Ochsenberg ist ein Teilort der Gemeinde Königsbronn im Landkreis Heidenheim in Baden-Württemberg.

Geographie Geografische Lage Das Dorf Ochsenberg liegt im östlichen Teil der Schwäbischen Alb (Ostalb), am westlichen Rand des Härtsfelds auf einer Höhe von 617 m ü. NHN (Rathaus). Die Gemarkung umfasst 589 Hektar.

Nachbarorte mini|Historische Gemeinde- und heutige Gemarkungsgrenze (blau)

Flächenaufteilung

Nach Daten des Buches Der Landkreis Heidenheim, Band II, 2000.

Klima In Ochsenberg beträgt die Durchschnittstemperatur 8,6 °C. Die Niederschlagsmenge im Jahresdurchschnitt ist 931 mm. Im Juli ist es im Schnitt am wärmsten, die durchschnittliche Temperatur liegt dann bei 17,9 °C. Der kälteste Monat im Jahresverlauf ist mit −0,6 °C der Januar. In der Regel fällt in den Wintermonaten Schnee, für eine geschlossene Schneedecke reicht dieser nicht immer aus. Mit durchschnittlichen 56 mm ist der Februar der Monat mit dem geringsten Niederschlag im Jahr, der meiste Niederschlag fällt hingegen mit 99 mm im Juli. Über das gesamte Jahr werden etwa 2.450 Sonnenstunden gezählt, im Durchschnitt sind das 80 pro Monat.

Geschichte Ortsname Der Dorfname entspringt der „Siedlung bei der Ochsenweide auf dem Berg“. Er geht auf einen Flurnamen zurück, welches Mönche des Klosters Königsbronn als Weide für Ochsen nutzten. Frühere Schreibweisen des Ortes waren:

JahrName [sic]1538Oxennberg1556, 1557Ochsenberg, Ochsennberg1583Ochsenberg das weyllerlein, Ochßennberg1601, 1658OchßenbergJahrName [sic]1662Oxenberg1699, 1702, 1731Ochsenberg1740, 1743Oxenberg1844Ochsenberg

Übersicht Bis zum 19. Jahrhundert Wahrscheinlich gilt, dass als Vorgängersiedlung der mittelalterliche Weiler Harthausen (Harthusen = Siedlung im/am Wald, der als Viehweide genutzt wird) anzusehen ist, der schon 1298 in einer Urkunde des Papstes Bonifaz VIII. als Besitz des Klosters Neresheim bezeugt ist. Die Bewohner von Harthausen waren nach Schnaitheim eingepfarrt und entrichteten deshalb dorthin ihre Zehntabgaben; ihr Begräbnis allerdings hatten sie in dem näher gelegenen Friedhof in Itzelberg, das bis zur Reformation gleichfalls zur Pfarrei Schnaitheim gehörte. Harthausen dürfte in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts abgegangen sein, wie Dutzende von Kleinsiedlungen auf der Ostalb.

Der erste urkundliche Nachweis zu „Oxennberg“ erwähnt das Salbuch des Königsbronner Klosters 1538. Bereits Jahre zuvor wurden durch den dort tätigen Abt Melchior Ruff (1513–1539) auf einer Rodung im heutigen Weiler Holzmacher, Köhler und Tagelöhner angesiedelt.Durch die Einführung der Reformation 1553 entstand östlich eine Glaubensgrenze, da die beiden Klöster Ellwangen (Oberkochen) und Neresheim beim alten Glauben blieben (→ Judenbusch).

In den Jahren 1601 und 1602 kaufte Herzog Friedrich von Württemberg als Inhaber der Herrschaft Heidenheim vom Abt von Neresheim um 15.000 Gulden 200 Jauchert Wald samt der dabei liegenden „Feldung bey Ochßenberg“, nämlich 112 Jauchert Äcker. Es handelt sich in erster Linie um die Flur des abgegangenen Ortes Harthausen, sie hieß nunmehr das Heidenheimer Feld.Nach der zweitägigen Schlacht bei Nördlingen im September 1634 wurde Ochsenberg, wie viele Ortschaften dieser Gegend, ein Opfer der Flammen.

In einem Auszug des Steuerrevisionsprotokoll von 1733 steht: „Sämtliche Gebäude in diesem Weiler sind die allergeringsten in dem ganzen Klosteramt in Maßen selbige nur geringe niederträchtige (also einstöckige) Bodenhäuser, wovon kein einziges mit Ziegeln, sondern sämtliche mit Stroh gedeckt sind.“1756 überließ das Kloster Königsbronn dem Dorf 112 Jauchert Wald (Falchen) zur Rodung. Ebenfalls aus Klosterbesitz stammten einige kleinere Flächen, die als Krautgärten an die Haushalte ausgegeben wurden.

