungsteil 0), Pühlheim, Rasch, Rieden und Röthenbach. Die Gemarkung Altdorf hat eine Fläche von 9,811 km². Sie ist in 7049 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 1391,82 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Fallhaus, Lochmannshof, Prethalmühle, Schleifmühle und Ziegelhütte (zum Teil).

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Offenhausen, Lauterhofen, Berg bei Neumarkt in der Oberpfalz, Burgthann, Schwarzenbruck, Winkelhaid und Leinburg. Altdorf gehört zur Metropolregion Nürnberg.

Geschichte mini|Karte von Altdorf aus der Topographia Franconiae von 1648

Frühzeit und Mittelalter Bereits für die zweite Hälfte des 7. Jahrhunderts wurde eine Besiedelung Altdorfs anhand von archäologischen Funden in einem Körpergrab (Fundstätte: Albert-Schweitzer-Straße) nachgewiesen. Die Existenz der bereits im Spätmittelalter abgegangenen „St.-Martins-Kapelle“ lässt ferner auf einen fränkischen Königshof schließen, der ab dem Jahre 800 in Altdorf vermutlich bestand.

Im Tafelgüterverzeichnis des Salierkönigs Heinrich IV. der Jahre 1064/1065 wird u. a. der Ort „Botinga“ aufgeführt, der von der Forschung der Stadt Altdorf, als deren früherer Name, zugeordnet wird.

Die erste nachweisliche Erwähnung erfährt Altdorf in einer Urkunde vom 12. November 1129 des Bischofs Gebhard II. von Eichstätt, als dort der Kleriker „Marquardus de Altorf“ als Zeuge auftritt.

Am 6. August 1281 wurde die Hofmark Altdorf reichsunmittelbar und in der Folgezeit vom Nürnberger Burggrafen Friedrich III. verwaltet, der die Executive ortsansässigen Amtsleuten übertrug. Im Jahre 1299 verpfändete König Albrecht I. die Reichshofmark Altdorf an Anna, die Gattin des Grafen Emicho von Nassau-Hadamar.

Der Verkauf des Marktes Altdorf durch den Grafen Johann von Nassau an den Burggrafen Albrecht zu Nürnberg wurde am 27. November 1360 durch Kaiser Karl IV. beurkundet. Die Witwe des Nürnberger Burggrafen Albrecht, Sophia von Henneberg, verlieh dem Ort mit Urkunde vom 6. März 1368 offiziell das Marktrecht.

Mit dem Tode der Sophia von Henneberg am 5. Mai 1372 gingen die Eigentumsrechte an Altdorf an deren Schwiegersohn Swantibor I. von Pommern über. In einer Urkunde dieses Herzogs von Pommern vom 10. November 1387 wurde Altdorf zur Stadt erhoben und gleichzeitig mit dem Bau der Stadtmauer begonnen. Mit Urkunde vom 13. Juni 1393 wurde Altdorf an Ruprecht III. von der Pfalz veräußert.

Im Rahmen des ersten Markgrafenkrieges versuchten in den Jahren 1449 und 1450 Truppen der Freien Reichsstadt Nürnberg die erst 1447 fertiggestellten Stadtmauern zu erstürmen, was ihnen jedoch nicht gelang.

Altdorf wird nürnbergisch Der 1504 ausbrechende Landshuter Erbfolgekrieg veränderte die Situation Altdorfs dann fundamental. Durch einen Vertrag mit der erbberechtigten Wittelsbacher der Linie Baiern-München wurden der Freien Reichsstadt Nürnberg alle Gebiete zugesprochen, die sie von der gegnerischen Kriegspartei (den Pfalzgrafen der Linie Baiern-Landshut) erobert hatten. Am 23. Juni 1504 rückten die Nürnberger mit einem Kriegsheer von 3.500 Mann, das u. a. über 3 Hauptbüchsen, 3 Kartaunen, 16 Feldschlangen und 36 Hakenbüchsen verfügte, vor die Tore Altdorfs. Nachdem von Seiten der Pfalzgrafen kein Entsatz zu erwarten war, musste sich Altdorf nach viertägigem Beschuss den Angreifern ergeben. Mit dem „Kölner Schiedsspruch“ des Jahres 1505 bestätigte Kaiser Maximilian I. der Stadt Nürnberg die mit Waffengewalt erzwungenen Besitzrechte an Altdorf.

