Die Lehre der Ahmadiyya basiert auf dem Islam, dem Koran und dem Hadith. Daneben haben aber auch die Schriften des Mirza Ghulam Ahmad eine große Bedeutung, vor allem bei der Auslegung von Koran und Hadith. Die fünf Säulen des Islam (Glaubensbekenntnis, Gebet, Fasten, Almosen und die Pilgerfahrt) werden geteilt. Insbesondere die Frage, ob es weitere Propheten nach Mohammed geben kann, spaltet sunnitische und schiitische Muslime einerseits und Ahmadiyya andererseits.

Die Ablehnung des Kalifentums führte zur Trennung der Ahmadiyya Andschuman Ischat-i-Islam Lahore (AAIIL) von der Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ). Darüber hinaus unterscheidet sich die Ahmadiyya-Gruppe in der Stellung des Gründers Mirza Ghulam Ahmad, ob er als „Prophet“ (AMJ) oder „Reformer“ und „Erneuerer“ (AAIIL) zu gelten habe.

Glaubensartikel Die Glaubensartikel der Ahmadiyya-Bewegung definieren übereinstimmend mit der islamischen Orthodoxie den Koran als Wort Gottes, das die Menschen führt und leitet, und den Propheten Mohammed als vollkommene Verkörperung der islamischen Lehren, dessen Beispiel (Sunna) jeder Muslim nacheifern soll. Jedoch bringe jedes neue Zeitalter neue Herausforderungen mit sich, und mit der Zeit gehe auch das ursprüngliche Verständnis der Religion stückweise verloren. Aus diesem Grunde habe Gott den Muslimen versprochen, die Religion von Zeit zu Zeit zu erneuern bzw. zu reformieren.

Die gottgewollte Aufgabe eines Mudschaddids (Erneuerer der Religion) sei es, die ursprünglichen Lehren der Religion wiederherzustellen, neue Wahrheiten aus dem Koran hervorzuholen, die den Nöten, Herausforderungen und Zweifeln des jeweiligen Zeitalters begegnen, und den lebendigen Glauben im Herzen der Muslime durch neues Wissen, religiöse Erfahrung und göttliche Zeichen zu erwecken, die dem Mudschaddid von Gott gewährt werden.

Das besondere Islam-Verständnis der Ahmadiyya umfasst die folgenden Überzeugungen, die vom Mehrheitsislam zum Teil als sektiererisch erachtet werden:

Der Islam ist international. Gott hat seine Propheten unter allen Völkern berufen, nicht nur unter den Israeliten (wie bereits unter Muslimen allgemein anerkannt), sondern auch in Indien, China, Persien usw. Ein Muslim muss an all diese Propheten glauben, sie respektieren und an ihre Schriften glauben. Der Islam stellt die ursprüngliche Reinheit der von ihnen gelehrten ewigen Wahrheit wieder her und erweitert die Gültigkeit der nationalen Lehren, um einen universellen Glauben für alle Menschen bereitzustellen. Tugend/Frömmigkeit, gute Menschen und Wahrheit können in allen Völkern gefunden werden. Gott ist gleich für alle Menschen, unabhängig von ihrer Nationalität, Rasse oder Religion.

Der Islam ist tolerant. Er gibt jedem Mensch die völlige Freiheit, einen Glauben und eine Religion anzunehmen, zu vertreten und auszuüben. Unterschiede in Glauben und Interpretation, mit wem sie auch bestehen mögen, müssen toleriert werden. Kritik gegen den Islam darf nur mit Worten beantwortet werden, jede empfundene Beleidigung muss mit Geduld ausgehalten werden; die Antwort mit Gewalt ist den Lehren des Islam fremd. Die allgemeine Vorstellung des Islam als eine intolerante Religion ist völlig falsch.

Der Islam ist friedfertig. Er verurteilt jeglichen Gebrauch von Gewalt mit Ausnahme von unvermeidbarer Selbstverteidigung. Alle Schlachten des frühen Islam waren reine Verteidigungskämpfe. Muslime müssen unter jeder Gesellschaftsform friedlich leben, die ihnen Religionsfreiheit gewährt. Der Eindruck, dass der Islam seine Anhänger auffordere, Krieg zu führen oder zu rebellieren, um ihre eigene Gesellschaftsform zu etablieren, ist vollkommen falsch. Das Konzept des Dschihad wird weitreichend missverstanden: es bedeutete zuallererst eine spirituelle, intellektuelle und moralische Anstrengung, sich selbst zu verbessern und dann auch andere.

