hochkant|mini|Hans Ramshorn als SA-Brigadeführer. Hans Erich Alexander Ramshorn (* 17. März 1892 in Mittelwalde, Landkreis Habelschwerdt, Provinz Schlesien; † 1. Juli 1934 bei Breslau) war ein deutscher Offizier und Politiker (NSDAP). Er war einer der Getöteten des sogenannten Röhm-Putsches.
Leben und Wirken Jugend, Militärlaufbahn und Erster Weltkrieg Ramshorn war ein Sohn des Majors und Zollbeamten Alexander Ramshorn. Nach dem Besuch der Vorschule trat Ramshorn 1902 als Zehnjähriger in das Königlich Preußische Kadettenkorps ein, wo er auf die Offizierskarriere vorbereitet werden sollte: Er wurde zunächst in die Kadettenvoranstalt Wahlstatt bei Liegnitz gegeben. Nach der Absolvierung des Vorkorps wechselte er in die Hauptkadettenanstalt in Berlin-Lichterfelde. Aufgrund überdurchschnittlicher Leistungen qualifizierte er sich schließlich für die Selekta.
Am 1. März 1910 wurde Ramshorn zum Leutnant im Infanterie-Regiment „von Borcke“ (4. Pommersches) Nr. 21 ernannt. Die folgenden viereinhalb Jahre verbrachte er am Standort dieses Regiments in Thorn. Seinem Biographen Schmidt zufolge entwickelte sich möglicherweise aus der „eintönigen Friedensroutine“ in Thorn die Grundlage für die lebenslange Abhängigkeit Ramshorns vom Alkohol und vom Glücksspiel.Schmidt: Ramshorn, S. 203 ff.
Ab August 1914 nahm Ramshorn am Ersten Weltkrieg teil. Bereits am 20. August 1914, während der Schlacht bei Gumbinnen erhielt Ramshorn in der ostpreußischen Heide eine Kugel in die Schulter, und sein Regiment erlitt hohe Verluste. Nach seiner Genesung erhielt er im Oktober 1914 das Kommando über eine Kompanie. 1915 wurde Ramshorn dann in den Rang eines Oberleutnants befördert.
Am 5. September 1916 wurde die von Ramshorn geführte Kompanie bei Kämpfen im Osten abgeschnitten und zerschlagen. Zusammen mit den übrigen Überlebenden geriet er in russische Kriegsgefangenschaft und verbrachte die folgenden knapp eineinhalb Jahre in Gefangenenlagern in Sibirien. Während der Oktoberrevolution im Winter 1917/1918 gelang es Ramshorn schließlich aus der Gefangenschaft zu fliehen. Am 24. Mai 1918 traf er in Riga ein, wo er sich bei den deutschen Militärbehörden zurückmeldete. Nach einer mehrwöchigen Quarantäne übernahm Ramshorn am 20. August 1918 wieder die Führung einer Kompanie im Infanterieregiment Nr. 21, das inzwischen an der Westfront in Frankreich eingesetzt wurde. Am Morgen des 30. August 1918 geriet Ramshorns Kompanie in heftigen Artilleriebeschuss und wurde von einem Granatsplitter am Oberarm getroffen und verletzt. Das Kriegsende im November 1918 erlebte er in einem Lazarett in Kolberg. Während des Krieges wurde er mit diversen Kriegsorden dekoriert (Eisernes Kreuz 1. und 2. Klasse, Militär-Verdienstorden (Bulgarien) mit Krone und Schwertern, Baltenkreuz).
Freikorpszeit (1919/1920) Bei Kriegsende bezog Ramshorns Regiment zunächst Quartier in Hessen. Im Dezember 1918 wurden diverse Freiwilligenformationen gebildet, um die deutsche Ostgrenze zu sichern. Auch das Infanterieregiment 21 bildete ein Detachement, das sich dem Grenzschutz Ost anschloss. Ramshorn traf mit dieser Einheit kurz vor Weihnachten 1918 in Thorn ein.Schmidt: Ramshorn, S. 207. Zur Jahreswende 1918 wurde Ramshorn als Führer einer Maschinengewehrkompanie im Grenzschutz zum Freikorpssoldaten und verblieb im Grenzschutz Ost in Thorn bis zum August 1919 an.
