mini|325px|Die Region Bretagne und angrenzende Départements vor dem Hintergrund der gleichnamigen Provinz des Ancien Régime (Provinzname kursiv) mini|Logo der Region Bretagne Die Bretagne ( , , je nach Gegend oder [] ausgesprochen, veraltet auch Kleinbritannien) ist eine westfranzösische Region. Sie besteht heute aus den Départements Côtes-d’Armor (bretonisch Aodoù-an-Arvor), Finistère (bretonisch Penn-ar-Bed), Ille-et-Vilaine (bretonisch Il-ha-Gwilen) und Morbihan (bretonisch Mor-bihan). Die Region hat eine Fläche von 27.208 km² und Einwohner (Stand ). Hauptstadt der Region ist Rennes (bretonisch Roazhon).

Das Département Loire-Atlantique (bretonisch Liger-Atlantel), das zum historischen Herzogtum Bretagne gehörte, wurde bei Schaffung der Regionen der Französischen Republik in den 1960er Jahren mitsamt der alten bretonischen Hauptstadt Nantes (bretonisch Naoned) von der Bretagne abgetrennt und der Region Pays de la Loire zugeteilt.

Die Bretagne ist die größte Halbinsel Frankreichs und der westlichste Ausläufer des europäischen Festlands nördlich der Iberischen Halbinsel. Die Gallier nannten dieses Land Aremorica (bretonisch Arvorig), was „Land am Meer“ bedeutet. Die Einwohner der Bretagne werden Bretonen genannt.

Geografie mini|Typische bretonische Küstenlandschaft mini|Hafen von Le Diben, Plougasnou (Bretagne)

Lage Armor ist die bretonische Bezeichnung für Meer, doch damit ist nicht allein die Küste gemeint, sondern auch die Inseln, die amphibische Zone des Watts und der breite Küstenstreifen. Als Argoat, Waldland, wird das Hinterland bezeichnet.

Die Bretagne ist eine große Halbinsel im äußersten Westen des französischen Festlands. Im Norden, Westen und Süden ist sie vom Atlantik (bretonisch Meurvor Atlantel) umgeben. Die Bretagne trennt hier den Ärmelkanal (bretonisch Mor Breizh) im Norden von der Biskaya im Süden. Auf dem Festland grenzt sie im Nordosten an die Region Normandie und im Südosten an die Region Pays de la Loire.

In der Nähe der Bretagne liegt bei den Koordinaten nahe der Stadt Nantes das Zentrum der Landhemisphäre, also jener Halbkugel (Hemisphäre) des Erdglobus, die (rechnerisch ermittelt) den größten Festlandanteil aufweist.

Geologie Geologisch ist die Bretagne ein Teil des armorikanischen Gebirges, das im Karbon aufgefaltet wurde. Die Landmasse der Bretagne ruht in weiten Teilen auf sehr altem und hartem Gestein. Die Bretagne besitzt eine sehr zerklüftete Küstenlinie, die – besonders im Westen – über weite Strecken als Steilküste ausgebildet ist. Am Cap Fréhel, nahe der alten Festung Fort La Latte, ragen die Granitklippen über 70 Meter aus dem Atlantik heraus. Andernorts stellt sich die Landschaft eher als hügelig dar; besonders steile oder hohe Berge sucht man vergebens. Die höchste Erhebung ist der Roc’h Ruz (385 Meter) im Höhenzug der Monts d’Arrée (bretonisch Menez Are).

Klima mini|Stürmisches Meer in Pors-Loubous (Plogoff, Finistère)

Entsprechend ihrer atlantiknahen Lage am Westrand des europäischen Festlandes und im Einflussbereich des Golfstroms hat die Bretagne ein ausgesprochen ozeanisches Klima mit relativ milden Temperaturen, die im Jahresmittel zwischen 9 und 12 °C liegen. Schnee und Frost treten nur selten auf, die Sommer sind mäßig warm mit jährlich bis zu 2000 Sonnenscheinstunden.

Den Wetterverlauf prägt ein rascher Wechsel von Hoch- und Tiefdruckgebieten, die vom Atlantik heranziehen. Die vorherrschenden Westwinde erreichen vor allem im Winter nicht selten Sturmstärke. Regenschauer und starke Winde können sehr kurzfristig auftreten, sind jedoch meist nur von kurzer Dauer. Mit durchschnittlich zwischen 700 und 800 mm pro Jahr sind die Niederschlagsmengen relativ gering; während die Regenfälle in den Küstengebieten geringer ausfallen, ist das Landesinnere feuchter.