Der Islam ist nicht sektiererisch. Jeder Mensch, der die Kalima (den Spruch „Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein Gesandter“) bekennt, muss wie ein Bruder der Muslime behandelt werden. Es ist keine Inquisition (Befragung, Untersuchung) hinsichtlich Überzeugungen oder (Glaubens-)Motiven erlaubt. Entscheidungen, die unter gewissen Umständen Menschen aus dem Islam exkommunizieren, die die Kalima bekennen, stehen vollkommen der islamischen Lehre entgegen.

Der Islam ist rational. Er verlangt nachdrücklich den Gebrauch der Vernunft und gesicherten, insbesondere wissenschaftlichen Wissens in allen Dingen, auch in religiösen Angelegenheiten. Der Islam nimmt demnach für sich in Anspruch, alle seine Lehren, wo möglich, durch Argumente zu stützen und in seinen Lehren nicht im Widerspruch zu von der Wissenschaft anerkannten Theorien (z. B. der neo-darwinistischen Evolutionstheorie) zu stehen. Zugleich ist er sich bewusst, dass Glaubensinhalte als solche nicht deduktiv aus reiner Vernunft (Kant) und/oder wissenschaftlichem Wissen abgeleitet werden können, sonst wären es keine Glaubensinhalte, sondern wissenschaftliche oder philosophische Theorien. Die Einsicht in diesen prinzipiellen Unterschied zwischen Glauben und Wissen unterscheidet ihn von zahlreichen fundamentalistischen Glaubensrichtungen, die für sich in Anspruch nehmen, durch reine Argumentation und/oder Wissenschaft beweisbar zu sein. Glauben kann also nicht auf Vernunft basieren (im Sinne von „ableitbar sein“), darf dieser aber auch nicht widersprechen. Dies bedeutet für die Koranexegese, dass der Koran im Lichte der Wissenschaft und der Vernunft interpretiert werden muss. Blinde Gefolgschaft gegenüber nur scheinbar eindeutigen Koranversen oder religiösen Führern wird verworfen, die gedankenlose Nachahmung wird nicht empfohlen und die Freiheit des Denkens gewährt, d. h. insbesondere auch, dass Zweifel an allem erlaubt ist.

Der Islam ist lebendig. Sein Gottesdienst besteht nicht aus Ritualen, die ohne Denken und ohne Gefühle zu vollziehen sind. Seine Bedeutung liegt darin, die menschliche Seele in Kontakt mit einem lebendigen Gott zu bringen. Muslime müssen den Zweck von Gebet und Fasten kennen und sie dann in ihrem wahren Geist ausüben. Gott hört die Bitten der Menschen und antwortet ihren Gebeten. Zu allen Zeiten gab es Heilige, die (eine besondere) Nähe zu Gott hatten und Offenbarungen erhielten. Ihr Beispiel zeigt, dass es einen lebendigen Gott gibt, der sich der Menschheit mitteilt.

Der Islam ist progressiv. Der Koran offenbart ständig neue Schätze des Wissens als Antwort auf die neuen Probleme, Philosophien und Gedanken jedes Zeitalters.

Der Islam unterstützt die Frauen. Eine große Zahl an Missverständnissen hat sich an diesem Punkt entzündet, hauptsächlich weil lokale Traditionen mit den Lehren des Islam vermischt wurden. Nach islamischem Verständnis ist die Frau ein vollständiges und selbständiges menschliches Wesen, so wie der Mann auch. Sie sollte dieselbe Entscheidungsgewalt über ihr Leben haben (einschließlich Heirats- und Scheidungsangelegenheiten), wie sie der Mann über sein Leben hat.

Der Islam lehrt höchste Sittlichkeit. Er verlangt von den Muslimen, selber die höchsten moralischen Fähigkeiten zu entwickeln und diese noble Gesinnung zu zeigen, auch auf Kosten von persönlichen und nationalen Interessen. Die islamische Gesellschaft wird nicht geschaffen, indem Menschen Gesetze und Regeln auferlegt werden. Sie wird allein durch die Reformierung des Charakters von Individuen mittels moralischer Übung und guten Beispiels bzw. Vorbilds erreicht. Und das ist genau das, was der Prophet Mohammed tat.

Der Islam gewinnt die Herzen. Er trachtet danach, die Herzen und Sinne der Menschen auf einfühlsame, liebevolle Weise, durch Vernunftargumente und moralische Aufrufe zu gewinnen. Er verurteilt Fanatismus, Zwang und Intoleranz als Mittel zur Verbreitung des Glaubens. Weder wurde der Islam je durch Zwang verbreitet, noch wird sein prophezeiter Triumph durch solche Mittel herbeigeführt werden.