Nach der Unterzeichnung des Versailler Vertrages richteten sich die Hoffnungen der rechtsgerichteten militärischen Freiwilligenverbände auf das Baltikum: In diesem Gebiet verbliebene deutsche Formationen widersetzten sich im August 1919 dem Räumungsbefehl und verbündeten sich stattdessen mit der zaristischen West-Armee im Bestreben gemeinsam den vagen Plan zu verwirklichen, einen unabhängigen Baltenstaat als Bollwerk eines unbesiegten Deutschtums zu errichten. Im Spätsommer 1919 entschlossen sich Teile der westpreußischen Grenzschutztruppen dieses Projekt zu unterstützen: nachdem Freiwillige sich im September und Oktober im westpreußischen Culmsee gesammelt und dem dort liegenden Freikorps Roßbach angeschlossen hatten, begann dieses Freikorps Ende Oktober 1919 den Marsch ins Baltikum. Teile des Freiwilligen Infanterie-Regiments „von Borcke“ Nr. 21, 120 Mann und sechs Offiziere, unter ihnen Ramshorn, folgten dem Regiment.Schmidt: Ramshorn, S. 208.
Mit dem Freikorps Roßbach marschierten Ramshorn und die übrigen Angehörigen des Infanterieregiments Nr. 21 bis in den Stadtteil Torņakalns (deutsch: Thorensberg) von Riga. Sie besorgten den Entsatz der dort eingeschlossenen deutschen Verbände und flohen mit ihnen, da sich die überlegene Stärke der lettischen Truppen zeigte, wieder nach Süden zur deutschen Ostgrenze, das sie Ende Dezember erreichten. Der Rückmarsch der Freikorps nach Süden war von zahlreichen Gewaltexzessen (Massenmorde, Vergewaltigungen, Brandschatzung, Plünderung) geprägt. Im Zuge dieser Vernichtungsorgie verschmolz die Identität Ramshorn als Front- und Freikorpsoffizier, so Schmidt, mit der des „Baltikumers“. Für die Rückkehrer aus dem Baltikum sei exzessives Soldatentum ebenso wesensbestimmend gewesen, wie die Überzeugung, im Existenzkampf gegen den Bolschewismus von der eigenen Regierung verraten und um Sieg und Siedlung im Osten betrogen worden zu sein. Zudem reifte damals die Überzeugung in ihm, dass militärisches Handeln in Bürgerkrieg kompromisslose Härte erfordere.Schmidt: Ramshorn, S. 209.
Nach der Rückkehr aus dem Baltikum wechselte Ramshorn, um der drohenden Demobilisierung zu entgehen, von dem in Auflösung befindlichen Infanterieregiment 21 Anfang 1920 in die 3. Marinebrigade des Korvettenkapitäns Wilfried von Loewenfeld und wurde dort Kompanie-Führer. Seine Hoffnungen in die sich formierende Reichswehr übernommen zu werden zerschlugen sich jedoch, da sich rasch zeigte, dass in dem neuen, sehr kleinen, Kaderheer, kein Platz für Freikorpsmänner war. Im Frühling 1920 drohte daher erneut die Demobilisierung.
Wie Ramshorn sahen viele Angehörige von Armeeformationen, deren Auflösung bevorstand, die sich anbahnende Heeresverkleinerung als einen Akt des Verrates der Regierung an, gegen den sie aufbegehrten. Hieraus entwickelte sich der Kapp-Putsch vom März 1920: Um der drohenden Demobilisierung zu entgehen, versuchten einige Heeresformationen, die amtierende Regierung zu stürzen und die Macht im Deutschen Reich zu übernehmen. Hieran beteiligte sich auch das Freikorps von Loewenfeld. Am 13. März 1920 rückten sie in Breslau ein, setzten den dortigen Oberpräsidenten ab, verhafteten viele Verdächtige und misshandelten und ermordeten eine Reihe von ihnen. Zudem feuerten sie wahllos in Menschenmengen und töteten dabei mehrere Zivilisten. Nach dem Zusammenbruch des Kapp-Putsches infolge eines auf Geheiß der verjagten Regierung ausgerufenen Generalstreiks zog das Freikorps Loewenfeld aus Breslau ab. Obwohl die Freikorps gerade gegen die Regierung geputscht hatten, ging diese im April 1920 ein Bündnis mit den Freikorps ein, um den Ruhraufstand der Arbeiterschaft zu bekämpfen, die sich nach dem Ende des Kapp-Putsches anschickte, eine rheinische Sowjetrepublik zu errichten. Die Freikorps wurden somit von derselben Regierung, die die Arbeiter vor ihnen gerettet hatte, rekrutiert, um den Arbeiteraufstand zu unterdrücken. Das Freikorps Loewenfeld wurde zusammen mit dem Freikorps Roßbach und weiteren Freikorps ins Ruhrgebiet verlegt, um den Ruhr-Aufstand niederzuschlagen. Ramshorns Kompanie wurde Anfang April 1920 bei heftigen Gefechten um Bottrop und Gladbeck eingesetzt. Durch den Einsatz schwerer Waffen und durch willkürliche Erschießungen kamen bei diesen Kämpfen auch zahlreiche unbeteiligte Zivilisten ums Leben. Gladbeck wurde nach der Einnahme der Stadt systematisch nach Angehörigen der Roten Ruhrarmee durchkämmt, die nach ihrer Verhaftung zumeist umgehend erschossen wurden.Schmidt: Ramshorn, S. 210f.
