mini|Carl Beisbarth Carl Friedrich Beisbarth (* 31. Januar 1808 in Stuttgart; † 24. November 1878 ebenda) war ein württembergischer Architekt des Historismus von regionaler Bedeutung, daneben auch Restaurator, Denkmalpfleger und Designer kunstgewerblicher Gegenstände.Lebensdaten nach dem Familienregister, Band 10, Blatt 879. Das Geburts- und Todesdatum in der Allgemeinen Deutschen Biographie (ADB) und im Allgemeinen Künstlerlexikon (AKL) sind falsch. – In Nübling 1927, S. 17, heißt es: „Ungemein charakteristisch ist es für Carl Friedrich Beisbarth, daß er überall da, wo er in seinem Leben Angaben über sein Geburtsjahr zu machen hatte, dieses in das Jahr 1809 verlegte, obwohl er ausweislich 1808 geboren ist!“. Neben seiner Architektentätigkeit machte sich Beisbarth vor allem als Vorkämpfer für die Erhaltung altdeutscher Baudenkmäler verdient. Sein Sohn Carl Beisbarth jun. wirkte ebenfalls als Architekt.

Leben mini|hochkant|Carl Friedrich Beisbarth zur Zeit der Aufnahme des Lusthauses (1845) Herkunft Carl Beisbarth wurde als drittes Kind des Zimmermanns und StadtwerkmeistersDer Stadtwerkmeister war Stadtbaumeister der Stadt Stuttgart. Zum Begriff des Werkmeisters siehe auch: Baumeister. Er wurde auch als Zimmerobermeister (Ziegler 1994, S. 135) oder Stiftszimmerwerkmeister (Wintterlin 1879) bezeichnet. Johann Christoph Beisbarth (1775–1825) und der Zimmermeistertochter Rosine Margaretha geb. Müller (1775–1826) am 31. Januar 1808 in Stuttgart im Haus Nummer 16 geboren.Das Haus befand sich in der Reichen Vorstadt in der Straße „Auf der Leimengrube“, die heute Marienstraße heißt. In demselben Haus hatten schon Johann Christoph Beisbarths Eltern gewohnt. Ab 1800 waren Beisbarths Eltern gemeinsam mit dem Zimmermann und Stadtwerkmeister Güntner Eigentümer der Häuser 15 und 16 (Stuttgarter Adressbücher 1794, 1804).

Er hatte zwei ältere und zwei jüngere Geschwister, von denen nur seine Schwester Johanne Charlotte Pauline (1811–1828) das Kindesalter überlebte.Familienregister, Band 1, Blatt 324. – Die übrigen Geschwister Johanna Rosina Charlotta (* 1805), Georg Friedrich (* 1806) und Heinrich Gustav (* 1815) lebten nicht mehr, als der Vater 1825 starb (siehe die in Nübling 1927, S. 17, abgedruckte Todesanzeige). August Wintterlin, der 1879 in seinem Nachruf auf Beisbarth schreibt: „Da er die Eltern und eine einzige Schwester frühe verloren hatte […]“, war nach über einem halben Jahrhundert offenbar nicht mehr bekannt, dass Beisbarth noch weitere Geschwister hatte (Wintterlin 1879).

Um 1811, als die Tübinger Straße in der Neuen Vorstadt neu angelegt wurde, erwarben Beisbarths Eltern dort ein Grundstück und bauten unter der Hausnummer 17 ein Haus, das Carl später erbte.

Ausbildung Beisbarth besuchte bis zu seinem 14. Lebensjahr das Gymnasium und begann dann bei seinem Vater eine Lehre als Zimmermann. Im Jahr 1825, als er 17 Jahre alt war, starb sein Vater und ein Jahr später seine Mutter. 1827 nahm er in Stuttgart eine Assistentenstelle an im Büro des württembergischen Oberbaurats Friedrich Bernhard Adam von Groß, der auch eine private Bauschule hatte. Groß baute in Stuttgart viele herrschaftliche Villen im klassizistischen Stil und später auch einige öffentliche Gebäude.Wintterlin 1879; Ossenberg 2004, S. 60–61.

1829 übersiedelte Beisbarth nach Paris und arbeitete im Atelier von Charles Édouard Isabelle (1800–1880), der damals als Bauinspektor der klassizistischen Magdalenenkirche beschäftigt war.Siehe Charles Isabelle (französische Wikipedia). Hier widmete er sich dem Studium des griechischen und römischen Stils und entwickelte eine Neigung zu den französischen Baudenkmälern des Mittelalters.Wintterlin 1879.

Im Mai 1832 reiste er zu Fuß über Südfrankreich und die Schweiz nach München, in das „deutsche Athen“. Er gewann den Aufnahmewettbewerb für die Münchener Kunstakademie und begann sein Studium bei dem bedeutenden bayrischen Architekten Friedrich von Gärtner.Er immatrikulierte sich am 2. August 1832 (siehe Matrikel) und beendete das Studium laut Müller 1857 im Jahr 1833. In dieser Zeit „erwarb er sich eine unbestrittene Fertigkeit im Projektieren“, gewann den ersten Preis in einem Wettbewerb für den Entwurf einer Anatomie und studierte die im Bau befindlichen neuen Gebäude in München.Wintterlin 1879; Nübling 1927, S. 17.

