Ahmadiyya Muslim Jamaat (vollständige arabische Bezeichnung ), kurz AMJ, ist eine aus der Ahmadiyya-Bewegung hervorgegangene Religionsgemeinschaft, die in Indien ihren Ursprung hat und sich auf den Islam und Mirza Ghulam Ahmad beruft. Sie wird von einem Kalif genannten spirituellen Oberhaupt geführt. In Deutschland hat sie (als Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland KdöR) nach eigenen Angaben etwa 50.000 Mitglieder und betreibt 50 Moscheen. mini|Gründer Mirza Ghulam Ahmad, um 1897

Lehre

Die sich selbst als Reformgemeinschaft verstehende Ahmadiyya entstand am Ende des 19. Jahrhunderts mitten in einer Vielzahl von Bildungsbestrebungen und Erneuerungsbewegungen der islamischen Welt, zu einer Zeit, in der es in Britisch-Indien große Kontroversen zwischen christlichen Missionaren und islamischen Gelehrten gab. Neben Koran, Hadith und Sunna haben die Schriften des Gründers Mirza Ghulam Ahmad große Bedeutung.Der Islam III: Islamische Kultur – zeitgenössische Strömungen – Volksfrömmigkeit (= Die Religionen der Menschheit. Band 25). Kohlhammer, Stuttgart 1990, S. 420; Kathrin Weiß: Ahmadiyya, Sonderform des Islam, S. 5, 7

Die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinschaft wurde wesentlich von Mirza Baschir ud-Din Mahmud Ahmad, dem zweiten Kalifen, geprägt, der die Idee des Kalifentums gegen eine Opposition durchsetzte, die heute als Ahmadiyya Andschuman Ischat-i-Islam Lahore (AAIIL) bekannt ist. Die AMJ versteht den von der AAIIL als „Reformer“ und „Erneuerer“ verstandenen Gründer Mirza Ghulam Ahmad als einen, dem im Islam als letzten Propheten und Gesandten Gottes geltenden Religionsstifters Mohammed nachgeordneten Propheten, jedoch ohne eigene Religionslehre.

Geschichte

Führung

Nach dem Tod des Begründers wurde Nuur ud-Din in einer nichtöffentlichen Wahl im Kreise ausgewählter Mitglieder zum ersten Kalifen gewählt. Seitdem wird die Gemeinschaft von einem auf Lebenszeit gewählten Kalifen geleitet. Seit 2003 ist Mirza Masroor Ahmad der spirituelle Führer der Ahmadiyya Muslim Jamaat.

Nuur ud-Din (1908–1914) Mirza Baschir ud-Din Mahmud Ahmad (1914–1965) Mirza Nasir Ahmad (1965–1982) Mirza Tahir Ahmad (1982–2003) Mirza Masroor Ahmad (seit 2003)

Motto und Symbole mini|hochkant=1.5|Das Weiße Minarett von Qadian und die Liwa-e-Ahmadiyya

Das Weiße Minarett von Qadian ist ein Symbol und Erkennungszeichen der Ahmadiyya und findet sich in der Liwa-e-Ahmadiyya (Ahmadiyya-Flagge) wieder. Die Liwa-e-Ahmadiyya wurde erstmals am 28. Dezember 1939 auf der Jalsa Salana in Qadian anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Jamaat von Mirza Baschir ud-Din Mahmud Ahmad gehisst. Ein Gefährte (Sahāba) Mirza Ghulam Ahmads hatte zuvor die Baumwolle für den Stoff der Fahne gepflanzt, geerntet und verarbeitet. Anschließend webten Gefährtinnen und Gefährten daraus den schwarzen Fahnenstoff, der eine Länge von 18 Fuß und eine Breite von 9 Fuß (etwa 5,4 m × 2,7 m) hatte. In den oberen Ecken wird links der Vollmond und rechts eine Mondsichel gezeigt.A Brief History of Ahmadiyya Movement in Islam: Khalifat Silver Jubilee Über dem Vollmond Badr steht ein Teil des Verses 123 der Sure Al-'Imran geschrieben „Gott hat euch doch (seinerzeit) in Badr zum Sieg verholfen, während ihr (eurerseits) ein bescheidener, unscheinbarer Haufe waret.“Vers 3, 123 in der Übersetzung Rudi Paret Insbesondere während der Jalsa Salana wird die Liwa-e-Ahmadiyya zusammen mit der Flagge des jeweiligen Landes feierlich gehisst.

