mini|Carmen Amaya von Josep Cañas, Jardines de Joan Brossa, Barcelona Carmen Amaya Amaya (* 2. November 1913 oder 1. November 1915laut Sterbeurkunde oder 1918 in Barcelona; † 19. November 1963 in Begur, Provinz Girona) war eine spanische Flamencotänzerin, -sängerin und Schauspielerin, aus der Volksgruppe der spanischen Gitanos. Sie war eine der bekanntesten Tänzerinnen des 20. Jahrhunderts.

Leben

Kindheit und Jugend Carmen Amaya wurde im hauptsächlich von Gitanos bewohnten Elendsviertel Somorrostro von Barcelona geboren und wuchs dort auf. Der Flamenco gehörte zu ihrem familiären Erbe: Sowohl der Großvater mütterlicherseits, Juan Amaya Jiménez, als auch ihre Tante Juana la Faraona waren professionelle Tänzer. Auch ihre Mutter Micaela Amaya tanzte und trat gelegentlich auf. Ihr Vater José Amaya El Chino spielte Gitarre auf „semiprofessionellem“ Niveau. Sie war die zweitälteste von sieben Geschwistern, von denen fünf andere ebenfalls ihren Beruf im Flamenco fanden. Die Tänzerin und Schauspielerin La Chunga ist eine jüngere Cousine von ihr.

Ihr Geburtsdatum ist umstritten. Montse Madridejos und David Pérez Merinero nennen das Jahr 1918 und führen als Beleg das Einwohnerverzeichnis der Stadt Barcelona von 1930 an, in dem eine Familie AmallaAmaya und Amalla werden im Spanischen praktisch gleich ausgesprochenAuch auf Veranstaltungsplakaten und Fotografien ist diese Schreibweise überliefert, siehe z. B. mit einer 12-jährigen Tochter Carmen verzeichnet ist. Eine Geburtsurkunde sei nicht auffindbar und die Taufurkunde sei bei einem Kirchenbrand verloren gegangen. Ferner stelle ein Ölgemälde von Julio Moisés von 1920 mit dem Titel Maternidad, das eine Mutter und ein zwei bis drei Jahre altes Kleinkind zeigt, Carmen und ihre Mutter dar. Fotografien, die Carmen Amaya in augenscheinlich kindlichem Alter zeigen, sprechen ihrer Auffassung nach ebenfalls für das Geburtsjahr 1918.

José Luis Navarro García nennt, wie die meisten anderen Quellen,siehe beispielsweise oder den 2. November 1913. Für seine Auffassung spricht ein Auftritt in Madrid 1923, der mit einer Fünfjährigen unwahrscheinlich wäre, den Madridejos und Pérez Merinero allerdings nicht erwähnen. Außerdem zitiert er Carmen Amaya wörtlich im Zusammenhang mit ihrem Auftritt bei der Weltausstellung 1929 in Barcelona:

Die Sterbeurkunde schließlich nennt den 1. November 1915 als Geburtsdatum, ebenso die Library of Congress.

Im Alter von vier Jahren begann sie mit dem Tanz. Sie und ihr Vater traten gemeinsam in den Bars und Cafés von El Raval auf, um für die Familie etwas Geld zu verdienen, erschwert dadurch, dass bei Polizeikontrollen eine Strafe wegen Kinderarbeit drohte.Kersten Knipp: Flamenco. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-518-45824-8, S. 186. Es folgten Auftritte in den renommierteren Cafés von Barcelona. Der erste Auftrag außerhalb Barcelonas war 1923 im Palacio de la Música in Madrid. Das Engagement endete nach 10 Tagen, da der Impresario verschwand, der sie und den Vater engagiert hatte. Anschließend tourte sie mit der Truppe von Manuel Vallejo ein Jahr lang durch Andalusien. Nach Barcelona zurückgekehrt, hatte sie unter anderem einen Auftritt im Teatro Español.

1924 schloss sie ihren ersten festen Vertrag mit der Bar del Manquet. In diesem Jahr hatte sie auch ihren ersten Auftritt auf der Theaterbühne im Teatro Español del Paralelo. Rasch machte sie sich in der Künstlerszene Barcelonas einen Namen. Aufgrund ihrer Bühnenpräsenz und energischen Ausstrahlung nannte man sie alsbald La Capitana:

Gleichwohl war die Bar für sie auch eine Fortbildungsstätte, wo sie von den professionellen Künsten anderer Tänzer lernen konnte, unter anderem von ihrer Tante Juana la Faraona.

Im Jahr 1926 trat Carmen Amaya das erste Mal in einem Kinofilm (Los amores de un torero, „Liebschaften eines Toreros“) auf.

