Asyut oder Assiut (auch Siut oder Syut; ; , altägyptisch Sauti und Satju; griechisch Lykopolis) ist eine Stadt in Mittelägypten mit 462.061 Einwohnern (2017) und Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements. Assiut liegt 375 km südlich von Kairo auf dem westlichen Nilufer. Die Stadt ist wichtiger Verkehrsknotenpunkt für Fahrten in das Neue Tal in der Libyschen Wüste.

Lage und Bedeutung, Bevölkerung, Klima Lage und Bedeutung Die Stadt Assiut befindet sich am südlichen Ende des unteren Niltals auf dem westlichen Nilufer 375 km südlich von Kairo, 125 km südlich von al-Minya, 100 km nördlich von Sohag und 305 km nördlich von Luxor. Die Lage der Stadt war in der Antike strategisch wichtig. 30 km nördlich von Assiut sperrt der Dschabal al-Fōda das gesamte Ostufer ab, und das Niltal ist an dieser Stelle nur etwa 20 km breit.

Zudem beginnt in Assiut eine der bedeutendsten antiken Karawanenstraßen, der Darb al-Arba'in. Diese Route führt durch die Senke al-Charga bis nach Darfur im heutigen Sudan. Nach ca. 40 km zweigt vom Darb al-Arba'in eine Route ab, die zum Darb aṭ-Ṭawīl führt, der seinen Ausgangspunkt in Manfalut besitzt. Über die letztgenannte Route gelangt man nach Balat, von dieser wiederum zweigt etwa 75 km vor Balat der Darb al-Chaschabiyy nach Qasr ad-Dachla ab. Beide Orte gehören zur Senke ad-Dachla.

Seit 1875 ist die Stadt an das Eisenbahnnetz angebunden.

Die Stadt trat in der Vergangenheit nur gelegentlich hervor. Assiut war im alten Ägypten die Hauptstadt des 13. oberägyptischen Gaus („Vorderer Sykomorengau“). In islamischer Zeit war sie zuerst Bezirkshauptstadt (), heutzutage die Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements.

Bevölkerung Die Bevölkerung nahm stetig zu, besonders stark aber seit etwa 1970. 1876 hatte Aysut 28.000 Einwohner, 42.000 vor dem Ersten Weltkrieg, 1928 dann 51.431 und 1960 schließlich 120.000.Hamilton Alexander Rosskeen Gibb (Hrsg.): Encyclopaedia of Islam. Band 1, New Edition, Brill, Leiden 1960, S. 728.Karl Baedeker: Ägypten. Baedeker, Leipzig 1928, S. 218. Für 1996 lag die Einwohnerzahl bei 343.500, 2017 bei 462.061.Egypt: Governorates & Major Cities. Auf: citypopulation.de (City Population), abgerufen am 31. Januar 2016. Assiut ist eine der Städte mit dem höchsten Anteil an koptischen Christen.

Klima Klimatisch ist Assiut geprägt durch das ganze Jahr über sehr wenige Niederschläge, hohen Temperaturen und großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht. In den Sommermonaten liegen die Höchstwerte durchschnittlich bei über 35 °C, nachts kühlt es kaum auf unter 20 °C ab. Im Winter liegen die Höchstwerte bei um die 20 °C, nachts kühlt es auf 5 °C bis 10 °C ab. Insgesamt ist es etwas wärmer als weiter stromabwärts (zum Beispiel in Bani Suwaif), aber nicht ganz so heiß wie weiter stromaufwärts (zum Beispiel in Qina).

Wortherkunft Die heutige Bezeichnung leitet sich von der altägyptischen Bezeichnung Z3wt(j), in griechisch-römischer Zeit auch Z3w.dj genannt, ab, das Wache oder Wächter bedeutet und Bezug auf seine strategische Lage nimmt. Die Assyrer nannten diese Stadt Šijāutu.Gerhar Fecht: Zu den Namen ägyptischer Fürsten und Städten in den Annalen des Assurbanipal und der Chronik des Asarhaddon. In: Mitteilungen des Deutschen Instituts für ägyptische Altertumskunde in Kairo. Band 16, 1958, S. 112–119, insbesondere S. 114. Die Griechen nannten diese Stadt zudem Λύκων πόλις (Lúkōn pólis, Lykopolis, „Wolfsstadt“) nach der hier verehrten Gottheit Upuaut (Wepwawet).

In koptischer Zeit wurde die Stadt , Siout, oder genannt, aus der die hocharabische Bezeichnung entstand. Erst im 15. Jahrhundert setzte sich die umgangssprachliche Nennung Asyūṭ durch.

