Mit dem Begriff Demenz ([]), Dementia (‚Wahnsinn, Torheit‘), wird ein Muster von Symptomen unterschiedlicher Erkrankungen bezeichnet, bei denen als Haupt- oder Nebenbefund die Verschlechterung mehrerer geistiger (kognitiver) Fähigkeiten im Vergleich zum früheren Zustand auftritt.Demenz. Das Wichtigste. Ein kompakter Ratgeber. (PDF; 3,8 MB) 8. Auflage. Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V., 2019. Die Symptomatik kann durch zahlreiche extra-zerebrale Erkrankungen (sekundär) und durch degenerative Erkrankungen des Gehirns entstehen. Der Begriff leitet sich ab von lateinisch (ohne mens, das heißt‚ ohne ‚Verstand‘, ‚Denkkraft’ oder ‚Besonnenheit‘) und kann mit ‚Nachlassen der Verstandeskraft’ übersetzt werden.Reinhard Platzek: Demenz. Zum Begriff einer häufigen Alterserkrankung. In: Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Band 10, 2014, S. 223–232, hier: S. 224 f. und 230 f.
Demenz ist keine eigenständige Erkrankung.Deutsche Stiftung Gesundheitswissen: Diagnose Demenz: Symptome, Ursachen, Verlauf. https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/demenz/allgemeines, abgerufen am 1. August 2026. Der Begriff gilt wegen differentialdiagnostischer Unklarheiten inzwischen als überholt. Diese Unklarheiten beeinträchtigen auch die Verwertbarkeit aller Statistiken und Schätzungen, denen der alten Demenzbegriff zugrunde liegt. Außerhalb der Fachpresse wird Demenz fälschlicherweise synonym mit Morbus Alzheimer verwendet. Letzterer ist nur einer von vielen potenziellen Auslösern dementieller Symptome. In der amerikanischen Klassifikation psychischer Erkrankungen DSM-5 (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen) wird der Begriff der Demenz als eigene Krankheitskategorie seit 2013 nicht mehr aufgeführt,Bauer, M., W. Maier, F.Schneider, H.-P.Kampfhammer: Das neue DSM-5-Klassifikationssystem: Wesentliche Neuerungen in der psychiatrischen Klassifikation, in Nervenarzt, 2014, 85:531–532. doi:10.1007/s00115-013-3983-5 sondern nur noch als untergeordnete Symptomatik bei Neurokognitiven Störungen (NCD). Auch in der ICD-11-Klassifikation, die im Jahre 2018 verabschiedet wurde und seit 2022 auch im deutschen Sprachraum die ICD-10 ersetzt, ist Demenz inzwischen der Kategorie Neurokognitive Störungen untergeordnet.
Historisches Der Demenzbegriff wurde im 18. Jahrhundert in der Juristen- und Umgangssprache für jede Form geistiger Störungen verwendet und ist bis in die heutige Zeit im allgemeinen Sprachgebrauch extrem allgemein gefasst. Im Jahre 1827 trennte Jean-Étienne Esquirol zwischen angeborenem und erworbenem Schwachsinn und führte als medizinischen Terminus für letzteren ein. Lange Zeit wurde in der deutschsprachigen Psychiatrie nur das Endstadium des intellektuellen Abbaus als Demenz bezeichnet. Im Jahre 1916 beschrieb Eugen Bleuler das unspezifische hirnorganische Psychosyndrom mit den Merkmalen kognitive Störung, emotionale Veränderung und Persönlichkeitswandel als psychopathologische Folge chronischer Gehirnerkrankungen. Sein Sohn Manfred Bleuler grenzte 1951 davon das hirnlokale Psychosyndrom ab und wies auf Ähnlichkeit mit endokrin verursachten psychischen Störungen hin. Mit der Entwicklung moderner Klassifikationssysteme wie ICD-10, ICD-11 und DSM-IV folgte schließlich 2013 im DSM-5 die Streichung des Begriffs Demenz als eigene Krankheitskategorie und der Ersatz durch die an neuerer biomedizinischer Forschung orientierte Kategorie Neurokognitive Störungen.
