mini|hochkant=1.3|Kuria Muria Is. als Teil der damaligen Kolonie Aden Die Churiya-Muriya-Inseln (), auch Al-Hallaniyat-Inseln, sind eine Gruppe von fünf Inseln im Arabischen Meer. Der Archipel liegt in der gleichnamigen Meeresbucht ca. 40 km vor der Südostküste des Oman und erstreckt sich in west-östlicher Ausdehnung über ca. 73 km. Die ungefähr 72,3 km² große Inselgruppe ist omanisches Staatsgebiet und gehört zur Wilaya (Verwaltungseinheit) Schalim und Hallaniyyat-Inseln im Gouvernement Dhofar.
Geschichte Im Altertum wurden die Inselgruppe Inseln von Zenobios (lateinisch Zenobii Insulae bzw. griechisch , Zenobiou nesia) oder Doliche (griechisch: ) genannt. Sie lagen in der Bucht von Churiya-Muriya (lateinisch: Sinus Sachalites; griechisch: , Sachalites kolpos) und markierten die Grenze zwischen dem Parther-Reich und dem alt-südarabischen Hadramaut–Königreich, wobei die innere Seite der Bucht die Grenze des Parther-Reiches darstellte.Adolf Grohmann: Ḵh̲ūryān-mūryān. In: P. Bearman, Th. Bianquis, C.E. Bosworth, E. van Donzel, W. P. Heinrichs (Hrsg.): Encyclopaedia of Islam. Band 5: Khe–Mahi. Brill, Leiden 1986, S. 70, Sp. 1.
PtolemäusPtolemäus: Geographike Hyphegesis, VI, 7, § 47. Arrian: Periplus Maxis Erythroei, S. 19. bezeichnet sie als sieben kleine Inseln (die beiden Felsen vor al-Qibliyya wurden wahrscheinlich mitgezählt), die in der Sinus Sachalites in Richtung Indien am Eingang des „Persischen Golfs“ liegen.Damit ist wahrscheinlich der Golf von Aden gemeint.
Die Kargheit der natürlichen Umgebung zwang die Inselbewohner sich überwiegend von Meeresfrüchten zu ernähren. Im 12. Jahrhundert berichtet al-Idrisi, dass die Inseln zum Einflussbereich von asch-Schiḥr gehörten. Im Winter waren die Einwohner sehr arm und nur während der Segelsaison schafften sie es, einigermaßen auskömmlich zu leben. Ihre Seereisen führten sie in den Oman, nach Aden und in den Jemen. Die Haupthandelsgüter waren Schildpatt und gelegentlich Bernstein. Al-Idrisi nennt die Churiya-Muriya-Bucht in seinen Berichten Ǧawn al-Ḥašīš (Bucht der Kräuter).al-Idrisi: Nuzhat al-musštāq fi 'atirāq al-āfāq, Indian and the neighbouring territories in the Kitāb Nuzhat al-mu_s_htāq fi '_hḥtirāq al-āfāq of al-Sharīf al-Idrīsī. a transl. with comm.n of the passages relating to India, Pakistan, Ceylon, part of Afghanistan, and the Andaman, Nicovar. and Maldive islands, etc. by S. Maqbūl Ahmad with a foreword by Vladimir Fedorovič Minorsky [Minorskij]. Brill, Leiden 1960, Section I, S. 54 und Section II, S. 49. Die Inselgruppe ihrerseits wurde von den arabischen Stämmen der Schiḥr und Mukallā aus dem Hadramaut und dem jemenitischen Ḥudaida-Stamm besucht, um die reichen Guanovorkommen der Inseln al-Hasikiyya und al-Qibliyya auszubeuten. Die Hinterlassenschaft der unzähligen Seevögel diente als Düngemittel, insbesondere für den Tabakanbau.