Als Alleinerbe „eines schönen Vermögens“Seine Eltern waren 1825/1826 gestorben und sein letztes Geschwister 1828. begab er sich nach dem Abschluss seiner einjährigen Studien in München im August 1833 auf eine mehr als drei Jahre währende Reise nach Italien, die ihn über Verona, Venedig, Bologna und Florenz nach Rom führte, von dort nach Neapel, Kalabrien und Sizilien und wieder zurück nach Rom, wo er sich zwischen 1835 und 1836 ein Jahr lang aufhielt.Nübling 1927, S. 17. Mehr als die Gebäude des römischen und griechischen Altertums interessierten ihn die Bauwerke im romanischen und gotischen Stil, vor allem aber schenkte er der Baukunst der Renaissance „eine für jene Zeit ganz ungewöhnliche Aufmerksamkeit“.Wintterlin 1879.

Berufsleben Anfang 1837 kehrte er aus Italien nach Stuttgart zurück, wo er sich als privater Architekt niederließ. Der Versuch, sich über das Staatsexamen für den Staatsdienst zu qualifizieren, scheiterte an seiner unzulänglichen mathematischen Ausbildung, wenn auch „sein Probeprojekt als ausgezeichnet anerkannt wurde“.Wintterlin 1879. Er baute mindestens sieben Privatgebäude in Stuttgart und wirkte beim Bau öffentlicher Gebäude mit, arbeitete als Designer kunstgewerblicher Gegenstände und als Restaurator und Denkmalpfleger. mini|Grabstein auf dem Fangelsbachfriedhof in Stuttgart, Abt. 09. 1838 baute er auf dem elterlichen Grundstück neben dem elterlichen Haus Tübinger Straße 17 das Haus Nr. 19, das er bis 1857 bewohnte.Wintterlin 1895, S. 390, und nach ihm wohl Nübling 1927, S. 17, geben die Adresse Tübinger Straße 33 an. Das erste verfügbare Stuttgarter Adressbuch seit 1838, das Angaben über die Hauseigentümer enthält, ist das Adressbuch von 1841. In diesem und allen folgenden bis 1876 ist der Seidenfärber Christian Krauß Eigentümer des Hauses Tübinger Straße 33. Dagegen wird für das Haus Tübinger Straße 19 ab 1841 bis 1857 Beisbarth als Eigentümer angegeben. Wintterlin 1879 identifiziert Beisbarths Haus als „das jezt Geiger’sche Haus in der Tübinger Straße“. Auch in den Adressbüchern wird als späterer Eigentümer des Hauses Tübinger Straße 19 der Stuttgarter Mechaniker und Optiker Carl Geiger (1821–1892) angegeben (Lebensdaten laut: (PDF), S. 34). Dieses Haus scheint auch das erste Gebäude zu sein, das er selbständig errichtete.

Familie Am 20. April 1841 heiratete Beisbarth die 13 Jahre jüngere (Christiana Regine) Caroline Schwarz (1821–1887), die Tochter eines Schneidermeisters. In 17 Jahren, von 1842 bis 1859, gebar sie acht Kinder, fünf Mädchen und drei Jungen. Zwei Söhne Beisbarths wurden ebenfalls Architekten:

Carl Julius Beisbarth (1844–1881)Es ist nicht bekannt, inwieweit Carl Julius den Architektenberuf ausgeübt hat. Christian Friedrich von Leins urteilte 1879 über ihn: er „taugt nicht viel und hat seinem Vater viel Kummer gemacht“ (Nau 1986, S. 51–52). Carl Beisbarth jun. (1848–1903) wurde ebenfalls ein anerkannter Architekt, der viele Privatbauten in Stuttgart errichtete.

Die meisten Kinder starben in ihren zwanziger bis vierziger Jahren, nur Carl Beisbarth jun. wurde 55 Jahre alt.Familienregister, Band 10, Blatt 879. Die Tochter Maria Luise (1845–1886) heiratete 1873 den Ingenieur Richard Nübling (1844–1908), mit dem Carl Beisbarth jun. zeitweise eine Sozietät einging.

Beisbarth wohnte bis 1839 in der Tübinger Straße 17 und zog 1840 oder 1841 in sein neu erbautes Haus in der Tübinger Straße 19 um. Von 1858 bis zu seinem Tod wohnte er in einer Mietwohnung in der Hauptstätter Straße 61. Warum er sein eigenes Haus aufgab, ist nicht bekannt.