Das Motto, Liebe für alle – Hass für keinen, stammt von Mirza Nasir Ahmad, das er während der Grundsteinlegung der Bascharat-Moschee prägte.„Pathway to Paradise“, Kapitel 7

Organisation Die AMJ hat sich, ausgehend von Indien, als transnationales Netzwerk organisiert und ist nach eigenen Angaben in über 190 Ländern präsent. Geführt wird die Glaubensgemeinschaft von einem Kalifen, der seit 1984 in London residiert. In den Landesverbänden gibt es einen Präsidenten (Emir) und einen Hauptmissionar (engl. „missionary in charge“). In kleinen Landesverbänden kann der Missionar in Personalunion auch Präsident sein. Wichtige Entscheidungen werden in einer Schūrā genannten Hauptjahresversammlung getroffen, die aber noch der Zustimmung des Kalifen bedürfen.

Die Gemeinschaft ist in den drei Sparten Lajna Imaillah (Frauen), Khuddam ul-Ahmadiyya (Männer bis 40 Jahren) und Ansarullah (Männer ab 40 Jahren) organisiert. Dabei werden die Nasirat-i Ahmadiyya (Mädchen bis zur Vollendung des 15. Lebensjahres) von der Lajna Imaillah und die Atfal ul-Ahmadiyya (Jungen bis zum 15. Lebensjahr) von der Khuddam ul-Ahmadiyya betreut. Die Mitgliederstärke der AMJ ergibt sich aus den Mitgliedern der drei Sparten, die alle drei parallel aufgebaut sind.

In allen Orten, in denen mehr als zwei Mitglieder der AMJ (Ahmadis) leben, wird eine Ortsgemeinde (Jama’at) gegründet, die gemeinsam mit anderen Gemeinden in Provinz- und Nationalorganisationen zusammengefasst wird. In Deutschland ist die Ahmadiyya Muslim Jamaat in drei Ebenen organisiert: die Ortsgemeinden, die regionalen Verbände und die nationale Führungsebene (National Jamaat). Die Ortsgemeinden sind in ländlichen Regionen eine Jamaat und in größeren Städten und Ballungsräumen mit hoher Mitgliederanzahl eine Lokal Amarat, wobei diese in kleinere Bezirke (Halqa) aufgeteilt ist. Die einzelnen Jamaat eines Gebietes bilden zusammen eine Region; die Lokal Amarat sind unabhängig und gehören keinem regionalen Verband an. Auf jeder Ebene gibt es einen Vorsitzenden (Sadr oder Emir). In den Bezirken, Ortsgemeinden und auf nationaler Ebene gibt es zudem Amtsträger (Nazim oder engl. Secretary), die zusammen die Versammlung (Aamla) bilden. In großen Ortsgemeinden (oft die Lokal Amarats) kann es viele Amtsträger geben, während in kleinen Jamaats mehrere Funktionen von einer Person wahrgenommen werden können.

Darüber liegt noch die internationale Ebene, an deren Spitze ein Kalif als Oberhaupt steht, dessen Amtsdauer unbegrenzt ist. Er kann weder abgesetzt werden, noch ist eine Möglichkeit des Rücktritts vorgesehen. Er steht über den vorstehend genannten Organisationen und ist auch nicht verpflichtet, dem Rat der einmal jährlich zusammentreffenden internationalen Beratungsversammlung (Majlis-i Mushawarat) zu folgen. Die Wahl der Emire in den einzelnen Gemeinden bedarf seiner Bestätigung, ebenfalls kann er die Emire, ohne die Bekanntgabe von Gründen, absetzen.

Jede Teilorganisation verwaltet und führt sich selbst. Besonders ist das bei der Frauen-Organisation Lajna Imaillah wichtig, in der es auch in der Führung keine Männer gibt. Es gibt allerdings eine Aufgabenteilung. So sind die Khuddam auch für den Aufbau der Veranstaltungen der Ansarullah und der Lajna zuständig sowie für Sicherheitsdienste, da die Ahmadiyya Muslim Jamaat in der Regel keine fremden Sicherheitsdienste in Anspruch nimmt. Für die Technik sind Männer sowie Frauen zuständig. Frauen bedienen auf ihren Veranstaltungen die Technik selbst. Beim gemeinschaftseigenen Fernsehkanal MTA (Muslim Television Ahmadiyya) gibt es bereits Sendungen, die von Frauen gestaltet, moderiert und technisch umgesetzt werden.

Mitgliedschaft Eintritt Mitglied wird man durch Ablegen des Baiat (Treuegelübde) gegenüber dem amtierenden Kalifen. Jeder Ahmadi gehört einer der drei Teilorganisationen Khuddam ul-Ahmadiyya, Lajna Imaillah oder der Ansarullah an. Stirbt ein Kalif, muss gegenüber dem neugewählten Kalifen das Treuegelübde erneuert werden. Im Baiat verkündet der gläubige Ahmadi seine Treue gegenüber dem amtierenden Kalifen, die Praktizierung des Islams, das Fernhalten von Sünden jeder Art und das Bekenntnis zu den Glaubensgrundsätzen der Ahmadiyya. Außerdem verpflichtet man sich, ein Sechzehntel des monatlichen Einkommens an die AMJ als monatlichen Mitgliedsbeitrag abzuführen.