Geschichte Altes Ägypten Sauti ist im Alten Reich bereits in den Pyramidentexten 630 und 1634 bezeugt; daneben in der Titulatur des Minnefer (5. Dynastie) und auf einem Siegelzylinder des Pepi I. Die Stadt trat aber erst in der Zeit der Neuordnung Ägyptens nach dem Zusammenbruch der Zentralregierung hervor und verfügt aus dieser Zeit über vereinzelte archäologische Belege. Als Hauptstadt des 13. oberägyptische Gaues gehört sie in der 9./10. Dynastie zum Einflussbereich der Herakleopoliten, der Gaufürsten des 20. oberägyptischen Gaus, mit denen die hiesigen Gaufürsten wohl auch verwandt waren. Die Inhaber der hiesigen Gaufürstengräber Jtj-jb-j (Tefib), Cheti II. und Cheti I. berichten in ihren Biografien über Kämpfe mit dem südlichen Nachbargau Theben. Nach anfänglichen Erfolgen fällt aber Sauti schlussendlich in den Machtbereich der Thebaner.

Zu den bedeutendsten Denkmälern aus dieser Zeit zählen die Gaufürstengräber im Westen des heutigen Assiut am Kalksteinhügel Isṭabl ʿAntār (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Stätte südlich von Beni Hasan). Die ursprünglich von Griffith postulierte zeitliche Reihung – sie entspricht ihrer geografischen Reihung von Süd nach Nord – Jtj-jb-j (Grab 3), Cheti II. (Grab 4) und Cheti I. (Grab 5) wird heutzutage wieder als korrekt angesehen.Diana Magee: Asyūt to the End of the Middle Kingdom: A Historical and Cultural Study. Dissertation, Universität Oxford, 1988, 3 Bände. Das Grab Chetis II. ist für seine Darstellungen von Polizeitruppen berühmt („Soldatengrab“). Neben diesen Bestattungen wurden zahlreiche Funde von Särgen und Bestattungen dokumentiert, die ebenfalls aus dieser Zeit stammen. Weitere Grabanlagen kamen bei neueren Grabungen zwischen 2003 und 2014 zu Tage, dazu gehören die Grabanlagen des Itiibiqer (N13.1).

mini|Figuren von ägyptischen Lanzenkämpfer aus dem Grab des Mesehti In die Zeit Ende der 11. Dynastie/Anfang der 12. Dynastie fällt das 1894 entdeckte Grab des Bürgermeisters und Prophetenvorstehers des Upuaut, Mesehti. Zu den Grabfunden gehören zwei Särge (CG 28118, 28119),Pierre Lacau: Sarcophages antérieurs au Nouvel Empire. Tome II: Deuxième fascicule (= Catalogue général des antiquités égyptiennes du musée du Caire. 33 Nr. 28100–28126) Imprimerie de l’Institut Français d’Archéologie Orientale, Kairo 1906, S. 101–133, Tafel IX. eine Alabasterstatue und die Modelle mit je vierzig nubischen Bogenschützen (CG 257) und ägyptischen Lanzenkämpfern (CG 258),Ludwig Borchardt: Statuen und Statuetten von Königen und Privatleuten im Museum von Kairo. Teil 1: Text und Tafeln zu Nr. 1–380. Berlin 1911, (= Catalogue général des antiquités égyptiennes du musée du Caire. Band 53, Nr. 1–1294), S. 154, 164 f, Tafeln 49, 55 f. die heute im Ägyptischen Museum zu Kairo ausgestellt sind.

Im Mittleren Reich spielte die Stadt keine politische Rolle. Aus dem Mittleren Reich stammen die Gräber der Gaufürsten Hepdjefa I., Hepdjefa II. und Hepdjefa III., die sich ebenfalls auf dem Gräberberg befinden. Insbesondere das Grab des Hepdjefa I. erlangte Berühmtheit. Der während der Zeit von Sesostris I. lebende Gaufürst lässt in seinem Grab den Text von zehn Verträgen anbringen, die seinen Totenkult absichern sollen.Adolf Erman: Zehn Verträge aus dem Mittleren Reich. In: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde. Band 20, 1882, S. 159–184.Anthony J. Spalinger: A Redistributive Pattern at Assiut. In: Journal of the American Oriental Society. Band 105 (1985), S. 7–20. Im Grab des Hepdjefa III. (Salachana-Grab) wurden 600 Stelen, darunter zahlreiche Votivstelen für die hier verehrten Götter, Papyri und Wolfsmumien gefunden.Gerald Averay Wainwright: A subsidiary burial in Hap-zefi’s tomb at Assiut. In: Annales du Service des Antiquités de l’Égypte. Band 26, 1926, S. 160–166.Peter Munro: Einige Votivstellen an Wp w3wt. In: Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde. Band 88, 1962, S. 48–58, vier Tafeln.

