mini|Geografische Lage von Wiltshire mini|Steinkreis von Stonehenge Wiltshire gehört zu den historischen Grafschaften Englands. Sie befindet sich im Südwesten des Landes.

Prähistorische Besiedelung

Die prähistorische Besiedelung ist bis in die Jungsteinzeit belegt. Wiltshire ist außerordentlich reich an prähistorischen Stätten. Im Museum von Salisbury findet man eine bemerkenswerte Sammlung von Werkzeugen aus Stein und Feuerstein. Stonehenge mit seinem Kreis aus riesigen Steinen und Avebury mit seiner „Straße“ von Monolithen, die zu einem ehemaligen Steinkreis führen, sind die größten und berühmtesten megalithischen Stätten Englands und Europas.

Ein Tal in der Nähe von Avebury ist gefüllt mit riesigen Sandsteinblöcken, das wie ein Fluss aus Steinen aussieht und möglicherweise bewusst von prähistorischen Architekten so angeordnet wurden. Man findet dort auch Menhire, Dolmen und Cromlechs. In den Wäldern und sumpfigen Tälern der Downs siedelten schon sehr früh viele Menschen. Immer wieder findet man kreisförmige Gräben, Grabhügel und Hünengräber in verschiedenen Formen. Knochen, Asche, Gegenstände, Waffen und Schmuck wurde in diesen Gräbern gefunden, die teilweise in mehrere Steinkammern unterteilt waren. Auf manchen Hügeln der Grafschaft sieht man heute noch Hangterrassen, die schon von Bauern der Frühzeit dort angelegt worden sein sollen.

Im ganzen Land findet man historische Festungen. Die bekanntesten sind Vespasians Camp bei Amesbury, Silbury Hill, der größte künstliche Hügel in Europa bei Avebury; die Hügel von Marlborough und Old Sarum; die Heerlager von Battlesbury und Scratchbury bei Warminster; Yarnbury, nördlich von Wylye, welches fast perfekt erhalten ist; Casterley, auf einem Höhenweg, etwa 10 km ostsüdöstlich von Devizes; Whitesheet und Winkelbury, über dem Tal von Chalk; Chisbury, bei Savernake; Sidbury, in der Nähe von Ludgershall; und Figsbury Ring, 5 km von Salisbury entfernt. Ogbury, 9 km nördlich von Salisbury ist ohne Zweifel eine frühe britische Ansiedlung. Durrington Walls, nördlich von Amesbury, sind möglicherweise die Überreste einer Ansiedlung, von denen man noch einige auf der Salisbury Plain und in den Marlborough Downs findet.

Besiedelung seit Beginn der Geschichtsschreibung

Die zeitgenössische Besiedlung des Landstrichs, der heute Wiltshire genannt wird, begann im Jahre 552 n. Chr., als die Sachsen mit ihrem Anführer Cynric die Briten bei Old Sarum besiegte. Damit war der Weg frei, die Salisbury Plain zu besiedeln.

Vier Jahre später rückte Cynric durch das Tal von Pewsey vor und erweiterte durch seinen Sieg in der Schlacht bei Barbury die Grenzen des westsächsischen (Wessex) Königreichs bis zu den Marlborough Downs. Zu dieser Zeit war die Landschaft südlich der Flüsse Avon und River Nadder dicht bewaldet. Reste davon kann man heute noch bei Cranborne Chase sehen. Daher fand eine Besiedlung nur entlang der Flusstäler von Avon und River Wylye statt. Dort entstand auch die heutige Stadt Wilton unter dem Namen Wilsaetan.

Im 9. Jahrhundert war das Gebiet soweit entwickelt, dass eine Verwaltung existierte. Von einem Walston, einem Elderman der Wilsaetan, wird im Jahre 800 berichtet, dass er einen Einfall der Truppen aus Mercia verhinderte. Weiterhin wird Wiltunscire 878 vom walisischen Mönch Asser im Zusammenhang mit einem Überfall der Dänen erwähnt, die ihr Hauptquartier in Chippenham aufschlugen und das Umland ein Jahr lang plünderten, bevor sie wieder verschwanden.

Zur Zeit von Æthelstan existierten Münzprägestätten in Old Sarum, Malmesbury, Wilton, Cricklade und Marlborough. Wilton und Salisbury wurden bei dänischen Überfällen unter Sven Gabelbart im Jahre 1003 und durch Knut dem Großen im Jahre 1015 verwüstet.

Landbesitz nach der Normannischen Eroberung Englands mini|200px|Silbury Hill. Nach der Eroberung Englands durch die Normannen kam es zu einer Umverteilung der Besitztümer. Mehr als 40 % des Landes ging an die Kirche und 20 % behielt die Krone. Ein Großteil des übrigen Landes ging an Edward von Salisbury, William, Herzog von Ewe, Ralf de Mortimer, Aubrey de Vere II., Robert Fitzgerald, Miles Crispin, Robert d'Oily und Osbern Giffard.

