Paolo Coloni Racing ist ein ehemaliges italienisches Motorsport-Team aus der umbrischen Gemeinde Passignano sul Trasimeno bei Perugia, das 1982 von Enzo Coloni unter dem Namen Enzo Coloni Racing Car Systems gegründet wurde. In späteren Jahren firmierte es unter der Bezeichnung Coloni Motorsport, zeitweise auch als Scuderia Coloni. Zuletzt wurde es von Paolo Coloni, dem Sohn des Gründers, geführt. Das Team war seit 1983 in diversen Klassen des Motorsports engagiert, darunter der Formel 3, der Formel 3000, der GP2-Serie und vorübergehend auch der Formel 1. Von 2006 bis 2009 ging das Team in der GP2-Serie mit Unterstützung des damaligen Formel-1-Piloten Giancarlo Fisichella unter dem Namen Fisichella Motor Sport International an den Start. Seit 2016 gibt es keine regelmäßigen Rennaktivitäten der Scuderia Coloni mehr. Von 2006 bis 2016 organisierte Coloni die Auto-GP-Serie.

Geschichte mini|Unternehmenssitz in Passignano sul Trasimeno (2016) Gründer des Rennstalls war der 1946 geborene Enzo Coloni, der ab 1973 zehn Jahre lang als Rennfahrer in kleineren Motorsportklassen aktiv war. 1976 begann Enzo Coloni, Rennen in der italienischen Formel-3-Serie zu fahren. 1981 gewann er seine ersten Formel-3-Rennen in einem March 813 und beendete die Saison als Vierter, und 1982, im Alter von 36 Jahren, gewann er die italienische Formel-3-Meisterschaft. In höheren Motorsportklassen engagierte sich Coloni als Fahrer nur selten; lediglich 1980 und 1983 bestritt er jeweils ein Rennen in der Formel-2-Europameisterschaft. Die dort erzielten Ergebnisse reichten aber nicht aus, um ab 1983 selbst in der Formel 2 Fuß zu fassen. Daher entschloss er sich, künftig ein eigenes Team für den Rennsport aufzubauen und seine Erfahrungen im Team-Management einzusetzen.

Die Aktivitäten des Teams verteilten sich wie folgt:

1983 bis 1987, 1991 bis 1996 und 2003 bis 2005: italienische Formel 3, daneben zeitweise europäische Formel 3. 1986 und 1997 bis 2004: Formel 3000 1987 bis 1991: Formel 1 2005 bis 2012: GP2-Serie.

Die Formel 1 mini|Ein Coloni 188B in seiner 1989 verwendeten Form

International bekannt wurde Coloni vor allem durch sein Formel-1-Engagement in den Jahren 1987 bis 1991. Das Team war nach wenigen Jahren in der Formel 3 und einem einzigen Jahr in der Formel 3000 sehr schnell in den Grand-Prix-Sport aufgestiegen, wo es jedoch an seine finanziellen und logistischen Grenzen stoßen sollte. Die sportlichen Erfolge, die Enzo Coloni in kleineren Klassen hatte verzeichnen können, sollten hier unerreichbar bleiben. Tatsächlich waren die Ergebnisse ernüchternd. Zwischen Herbst 1987 und Herbst 1991 trat Coloni zu 82 Rennen an. In dieser Zeit konnte sich das Team nur zu 14 Rennen qualifizieren, und insgesamt gab es lediglich fünf Zielankünfte, die allesamt im Jahr 1988 zu verzeichnen waren. Die letzte Rennteilnahme fand im Herbst 1989 in Portugal statt; in den folgenden zwei Jahren sollte Coloni kein einziges Mal die Qualifikation zu einem Rennen schaffen. Mit dieser Statistik fügt sich Coloni in die Reihe der erfolglosesten Teams der Formel-1-Geschichte ein.

Wesentliche Ursache dafür war ein permanenter eklatanter Geldmangel. Als kleines italienisches Team war es schwierig bis unmöglich, internationale Sponsoren zu finden. Andererseits fuhren in den späten 1980er Jahren mit Ferrari, BMS/Dallara, Coloni, EuroBrun Racing, Minardi und Osella nicht weniger als sechs italienische Teams in der Formel 1, die sich allesamt um nationale Sponsoren bemühten. Coloni war in dieser Zeit das kleinste Team mit der schwächsten Infrastruktur. Es fehlte bald an Material und Personal; immer wieder gab es Phasen, in denen das Team nur noch aus einem halben Dutzend Mitarbeitern bestand – ein Bruchteil der in einem Topteam beschäftigten Personen. Immer wieder musste improvisiert werden; technische Lösungen ließen sich nicht mehr entwickeln oder gar umsetzen. Enzo Coloni erklärte später, dass seine Jahre in der Formel 1 die einzige Zeit gewesen sei, in dem ihm finanziell das Wasser bis zum Hals gestanden habe.

