Die Japan Aerospace Exploration Agency (JAXA; engl. für jap. , Uchū Kōkū Kenkyū Kaihatsu Kikō, deutsch etwa „Organisation für Luftfahrt- und Weltraumforschung“; Übersetzung der englischen Übersetzung etwa „Japanische Weltraumerforschungsbehörde“) ist die japanische Raumfahrtbehörde. Rechtlich ist sie eine Selbstverwaltungskörperschaft (dokuritsu gyōsei hōjin, englisch , Independent Administrative Corporation oder Independent Administrative Institution) unter Aufsicht des Kultus- und Wissenschaftsministeriums (Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie).
Ihr gesetzlich vorgegebener Zweck umfasst die Luft- und Raumfahrtforschung ursprünglich ausdrücklich zur friedlichen Nutzung. Sie entstand im Oktober 2003 aus ihrer Vorgängerorganisation National Space Development Agency (NASDA), dem National Aerospace Laboratory (NAL) und dem Institute of Space and Astronautical Science (ISAS). JAXA ist Vollmitglied bei CCSDS und Teilnehmer der Internationalen Charta für Weltraum und Naturkatastrophen.
Organisation
mini|H-IIB-Trägerrakete, Tanegashima Space Center Die JAXA besteht aus folgenden Organisationen: Space Technology Directorate I Space Technology Directorate II Human Spaceflight Technology Directorate Research and Development Directorate Aeronautical Technology Directorate Institute of Space and Astronautical Science (ISAS) Space Exploration Innovation Hub Center
Das Hauptquartier der JAXA liegt in Chōfu, Tokio. Weitere Einrichtungen sind Earth Observation Research Center (EORC), Tokio Earth Observation Center (EOC) in der Präfektur Saitama Noshiro Testing Center (NTC) in Noshiro, Präfektur Akita Sanriku Balloon Center (SBC) Kakuda Space Center (KSPC) Sagamihara Campus (ISAS) mit Sagamihara Space Operation Center (SSOC) Tanegashima Space Center (TNSC) auf der Insel Tanegashima, Präfektur Kagoshima Tsukuba Space Center (TKSC) in Tsukuba, Präfektur Ibaraki Uchinoura Space Center (früher Kagoshima Space Center) Usuda Deep Space Center mit Misasa Deep Space Station in der Nähe von Usuda, in der Präfektur Nagano Masuda Tracking and Communications Station auf Tanegashima Katsuura Tracking and Communications Station in Katsuura, Präfektur Chiba Okinawa Tracking and Communications Station Ogasawara Downrange Station Taiki Aerospace Research Field
Kommunikations- und Navigationstechnologie OICETS Im August 2005 startete Japan mit Hilfe einer russischen Dnepr-Trägerrakete von Baikonur aus die Kirari-Testmission zur Errichtung optischer Verbindungen zwischen Satelliten. Eine Verbindung mit der ESA-Sonde Artemis konnte im Dezember 2005 hergestellt werden. JAXA, 24. September 2009; abgerufen am 1. Mai 2013 (englisch). Im März 2006 wurde zum ersten Mal erfolgreich eine Laser-Verbindung zwischen einem LEO-Satelliten (Kirari) und einer Bodenstation hergestellt. Am 24. September 2009 wurde die Mission beendet.
Datenrelaissatelliten Von 2002 bis zum 5. August 2017 war der Data Relay Satellit DRTS (Kodama) aktiv. Seit 2020 ist JDRS-1 (LUCAS) aktiv.
ETS-VIII und WINDS JAXA startete im Dezember 2006 die ETS-VIII-Mission. Die Aufgabe von ETS-VIII ist es, mobile Kommunikation mit einem GEO-Satelliten zu ermöglichen. Der im Februar 2008 gestartete WINDS-Satellit soll schnellere Internetverbindungen innerhalb Japans ermöglichen. Im Februar 2019 kam es zu einer Fehlfunktion, bei der der Satellit entlang der geostationären Umlaufbahn nach Westen driftet. Er wurde am 27. Februar 2019 abgeschaltet.
QZSS mini|Orbit der QZSS-SatellitenAnders als Europa, China und Russland plant JAXA kein eigenes globales Navigationssystem. Ziel ist es vielmehr, die Erreichbarkeit des bestehenden GPS-Signals innerhalb Japans zu verbessern. Japan versucht dies zu erreichen, indem jeweils ein Satellit des Quasi-Zenit-Satelliten-Systems (QZSS) auf seiner Flugbahn genau über dem Zenit Japans positioniert ist.
