mini|Lage der Stadt Bremen in der Bundesrepublik Deutschland mini|hochkant=1.5|Historische Sturmfluten am Bremer Hauptpegel mit Werten über Normalnull
Hochwasser in Bremen stellen für die norddeutsche Stadt an der Weser eine stete Gefahr dar. Sie resultieren in den meisten Fällen aus Sturmfluten in der Nordsee, die das Weserwasser stromaufwärts drücken und einen zügigen Abfluss verhindern. Bei besonders starken Hochwassern mit einer durchschnittlichen Wiederkehrzeit von 700 bis 1000 Jahren sind weite Teile der Stadt überflutungsgefährdet. In solchen selten auftretenden Fällen ist in der Innenstadt lediglich die Bremer Düne nicht überschwemmt.
Zum Schutz vor den Fluten wurden deshalb bereits sehr früh – in früheren Jahrhunderten – deichbautechnische Maßnahmen getroffen. Seit 1979 halten zwei Sperrwerke eventuelle Sturmfluten davon ab, in die Weserzuflüsse Lesum und Ochtum zu strömen. In den Jahren 1988 bis 1993 kam es zu einer umfassenden Erweiterung und Umgestaltung des Hochwasserschutzes in Bremen.
Situation vor Ort Die Stadt Bremen wird von der Weser durchflossen. Mit 85 Prozent liegen weite Teile des heutigen Stadtgebietes unter dem mittleren Hochwasserstand und sind damit theoretisch hochwasser- und sturmflutgefährdet. Allerdings existieren vielfach Schutzvorkehrungen, sodass es selbst bei höchsten Hochwasserständen kaum zu einer vollständigen Überflutung einer Fläche dieser Größe kommen kann. Im Stadtgebiet erhält die Weser zwei nennenswerte Zuflüsse: Linksseitig mündet bei Unterweserkilometer 12,8 die Ochtum, rechtsseitig in Bremen-Nord bei Unterweserkilometer 17,6 die Lesum. Beide Zuflüsse haben ihrerseits Nebenflüsse. Bei der Ochtum ist es die Varreler Bäke, die im Westen an Huchting vorbeifließt, und bei der Lesum die Wümme, die gleichzeitig ihren linken Quellfluss bildet und im Blockland mit zahlreichen Mäandern die Landesgrenze zu Niedersachsen markiert. Den rechten Quellfluss stellt die Hamme dar, die bei Ritterhude auf die Wümme stößt und von dort an mit ihr die Lesum bildet.
Entlang der Weser werden mehrere Pegel zur Wasserstandsmessung betrieben, deren Daten von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes im Internet veröffentlicht werden: Pegel Weserwehr Oberweser, Mittelweser, Kilometer 362,000 Pegel Weserwehr Unterweser, Mittelweser, Kilometer 362,785 Pegel Große Weserbrücke, Unterweser, Kilometer 0,030 Pegel Oslebshausen, Unterweser, Kilometer 8,375 Pegel Vegesack, Unterweser, Kilometer 17,850 Pegel Farge, Unterweser, Kilometer 26,250 Pegel Bremerhaven, Unterweser, Kilometer 66,64http://www.pegelonline.wsv.de/gast/stammdaten?pegelnr=4990010
Zu den wichtigsten gehört der Pegel an der Großen Weserbrücke im Zentrum der Stadt. Er befindet sich auf der linken Weserseite auf der Halbinsel Teerhof an der Straße Herrlichkeit. Seine Daten können zwar nicht als allgemeinverbindlich für alle Weserufer Bremens angesehen werden, sind aber in der Regel als Richtwerte gesetzt. Ergeben sich Abweichungen vom mittleren Hochwasser, so gelten die jeweils bekanntgegebenen Werte in Bremen für diesen Pegel. Über diese Abweichungen wird die Bevölkerung in den Radionachrichten und im Internet informiert. Da in den meisten Fällen das Hochwasser von den Gezeiten (Tide) bestimmt wird, lautet die fachliche Bezeichnung Tidehochwasser (Thw). In neuerer Zeit liegt das mittlere Hochwasser bei 2,56 Meter.https://www.pegelonline.wsv.de/webservices/zeitreihe/visualisierung?parameter=Wasserstand%20Rohdaten&pegelnummer=4910050 Das mittlere Niedrigwasser (mTnw) liegt bei 1,6 Metern unter Normalhöhennull. Der mittlere Tidenhub beträgt somit 3,88 Meter. An diesem Pegel beträgt der mittlere Durchfluss bei mittlerer Tide 327 Kubikmeter pro Sekunde. Er kann in Extremfällen auf bis zu 180 Kubikmeter fallen, aber auch auf 1200 Kubikmeter steigen.