Der zweite Markgrafenkrieg mini|Albrecht Alcibiades|189x189px

Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg erklärte im Jahre 1552 der Freien Reichsstadt Nürnberg den Krieg. Am 31. Mai 1552 nahm er daraufhin die Stadt Altdorf ein und brandschatzte sie um 12.000 Gulden. Am 2. Juni 1553 kehrte er nach Altdorf zurück und brannte die Stadt „bei versperrten Toren“ nieder, so dass 80 Einwohner, die bis zur Einnahme Altdorfs nicht geflohen waren, bei lebendigem Leibe zusammen mit 396 Häusern der Stadt verbrannten. Der folgende Wiederaufbau der Stadt ging, unterstützt vom Nürnberger Pfleger Balthasar Paumgartner II., rasch vonstatten. Zur Jahreswende 1557/1558 standen bereits wieder 204 Häuser.

Universitätsstadt Altdorf

mini|Albrecht von Wallenstein|211x211px

Mit seinem Schreiben aus dem Jahre 1556 an den Rat der Stadt Nürnberg gab der Rektor des Nürnberger Ägidien-Gymnasiums Joachim Camerarius den Anstoß für die Verlegung der Schule nach Altdorf. Die Grundsteinlegung des von den Nürnberger Patrizierfamilien finanzierten Schulgebäudes erfolgte am 30. September 1571. Die Hohe Schule wurde bis 1575 fertiggestellt und am 29. Juni gleichen Jahres ihrer Bestimmung übergeben. Kaiser Rudolf II. erhob die Hohe Schule mit Erlass vom 26. November 1578 zur „Academia Norica“.

Albrecht von Wallenstein immatrikulierte sich an der Altdorfer Akademie am 29. August 1599 und verbrachte ein Jahr seiner Studienzeit in Altdorf. 1620 gründete Balthasar Scherff die erste Buchdruckerei der Stadt. Am 3. Oktober 1622 versah Kaiser Ferdinand II. die „Academia Norica“ mit dem Kaiserlichen Universitätsprivileg. Philosophische, medizinische und juristische Baccalaureats-, Magister- und Doktorgrade konnten nun verliehen werden.

Dreißigjähriger Krieg Bis zum Ende des Jahres 1631 blieb Altdorf von den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges verschont. Am 19. November 1631 zog Johann T’Serclaes von Tilly vor Altdorf und forderte eine Brandschatzzahlung von 550 Reichstalern. Joachim Christian von der Wahl zog 1634 mit 400 Mann vor Altdorf und forderte Untertanenschaft sowie eine wöchentliche Kontribution von 300 Gulden zur Versorgung der Mannschaften. Mit dem am 24. Oktober 1648 geschlossenen Westfälischen Frieden wurde der Dreißigjährige Krieg ohne jegliche Beschädigung der Stadt Altdorf bzw. deren Gebäude beendet.

Blütezeit der Stadt und der Universität Altdorf mini|211x211px|Anatomischer Hörsaal

Stadt und Universität wurden in den folgenden Jahrzehnten deutlich ausgebaut. Bereits im Jahr 1650 wurde die Ausbildungsqualität der medizinischen Fakultät durch die Errichtung eines anatomischen Hörsaals deutlich verbessert. Am 8. November 1651 wurde dort von Mauritius Hoffmann die erste öffentliche Sektion durchgeführt. Auf dem Neuen Treuturm wurde 1657 das bereits zweite Observatorium eingerichtet. Die Eröffnung des chemischen Labors folgte 1682. Mit der Einführung des theologischen Promotionsrechts wurde die Altdorfina 1697 eine Volluniversität. In den Jahren 1721–1732 lehrte an der Altdorfer Universität Johann Heinrich Schulze, der mit seinen Forschungen über die Lichtempfindlichkeit von Silbersalzen den Grundstein für die Entwicklung der Fotografie legte.