Symptomatik der Demenz Dem Symptombild der Demenz dürfte im modernen allgemeinen Sprachverständnis im deutschen Sprachraum eher der Begriff Vergesslichkeit gerecht werden. Die dementielle Symptomatik umfasst Störungen des Gedächtnisses, des Denkvermögens, der Sprache, der psychosozialen Fähigkeiten und der Persönlichkeit unabhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung. Ursächlich können auch Erkrankungen außerhalb des Gehirns sein, die sekundär die Hirnfunktion beeinträchtigen. Beim Gedächtnis ist besonders das Kurzzeitgedächtnis betroffen. Weitere Einbußen betreffen das biographische Gedächtnis („Was war in der Vergangenheit?“), das geographische Gedächtnis (Zurechtfinden in der Wohnung, Gegenstände wiederfinden, sich außerhalb der Wohnung zurechtzufinden, nach Hause zu finden) und die Personenerkennung. Das verminderte Denkvermögen kann zu einer schlechteren Alltagsbewältigung und Selbstorganisation beitragen. Die berufliche Tätigkeit, die Fahrtüchtigkeit und die Bedienung von Maschinen kann zunehmend eingeschränkt sein. Bei verminderter Sprachfähigkeit kann es zu Wortfindungsstörungen, grammatikalischen Fehlern und mangelndem Sprachverständnis kommen. Bei beeinträchtigten psychosozialen Fähigkeiten wird die Aufrechterhaltung sozialer Kontakte schwieriger. Emotionale Reaktionen wie Empathie, Trauer und Freude sind verringert. Bei einigen Formen kommt es auch zu Veränderungen der Persönlichkeit. Kennzeichnend für die Symptomatik ist der erworbene, über Jahre bzw. Jahrzehnte, progrediente Verlust von Fähigkeiten ohne Störung des Bewusstseins oder der Sinneswahrnehmung im Gegensatz zu angeborenen Funktionsstörungen.
Epidemiologie Große Bevölkerungsstudien wurden in Europa bereits seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts und in den USA seit den 60er Jahren durchgeführt. Jedoch stellt eine neuere Analyse solcher Studien festWu, Y.-T., Beiser, A. S., Breteler, M. M. B., Fratiglioni, L., Helmer, C., Hendrie, H. C., Honda, H., Ikram, M. A., Langa, K. M., Lobo, A., Matthews, F. E., Ohara, T., Peres, K., Qiu, C., Seshadri, S., Sjolund, B.-M., Skoog, I., & Brayne, C. The changing prevalence and incidence of dementia over time - current evidence. Nature Reviews Neurology, 2017, 13(6), 327-339. https://doi.org/10.1038/nrneurol.2017.63, (englisch), abgerufen am 31. August 2026., dass selbst während der letzten 30 Jahre ein Wandel der diagnostischen Standards und das Vorverlagern der Diagnose in frühere Lebensalter sowie Unterschiede in der Methodologie der Studien ihre Vergleichbarkeit einschränken. Auch ist die Diagnose von Subtypen wie der Alzheimer-Krankheit, deren Pathologie allgemein als ursächlich für Demenz betrachtet wird, selbst mit der Einführung von Imaging-Methoden immer noch weitgehend auf klinische Diagnostik, Patientenakten und Charakteristika der jeweiligen Studienpopulationen gestützt, so dass Demenz ein „klinisches Syndrom“ bleibt und eine Kausalität der Alzheimer-Pathologie nicht wirklich geltend gemacht werden kann. Trotzdem wurden die Ergebnisse solcher Studien zur Bevölkerungsstatistik der Demenz im Rahmen der Politik, des Werbens um Aufmerksamkeit und Finanzmittel genutzt. Es wäre für eine tatsächliche Verwertbarkeit der Daten wichtig, den Einfluss der Veränderungen diagnostischer Standards und methodologischer Variationen zu reduzieren. Darüber hinaus sind Langzeitbeobachtungen erforderlich, da Lebensstil und -standard in vielen Ländern während des letzten Jahrhunderts deutlich gestiegen sind, so dass auch die Lebenserwartung deutlich anstieg, wie die Autoren für mehrere europäische Länder, sowie Japan, Nigeria und die USA in ihrem Review demonstrieren. Kleinere Studien für Australien, Kanada, Japan, China, Taiwan und andere Regionen gab es seit den späten 80er und den frühen 90er Jahren. Bis zum Jahr 2000 gab es kaum Daten aus Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen, was sich inzwischen verändert hat.
Zahlen der Weltgesundheitsorganisation Für das Jahr 2021 gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Zahl der von Demenz betroffenen Menschen mit weltweit 57 Millionen an. Gleichzeitig wurde vermutet, dass jährlich etwa 10 Millionen Menschen neu erkranken würden.Dementia. WHO, 15. März 2023, abgerufen am 31. Mai 2024;3. Juli 2026, abgerufen am 20. Juli 2026 (englisch).
Demenzdaten in Deutschland und Österreich In Deutschland hatten Ende 2023 laut Informationsblatt der Alzheimer Gesellschaft e.V. etwa 1,8 Millionen Menschen Erkrankungen, die mit dementiellen Symptomen verbunden sind, darunter 1,199 Millionen Frauen. Im Alter von 65 Jahren und darüber war bei etwa 1,7 Millionen Menschen die Diagnose Demenz angegeben worden. Die Zahl der unter 60-Jährigen lag bei 47.000. Im Jahre 2019 berichtete das DZNE, dass im weltweiten Maßstab 12, 7 % der Erkrankten jünger als 65 Jahre sind.Faktenzentrale: Demenz. DZNE, September 2025,https://www.dzne.de/aktuelles/hintergrund/faktenzentrale/ abgerufen am 16. Januar 2026.