Weitere Pegel befinden sich an der Wümme und an der Lesum: Pegel Borgfeld, Wümme, Kilometer 0,265 Pegel Wasserhorst, Lesum, Kilometer 2,255 Pegel Lesumsperrwerk innen, Lesum, Kilometer 8,0 Pegel Lesumsperrwerk außen, Lesum, Kilometer 8,0
Für die Hochwasservorhersage, die zum Beispiel vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) durchgeführt wird, werden die Daten einiger Pegel verwendet, zu denen der Pegel in Bremerhaven gehört.
Ursache der Hochwasser Der Lauf der Weser und vor allem ihr Bettvolumen (basierend auf Breite und Tiefe des Flussbettes) änderten sich durch bautechnische Arbeiten im Laufe der Jahrhunderte. War sie anfangs bei Bremen ein stark gewundener Fluss mit zahlreichen Untiefen und Inseln, wurde sie hauptsächlich seit der Weserkorrektion unter der Leitung von Ludwig Franzius großräumig begradigt und vertieft. Diese Korrektionsmaßnahmen, die unter anderem eine Vertiefung auf fünf Meter sowie Uferbefestigungen beinhalteten, begannen an der Tidegrenze in Bremen und zogen sich bis zur Mündung des Flusses hin. Zusätzlich wurde das mittlere Hochwasser nun effektiver bis ins Landesinnere nach Bremen gedrückt, was einen Aufschwung des dortigen Hafens zur Folge hatte. Andererseits verlor der Fluss durch die Begradigung und die Befestigungen den Großteil seiner natürlichen Flutgebiete. Dadurch bot sich den Wassermassen aufgrund der nun geringeren Breite des Flusses weniger Spielraum. Der Tidenhub, der um 1900 nur bei etwa einem Meter lag, erhöhte sich durch die Ausbaumaßnahmen auf mehrere Meter.
Als mitentscheidende Faktoren für Weserbinnenhochwasser in Bremen sind die meteorologischen und hydrologischen Verhältnisse in den weiter flussaufwärts liegenden Naturräumen, den Mittelgebirgen, anzusehen. Dies sind zum einen Niederschläge und zum anderen die Schneeschmelze im Frühjahr. Das Binnenhochwasser wird über den Abfluss in Kubikmetern pro Sekunde am Pegel Intschede definiert, da dieser maßgeblich für die flussabwärts gelegene Stadt ist.
Die Weser lässt sich – ähnlich wie zum Beispiel der Rhein in Köln oder die Elbe – einem pluvio-nivalen (regen-schneegespeisten) Abflussregime zuordnen. Dies hat zur Folge, dass sich die Hochwasser in der Hansestadt zu Beginn und zum Ende eines jeden Winters häufen. Im Herbst bis zum Frühwinter lassen starke Regenfälle in den Quellregionen der Weser und ihrer Quellflüsse, aber auch weiter flussabwärts, den Strom stark anschwellen. In den folgenden Wochen wird Niederschlag, der in den Bergen fällt, in Eis oder Schnee gebunden und überdauert so den Winter. Wenn im Frühjahr, zumeist in den Monaten Februar und März, infolge steigender Temperaturen die Schneeschmelze einsetzt, wird das gespeicherte Wasser frei und ergießt sich in die Flüsse. Die häufig noch gefrorenen Böden sind nicht in der Lage, überspülendes Wasser aufzunehmen. Da zu dieser Zeit zusätzlich zum Schmelzwasser neue Niederschläge hinzukommen können, ist in der Regel damit zu rechnen, dass die Frühjahrshochwasser höher auflaufen als jene im Herbst.
Eine weitere Hochwassergefahr für Bremen sind die Sturmfluten der Nordsee. Sie treten für gewöhnlich, ähnlich wie die Binnenhochwasser, in den Monaten November bis März auf. Dabei kommt es zu massiven Überflutungen, da Orkanstürme das Nordseewasser in die Trichtermündung der Weser drücken, deren eigenen Abfluss verhindern und sie aufstauen. Die Hochwasserwelle rollt von Bremerhaven flussaufwärts und erreicht die Stadt Bremen innerhalb von etwa drei Stunden. Die stark eingeengte und begradigte Weser kann im Stadtgebiet wenig Energie der auflaufenden Wellen abbauen, weshalb sich sehr schnell hohe Wasserstände entwickeln. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Sturmfluten auch in die Ochtum und die Lesum drücken, sie anschwellen und über die Ufer treten lassen, was eine Überflutung des Stadtgebietes von drei Seiten gleichzeitig zur Folge hätte. Eine besondere Gefahrensituation ist das Zusammentreffen von Sturmflut und Binnenhochwasser in der Stadt Bremen.