Die Fortschritte in der Qualität der Ausbildung lockten eine Vielzahl von Studierenden nach Altdorf. Beispielhaft soll hier Gottfried Wilhelm Leibniz genannt sein, der sich am 4. Oktober 1666 an der Altdorfina einschrieb und als 20-jähriger zum „Doctor juris utrique“ promovierte. Auch Franz Daniel Pastorius, der Gründer von Germantown, der ersten deutschen Siedlung in Amerika, studierte in zwei Studienaufenthalten von 1668 bis 1670 und im Jahre 1673 in Altdorf.

Bedingt durch finanzielle Probleme der Grundherrin, der Reichsstadt Nürnberg, die mit der aus dem Dreißigjährigen Krieg resultierenden Schuldenlast zusammenhingen und sich mit Französischen Revolution verstärkten, wurde auch die Entwicklung der Stadt Altdorf und der Universität in der Folgezeit deutlich beeinträchtigt.

Wechselnde Hoheitsrechte Bereits die 1796 vorgenommene Besetzung der Pflegämter Velden und Hilpoltstein durch das kurpfälzische Bayern schränkte die wirtschaftliche Leistungskraft Altdorfs ein. Hinzu kam im gleichen Jahr die Okkupation des Altdorfer Außenbezirks bis an die Stadttore durch die 1791 preußisch gewordene Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach. Ebenfalls 1796 besetzte die 5. Division der französischen Armee Altdorf.

Am 21. September 1806 wurde die Stadt Altdorf Teil des Königreichs Bayern und Sitz eines königlichen Landgerichts, eines Rentenamts (=untere Finanzbehörde) und Forstamts. Die ebenfalls an das Königreich Bayern übergegangene Universität wurde am 24. September 1809 durch König Maximilian I. aufgelöst. Der Altdorfer Bibliotheksbestand von rund 35.000 Bänden, 10.000 Stück „Kleingedrucktem“ und einer Vielzahl von Handschriften wurden der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen übereignet. mini|211x211px|Altdorf Stadtansicht um 1830 Am 22. April 1819 wurde in Altdorf die letzte Hinrichtung vollzogen, als der Raubmörder Johann Walliser aus Zerzabelshof mit dem Schwert gerichtet wurde. Das am 9. November eingerichtete Königlich Bayerische Schullehrerseminar stellte zunächst das einzige protestantische Lehrerseminar im rechtsrheinischen Bayern dar.

Im Jahre 1852 wurde das königliche Forstamt Altdorf nach Nürnberg verlegt. Zudem büßte Altdorf im Rahmen der Bayerischen Verwaltungsreform des Jahres 1862, mit der die Trennung von Justiz und Verwaltung vollzogen wurde, den übergeordneten Verwaltungssitz ein, der ebenfalls nach Nürnberg verlegt wurde. Das Amtsgericht hingegen verblieb in Altdorf.

Altdorf in der Moderne Aus Mitteln eines Vermächtnisses wurde ab dem Jahre 1854, erstmals mit Gusseisenrohren, eine Wasserleitung errichtet. Die umfangreichen Arbeiten fanden am 14. Juli 1885 ihren Abschluss. Die Anbindung an das Bayerische Bahnnetz wurde mit der Inbetriebnahme der Bahnstrecke Feucht–Altdorf am 10. Oktober 1877 vollzogen, wobei das Bahnhofsgebäude Altdorf erst später, am 15. Oktober 1878, eingeweiht wurde. Im Jahre 1885 wurde Altdorf wieder Sitz eines Königlichen Forstamts. Mit Eröffnung des Altdorfer Distrikt-Krankenhauses am 1. Januar 1894 erfuhr die medizinische Versorgung der Altdorfer Bevölkerung eine deutliche Verbesserung. Ein privates Elektrizitätswerk lieferte ab dem 16. Juli 1897 die Energie für die erste elektrische Beleuchtung Altdorfs. 1905 folgte das erste kommunale Elektrizitätswerk.

Am 5. April 1924 wurde das Lehrerseminar geschlossen. Die nunmehr leerstehenden Universitätsgebäude wurden 1925 an die Rummelsberger Anstalten verkauft. Am 25. Oktober 1925 wurde darin das Wichernhaus, eine Einrichtung für Körperbehinderte, eröffnet. Das Altdorfer Finanzamt wurde im Jahre 1933 mit dem Finanzamt-Ost in Nürnberg zusammengelegt.