In der Zweiten Zwischenzeit erlangte die Stadt eine gewisse Selbständigkeit. Am Ende der Zweiten Zwischenzeit wird die Stadt im Rahmen der Feldzüge des Königs Kamose (17. Dynastie) erwähnt.

Auch aus dem Neuen Reich gibt es einige archäologischen Belege. Darunter befinden sich die 600 schon erwähnten Stelen aus dem Grab von Hepdjefa III., die einen hier entstehenden Kult belegen. Aus der Nekropole, die jetzt weiter südlich liegt (beim heutigen Ort Dair Durunka), stammen bedeutenden Grabanlagen, wie die des Scheunenvorstehers Siese, der unter Ramses II. ein hoher Beamter war, und das mit Reliefs dekorierte Grab des obersten Vorlesepriesters Amenhotep aus derselben Zeit. Die Stadt wird auch im thebanischen Grab des Wesirs Rechmire (TT100) aus der Zeit Thutmosis III. im Zusammenhang mit Tributzahlungen an Theben erwähnt. Grabfunde belegen, dass die hiesigen Gräber in der Spätzeit und in griechisch-römischer Zeit wiederverwendet wurden. Aus dieser Zeit stammen auch Papyrusfunde.

In dieser Stadt wurden mehrere Götter verehrt. Der bedeutendste ist der meist schakal- oder hundsköpfig dargestellte Totengott Upuaut (auch Wepwawet, der „Wegeöffner“), Herr von Assiut, dem zu Ehren auch ein Tempel errichtet wurde. Von diesem Gott, der von den Griechen fälschlicherweise als Wolf angesehen wurde, wurde der griechische Name der Stadt Lykopolis abgeleitet. Im engen Zusammenhang mit ihm steht der Totengott Anubis (von Raqereret), der in der benachbarten Nekropole verehrt wurde. Weitere verehrte Gottheiten sind Osiris (Herr von Assiut), Hathor (Herrin von Medjedni), bzw. Isis (Herrin von Medjedni, sie gilt als Mutter des Upuaut), Hereret, Amun-Re, Ptah und Thot.

Der oder die Tempel lagen wohl in der Stadt selbst, sind aber bis heute archäologisch nicht nachgewiesen worden. Es ist bekannt, dass ein Tempel für Upuaut unter Thutmosis III. errichtet wurde und dass Ramses III. einen Tempel für Upuaut restaurieren und zwei Totentempel für sich errichten ließ (Papyrus Harris I).

Geschichte seit der Zeitenwende Antike Angeblich ist die Stadt der Geburtsort Plotins, des Begründers der neuplatonischen Philosophenschule.

Die Stadt ist in römischer und byzantinischer Zeit eines der bedeutendsten Zentren der koptischen Christen. Sie lebten hier mindestens seit der Zeit der Diokletianischen Christenverfolgung. Zu den hiesigen Märtyrern zählen die hl. TheklaWalter Till: Koptische Heiligen- und Märtyrerlegenden. zwei Bände, Rom 1935–1936; Band 1, S. 116; Band 2, S. 131. und Phoibammon.

Die Stadt ist Geburts- und Wirkungsstätte wichtiger Heiliger, so zum Beispiel Victor von Schu, der hl. Claudius von Antiochien und Johannes von Lykopolis (320–395). Von letzterem, der als Asket etwa fünf Jahrzehnte in einer Zelle des Gräberberges lebte, wurde berichtet, dass er nur über ein Fenster mit der Außenwelt kommuniziere. Er war als Weissager sehr geschätzt. Seine berühmteste Weissagung betraf den Sieg des Kaisers Theodosius I. über seinen Widersacher Eugenius im Jahr 394.

Assiut ist schon früh Bischofssitz der koptischen Kirche. Zu den frühen Bischöfen gehören Apollonius von Lykopolis, Meletios von Lykopolis († 325), Plusanius von Lykopolis und Constantine von Lykopolis. In der Folgezeit gibt es nur noch wenig Aufzeichnungen zu den hiesigen Bischöfen.Henri Munier: Recueil des listes épiscopales de l’église copte. Kairo 1943. Unter der Bezeichnung Lycopolis war die Stadt bis 1947 auch ein Titularbistum der römisch-katholischen Kirche.

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