Austritt Der Austritt erfolgt durch schriftliches Aufkündigen des Baiats.

Ausschluss Bei Verfehlung gegen die Gemeindeordnung (Nizam-e-Jamaat) kann das Baiat vom Kalifen aufgekündigt werden, was einer Exkommunikation im römisch-katholischen Christentum entspricht. Die Ahmadiyya praktiziert dabei die Meidung (siehe auch al-Walā' wa-l-barā'). In der Regel ist der Ausschluss nicht dauerhaft und kann aufgehoben werden, wenn Reue erkennbar ist und Abbitte geleistet wird. Ein entsprechender Antrag auf Vergebung ist an den Kalifen zu richten.

Veranstaltungen auf nationaler und internationaler Ebene Die wichtigste Veranstaltung und Versammlung ist die Jalsa Salana (spirituelle Jahresversammlung). Das höchste Entscheidungsgremium ist die Schūrā (organisatorische Jahresversammlung).

Daneben begeht die AMJ regelmäßig den „Tag der Religionsstifter“„Der Tag der Religionsstifter wurde in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Indien vom damaligen Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Gemeinde gegründet. Dabei erhielten die Vertreter der drei Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam Gelegenheit, die Schönheit der jeweiligen Persönlichkeiten zu schildern, die ihrem Glauben zum Leben verhalfen.“ und beteiligt sich am „Tag der offenen Moschee“.

Unterorganisationen, Stiftungen, Programme Jamia-Ahmadiyya mini|250px|Theologische Hochschule der Ahmadiyya in Rabwah Die Jamia-Ahmadiyya ist eine theologische Hochschule, die am 25. Mai 1928 von Mirza Baschir ud-Din Mahmud Ahmad in Qadian zur Ausbildung von Ahmadi-Theologen gegründet wurde. Heute unterhält die Ahmadiyya theologische Hochschulen in Qadian (Indien, gegründet Mai 1928), Rabwah (Pakistan, gegründet Dezember 1949), Ghana (gegründet März 1966), Nigeria, Indonesien (gegründet März 1982), East Mississauga (Kanada, gegründet September 2003), London (Vereinigtes Königreich) und Riedstadt (Deutschland, gegründet 20. August 2008Die Ausbildung der ersten Theologen der Ahmadiyya begann 2008 im Baitus Sabuh in Frankfurt-Bonames, ein Neubau der Jamia Ahmadiyya Deutschland wurde 2012 in Riedstadt, Stadtteil Goddelau fertiggestellt und am 17. Dezember eingeweiht. Selbstbezeichnung der Jamia in Deutschland: „Institut für islamische Theologie und Sprachen“).

Tehrik-e-Jadid Der Tehrik-e-Jadid-Plan wurde am 23. November 1934 mit dem Ziel gegründet, reformerische Aktivitäten und missionarische Arbeit im Ausland voranzutreiben. Mirza Baschir ud-Din Mahmud Ahmad bezeichnete Tehrik-e-Jadid als „Sprungbrett zur Etablierung der neuen Weltordnung“.AMJ: Deutsches Ahmadiyya Bulletin, November 2006, S. 35 Für ihn war „das Fundament des Sieges der Religion und das Fundament der Dominanz von Ahmadiyya von jeher mit Tehrik-e-Jadid verbunden.“AMJ: Deutsches Ahmadiyya Bulletin, Februar 2006, S. 26 So wurden viele Ahmadiyya-Missionsstationen in der gesamten Welt gegründet. Erste Missionen wurden im Vereinigten Königreich 1913 in London, in den Vereinigten Staaten 1921 in Chicago, in Deutschland 1923 in Berlin eröffnet.

Waqf-e-Jadid Seit 1957 wird das Tehrik-e-Jadid-Programm durch Waqf-e-Jadid ergänzt, ein Programm für die religiöse Bildung in den ländlichen Gebieten des Subkontinents.AMJ: A Brief History of Ahmadiyya Movement in Islam, Seite 72 Die Ahmadiyya legt ihren Mitgliedern nahe, ihre Häuser zu verkaufen, um diese Pflicht zu erfüllen.Ansprache des Kalifen zu Waqf-e-Jadid am 5. Januar 1957, Freitagsansprache Haider Ali Zafar vom 12. Dezember 2003. Quelle: Deutsches Ahmadiyya Bulletin, Dezember 2006, S. 20 Auch von Kindern wird Opferbereitschaft verlangt.Der Kalif forderte in der Freitagsansprache am 7. Januar 2005 die Ahmadi-Mütter dazu auf, ihre Kinder in dem Waqf-e-Jadid einzuschreiben. Beleg: Deutsches Ahmadiyya Bulletin, Juli/August 2005, S. 29

Waqf-e-Nau