Nach einem Unfall in Essen am 17. April 1920, bei dem ein Freikorpssoldat durch die Kollision eines Heuwagens der Marinebrigade mit einer Straßenbahn verletzt worden war, sollte Ramshorn den Straßenbahnfahrer, der verdächtigt wurde mit der roten Revolution zu sympathisieren, verhaften lassen. Ramshorn ließ dem die Verhaftung durchführenden Untergebenen einen Zettel mit einem Kreuzchen übergeben. Auf die Rückfrage, was das Zeichen bedeute, wurde erklärt, dass der Mann nicht lebend bei der Brigade ankommen dürfe. Der angebliche Bolschewist wurde daraufhin in der gleichen Nacht in Essen verhaftet und auf dem Rückweg nach Gladbeck bei einem fingierten Fluchtversuch erschossen. In den folgenden Wochen, bis zum Abzug der Marinebrigade am 7. Mai 1920, kam es zu zahlreichen weiteren Exekutionen dieser Art.Schmidt: Ramshorn, S. 212.
Nach dem Ende des Ruhreinsatzes zog das Freikorps Loewenfeld sich ins Sennelager zurück.
Karriere in der Schutzpolizei (1920 bis 1923)
Im Sommer 1920 drohte Ramshorn erneut die Demobilisierung, er konnte jedoch die geschlossene Übernahme seiner bisherigen Kompanie in den Polizeidienst erreichen. Zum 1. August 1920 wurde er als Beamter in die Sicherheitspolizei aufgenommen, wobei er vom Freikorps-Oberleutnant zum Polizeihauptmann avancierte. An seiner Einstellung ließ Ramshorn dabei keinen Zweifel aufkommen: In einem Aufsatz, den er zu dieser Zeit verfasste, erklärte er, dass er den „Endzweck […] der Polizeitrupps“ darin sehe, den Kampf zu führen, der die Deutschen „wieder zu einem freien Volk“ machen werde. Durch diesen Kampf solle das Volk das Joch des Vertrages von Versailles und die Folgen der Revolution überwinden. Die Polizeihundertschaft unter seiner Führung in Düsseldorf war personell weitgehend mit seiner zuvor geführten Freikorps-Kompanie identisch und hatte dementsprechend den Charakter einer zusammengeschweißten männerbündischen Gemeinschaft, die den Mitgliedern Gelegenheit gab, so Ramshorn-Biograph Schmidt, „ein gefährliches und wildes Leben in Uniform, mit Waffen und Gewalt“, wie sie es in den Kriegs- und Revolutionsjahren lieben gelernt hatten, weiterzuführen.Schmidt: Ramshorn, S. 213.
Im Oktober 1920 wurde Ramshorns Hundertschaft zur besonderen Verwendung (z.b.V.) der Polizeigruppe Düsseldorf zugeteilt. Anlässlich der Besetzung Düsseldorfs durch französische Truppen am 8. März 1921 (um alliierten Forderungen nach Reparationen und beschleunigter Abrüstung Nachdruck zu verleihen) wurden die Formationen der Schutzpolizei ausgewiesen. Ramshorn war zutiefst gedemütigt, den Feinden aus dem Weltkrieg kampflos weichen zu müssen und berichtete später, dass ihn eine tiefe Erregung ergriffen hätte, als er dem Einmarsch der Franzosen in Düsseldorf tatenlos zusehen musste.Schmidt: Schutzpolizei, S. 214.