Die italienische Formel 3 Während die Formel 1 ein ambitioniertes Projekt des Teamgründers war und kurzfristig für internationale Bekanntheit des Rennstalls sorgte, war die Formel 3 – vor allem die italienische Rennserie – über Jahrzehnte ein wesentliches Standbein von Coloni. Hier war Coloni eine feste Größe, die immer wieder für Erfolge gut war. Enzo Coloni pflegte seine Beziehungen zu dieser Rennserie, die ihm persönlich sehr viel bedeutete. Auch wenn Coloni zeitweilig in höheren Rennklassen antrat, wurde die Formel 3 zumeist parallel bedient, und zwar auch dann, wenn andere Operationen unter erheblichem Geldmangel litten und die Existenz des Unternehmens in Gefahr war. Das galt beispielsweise für das Jahr 1991, in dem Colonis Formel-1-Projekt auf ausgesprochen wackeligen Beinen stand. Nach dem Zusammenbruch des Formel-1-Teams Ende 1991 war die Formel 3 ein nahezu selbstverständliches Rückzugsrevier für das Unternehmen und ermöglichte es Enzo Coloni und seinem Sohn Paolo, sich im Motorsport wieder zu etablieren.

1983 In seiner ersten Saison trat das junge Team allein in der italienischen Formel 3 an. Bereits 1983 dominierte Colonis Fahrer Ivan Capelli mit einem Ralt RT3-Alfa Romeo die nationale Meisterschaft, wobei er in neun von 13 Rennen siegte.

1984 Ein Jahr später fuhr Coloni bereits zweigleisig: In der italienischen Formel-3-Meisterschaft setzte das Team einen Wagen für Alessandro Santin ein, der in vier Rennen siegte und den nationalen Meistertitel einfuhr. Zugleich bewegte Ivan Capelli für das Coloni-Team einen Martini Mk45 in der europäischen Formel-3-Serie, in der er ebenfalls mehrere Siege erreichte.

1985 1985 fuhr Alex Caffi für Colonis Formel-3-Team in der italienischen Meisterschaft; der junge Italiener verpasste knapp den Meistertitel.

1986 1986 bediente Coloni Motorsport die italienische Formel 3 und die europäische Formel 3000. Colonis vierte Saison in der italienischen Formel-3-Meisterschaft wurde zu einem erfolgreichen Jahr. Das Team setzte zwei aktuelle Dallara-Wagen mit Motoren von Alfa Romeo ein. Colonis Fahrer Nicola Larini siegte fünfmal und gewann die Meisterschaft deutlich mit 69 Punkten. Auch der Vizemeister kam aus Colonis Rennstall: Marco Apicella erzielte mit drei Siegen und insgesamt zehn Podiumsplatzierungen 62 Punkte.

1987 setzte Coloni Racing zwei Reynards mit Volkswagen-Motor für Antonio Tamburini und Rinaldo Capello ein. Insgesamt konnte das Team nicht an die Erfolge des Vorjahres anknüpfen. Es gab keine Siege und nur vereinzelte Podiumspositionen. Capello war der bessere Fahrer. Er erreichte zehn Meisterschaftspunkte und schloss das Jahr als Achter ab. Tamburini erhielt acht Punkte und wurde Zehnter. Der Meistertitel ging in diesem Jahr an Enrico Bertaggia, der für Forti Corse fuhr und 53 Meisterschaftspunkte erzielte. Nach Ablauf dieses Jahres beendete Coloni vorübergehend seine Aktivitäten in der Formel 3; das Team war voll mit seinem Formel-1-Engagement beschäftigt.

1991 Nach drei Jahren der Unterbrechung erschien Coloni Motorsport 1991 wieder in der italienischen Formel 3. Das Team setzte zwei Ralt RT35 mit Alfa-Romeo- und später mit Volkswagen-Motor ein. Erster Fahrer war der 21-jährige Paolo Coloni, der Sohn Enzo Colonis, der hier sein Debüt in der Formel 3 feierte. Paolo Coloni erreichte 15 Meisterschaftspunkte und wurde im Jahresabschluss Achter. Neben ihm fuhr Gianmaria Leonetti, der keine Meisterschaftspunkte erreichte. Bemerkenswert ist, dass Paolo Coloni im gleichen Jahr als offizieller Testfahrer für Colonis Formel-1-Team benannt war. Ob er den Coloni C4 tatsächlich einmal bewegte, ist nicht belegt.