Deutlich spürbar ist der Einfluss der starken Gezeiten auf den Wetterverlauf, aber auch den Jodgehalt der Luft, der in der Bretagne sehr hohe Werte erreicht. Die starken Winde bedingen zudem einen geringen Schadstoffgehalt der Luft.

Natur mini|Sonnenuntergang bei Pleumeur-Bodou

In der Jungsteinzeit war die Bretagne überwiegend von Wald bedeckt, dieser existierte aber schon in der Antike nicht mehr und war in viele einzelne Wälder zerstückelt. Es gibt zahlreiche größere Überreste dieses riesigen Waldgebiets, zum Beispiel die drei größten Wälder von Paimpont westlich von Rennes, von Le Gâvre bei Nantes oder der Wald von Lanouée im Norden des Morbihan. Manchen Wäldern wird eine legendäre bzw. mythische Rolle zugesprochen, so dem Wald von Paimpont, der von romantisierenden Celtomanen des 19. Jahrhunderts mit der Brocéliande der Artus-Sagen identifiziert wurde, oder dem Wald von Scissy in der Bucht des Mont-Saint-Michel, der durch eine Sturmflut Anfang des 8. Jahrhunderts untergegangen sein soll.

Das ursprüngliche Landschaftsbild im Innern ist seit den mittelalterlichen Rodungen stark verändert worden. Es ist inzwischen weitgehend einer industrialisierten Landwirtschaft gewichen. So finden sich im Inneren der Bretagne nur noch wenige größere Buchen- und Eichenwälder. Die Landschaft wird heute von Äckern und Grünland beherrscht, welches durch die unzähligen Hecken (bocage) und Steinmauern schachbrettartig aufgeteilt wird.

Städte Die bevölkerungsreichsten Städte der Bretagne sind:

Stadt Einwohner (Jahr) Département Rennes () Ille-et-Vilaine Brest () Finistère Quimper () Finistère Lorient () Morbihan Vannes () Morbihan Saint-Malo () Ille-et-Vilaine Saint-Brieuc () Côtes-d’Armor Lanester () Morbihan Fougères () Ille-et-Vilaine Lannion () Côtes-d’Armor

Wappen und Flagge

Die historische Flagge der Bretagne war die Hermelinflagge. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird hauptsächlich die „Gwenn ha du“ verwendet.

Ursprung des Namens „Bretagne“ Zur Zeit der Römer gehörte die Halbinsel zwischen der Region um Condate/Civitas Redonensis, dem aktuellen Rennes, im Osten und dem Ozean im Westen zu einer geografisch nur vage definierten Küstenregion im Westen Galliens, die als Aremorica bezeichnet wurde.

Während einer relativ kurzen Periode im 4. Jahrhundert taucht der Name Letavia als Bezeichnung für die Halbinsel auf.Gottfried von Monmouth (1095–1155), Historia regum Britanniae, Caput IV, S. 76: „In minorem Britanniam, quae tunc Armorica sive Letavia dicebatur“ („In der kleinene Bretagne, die damals Armorica oder Letavia genannt wurde“) (https://archive.org/details/gottfriedsvonmo00geofgoog/page/76/mode/2up?q=minorem+Britanniam). - Robert von Torigni (um 1110–1186), „quae antiquitus letauia sive armorica uocata est“ (was vormals als Letavia oder Armorica bezeichnet wurde) zitiert nach Gendry, Mikaël, De l’Armorique à la Bretagne. Les Bretons de l’Armorique au haut Moyen Âge, Paris, 7 écrit, 2016, S. 7. Der Ursprung dieses Namens ist unklar. Manche meinen, er wäre von der Bezeichnung für die hier installierten Bauernsoldaten der römischen Armee, laeti, abgeleitet. Der Name könnte aber auch von einem ähnlich klingenden Wort aus einer keltischen Sprache der Britischen Insel stammen, mit dem Sinn „weites Land, Kontinent“. In der modernen bretonischen Sprache bedeutet ledan „weit“, in der aktuellen walisischen Sprache bezeichnet Llydaw die Bretagne. Zu dieser Zeit bezeichneten die Römer mit Britannia die britische Insel.