Der Islam ist vollendet. Der Koran und das Leben des Propheten Mohammed geben der Menschheit für alle künftigen Zeiten eine abgeschlossene und vollkommene Leitregel. Der Prophet Mohammed ist das beste und vollkommene Beispiel für die höchste Sittlichkeit, weshalb er das „Siegel der Propheten“ genannt wird. Es werden aber Mudschaddids (Erneuerer) von Gott herausgerufen werden, die das Licht des islamischen Glaubens wiederbeleben und neu entfachen sollen.AAIIL: ,

Rechtsschulische Einordnung der Ahmadiyya Die Ahmadiyya steht in der Scharia der hanefitischen Rechtsschule nahe. Eine wichtige Lehrmeinung ist die Ablehnung von Taqlid (wörtlich: Nachahmung), wonach jeder Muslim verpflichtet ist, sein Tun nach derjenigen Rechtsschule zu richten, der er von Geburt an oder durch Beitritt angehört. So soll es möglich sein, in jedem einzelnen Fall aus den Lehrmeinungen verschiedener Rechtsschulen eine den Zeitbedürfnissen entsprechende Entscheidung auszuwählen oder sie durch die Anwendung von Idschtihād (selbständige Entscheidung einer Rechtsfrage auf Grund der Interpretation von Quellen) neu zu fällen. Der Koran gilt als die primäre Rechtsquelle. An zweiter Stelle kommt die Sunna (das Vorbild) des Propheten, die sich durch die Jahrhunderte in der muslimischen Gemeinde lebendig gehalten hat. Das Hadith (die Überlieferung) bildet die dritte Stelle in der Reihenfolge von Rechtsquellen gefolgt durch Qiyās (Analogieschluss).

Obwohl die Ahmadiyya betont daran festhält, ggfs. Rechtsfragen auf Grund von Quelleninterpretation neu zu fällen, richtet sie sich weitgehend nach der hanafitischen Rechtsschule. Die wenigen Fälle, bei denen sie sich anders entschieden hat, sind meistens von untergeordneter Bedeutung.

Mirza Ghulam Ahmad übte in seiner Eigenschaft als Mahdi und Messias in mehreren Fällen Idschtihād. Er erklärte zum Beispiel den Dschihad (aus religiösen Gründen) für aufgehoben. Damit setzte er sich im Gegensatz zu der Mehrheit, für die die Verpflichtung zum Dschihad stets bestehen bleibt, insbesondere im damaligen Indien, wo die Kolonialmacht Großbritannien ein Muslim-Reich abgelöst hatte. Dies trug ihm den Vorwurf der Komplizenschaft mit England ein.

Richtungsweisend war auch sein Rechtsspruch (Fatwa) über Bankzinsen. Zwar hielt er Zinsen in jeglicher Form für unzulässig, doch riet er seinen Anhängern dazu, die üblichen Bankzinsen für Spareinlagen anzunehmen. Sie sollten aber das Geld nicht für sich verwenden, sondern für die islamische Mission (Da'wa) ausgeben. Er betonte, dass diese Regelung zeitlich und räumlich begrenzt sei. Sobald der Islam sich von seiner momentanen Schwäche erholt haben wird, wird dieser Dispens ungültig. In einem weiteren Rechtsspruch lehnte er Lebensversicherungen ab, weil er sie mit Glücksspiel gleichsetzte.Muniruddin Ahmed:

Apostasie Muslimische Theologen sind sich einig, dass Apostasie ein strafwürdiges Verbrechen sei. Die Ahmadiyya hat sich jedoch theologisch gegen eine Bestrafung von Apostaten festgelegt.AMJ: „Der Islam sieht keine weltliche Strafe für Apostasie vor“, in: , Weißes Minarett, Januar 1998, Seite 20AMJ: Punishment for Apostasy (alislam.org). Zu den bedeutungsvollsten Rechtssprüchen Nuur ud-Dins zählt seine Fatwa darüber, dass neben Juden und Christen auch Parsen, Anhänger Zoroasters, sowie Hindus und die Buddhisten zu den Ahl al-kitāb (Schriftbesitzern) gehören. Vor wenigen Jahren veröffentlichte das Ahmadiyya-Zentrum in Rabwah ein Buch über das „Fiqh-e-Ahmadiyya“.

Dschihad Dschihad umschreibt die Anstrengungen oder das Bemühen auf dem Weg Gottes zur Umsetzung und Ausbreitung des Glaubens an Allah und die Wahrheiten der Botschaft des Korans. Die Ahmadiyya unterscheidet dabei drei Ebenen:

Der größte Dschihad (dschihād akbar): Der Kampf gegen das niedere Selbst, die Seele, die zum Bösen verführt, die Schwächen und Fehler, von denen niemand gerne spricht (privater Dschihad) Der große Dschihad (dschihād kabīr): Das Verbreiten von Weisheit und Wissen, vornehmlich anhand der Lehren des „Heiligen Koran“ (gesellschaftlicher Dschihad, soziales Engagement, Mission, Dawa) Der kleine Dschihad (dschihād saghīr):