Historische Hochwasser Das Gefahrenpotential durch Hochwasser wird an der Häufigkeit und an den mittleren Wasserständen gemessen. Hierfür werden Messreihen zunächst über zehn Jahre gebildet. Für die Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines bestimmten Hochwasserstandes wird in der Fachsprache der Begriff Jährlichkeit verwendet.
+ Liste der Hochwasser in Bremen(Binnenhochwasser sind grau hinterlegt) Jahr Wert am Pegel Große Weserbrücke über NN Abfluss in m3/s Jährlichkeit 1685 650 – 500-jährlich 1699 710 – 1000-jährlich 1739 600 – 100-jährlich 1827 729 – – 1830 680 – – 1845 771 – 1000-jährlich 1880 780 – – 1881 – 4.200 600-jährlich 1881 780 – 1000-jährlich 1906 491 – 5-jährlich 1946 580 – 50-jährlich 1962 541 1.100 20-jährlich 1976 532 – 20-jährlich 1981 – 2.650 45-jährlich 1994 543 – 20-jährlich 2007 508 – 10-jährlich 2013 525 – - Mittleres Hochwasser 228 Mittleres Niedrigwasser - 160
1717 Das Hochwasser, welches am 24. und 25. Dezember 1717 über die deutsche Nordseeküste hereinbrach und aufgrund des Datums den Namen Weihnachtsflut erhielt, wurde verursacht durch die schwerste Sturmflut des 18. Jahrhunderts. Die damalige Stadt Bremen selbst wurde von den Fluten verschont, da sie sich im vielfältig verästelten Flusslauf der Unterweser brachen. Jedoch kam es in Gebieten, die damals noch eigenständige Gemeinden waren und heute Bremer Stadtteile sind, zu schweren Überschwemmungen. So zerstörte die Sturmflut im Amt Blumenthal einen Deich vollständig und in Rekum wurden zwei weitere Deichbrüche verzeichnet. Die Wassermassen drückten in die Mündungen der Weserzuflüsse Ochtum und Lesum. Infolgedessen wurden rechtsseitig der Weser alle links der Lesum und Wümme liegenden Gebiete überflutet, darunter das Werderland, das gesamte Blockland sowie die Ortschaft Walle. Am linken Weserufer überschwemmten die Hochwasser der Ochtum die niedervieländischen Niederungsebenen mit den Dörfern Strom und Seehausen. Da Bremen nicht betroffen war, beteiligte sich die Hansestadt umfassend an den Hilfsaktionen.Weser-Kurier. Nr. 300, 24. Dezember 1954: Die grosse Weihnachtsflut AD 1717
März 1827 Ende Februar des Jahres 1827 setzte nach einem kurzen, aber sehr strengen Winter starkes Tauwetter ein, und ab Anfang März begann die Weser im Bremer Stadtgebiet zu steigen. Lag ihr Pegel am 2. des Monats noch bei 2,40 Meter über Normalnull, erhöhte er sich bis zum Abend des 4. März auf 4,00 Meter und im späteren Verlauf auf 7,29 Meter.Schwarzwälder. (2003), S. 897 In der Nacht vom 5. auf den 6. März strömte das Hochwasser über die Kleine Weser in die Neustadt ein. Der Buntentorsteinweg und viele weitere Straßen in diesem Gebiet wurden vollständig überflutet. Am Morgen des 6. März brachen zwischen 9 und 10 Uhr die linksseitigen Weserdeiche sowohl oberhalb als auch unterhalb des Dorfes Habenhausen, eines heutigen Bremer Ortsteils. Dort kam es zu großflächigen Überschwemmungen. Am Nachmittag gab auch der Eisenradsdeich am rechten Weserufer an zwei Stellen nach, und das Weserwasser spülte in die Ostertorvorstadt, wo zahlreiche Häuser sowie die Steintorbrücke über den Kanal Dobben zerstört wurden.
März 1830 Die Flut von 1830, die die Weser auf 6,8 Meter über Normalnull auflaufen ließ, war das schwerste und verlustreichste Binnenhochwasser, das Bremen in seiner jüngeren Geschichte heimsuchte. Nahezu alle großen Marschenwiesen – das Werderland, das Blockland, das Hollerland, das Vieland mit Niedervieland und Obervieland und die Mahndorfer Marsch – sowie zahlreiche heute zur Stadt gehörende Dörfer wurden überflutet.
Der Deich in Hastedt vor 1830