Der erste Graf von Wiltshire unter normannischer Herrschaft war William le Scrope im Jahre 1397. Danach ging der Titel am Sir James Butler (1449), Sir John Stafford (1470), Thomas Boleyn (1529) und Willam Paulet (1550).

Bereits vor der normannischen Invasion waren Benediktinerklöster in Wilton, Malmesbury und Amesbury gegründet worden. Das Augustinerkloster in Bradenstoke wurde von Walter d’Evreux im Jahre 1142 gegründet, das Kloster in Lacock von der Herzogin Ela von Salisbury im Jahre 1232. In Longleat gründete Sir John Vernon vor 1272 ein Kloster. Weitere Klostergründungen waren Monkton Farleigh (Kluniazenser durch Humphrey de Bohun im Jahre 1125), Kingswood, Gloucestershire (Zisterzienser durch William de Berkeley im Jahre 1139) und Stanley Abbey (durch Matilda von Boulogne in 1154).

Wiltshires „hundreds“ Es gab in nahezu allen Grafschaften Untereinheiten auf kommunaler Ebene. Die meisten Grafschaften waren in sog. hundreds aufgeteilt. Die Hundreds bzw. ihre entsprechenden Untereinheiten in anderen Grafschaften waren ihrerseits in tithings und parishes aufgeteilt, wobei Letztere bis heute eine Verwaltungseinheit darstellen. Diese ihrerseits waren wieder in townships und manors unterteilt.

Von den 40 Wiltshire hundreds, die im Domesday Book erwähnt werden, sind Selkley, Ramsbury, Bradford, Melksham, Calne, Whorwellsdown, Westbury, Warminster, Heytesbury, Kinwardstone, Ambresbury, Underditch, Furstfield, Alderbury and Downton sowohl dem Namen nach, als auch von ihrer Ausdehnung praktisch unverändert.

Thorngrave, Dunelawe und Cepeham hundreds bilden das moderne hundred von Chippenham; Malmesbury hundred war das Domesday hundreds von Cicemethorn und Sterchelee, Highworth repräsentiert die Domesday hundreds von Crechelade, Scipe, Wurde und Staple; Kingbridge die hundreds von Chingbridge, Blachegrave und Thornhylle; Swanborough die hundreds von Rugeberge, Stodfnd und Swaneberg; Branch die hundreds von Branchesberge und Dolesfeld; Cawden die hundreds von Cawdon und Cadworth.

Historische Versammlungsplätze mini|200px|Malmesbury Marktkreuz In Wiltshire sind heute noch mehrere historische Versammlungsplätze bekannt. Der Versammlungsplatz von Swanborough wurde „Swanborough Tump“ genannt und befand sich auf einem kleinen Hügel in der Gemeinde Manningford Abbots. Dieser Platz wurde als derjenige identifiziert, den König Alfred der Große in seinem Testament genannt hatte.

Der Versammlungsplatz von Malmesbury befindet sich in Colepark, der von Bradford-upon-Avon bei Bradford Leigh und der von Warminster in Iley Oak, etwa 3 km südlich von Warminster, nahe Southleigh Wood. Das Grafschaftsgericht wurde in damaliger Zeit in Wilton abgehalten und die Gerichtshoheit wurde bis 1446 von Amts wegen durch die Kastellane von Old Sarum ausgeübt. Später kamen Malmesbury und Salisbury als Gerichtsplätze dazu.

Zur Zeit der Bestandsaufnahme aller englischen Besitztümer im Domesday Book, hatte Edward von Salisbury das Sheriffsamt inne und vererbte es in seiner Familie weiter. Letzter Amtsinhaber der Familie war William Longspee, der das Amt durch seine Heirat mit Ela, der Urenkelin Edwards übernahm.

Kirchliche Verwaltungsbezirke Bei der Aufspaltung der westsächsischen Bischofssitze im Jahre 703 wurde Wiltshire der Diözese von Sherbone zugeordnet, bis im Jahre 905 in Wilton eine eigene Diözese gegründet wurde. Der Amtssitz des Bischofs wechselte zu dieser Zeit regelmäßig zwischen Ramsbury, Wilton und Sonning in Berkshire.

Kurz vor der normannischen Eroberung Englands wurde Wilton wieder mit der Diözese von Sherbone vereinigt. Die Erzdiakone von Wiltshire und Salisbury werden in Quellen aus dem Jahre 1180 erwähnt. Im Jahre 1291 findet man als Teil der Erzdiakonie Wiltshire die Dekanate von Avebury, Malmsbury, Marlborough und Cricklade und als Teil der Erzdiakonie Salisbury die Dekanate Amesbury, Potterne, Wilton, Chalke und Wylye.