Um 1800 waren die Häuser immer noch nicht aus Ziegeln und nur mit Stroh gedeckt, das Wasser war nur spärlich aus Hülben oder Bottichen verfügbar. Ein Großbrand zerstörte am 9. Mai 1817 vom heutigen Rathaus in Richtung Weiler vollständig 10 Häuser. 70 Morgen Wald (Gräfin), die in der Folge in Ackerland umgewandelt wurde, erwarb die Gemeinde 1832 aus Staatsbesitz. Durch die Inbetriebnahme der Härtsfeld-Wasserleitung (Zweckverband Härtsfeld-Albuch-Wasserversorgung) am 11. November 1891 erhält Ochsenberg eine ständige Trinkwasserversorgung von den Brunnen aus Itzelberg.

Ab dem 20. Jahrhundert

An der Stelle des alten Rathauses erfolgt 1910 ein Neubau. In ihm befand sich im Erdgeschoss eine Gefängniszelle, diente bis 1964 als Schule und heute noch als Feuerwehrhaus sowie Kindergarten.Am 7. Mai 1914 radelte in Ulm ein Junge der Kutsche des Königs Wilhelm II. von Württemberg während einer Königsparade mit dem Fahrrad hinterher und sorgte bei den Zuschauern für ein Gelächter. Diese Geschichte wurde als „Der König und der Bub vom Ochsenberg“ bekannt.Ein Genehmigungserlass zur Elektrifizierung wurde im Januar 1914 beantragt, die Versorgung mit Strom wurde ab 1917 von der UJAG sichergestellt. Der 48-jährige Oberkochener Förster Wilhelm Braun, Vater von zwei Kindern, wurde am 1. August 1926 im Waldteil des Falchen durch Wilderer erschossen, ein Gedenkstein erinnert am Ort des Geschehens .

mini|Lindenplatz mit Brunnen (im Hintergrund der Maibaum) Bei der feierlichen Umbenennung des Lindenplatzes zum Adolf-Hitler-Platz am 1. Mai 1934 (bis Dezember 1945) sang der Gesangverein Liederlust 2 Chöre. Im August und September 1938 gastierte der Schriftsteller und Arzt Ludwig Finckh im Ort.

Am 1. August 1942 wurde ein Arbeitslager („Russenbaracke“) bei der Ziegelhütte (Langweidstraße) eröffnet und mit Ungarn belegt, die bis zum Einbruch des Winters als Waldarbeiter beschäftigt wurden. Eine englische Ballonbombe geht am 15. Oktober 1942 im Falchen nieder, ohne jedoch zu zünden. In der Nacht vom 23. auf den 24. Juli 1944 warf ein englisches Kampfflugzeug eine 200 kg Sprengbombe und über 100 Flammstrahlbomben in der Nähe des Braun-Gedenksteins ab. Durch den vorangegangenen Regen entstand nur wenig Schaden.

Am Vortag der Übergabe schossen die Amerikaner mit Granaten, welche vor und hinter Ochsenberg einschlugen, ohne Schäden im Ort zu hinterlassen. Am Dienstag 24. April 1945 marschierten sie im Dorf ein und Lehrer Karl Haug, der als Einziger Englisch verstand, verhandelte mit ihnen (der Bürgermeister August Ortwein hatte das Dorf verlassen). Ihre Bedingungen, welche alle Einwohner befolgten, lauteten: Innerhalb einer Stunde die Häuser ohne Ausnahme eine weiße Fahne hissen, Abgabe aller Waffen und Abbau aller Panzersperren. Widerstandslos wurde um 17:00 Uhr der Ort an die Besatzer übergeben und lag nun innerhalb der Amerikanischen Besatzungszone. Als Schäden wurden festgestellt:

Forstschaden ohne größeren Umfang durch Artilleriebeschuss im Waldteil Burren und den westlich gelegenen Waldteilen. Beschlagnahme von 12 Fahrrädern durch deutsche Truppen. Deutsche Truppen beschlagnahmten 800 Liter Benzin in der Nacht vom 23. auf 24. April (Eigentum des Forstamts).

Im Juli 1945 kam Lothar Walther, Sohn von Fabrikant Carl Walther, aus Zella-Mehlis mit seiner Familie nach Ochsenberg. Mit einfachen Gegebenheiten begann er in einem Bauernhaus mit der Herstellung von Laufrohlingen. 1949 zog die Familie nach Königsbronn, wo eine neue Fabrikhalle entstand.

Das erste Kinderfest wurde am 25. Juli 1948 abgehalten, der Gesangverein Liederlust erfreute die Gemeinde mit 3 Chören. Am 30. Mai 1953 verunglückte der 32-jährige Franz Albrecht tödlich am Zahnbergsteig mit einem Traktor und holzbeladenem Anhänger bei der Abfahrt nach Königsbronn . 1953 gab es 3 Telefonanschlüsse: Revierförsterstelle des Forstamts, Gemeindeverwaltung und auf der Poststelle im Zahnbergweg einen öffentlichen Fernsprecher. Ab dem 19. Juni 1959 wurden Ochsenberger Nachrichten im Wochenblatt für Königsbronn Rund um den Herwartstein (Ersterscheinung 18. Oktober 1952) aufgenommen.