In den Schriften Gregors von Tours und Prokopios’ von Caesarea der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts taucht der Name Britannia für die von den Britonnes, also von aus der britischen Insel eingewanderten bretonischen Einwanderern, beherrschten Teile der Halbinsel auf. Am Ende des 9. Jahrhunderts spricht man dann von der Britannia minor, der kleinen Bretagne, im Gegensatz zur „großen“, heute Großbritannien.

Geschichte

Vorgeschichte mini|hochkant|Steinzeitliche Pfeilspitze aus der Bretagne Archäologische Zeugnisse sind in der Bretagne im Vergleich zu anderen Regionen Frankreichs relativ gering. Faktoren dieser „archäologischen Leere“ sind: die metamorphen und plutonischen Formationen, die lediglich kleine Abris und Höhlen bilden, sowie saure BödenBöden in humiden Klimabereichen versauern im Laufe ihrer Entwicklung durch Pedogenese., die den Zerfall menschlicher Überreste und Artefakte aus Elfenbein, Geweih und Knochen beschleunigen. Hinzu kommt die Feindseligkeit der Geistlichkeit gegenüber allem, was Spuren von Heidentum besaß. Rodungen, sowie die Flurbereinigung und die Manie, Hindernisse für eine rationelle Landnutzung zu beseitigen, beraubten den bretonischen Boden der archäologischen Substanz. Wertvolle Zeugnisse blieben nur an günstigen Fundorten (kalkhaltiger Löss, Küstendünen) erhalten.

Paläolithikum Das Paläolithikum umfasst den Zeitraum von 700.000 bis 10.000 v. Chr. Die auf 400.000 v. Chr. datierte Fundstätte „Grotte Menez Dregan“, nahe der Nekropole an der Pointe de Souc’h lieferte die frühesten Spuren der Feuernutzung in WesteuropaWesentlich ältere Belege stammen zum Beispiel aus der Rising-Star-Höhle in Südafrika. Die ältesten Spuren der Werkzeugherstellung; bearbeitete Gerölle stammen aus einem Steinbruch bei Saint-Malo-de-Phily im mittleren Vilainetal. Die frühesten Belege für Lagerplätze (auf 300.000 v. Chr. datiert) finden sich in durch Küstenerosion entstandenen Abris in Saint-Colomban (einem Ortsteil von Carnac). Neben bearbeiteten Geröllen wurden beidseitig bearbeitete Spitzen (franz. Bifaces) gefunden. Die charakteristische Fazies des Altpaläolithikums der Südküste – die sich anhand geologischer, ökologischer und techno-typologischer Kriterien vom Acheuléen unterscheidet, ist als „Colombanien“ bekannt. Faustkeile des Acheuléen fanden sich bei Hôpital-Camfrout, Pléneuf-Val-André und Tréguennec. Die kleinen Gruppen bestanden aus nomadischen Jägern, deren auf Mobilität beruhende Lebensweise bestand aus Jagdlagern, Steinbearbeitungs- und Schlachtplätzen und saisonale Basislager. Bevorzugte Aufenthaltsorte lagen an der Küste, an Flüssen oder in der Nähe von Gesteinsvorkommen, die als Alternative zu Feuerstein dienten.

Mammuts wurden wegen ihres Fleisches, ihrer Knochen, Stoßzähne und Zähne gejagt. Sie fanden Verwendung als Hüttengerüste und bei der Erzeugung von Gebrauchsgegenständen und Kunstobjekten.

Aus dem Moustérien sind zwei auffällige Fundstätten erhalten: Mont-Dol, wo an einem auf 70.000 v. Chr. datierten Platz Schaber gefunden wurden, sowie Le Goaréva auf der Insel Île de Bréhat.Damals noch Festland – Ausgrabungen durch P. R. Giot und J. L. Monnier in den Jahren 1969 und 1973.

Das Jungpaläolithikum ist durch verfeinerte Mikrolithen gekennzeichnet, die in Beg-ar-C’hastel, in Kerlouan oder bei „Plasenn-al-Lomm“ auf Bréhat entdeckt wurden. In der Region wurden keine Höhlen mit Gravuren oder Wandmalereien nachgewiesen, was auf den nachfolgenden Meeresspiegelanstieg (um etwa 100 m) zurückzuführen sein kann; allerdings gibt es solche in der Höhle La Dérouine in der Nähe von Saulges im Département Mayenne. Figürliche Kleinkunst wurde am rocher de l’Impératrice in Plougastel-Daoulas entdeckt. Das Ende der Altsteinzeit wird auf etwa 10.000 v. Chr. datiert.

Mesolithikum