Die Churiya-Muriya-Inseln drangen erst wieder in der Neuzeit in das Bewusstsein der Europäer, als sie von Afonso de Albuquerque auf seinem Weg nach Indien im Jahr 1503 wiederentdeckt wurden. Die Portugiesen gaben den Inseln auch den heute noch in Europa gebräuchlichen Namen.Portugiesische Quellen sprechen von al-Hasikiyya als Asquié, as-Sauda' als Sodié und Dscharzaʿut als Rodondo. Obwohl die ursprüngliche Bedeutung des Namens im Dunkeln liegt, handelt es sich bei „Curia Muria“ um die portugiesische Version des „Churian Murian“ der mittelalterlichen arabischen Geographie.C. F. Beckingham: The Kuria Muria Islands. In: The Geographical Journal, Juli / September 1947, Vol. 110, No. 1/3, S. 144. Die Inseln wurden aber auch von weiteren portugiesischen Historikern erwähnt: Almeida schildert in einer wenig bekannten Beschreibung die Reise von zwei Jesuiten zu den Inseln. Im Januar 1589 sollen sich Antonio De Montserrat und der weitaus bekanntere Pedro Páez sechs oder sieben Tage auf den Inseln aufgehalten haben.Manuel de Almeida: Historia general de Ethiopia a alta, por Balthasar Tellez. Coimbra, 1660, libr. iii., ch. 2, iv., ch. 24. Nach seinen Aussagen liegen die Inseln 10 Meilenalte Längeneinheit von sehr unterschiedlicher Größe. vom Festland entfernt. Die Jesuiten ging auf einer der Inseln, die sie „Suadie“ (wahrscheinlich as-Sauda') nannten und die in der Nähe einer Insel namens „Hazquie“ (wahrscheinlich al-Hasikiyya) lag, an Land. Die Missionare beschreiben beide Inseln als sehr klein und die Einwohner als sehr arm. Die Bewohner sollen ihre Häuser mit an Land gespültem Seegras gedeckt haben und ausschließlich vom Fischfang gelebt haben. Da sie kein Holz zum Kochen hätten, trockneten sie die Fische zuerst in der Sonne und äßen ihn dann roh. Die See scheine viel Bernstein an Land zu spülen, da sie ihn den Patres in großen Mengen für wenig Geld angeboten hätten.Vgl. die Beschreibung von Almeida, die in Beccaris Werk Eingang fanden: Camillo Beccari: Rerum aethiopicarum Scriptores occidentales inediti a saeculo XVI ad XIX curante C[amillo] Beccari, Romae. Casa Editrice Italiana (12 excud. C. de Luigi), 1903–1917, vol. 6, S. 8.
Im Jahr 1818 überfielen Qawasim vom Emirat Ra’s al-Chaima die Inseln, in der Absicht, sie als Stützpunkt für Überfälle auf Handelsschiffe zu nutzen (= Piraterie). Alle Einwohner wurden vertrieben, und die Inseln blieben für einige Jahre unbewohnt. Einige Zeit vor bzw. wahrscheinlich einige Zeit nach dem ÜberfallDie Quellenlage ist hier unklar. fielen die Inseln in den Besitz der Ibn Chalfān, einer Untergruppe des Māḥrā-Stammes, die in der Umgebung von Mirbat siedelten. Von diesem Clan leitet sich der südarabische Name für die Inseln, „Dschazāʾir bin Chalfān“, ab.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Inseln Teil des Sultanats von Masqat. Französische Plantagenbesitzer von der Insel Réunion kamen von Zeit zu Zeit, um unerlaubterweise Guano zu laden.
Es war dieser wertvolle Naturdünger, der die britische Regierung 1854 dazu veranlasste, Sultan Said ibn Sultan zu drängen, die Inseln dem Britischen Empire zu überlassen. Die Abtretungserklärung wurde am 14. Juli 1854 unterzeichnet. Zwischen 1855 und 1860 fuhren bis zu 50 Schiffe gleichzeitig den Archipel an und bauten insgesamt ungefähr 200.000 Tonnen Guano von al-Hasikiyya und al-Qibliyya ab.Frank A. Clements: The Islands of Kuria Muria: A Civil Aid Project in the Sultanate of Oman Administered from Salalah, Regional Capital of Dhofar. In: Bulletin, British Society for Middle Eastern Studies, 1977, Vol. 4, No. 1, S. 37–39; hier S. 37. Im Jahr 1861 wurde auf al-Hallaniyya eine Kommunikationsstation für ein Seekabel der „Red Sea and Karachi Telegraph Company“ aufgebaut. Die Idee, die Insel als Zwischenstation zu nutzen, wurde allerdings bereits 1862 wieder fallengelassen, da das Seekabel nie richtig funktionierte.Christina Phelps Harris: The Persian Gulf Submarine Telegraph of 1864. In: The Geographical Journal, Juni 1969, Vol. 135, No. 2, S. 169–190. 1868 wurden die Inseln der damaligen Kronkolonie Aden zugeschlagen und unterstanden dem dortigen Gouverneur. Später wurde die Kronkolonie in ein britisches Protektorat umgewandelt. Im Dezember 1883 unternahm Colonel S. B. Miles auf der H.M.S. Dragon eine Forschungsreise entlang der südlichen Küste der Arabischen Halbinsel.Samuel Barrett Miles: The countries and tribes of the Persian Gulf. 1912. 2. Auflage: with a new introduction by J. B. Kelly; Cass, London 1966. Als eine der letzten Stationen besuchte er al-Hallaniyya.Coasting Journey along Southern Arabia. In: Proceedings of the Royal Geographical Society and Monthly Record of Geography, New Monthly Series, Februar 1886, Vol. 8, No. 2, S. 100–101. Ab 1953 übernahm der britische Hochkommissar von Aden die Verwaltung der Inseln. Nach der Ausrufung der Jemenitische Arabische Republik übernahm 1963 der britische „Chief Political Resident of the Persian Gulf“ in Bahrain die Kontrolle.