Der Start des ersten Satelliten fand im September 2010 statt. JAXA (englisch). Drei weitere wurden 2017 gestartet. Der 2010 gestartete Satellit QZS-1 wurde 2021 durch QZS-1R ersetzt. 2025 kam neu QZS-6 hinzu und QZS-5 erreichte aufgrund von Problemen der Trägerrakete nicht die korrekte Umlaufbahn. QZS-7 soll 2026 starten.
Erdbeobachtung Eine Kernaufgabe der JAXA ist die Erdbeobachtung. Dies betrifft zum einen die direkte Beobachtung der Erdoberfläche, insbesondere zur Hilfe bei Naturkatastrophen, zum anderen die Beobachtung des Klimas.
Die ersten japanischen Erdbeobachtungssatelliten waren MOS-1a (Marine Observation Satellite, auch Momo-1a), gestartet am 16. Februar 1987, sowie MOS-1b (Start 7. Februar 1990). JERS-1 (Japanese Earth Resources Satellite, auch Fuyo) startete am 11. Februar 1992.
Am 14. Dezember 2002 startete der Erdbeobachtungssatellit „ADEOS II/Midori II“ (ADvanced Earth Observing Satellit), der am 23. Oktober 2003 aufgrund eines Sonnensturms in einen Ruhezustand fiel, aus dem der Satellit nicht mehr geweckt werden konnte. Deshalb stand die im Februar 2006 gestartete ALOS-Erdbeobachtungsmission (Advanced Land Observing Satellit, auch: Daichi) unter starkem Druck. Sie endete am 22. April 2011 ebenfalls vorzeitig, weil der Satellit aufgrund von unbekannten Problemen mit der Spannungsversorgung nicht mehr ansprechbar war. Am 24. Mai 2014 startete dann die Nachfolgemission für ALOS, ALOS 2.
In der Nachfolge von ADEOS II starteten 2012 GCOM-W (Global Change Observation Mission-Water) und 2017 GCOM-C.
Außerordentlich erfolgreich hingegen war die TRMM-Mission (Tropical Rainfall Measuring Mission) in Zusammenarbeit mit der NASA, die statt der geplanten drei Jahre über 17 Jahre bis zum 15. April 2015 aktiv war. Die Forschung wird mit dem am 27. Februar 2014 gestarteten Nachfolgesatellit Global Precipitation Measurement fortgesetzt.
Die nächste Mission in diesem Bereich war GOSAT (Greenhouse Gases Observing Satellite), deren Start im Januar 2009 stattfand, und ursprünglich bis 2014, später bis 2019 laufen sollte. Seit 2019 kooperieren EUMETSAT und JAXA bei der Auswertung der Daten des weiterhin aktiven Satelliten. Im Oktober 2018 wurde die Nachfolgemission GOSAT 2, die 2023 enden sollte (und ebenfalls weiterhin aktiv ist), gestartet. Am 29. Juni 2025 startete die Nachfolgemission GOSAT-GW / Ibuki GW, die 2032 enden soll.
Die EarthCARE-Mission, deren Start im Mai 2024 erfolgte, ist eine Kooperation von ESA und JAXA zur Messungen von Wolken, Aerosolen und Strahlung in der Atmosphäre.
Der Wettervorhersage für Japan dienen die Himawari-Satelliten der JMA.
Andere Beobachtungen EXOS-D (Akebono): Aurora-Observation von 1989 bis zum 23. April 2015 Reimei: Aurora-Beobachtung von 2005 bis 2026 Geotail: Beobachtung der Magnetosphäre von 1992 bis zum 28. November 2022
Astronomiemissionen Weltraumteleskope mini|Kibō-Modul für die ISSmini|SOLAR-BEine der Kernaufgaben der NASDA waren astronomische Missionen. Diese Aufgabe wird unter dem Mantel der JAXA weitergeführt. Die erste erfolgreiche Mission Japans war der Satellit Hakuchō (Corsa-B), der im Jahre 1979 gestartet wurde.
Röntgenastronomie Aufbauend auf Japans erster Astronomiemission Hakucho konnte das Land mit den Nachfolgemissionen Tenma, Ginga und Asca 20 jahrelang fast ununterbrochen Röntgenbeobachtungen durchführen. Diese Erfolgskette wurde jedoch mit dem Fehlstart der Astro-E Mission im Jahre 2000 unterbrochen. Erst im Juli 2005 konnte JAXA mit der Astro-E2-Mission (Suzaku) die erfolgreiche Arbeit fortsetzen. Insofern war dieser Start für JAXA von zentraler Bedeutung. Die japanische Röntgenastronomie fand ihre Fortsetzung in MAXI, einer externen Kamera für eine komplette Himmelsabtastung. MAXI wurde im April 2009Missionsseite der NASA. an das Modul Kibō der ISS angehängt. Die eigentliche Nachfolgemission für Suzaku, Astro-H (Hitomi), sollte im Sommer des Jahres 2013 gestartet werden, was dann jedoch auf den 17. Februar 2016 verschoben wurde. Am 26. März 2016 zerbrach der Satellit noch während der Inbetriebnahme im Orbit. Am 6. September 2023 startete die Nachfolgemission X-Ray Imaging and Spectroscopy Mission.
