Der Turnverein Seckbach wurde am 9. Juni 1875 in der selbständigen Landgemeinde Seckbach im ehemaligen Kurfürstentum Hessen gegründet, das nach dem 1866 verloren gegangenen Preußisch-Österreichischen Krieg durch Preußen annektiert war. Seit dem 1. Juli 1900 ist Seckbach ein Stadtteil von Frankfurt am Main. Der Verein wurde insbesondere als Deutscher Meister im Handball, als Veranstalter internationaler Faustball-Turniere und als jährlicher Organisator des leichtathletischen Frankfurter Bergsportfestes, des Lohrbergfestes, bekannt.Stadt Frankfurt am Main, Institut für Stadtgeschichte, Bestandsname: Turnverein Seckbach 1875, Findmittel: Archivdatenbank, vgl. S3/ P 3.679. Beim Handball bildet der Verein eine Spielgemeinschaft mit Eintracht Frankfurt.
Vereinsbezeichnung Hinsichtlich der Schreibweise des Vereinsnamens ist Turnverein Seckbach 1875 e. V. die offizielle eingetragene Bezeichnung. Weiterhin sind die Abkürzungen Turnverein Seckbach 1875, TV Seckbach 1875, TV Seckbach, TVS 1875 und TVS gebräuchlich. In früheren Jahrzehnten war es üblich, die Kürzel T. V. bzw. T. V. S. mit Punkten zu versehen.
Vereinswappen miniatur|hochkant=0.7|Seckbacher Gemeindewappen mit grüner Wolfsangel Das Wappen des TVS zeigt neben den vier F eine so genannte Wolfsangel, ein grausames Jagdgerät und eine heraldische Figur des Mittelalters, die auf Grenzsteinen der Seckbacher Gemarkung gefunden wurde. Sie ist jedoch nicht spezifisch für Seckbach, da sie in vielen Familien- und Gemeindewappen verwendet wird.Kurt Lindner: Geschichte und Systematik der Wolfs- und Fuchsangeln. Förutvarande Institutionen för Allmän och Jämförande Etnografi vid Uppsala Universitet (3). Almqvist & Wiksell, Uppsala 1975, ISBN 9-1492-5527-4. Die Umschrift des Vereinswappens besteht aus dem Namen des Vereins und dem Gründungsjahr. Farbgebung, Form, Typographie und Graphik des Wappens wurden nachhaltig und graphisch unprofessionell verändert und entsprechen daher nicht mehr dem historischen Original. Heute sind die Typographie, ein umlaufender Rahmen und abweichend vom Original sogar die vier F in schwarz ausgeführt, die unerlaubterweise modifizierte Wolfsangel in rot, alles auf weißem Grund. Früher war die Wolfsangel in grün ausgeführt. Die Farbe wurde aus diesem Grund auch als Vereinsfarbe und für Mannschaftstrikots (grün-weiß) verwendet, heute ist sie im Wappen nicht mehr vertreten. Gleiches gilt für den silbernen Farbton, der eigentlich anstelle des weißen Hintergrundes des Wappens geführt werden müsste, um die Analogie zum Seckbacher Gemeindewappen herzustellen. Die 4 F sind dem Turnerkreuz entlehnt, stellen auf dem Vereinswappen jedoch keines dar, da dieses Logo durch die Wolfsangel geteilt bzw. zerrissen wird. Der Vereinsname ist auf dem Vereinswappen nicht korrekt wiedergegeben, aufgrund seiner Anordnung auf dem Wappen und der Leserichtung von links nach rechts sowie von oben nach unten entspricht er nicht der offiziellen Bezeichnung des Vereins. Sehr problematisch ist auch der Umstand, dass das Vereinswappen in verschiedenen Versionen kursiert.
Die Wolfsangel steht auf der Liste verbotener rechtsextremer Zeichen und Symbole und darf nach StGB in der Bundesrepublik Deutschland auch in abgewandelter Form nicht verwendet oder öffentlich gezeigt werden. Historische Gemeinde- und Vereinswappen mit dem Symbol der Wolfsangel sind von diesem Verbot allerdings nicht betroffen. Modifizierende Bearbeitungen hingegen, die der historischen Darstellung der betreffenden Gemeinde- und Vereinswappen nicht entsprechen sowie aus dem historischen Kontext gelöste Abbildungen der Wolfsangel werden strafrechtlich verfolgt.Landgericht Frankfurt am Main, Entscheidung zum Verbot des Tragens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Wolfsangel, 5. Juli 2004 auf: justiz.hessen.de (PDF, 244 kB) Das vom Verein geführte Vereinswappen ist daher in diesem Sinne illegal.