Durch die Wahl zur Eingemeindung am 30. Januar 1972 entschlossen sich die Ochsenberger mit 193 Ja- und 28 Nein-Stimmen, am 1. Februar Königsbronn beizutreten. Im Juli 1972 wurde eine 2-wöchentliche Müllabfuhr eingerichtet. Zum Kinderfest am 7. Juli 1973 war der Spielplatz bei der Dorfhülbe fertiggestellt, ein Jahr später folgte der Bolzplatz. Mit der altersbedingten Fällung der 1826 gepflanzten Linde am 9. Mai 1974 begann die Neugestaltung des Lindenplatzes. 1976 ereignete sich am 25. August ein Großbrand beim Landwirt Georg Elser im Burrenweg. Am 30. September schloss die Poststelle und im Dezember erhielt der Ort den Sammelanschluss an die Kläranlage in Itzelberg. Der Staatliche Maschinenhof, welcher von Königsbronn verlegt worden war, wurde am 20. Mai 1977 in Betrieb genommen. Die neu erbaute Turn- und Mehrzweckhalle konnte am 31. März 1979 feierlich eröffnet werden. 1988 wurden 450 Jahre Ochsenberg gefeiert. mini|Staatlicher Maschinenhof|300x300px

Durch den Orkan Lothar am 26. Dezember 1999 wurde im Frühling 2000 am westlichen Ortsrand ein 12 Hektar großes Nassholzlager für 100.000 Festmeter eingerichtet, davon waren 2 Hektar eine Hülbe und Betriebstechnik .

Am 19. April 2022 eröffnete die Gemeinde zusammen mit der evangelischen Kirchengemeinde in der Nähe des Schützenhauses einen Waldkindergarten.

Landwirtschaft, Dienstleistung Obwohl der Boden sehr mager ist und meist nur kleinbäuerliche Betriebe existierten, war Ochsenberg von Anfang an von der Landwirtschaft geprägt. Die Besitzer konnten sich nicht selbst ernähren und gingen zusätzlich einer Nebenbeschäftigung nach. Bis zum Fortschritt der Technik mussten ebenfalls die Kinder ihren Dienst leisten.

1778 zählte man 10 Pferde, 57 Kühe und 99 Ochsen im Dorf. Im 18. und 19. Jh. war das Frachtfuhrwesen besonders bei den Bauern (Seldnern) als Nebenerwerb weitverbreitet, wofür sie kräftige Pferde hielten. Vor allem führten sie für die Hüttenwerke den Antransport von Holzkohle und Torf sowie den Abtransport von Eisen durch; auch für die Salzfrachten wurden sie gebraucht, denn in Königsbronn bestand damals ein Salzmagazin. Die meisten Pferde – 1842 noch insgesamt 136, im 20. Jh. immer 70 bis 80 – standen bis 1960 stets in Ochsenberg, sie hatten sich auf diese Fuhrdienste spezialisiert.

Handwerk Die Holzfällerei und Köhlerei war über Jahrhunderte eine weitere Einnahmequelle im Dorf. Der Bedarf der Eisenwerke im Brenztal (Hüttenwerke Königsbronn, Hüttenwerke in Württemberg) an Holzkohle war sehr hoch, er führte zur großflächigen Abholzung der Wälder.An mehreren Stellen auf der Gemarkung wurde Tonerde abgegraben (z. B. Egelsee, Tiefe Tongrube, …), die durch die Hafner der angrenzenden Gemeinden weiterverarbeitet wurde. 1733 zählte man einen Hafner im Dorf, 1797 und 1803 wurden weitere Lizenzen für die Errichtung von Brennhütten in Ochsenberg erteilt. 1733 waren folgende Handwerker (Anzahl) im Dorf beschäftigt:

Maurer (1) Hafner (1) Zimmermann (1) Schmied (2) Schuster (1)

Johanneskirche mini|Johanneskirche Den Neubau einer evangelischen Kirche fasste der Königsbronner Kirchengemeinderat bereits im Dezember 1958. Die Bauarbeiten begannen am 10. Juli 1961 im Burrenweg und die Glocken wurden am 2. Juli 1962 im Rohbau installiert. Am 23. Juni 1963 fand die Einweihung der Johanneskirche durch Pfarrer Traugott Scheytt statt. Sie bietet 80 Sitzplätze und zusätzliche 30 im abtrennbaren Nebenraum. Das Altarkreuz und die Türgriffe formte Ulrich Henn. Die von Hans Bäurle gestalteten, farbigen Kunstglasfenster wurden nachträglich im Oktober eingesetzt. Als Architekt war Peter Haag aus Schorndorf verantwortlich, ein ähnlicher Bau steht in Lorch-Weitmars .

2013 wurde der Kirchturmgockel mitsamt Kugel abgenommen, von Patina gesäubert und im November neu vergoldet wieder angebracht.

Der Kirchenweg zeugt heute noch von der Zeit, als die Kirchgänger durch den Wald nach Königsbronn zum Gottesdienst gehen mussten.

Orgel