Gegen Ende der 1920er Jahre hatte sie einen gemeinsamen Auftritt mit der Tante in Sacromonte vor König Alfons XIII. Er bedachte beide mit einem für die damaligen Umstände sehr großzügigen Honorar. 1929 folgte ein triumphaler Auftritt im Pariser Théatre Palace im Rahmen der Show Paris-Madrid von Raquel Meller. Das Engagement endete jedoch abrupt im Streit zwischen Raquel Meller und Juana La Faraona. Nach einigen Auftritten in den Cafés von Montmartre reisten Tante und Nichte zurück nach Barcelona.

Dort fand im selben Jahr die 20. Weltausstellung statt. Ihre Auftritte dort fanden großen Anklang bei überwiegend einheimischem Publikum. Darunter befand sich inkognito Carlos Maria de Bourbon, der ihr ein großzügiges Honorar, verbunden mit einem üppigen Geschenkkorb, für eine Privatvorstellung zukommen ließ.

Aufbruch aus der Heimat und Karriere als internationaler Star

Die Familie konnte nun in eine bessere, immer noch bescheidene Wohnung umziehen. Der künstlerische Horizont blieb jedoch zunächst begrenzt. Der Alltag bestand bis Anfang 1935 aus gemeinsamen Auftritten mit dem Vater, El Chino, in der Bar del Manquet und in der Villa Rosa de Borrull. Der Gitarrist Sabicas überredete die beiden schließlich zu einem Umzug nach Madrid und unterstützte sie dabei auch finanziell. In den dortigen Cabarets machte sie mit ihren Auftritten Furore und wurde alsbald zum Stadtgespräch. Man engagierte sie für Auftritte im Teatro Coliseum, im Teatro de la Zarzuela und im Teatro Fontalva.

Bei Antonio de Triana lernte sie die Grundlagen des Tanzes zu einem Orchester und trat 1935 gemeinsam mit ihm im Casino von San Sebastián auf. Nachdem sie in Madrid den Regisseur Luis Buñuel kennengelernt hatte, spielte sie 1935 als Tänzerin in dessen Kinofilm La hija de Juan Simón mit.Kersten Knipp: Flamenco. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-518-45824-8, S. 152 und 186 f. Ein Jahr später (1936) spielte sie die Titelrolle im Film María de la O, Das Erscheinungsjahr 1939 in der IMDb ist fehlerhaft. dem aufwendigsten Film des republikanischen Spaniens. Geschrieben wurde diese Musikkomödie von Rafael de León und Manuel López-Quiroga.Kersten Knipp: Flamenco. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, S. 167. Neben Amaya traten unter anderem Pastora Imperio und Antonio Moreno auf, und Antonio Mairena sang. Etwa 23 weitere Filmauftritte folgten. Sie reiste nun von Ort zu Ort mit ihren Auftritten und war eine bekannte Künstlerin. Mit ihren Einkünften konnte sie ihre Angehörigen unterstützen, was sie auch zeitlebens tat. Besonderes Aufsehen erregte Anfang 1936 ein Auftritt in Sevilla, der sie mit damaligen Grandes Dames des Flamenco, Juana la Macarrona und Magdalena la Malena zusammenbrachte und der der Überlieferung nach beide zu Tränen rührte.

Als 1936 der spanische Bürgerkrieg ausbrach, setzte Carmen Amaya sich nach Lissabon (Portugal) ab. Dort erhielt sie ein Angebot für ein Engagement in Buenos Aires (Argentinien) für die Dauer von drei Monaten, mit einem Garantiehonorar von einer Million Peseten.Eine Peseta entsprach damals etwa ½ US-Dollar, vgl. Auf ihrer Reise bzw. Flucht nach Südamerika (auch die Flamencokünstler „Rosario und Antonio“, später auch Sabicas, flohen während der Diktatur nach ArgentinienKersten Knipp: Flamenco. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-518-45824-8, S. 162.) begleiteten sie ihre Tante, ihr Vater, ihr Bruder Paco und El Pelao als Gitarristen, Anita Sevilla als Sängerin sowie Manuel García Matos als Pianist. Die Premiere in Buenos Aires im Dezember 1936 wurde zu einem durchschlagenden Erfolg. Dieses Engagement endete im Februar 1937 mit einem gemeinsamen Auftritt mit den Rosario y Antonio. Bis Ende 1938 trat sie dann noch fortwährend in der argentinischen Hauptstadt auf. In den darauf folgenden Jahren tourte sie durch Argentinien und die anderen Länder Lateinamerikas. Anfang 1940 erschien in Havanna der Kurzfilm El embrujo del Fandango mit ihr in der Hauptrolle.