Lebensende Beisbarth starb im Alter von 70 Jahren am 24. November 1878 in Stuttgart. Er wurde auf dem Fangelsbachfriedhof in Stuttgart bestattet.Siehe Sterberegister. – Sein Grab befindet sich in der Abteilung 09 des Friedhofs. Im selben Grab bestattet sind seine Frau, die ihm 1887 in den Tod folgte, sowie die drei unverheirateten Kinder Carl Julius, Carl Friedrich jun. und (Caroline Friederike) Mathilde (1849–1885).

Werke mini|hochkant=1.2|Villa Single, 1872 mini|hochkant=1.2|Villa Bohnenberger, 1872 mini|hochkant|Der Marktbrunnen in Urach, Zeichnungsvorlage für die Restaurierung, 1859 oder früher mini|hochkant|Entwurfszeichnung für die Kanzel der Leonhardskirche in Stuttgart, 1860 mini|hochkant=1.2|Bauaufnahme des Neuen Lusthauses, Innenansicht des Erdgeschosses, 1845 mini|hochkant=0.7|Entwurf für eine Abendmahlskanne, 1863 Wegen der Vielzahl von Beisbarths Werken ist es nicht möglich, für jedes Werk Quellenangaben anzuführen.Quellen finden sich unter Literatur. In der Galerie Carl Beisbarth finden sich außerdem Quellenangaben zu den dort behandelten Werken.

Beisbarth war ein exzellenter und außerordentlich fruchtbarer Zeichner. Der vielseitige Künstler beschränkte sich nicht auf seinen Beruf als Architekt, sondern arbeitete auch als Restaurator und Denkmalpfleger, als Kirchenausstatter und Designer von kunstgewerblichen Objekten. Daneben schrieb er bisweilen Artikel für Zeitschriften und fertigte Bauaufnahmen für eigene oder fremde Veröffentlichungen.

Zu seinen Hauptwerken zählen einige Privatbauten und die monumentale Bauaufnahme des Neuen Lusthauses. Die Vielzahl seiner Werke in den verschiedenen Schaffensgebieten ist beeindruckend.

Privatbauten Abgesehen von seinem eigenen Haus, das sich Beisbarth 1838Hagel 1996, S. 233–234; Zeller 1845; Nübling 1927, S. 17: 1839. „mit romanischen Stilmotiven“ in der Tübinger Straße 19 erbaute und das damals als „eines der ansehnlichsten Bauwerke der Stadt“Nübling 1927, S. 17. galt, errichtete er mindestens sechs weitere historistische Privatbauten in Stuttgart, unter denen drei besonders herausragen:Wintterlin 1879. Die Villa des Verlagsbuchhändlers Albert Ebner (1811–1879) von 1866 bis 1867 in der Sophienstraße 1 B, ein Gebäude im Stil der Neurenaissance. Die Villa Bohnenberger von 1872 in der Olgastrasse 11, ein Bauwerk in „gräzisierender Renaissance“. Die Villa Single von 1872 in der Mörikestraße 18, ein Gebäude „mit Anklängen an den russischen Stil“, das 1910 abgerissen wurde. Für Frl. Mathilde Escher errichtete er um 1864 in der Bahnhofstraße in Zürich das St. Anna-Asyl für arme, körperbehinderte Mädchen.Das Mathilde Escher Heim (MEH) besteht noch heute, jedoch in anderen Gebäuden, siehe .

Öffentliche Bauten Daneben beteiligte sich Beisbarth an der Errichtung öffentlicher Bauwerke, für die er selbst als Architekt nicht in Frage kam, weil er die Staatsprüfung nicht bestanden hatte:Wintterlin 1879. 1840–1841: Anfertigung von Detailzeichnungen und Konstruktionsrissen für den Neubau des Museums der bildenden Künste (heute Alte Staatsgalerie) unter dem Architekten Gottlob Georg Barth. 1844–1846: Leitung des Teilabbruchs des Neuen Lusthauses, von dem einige Reste bei der Erbauung des Stuttgarter Hoftheaters durch die Architekten Ludwig Friedrich von Gaab und GabrielÜber Gabriel ist nichts weiter bekannt. wiederverwendet wurden. Näheres siehe Bauaufnahmen. 1858: Bauleitender Architekt bei der Aufführung des Königsbaus unter dem Architekten Christian Friedrich von Leins. Im Rahmen seiner denkmalpflegerischen Tätigkeit entwarf er 1859 den Plan für die Restaurierung des Marktbrunnens in Bad Urach, die 1861–1864 durchgeführt wurde.Beisbarth 1859.2; Nau 1986, S. 89, Fußnote 61.

Kirchen Zur Erhaltung und Restaurierung von Kirchen und deren Innenausstattung entfaltete Beisbarth ein reiches Schaffen. Bei der Akquisition seiner zahlreichen sakralen Aufträge kam ihm zugute, dass er seit 1859 Ausschussmitglied des Vereins für christliche Kunst war und bisweilen auch als Autor des Vereinsorgans Christliches Kunstblatt für Kirche, Schule und Haus tätig wurde.Christliches Kunstblatt für Kirche, Schule und Haus 2.1865, S. 178.