Im Jahre 1535 bekam die Erzdiakonie von Salisbury das Dekanat von Salisbury hinzu, während das Dekanat Potterne zur Erzdiakonie von Wiltshire wechselte. Die Dekanate der Erzdiakonie von Salisbury sind bis heute so erhalten geblieben, während die Erzdiakonie von Wiltshire heutzutage die Dekanate von Avebury, Marlborough und Potterne umfasst. Die Dekanate von Chippenham, Cricklade und Malmesbury bilden heute einen Teil der Erzdiakonie und Diözese von Bristol.

Frühe Geschichte Die Einwohner Wiltshires waren immer schon eher arbeitsam als kriegerisch und daher ist wenig erwähnenswertes zu berichten aus der Grafschaftsgeschichte. Lediglich durch wichtige nationale Ereignisse wurde die Grafschaft, genau wie andere Regionen des Landes betroffen.

Nachdem im Jahre 1086 die Erfassung des Domesday Books beendet war, versammelten sich in Salisbury alle Landbesitzer, um dem König den Treueid zu schwören. 1116 kam es erneut zu einer derartigen Versammlung.

Im Clarendon Palace wurde im Jahre 1166 ein Vertrag aufgesetzt, der die örtliche Gerichtsverwaltung festlegte.

Parlamentssitzungen wurden in der Grafschaft in den Jahren 1267 in Marlborough, sowie 1328 und 1384 in Salisbury abgehalten.

Während der Kriege in König Stephans Regierungszeit, waren Salisbury, Devizes und Malmesbury von seinem Gegner Bischof Roger von Salisbury besetzt. 1138 konnte Stephan den Bischof unter einem Vorwand verhaften und die Burg von Devizes erobern.

Der Englische Bürgerkrieg Während des Englischen Bürgerkriegs im 17. Jahrhundert unterstützte Wiltshire aktiv die Seite des Parlaments. Diese Parteinahme ging einher mit gewalttätigen anti-katholischen Unruhen und den Versuchen der Marquise von Hertford und Lord Seymour Stimmung zugunsten des Königs zu machen. Die Bevölkerung widersetzte sich allerdings diesem Ansinnen.

In der ersten Kriegsphase konnten die Royalisten Erfolge verbuchen und Marlborough im Jahre 1642 einnehmen. 1643 wurden die Truppen des Earl von Essex vom König und Prinz Rupert bei Aldbourne geschlagen und im gleichen Jahr wurde Sir William Waller nach dem erfolglosen Angriff auf Devizes in der Schlacht von Roundway Down besiegt.

Im Jahre 1645 entwickelte sich eine bürgerwehrähnliche Truppe, die so genannten „Clubmen“ (i. e. Keulenschwinger) von Dorset und Wiltshire, die, mit dem Ziel Frieden zu schaffen, jeden Soldaten systematisch bestraften, wenn sie ihn beim Plündern entdeckten. Dabei war es ohne Bedeutung ob derjenige zur Parlamentspartei oder den Royalisten gehörte.

Devizes, die letzte Festung der Royalisten, wurde von Oliver Cromwell 1645 eingenommen. Ein königstreuer Aufstand in Salisbury wurde im folgenden Jahr niedergeschlagen.

Wirtschaft mini|200px|Caen Hill Schleusen Zu Zeiten des Domesday Books war Wiltshire eine rein landwirtschaftlich geprägte Grafschaft. 390 Mühlen werden im Buch erwähnt, sowie Weingärten bei Tollard Royal und Lacock. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich eine intensive Schafwirtschaft. Mönche der Zisterzienserklöster von Kingswood und Stanley exportierten im 13. und 14. Jahrhundert Wolle nach Florenz und zu den flämischen Märkten. Wiltshire galt damals als eine der wichtigsten Grafschaften, in denen Bekleidung gefertigt wurde. Zentren der Wollindustrie waren Bradford-on-Avon, Malmesbury, Trowbridge, Devizes und Chippenham.

Im 16. Jahrhundert war Devizes berühmt für die dort produzierten Wolldecken, Warminster war bekannt für seinen Getreidemarkt und Nordwiltshire war ein Zentrum der Käseproduktion. Amesbury war berühmt für seine Tabakpfeifenfabriken.

Im 17. Jahrhundert geriet die Bekleidungsindustrie in die Krise insbesondere durch den mehrfachen Ausbruch der Pest. Weitere Waren, die in der Region hergestellt wurden, waren Leinen, Baumwolle, Handschuhe und Essbestecke. In Malmesbury wurde Seide verarbeitet und Wilton Teppiche hergestellt.

Parlamentarische Vertreter der Grafschaft