USA, 1941–1945

Ende 1940 engagierte sie der Impresario Sol Hurok für die USA. Ab Mitte Januar 1941 trat sie 17 Wochen lang im eleganten Kabarett Beachbomber in New York auf. Rasch wurde sie zum Liebling von Publikum und Prominenz. Zu ihren Verehrern zählten Charles Chaplin, Greta Garbo, Dolores del Río, Orson Welles und Arturo Toscanini. Präsident Franklin Roosevelt lud sie zu einer Vorstellung ins Weiße Haus ein. General Douglas MacArthur ernannte sie zur Ehrenkapitänin der Marineinfanterie. Mitte des Jahres sang sie für eine Reihe von Schallplattenaufnahmen bei Decca und tanzte im Kurzfilm Original Gypsy Dances.

Im Januar 1942 folgte ein großer Auftritt in der Carnegie Hall. Sie hatte erneut großen Erfolg beim Publikum, während die Kritik sich differenzierter äußerte. Der renommierte Kritiker John Martin schrieb in der New York Times, sie sei eine bewundernswerte Künstlerin voller Vitalität und Dynamik in den typischen Tänzen der Gitanos. Für klassische Stücke, beispielsweise Córdoba von Isaac Albéniz, fehlten ihr jedoch die nötigen Varianten und Nuancen im Repertoire. Ähnlich äußerte sich Edwin Denby in Looking at the Dance in der Ausgabe von März/April 1942.

Gleichwohl war dieser Auftritt ein historischer Moment: Von ihr wurde bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal in der Geschichte des Flamenco der Taranto als Tanz interpretiert. Zudem wurden die Auftritte in der Carnegie Hall zum Sprungbrett für eine Tournee durch die gesamten Vereinigten Staaten. 1943 trat sie erneut vor Präsident Roosevelt bei dessen Geburtstagsfeier im New Yorker Waldorf Astoria Hotel auf. Im selben Jahr tanzte sie, begleitet vom Los Angeles Philharmonic, in der Hollywood Bowl vor 20.000 Zuschauern an der Seite von Antonio de Triana El amor brujo. 1944 trat sie in den Filmen Knickerbocker Holiday und Follow the Boys auf und 1945 in See my lawyer.

Lateinamerika, 1945 – 1947

1945 reiste sie mit ihrem Anhang nach Mexiko. Dort führte sie Malagueña von Ernesto Lecuona auf und trat in den Filmen Sangre torera, Maravillas del torero, Pasión gitana und Los amores de un torero auf. Anschließend reisten sie nach Buenos Aires und führten dort Feria de Sevilla auf. Die weitere Tournee führte sie nach Kuba, Peru, Kolumbien und Bolivien. 1946 starb ihr Vater El Chino in Argentinien an Kehlkopfkrebs.

Rückkehr nach Spanien und internationale Auftritte

1947 kehrte Amaya mit ihrer Künstlergruppe nach Spanien zurück. Die erste Vorstellung gaben sie in Madrid mit Embrujo español. Es folgte eine Tournee durch Spanien. 1948 folgten Auftritte in Paris und London, und in den Jahren bis 1952 Auftritte in großen Teilen Europas, in Lateinamerika, Marokko und in Belgisch Kongo. 1949 nahm sie an einer Aufführung vor Papst Pius XII. in Rom teil.

1951 heiratete Carmen Amaya ihren Gitarristen Juan Antonio Agüero.

Die Mitwirkung in Carmen Amayas Künstlergruppe bedeutete harte Arbeit und ständige Reisen. Ab 1950 lösten sich daher eine Reihe von Mitgliedern aus ihrer Verwandtschaft von der Gruppe: sie verlor ihren Charakter als Familienunternehmen. Aufgrund der harten Bedingungen herrschte hohe Fluktuation; José Luis Navarro García nennt mehr als 60 Namen von Tänzern, Sängern und Musikern, die ihr im Laufe der Jahre angehörten. 1955 trat sie erneut in New York auf. Dieses Mal reagierten die Kritiker, unter ihnen wieder John Martin, mit uneingeschränktem Lob, und hoben ihre Qualitäten als gereifte, vollständige Künstlerin hervor.

1956 und 1957 nahm sie gemeinsam mit Sabicas an der Gitarre die Schallplattenalben Queen of the Gypsies und Flamenco! auf. Filmauftritte hatte sie in den 1950er Jahren in

Quand te tues-tu?, gedreht in Frankreich 1953, Regie Émile Couzinet; Dringue, Castrito y la lámpara de Aladino, Argentinien 1954, Regie Luis José Moglia; Música en la noche, Mexiko 1958, Regie Tito Davidson.

1958 kehrte sie nach Spanien zurück und setzte ihre Tourneen in Europa fort.

Die letzten Jahre mini|Fuente de Carmen Amaya