Geschichte 1875–1918 miniatur|hochkant=0.7|Frisch, fromm, fröhlich, frei! Turnerkreuz frei nach Friedrich Ludwig Jahn Gründungsmitglieder waren elf Personen; zum ersten Vorsitzenden des neuen Vereins wurde Carl August Schneider gewählt. Die Übungsstunden fanden damals allabendlich unter der Leitung des ersten Vorturners Sebastian Bender statt. Man traf sich auf dem selbst eingerichteten Turnplatz an der Schulstraße (heute Hochstädter Straße), wo es ein Reck, einen Kletterbaum und eine Ringschaukel gab. 1878 beschloss man die Gründung einer Abteilung Singen, die bis 1890 Bestand hatte, dann jedoch mit einem Seckbacher Gesangverein fusionierte.
1882 stickten Mädchen und Frauen eine aufwendig bestickte Vereinsfahne Gewidmet von Jungfrauen, die noch heute existiert. Neben dem Wahlspruch Gut Heil dem deutschen Vaterlande, dem wir geeint zum festen Bande und dem Vereinsnamen mit Gründungsjahr findet sich auf dieser Fahne das Turnerkreuz, ein heraldisches Gammadium, das aus vier teils horizontal und vertikal gespiegelten Buchstaben „F“ in Versalien gebildet wird. Im Original ist dieses Logo immer rot auf weißem Grund, da es bewusst die hessischen Landesfarben übernommen hat, die gleichzeitig auch die Farben der Stadt Frankfurt am Main sind. Das Turnerkreuz greift das Motto des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn auf, das zum Turner-Wahlspruch geriet:
Kurzform: Frisch, fromm, fröhlich, frei.
Dieses Turnerkreuz ist visuell sehr oft stark an das 1813 vom preußischen König gestiftete Eiserne Kreuz bzw. das noch ältere Balkenkreuz oder Tatzenkreuz des Deutschen Ordens und der deutschen und preußischen Streitkräfte, aber auch an das christliche Kreuz angelehnt und erinnert demzufolge daran. Beim Turnen gibt es Bezüge zu Burschenschaften und zur Revolution 1848/49. Eindeutig militärische Bezüge sind beispielsweise durch Details auf der TVS-Vereinsfahne ebenso wie auf dem Cover der TVS-Jubiläumsfestschrift von 1925 zu erkennen.Turnverein Seckbach 1875 e. V. (Hrsg.): Jubelfeier 1875/1925. Festschrift. Frankfurt am Main 1925.
Der Wahlspruch Gut Heil dem deutschen Vaterlande nimmt unmittelbar Bezug auf die vorangegangene Gründung des Deutschen Reiches am 18. Januar 1871. Deutsch-nationale Motivation sowie körperliche Ertüchtigung und der sportliche Gemeinschaftsgedanke für den militärischen Einsatz waren immer Triebfeder für die Gründung von Turnvereinen. Geblieben ist davon insbesondere das Gerätturnen. Erst die soziale Bewegung um die Jahrhundertwende wandelte die Turnvereine allmählich in die Sportvereine heutiger Prägung, die sich dem Social Networking, dem sportlichen Leistungsprinzip und dem Breitensport angenähert haben. Anfangs jedoch standen die Turner dem modernen Sport und der Internationalisierung ablehnend gegenüber, empfanden die Entwicklung als undeutsch und fremdländisch. Das Turnen wird heute ganz selbstverständlich als integraler Bestandteil des Sports verstanden. Gleichwohl ist das Turnen in Deutschland ein Ursprung des heutigen Sports.
Im Jahr 1900 feierte der TVS sein 25-jähriges Bestehen und gab eine Festschrift heraus. Im gleichen Sommer wurde die Landgemeinde Seckbach zu Frankfurt am Main eingemeindet. 1903 wurde der Turnverein Seckbach in das Vereinsregister des Frankfurter Amtsgerichts eingetragen. Am 1. Januar 1905 trat der TVS als zehnter Verein dem Turngau Frankfurt bei.
Am 12. Juni 1908 beteiligte sich der TVS an der Generalprobe des Festzuges der Frankfurter Turner im Vorfeld des von der Deutschen Turnerschaft (DT) organisierten 11. Deutschen Turnfestes am 18. Juli.