Am 30. November 1967 wurden die Inseln unter Protesten der im Entstehen begriffenen Demokratische Volksrepublik Jemen an das Sultanat Oman zurückgegeben, das zu diesem Zeitpunkt (bis 1971) selbst noch ein britisches Protektorat war. untreaty.un.org In der jüngeren Vergangenheit gab es wegen dieser Herauslösung aus dem vormaligen jemenitischen Staatsverband wiederholt Spannungen zwischen den beiden Staaten, da die Inseln die Ausschließliche Wirtschaftszone des Oman erweitern. Im Gebiet der Inseln werden weitere Öl- und Gasvorkommen vermutet. Erst 1995 konnten diese Meinungsverschiedenheiten im Rahmen eines Grenzabkommens beigelegt werden.
Geographie Von West nach Ost heißen die Inseln al-Hasikiyya (), as-Sauda' (), al-Hallaniyya (), Dscharzaʿut () und al-Qibliyya ().Die Schreibweise ist jedoch nicht einheitlich, da verschiedene Autoren die mündlich überlieferten Namen phonetisch unterschiedlich in ihrer Muttersprache wiedergeben haben. Z. B. nennen unterschiedliche Quellen al-Qibliyya auch Al-Gibiliyya, Jabaliyya, Jebeliya, al-Qibiliyah, Al-Qibiliyah, Jubaylah usw., während Dscharzaʿut ebenfalls Qarzawit, Ghazawt, Karzawt, Gharzaut, Ghardhawat geschrieben wird. Frank A. Clements: The Islands of Kuria Muria: A Civil Aid Project in the Sultanate of Oman Administered from Salalah, Regional Capital of Dhofar. In: Bulletin, British Society for Middle Eastern Studies, 1977, Vol. 4, No. 1, S. 37–39 ; hier: S. 39, Fn. 1.
Insel DMG Fläche km² Höhe m Koordinaten al-Hasikiyya جزيرة الحاسكية Ǧazīrat al-Ḥāsikiyya 2 155 as-Sauda'الجزيرة السوداء al-Ǧazīra as-sawdāʾ 11 399 al-Hallaniyyaجزيرة الحلانية Ǧazīrat al-Ḥallāniyya 56 501 DscharzaʿutجرزعوتǦazīrat Ǧarzaʿūt 0,3 70 al-Qibliyyaالجزيرة القبلية al-Ǧazīra al-qibliyya 3 168 Churiya-Muriya-Inselnجزر خوريا موريا Ǧuzur Ḫūriyā Mūriyā 73 501
Die Inseln stellen die Gipfel eines ozeanischen Bergrückens dar und bestehen überwiegend aus Granit und Muschelkalk. Die Inseln ragen schroff bis ca. 500 m über das Meer hinaus, wenngleich es auch flachere Bereiche gibt. Die blanken Felsinseln sind nur spärlich mit Sträuchern bewachsen. Die Inseln al-Qibliyya und al-Hasikiyya sind leicht mit Guano bedeckt, das jedoch nicht abbauwürdig ist. Die Inseln werden von Touristen wegen ihrer abgelegenen und unzugänglichen Lage (vor allem während des Charifs) nur sehr selten besucht.
Die Inselgruppe ist ein wichtiger Brutplatz für Seevögel, insbesondere für einige Seglerarten von den südlichen Ozeanen. Ausgesetzte, hier nicht heimische Haustiere (insbesondere verwilderte Ziegen (auf al-Hallaniyya) und Katzen (auf al-Hallaniyya und as-Sauda') sowie Ratten (Wanderratten (Rattus norvegicus) auf al-Hasikiyya und die Hausratte (Rattus rattus) auf al-Hallaniyya)) stellen eine mittlere Bedrohung dar, wogegen von staatlicher Seite aktuell nichts unternommen wird.
Die Gruppe der Halaaniyaat-Inseln ist von BirdLife International seit 1994 als Important Bird Area und Key Biodiversity Area ausgewiesen.Halaaniyaat Islands
Die einzelnen Inseln Die folgenden Ausführungen basieren auf den Beschreibungen von Wiliam Rupert HayWiliam Rupert Hay: The Kuria Muria Islands. In: The Geographical Journal (= The Geographical Journal. Volume 109, No.4/6). The Royal Geographical Society (with the Institute of British Geographers), 1947, S. 280. und den Sailing Directions (Red Sea and The Persian Gulf) der National Imagery and Mapping Agency (NIMA).
al-Hasikiyya Die westlichste Insel der Gruppe liegt 34 km nordöstlich von Ras Naws und dem Festlandsdorf Hasik entfernt. Sie besteht aus rötlichem Granit und ist vollkommen vegetationslos. Auf ihr wurde früher Guano abgebaut und sie ist heute noch leicht mit Vogelkot bedeckt. Zwei konische Gipfel am südlichen Ende erheben sich bis auf 155 Meter. An der Ostseite sind zwei kleine Buchten. Sie wird in der Brutsaison von Vogelschwärmen, vornehmlich von Tölpeln, bevölkert. Es leben keine Menschen auf ihr.
as-Sauda'