1992 Im Jahr 1992 konzentrierte sich Enzo Colonis Team allein auf die italienische Formel 3. Coloni Motorsport trat mit einem Fahrzeug an, das man selbst entwickelt und gebaut hatte. Der Wagen wurde nach einem Sponsor „FTS 392“ genannt. Coloni Motorsport war das einzige Team, das dieses Auto einsetzte, und es war zugleich das einzige Team, das überhaupt mit einem selbst gebauten Wagen antrat. Damit befand man sich in harte Konkurrenz zu Dallara, dessen Autos die italienische Formel 3 dominierten. Von 24 Teams setzten 16 von Beginn an Dallara-Wagen ein, während sieben Teams auf Autos von Ralt setzten. Von diesen sieben wechselten fünf weitere im Laufe der Saison ebenfalls zu Dallara. Colonis Fahrer waren wiederum Paolo Coloni sowie Giancarlo Grieco. Paolo Coloni bewegte im Laufe der Saison ausschließlich den FTS, wobei nach anfänglichen Einsätzen mit Motoren von Alfa Romeo später auf Mugen-Triebwerke umgestellt wurde. Er erzielte mit dem Auto einen Punkt und schloss die Saison als gleichrangiger 23. ab. Sein Teamkollege Grieco wechselte im Laufe der Saison vom FTS ebenfalls auf einen Dallara. Allerdings erreichte er keinen einzigen Punkt.

1993 Für das kommende Jahr gab Coloni Motorsport die FTS-Fahrzeuge, nunmehr 923 genannt, an das italienische Apex-Team ab. Dort wurden sie von Sandro Corsini, Paolo de Cristofaro und Cesare Manfredino bewegt, ohne dass einer der Fahrer einen Meisterschaftspunkt erreichen konnte.

Coloni Motorsport hingegen setzte einen einzelnen Dallara 393 für Paolo Coloni ein, der zunächst von einem Opel-, später von einem Fiat-Motor angetrieben wurde. Paolo Coloni erreichte damit 23 Meisterschaftspunkte und schloss die Saison als siebter ab. Es war das letzte Jahr, in dem Paolo Coloni als aktiver Fahrer an einem Rennen für das Team Coloni Motorsport teilnahm. Paolo Coloni übernahm in der Folgezeit, unterstützt von seinem Vater, die Leitung des familiären Rennstalls.

1994 1994 setzte Coloni Motorsport wieder zwei Autos ein, in beiden Fällen Dallara 394 mit Fiat-Motoren. Fahrer waren Gianluca Paglicci, der mit 150 Punkten letztlich Fünfter der Saison wurde, und Alberto Pedemonte, der 38 Punkte erzielte und die Saison als Elfter abschloss.

In diesem Jahr tauchten wiederum drei Rennwagen der Marke FTS auf; gemeldet wurden sie vom Team GPSR als FTS 933. Fahrer waren Davide Amaduzzi, Enea Carta, Paolo de Cristofaro und Gianluca di Lorenzi. Keiner von ihnen konnte einen einzigen Meisterschaftspunkt erreichen.

1995 Für die nächste Saison blieb Gianluca Paglicci im Team, als Partner erhielt er Danilo Tomassini. Die Autos waren aktuelle Wagen von Dallara (395), als Motor kamen Fiat-Triebwerke zum Einsatz, bei Paglicci später durch Alfa-Romeo-Motoren ersetzt wurden. Paglicci wurde mit 131 Punkten Vierter der Meisterschaft, Tomassini erreichte 13 Punkte und schloss die Saison als 18. ab.

1996 1996 sollte das zunächst letzte Jahr werden, in dem sich Coloni Motorsport in der italienischen Formel 3 engagierte. Das Team verwendete Dallara 396-Wagen mit Motoren von Alfa Romeo. Erfolgreichster Fahrer des Teams war der Argentinier Esteban Tuero, der mit 16 Punkten die Saison als 13. beendete. Tuero sollte 1998 eine Formel-1-Saison für das Minardi-Team bestreiten. Sein Teamgefährte Marco Barindelli erzielte keinen Meisterschaftspunkt. Vieles sah danach aus, dass Coloni bereits im Laufe der Saison mit der Vorbereitung für den für 1997 vorgesehenen Einsatz in der Formel 3000 beschäftigt war und der Formel 3 keine allzu große Aufmerksamkeit mehr widmete.

2003 Nach sechsjähriger Pause erschien Coloni 2003 – parallel zu seinem Engagement in der Formel 3000 – wieder in der italienischen Formel-3-Meisterschaft. Das Team wurde unter dem Namen Coloni F3 gemeldet. Coloni setzte als einziges Team einen Lola-Dome-Rennwagen ein, der von einem Mugen-Honda-Motor angetrieben wurde. Alle anderen Teams verwendeten Autos von Dallara. Fahrer waren der aus San Marino stammende Christian Montanari und der Italiener Marco Bonanomi. Montanari war ausgesprochen erfolgreich: Er verpasste in diesem Jahr den Meistertitel nur um vier Punkte und schloss das Jahr mit 98 Punkten als Zweiter ab. Bonanomi erreichte 77 Meisterschaftspunkte und wurde Vierter.

2004