Nach der Berliner Altersstudie (1996) stieg die Zahl der Menschen mit Demenz nach Altersgruppen aufgeschlüsselt folgendermaßen. Altersgruppe AnteilDemenzerkrankter65- bis 69-Jährige1,2 %70- bis 74-Jährige2,8 %75- bis 79-Jährige6,0 %80- bis 84-Jährige13,3 %85- bis 89-Jährige23,9 %über 90-Jährige34,6 %
Nach dem Jahrbuch 2019 der Organisation Alzheimer Europe stieg die Zahl der Menschen mit Demenz nach Altersgruppen und Geschlecht aufgeschlüsselt folgendermaßen: Altersgruppe Männer Frauen insgesamt 60–64 Jahre 0,2 % 0,9 % 0,6 % 65–69 Jahre 1,1 % 1,5 % 1,3 % 70–74 Jahre 3,1 % 3,4 % 3,3 % 75–79 Jahre 7,0 % 8,9 % 8,0 % 80–84 Jahre 10,7 % 13,1 % 12,1 % 85–89 Jahre 16,3 % 24,9 % 21,9 % 90 Jahre und älter 29,7 % 44,8 % 40,8 %
In den Jahren 2015 bis 2022 ging die Zahl der Demenzdiagnosen in den deutschen Hausarztpraxen zurück, während sie in Facharztpraxen anstieg. Nach Einschätzung des DZNE sind die Ursachen dafür unklar. Die Analyse schließt aber zum Beispiel Privatversicherte nicht ein. Das könnte im Übrigen auch die qualitative Aussage solcher Auswertungen beeinträchtigen. 2023 haben 445.000 Menschen im Alter von 65 Jahren und darüber neu die Diagnose Demenz erhalten. Jedoch sterben Patienten eher mit Demenz als tatsächlich, wie oft angegeben, direkt an Demenz. Mit zunehmendem Alter entwickeln sich körperliche Schwächen und Komplikationen und die tatsächlichen Todesursachen sind dann zumeist Infektionen, in der Regel Lungenentzündungen.Alzheimer-Forschungsinitiative: Kann man an Demez sterben? https://www.alzheimer-forschung.de/demenz/verlauf/sterbephase/, abgerufen am 18. April 2026. Das Statistisches Bundesamt gab 2025 in einer Pressemitteilung bekannt, dass im Jahr 2024 nach den Ergebnissen der Todesursachenstatistik 61.927 Sterbefälle durch eine Demenzerkrankung verursacht worden wären. Die Verstorbenen seien im Jahr 2024 in 89,1 % der Fälle mindestens 80 Jahre alt gewesen. Bei Frauen sei die Demenz 2024 am häufigsten als Todesursache genannt worden. Etwa zwei Drittel der Patienten mit dementieller Symptomatik in Deutschland werden in der häuslichen Umgebung von Angehörigen betreut und gepflegt (Stand: 2020). Die medizinische Versorgung von Migranten wiederum, kann durch sprachliche Barrieren, kulturelle Unterschiede im Verständnis von Gesundheit und Krankheit und fehlende kulturspezifische Informationen beeinträchtigt sein, was zu einer geringeren Inanspruchnahme von Versorgungsangeboten und zusätzlichen Fehlern in der Diagnostik führen kann.
Das Österreichische Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz gab im Jahr 2025 die Zahl der Demenzerkrankten mit 170.000 an. Nach Hochrechnungen wird bis 2050 ein Anstieg auf 290.000 betroffenen Personen vermutet.
Demenzdaten in Großbritannien und den USA Das Office for National Statistics gibt an, dass 2019 in England und Wales 66.424 Todesfälle von Demenz und Alzheimer-Erkrankung sowie Begleiterkrankungen verursacht wurden. Das waren 12,5 % alles Todesursachen. Die altersstandardisierte Sterberate an Demenz ging von 123,8 pro 100 000 Einwohner im Jahr 2018 auf 115,1 zurück. In England waren nach den offiziellen Angaben Frauen im Alter über 75 Jahre häufiger von Demenz betroffen als gleichaltrige Männer. Drei Viertel der mit der Diagnose Demenz verstorbenen hatte mindestens eine andere schwere Erkrankung. In der CASCADE-Studie wurde der Verlauf von 323 Patienten mit schwerer Demenz in 22 Pflegeeinrichtungen in den USA untersucht. Im Verlauf von 18 Monaten waren 54,8 % der Bewohner verstorben. Lungenentzündungen und Essprobleme waren häufig und führten zu dieser hohen Sterblichkeit.