Infrarotastronomie Das erste japanische Weltraumteleskop für den infraroten Bereich war die 1995 gestartete, einmonatige IRTS-Mission als Teil des SFU-1-Satelliten. IRTS scannte ungefähr sieben Prozent des Himmels. Im Februar 2006 startete JAXA schließlich die ASTRO-F-Mission, ein 69-cm-Infrarotteleskop. Ein Ziel der JAXA ist es, die mechanischen Kühler soweit fortzuentwickeln, dass auf die Mitnahme von flüssigem Helium verzichtet werden kann. Die Mission endete nach einem Problem mit der Energieversorgung im Juni 2011. 2007 wurde erstmals die Nachfolgemission HII-L2 vorgeschlagen, die jedoch aus finanziellen Gründen hinten angestellt wurde. 2018 wurde die Mission in SPICA umbenannt und 2020 erneut aus finanziellen Gründen hinten angestellt.
Sonnenbeobachtung Im September 2006 wurde von Kagoshima die Hinode-Mission (Solar-B) als Nachfolgerin des Yohkoh-Satelliten (Solar-A) gestartet.
Es wird eine Nachfolgemission Solar-C (EUVST) gebaut, die die Sonnenatmosphäre vom unteren Bereich bis in die Korona untersuchen soll und im Jahr 2028 starten soll.
Space VLBI 1997 startete das ISAS mit Halca eine Radioastronomiemission für VLBI-Beobachtungen. Diese Mission endete offiziell im Jahre 2005. Das Projekt für das als Nachfolge geplante Astro-G-Teleskop wurde 2011 eingestellt.
Interplanetare Missionen Die ersten Raumsonden Japans waren Sakigake und Suisei, die 1985 zum Kometen Halley starteten. Die experimentelle Technologiemission Hiten (Muses-A) war von 1990 bis 1993 am Erdmond aktiv. 1998 wurde die Marsmission Nozomi (Planet-B) gestartet, die 2003 jedoch scheiterte. Eine weitere interplanetare Mission war die Venus-Sonde Akatsuki, zu der die JAXA gegen Ende April 2024 den Kontakt verloren hat.
Die Jaxa hatte außerdem das Ziel, nach 2010 eine Sonnensegelmission zu dem Planeten Jupiter zu starten. Zusätzlich war und ist die JAXA an zahlreichen Missionen der ESA, wie z. B. an der Jupiter-Sonde JUICE, und der NASA beteiligt.
Für die Durchführung von interplanetaren Missionen steht JAXA ein 64- und ein 54-Meter-Teleskop in Usuda zur Verfügung.
Hayabusa mini|Ein Modell der Raumsonde Hayabusa beim Entnehmen von Bodenproben; auf der linken Bordseite sind die vier Düsen der Ionentriebwerke zu sehen. Die im Mai 2003 gestartete Asteroidenmission Hayabusa (Muses-C) konnte ihr Flugziel, den Asteroiden (25143) Itokawa, im September 2005 erreichen und wissenschaftlich untersuchen. Hauptziel der Mission war, Staubpartikel von der Oberfläche des Asteroiden einzusammeln und zurück zur Erde zu transportieren. Trotz vieler technischer Probleme und Verzögerungen trat Hayabusa am 13. Juni 2010 kontrolliert wieder in die Erdatmosphäre ein. Die Rückkehrkapsel landete planmäßig in Südaustralien, in ihr wurde eine Anzahl kleiner Partikel gefunden, die daraufhin weiter untersucht wurden. Im November 2010 wurde das Ergebnis der Untersuchung bekanntgegeben.Identification of origin of particles brought back by Hayabusa. Pressemitteilung der JAXA vom 16. November 2010 (englisch). Als Nachfolgemission wurde 2016 Hayabusa 2 gestartet.
Mondmissionen Im September 2007 wurde der Mondorbiter Kaguya gestartet. Er umrundete den Mond, bis er am 11. Juli 2009 wegen Treibstoffmangels zum Absturz gebracht wurde. Darüber hinaus entwickelte JAXA Penetratoren, die mit der Sonde LUNAR-A eingesetzt werden sollten. Diese Mission wurde aber gestrichen. Ebenso wurde die Nachfolgemission von Kaguya „SELENE-2“ gestrichen.