1910 eroberten die Frauen den Verein – die erste weibliche Turnerriege wurde aktiv. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Damenwelt in der Männerdomäne Turnen kaum mehr als eine dekorative Funktion. Bei besonderen Anlässen traten die Damen lediglich als weiß gekleidete so genannte Ehrenjungfrauen mit Blumenkranz im Haar öffentlich auf, wirkten ansonsten jedoch vornehmlich im Hintergrund, bestickten beispielsweise Wimpel und Fahnen, wanden Lorbeerkränze für Wettkampfsieger und wuschen die Sportbekleidung. 1914 begann der Erste Weltkrieg (1914–1918), viele der Aktiven kamen an die Front, der Turnbetrieb wurde eingestellt. Nach Kriegsende 1918 trauerte der Verein um 17 gefallene Mitglieder.
1919–1933 Am 5. Januar 1919 fand die erste Generalversammlung nach dem Krieg statt. 1920 erwarb der Verein einen Tanzsaal in der Straße Am Schießrain, durch den das Vereinsleben starken Auftrieb erhielt, da es nun weit weniger vom Wetter und von Zusammenkünften in Gastwirtschaften abhängig war. 1921 wurde die Handballabteilung gegründet, eine Reminiszenz an die erst 1917 in der heutigen Form entstandene Sportart Handball. Ab 1922 wurde das Turnen im Deutschen Reich organisatorisch vom übrigen Sport klar getrennt, im gleichen Jahr aber fand in Leipzig am Völkerschlachtdenkmal das erste Deutsche Arbeiter-Turn- und Sportfest mit 100.000 Teilnehmern statt. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte, also nach immerhin 47 Jahren wechselte der Vorsitz an Konrad Henrich.
Am 15. Juni 1924 gewann der Turnverein Seckbach 1875 die Deutsche Handball-Meisterschaft der Deutschen Turnerschaft (DT) in Leipzig; damals handelte es sich noch um Feldhandball. miniatur|Vorplatz und Eingang zum Ehrenmal für die Seckbacher Gefallenen der Weltkriege im Lohrpark auf dem Lohrberg, in dem auch ehemaliger TVS-Mitglieder gedacht wird Ab 1925 wurden an den deutschen Universitäten Institute für Leibeserziehung eingerichtet, der Studentensport und die Sportlehrerausbildung gewannen an Profil. Der TV Seckbach beging in diesem Jahr sein 50. Jubiläum und veranstaltete unter anderem einen großen Festumzug durch den Stadtteil. Der Vorstand dankte aus dem feierlichen Anlass „allen denen, die ihre Kraft einsetzen zur Pflege deutschen Volksbewusstseins und Ertüchtigung zu neuem, leistungsfähigen Geschlecht“. In Anlehnung an Goethes Trias „Dem Wahren, Schönen, Guten“ (aus Johann Wolfgang Goethes Epilog zu Friedrich Schillers Glocke, gleichzeitig Inschrift am Dachfries der Alten Oper Frankfurt), rief der Vorstand zum Abschluss seiner Ausführungen dazu auf:
Der Vereinsvorstand nahm 1930 an der Einweihung des errichteten Ehrenmales für die Seckbacher Gefallenen auf dem Lohrberg teil. Auf fünfzehn Metalltafeln finden sich hier auch die Namen der gefallenen TVS-Mitglieder.
Im Jahr 1932 wurde die Faustballabteilung gegründet, in der sich zunächst die Damen tummelten. Faustball ist eines der Turnspiele, die der Sportart Turnen zugerechnet werden.
1933–1945 Die Turn- und Sportvereine wurden im Rahmen der vormals monarchistisch geprägten Deutschen Turnerschaft nahtlos in die Organisation des nationalsozialistischen Machtsystems eingegliedert. Dabei half das völkisch-nationale Selbstverständnis der Turner, ganz im Gegensatz zu dem politisch eher links orientierten Arbeiter-Turn- und Sportbund (ATB) und konfessionellen Organisationen, die 1933 bzw. 1935 verboten wurden.
Nach dem 30. Januar 1933 wurden in ganz Deutschland jüdische Mitglieder aus den Turnvereinen geworfen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren lediglich drei bis vier Prozent der jüdischen Bevölkerung in jüdischen Vereinen organisiert. Nach den Hinauswürfen stieg die Mitgliederzahl der jüdischen Vereine entsprechend deutlich an. Im Vorfeld der Olympischen Spiele von 1936 erlaubten die NS-Machthaber den jüdischen Sportlern teilweise eine aktive Teilnahme, sofern sie über einen entsprechenden Bekanntheitsgrad bzw. den erforderlichen Leistungsstand verfügten. Dabei ging es in erster Linie um den Eindruck vor der internationalen Öffentlichkeit. Man wollte die Juden-Diskriminierung und -verfolgung noch verschleiern.