Blumen ohne Duft (englischer Originaltitel: Beyond the Valley of the Dolls) ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 1970. Er war die erste Arbeit von Russ Meyer als Regisseur für ein großes Hollywoodstudio. Der Film stellt den Aufstieg und den Fall einer Mädchen-Rockband dar, wobei er sich thematisch an Jacqueline Susanns Roman Das Tal der Puppen und den gleichnamigen Film von 1967 anlehnt, ohne jedoch auf die typischen Elemente vorheriger Russ-Meyer-Filme zu verzichten: Drehbuchautor Roger Ebert beschreibt den Film als „Camp-Sexploitation-Horror-Musical, das in einem Vierfach-Ritualmord und in einer Dreifachhochzeit endet“.zitiert in: McDonough, S. 254. Der Film wurde von der Kritik verrissen, stellte sich jedoch als Publikumserfolg heraus.

Handlung Die Rockgruppe The Kelly Affair besteht aus den drei Mädchen Kelly, Casey und Petronella. Harris, der junge Manager der Band, ist mit Kelly befreundet. Die Band erhält eine Einladung nach Hollywood und reist mit dem Auto quer durch die USA nach Kalifornien. Als Kelly in Los Angeles ihre Tante Susan, die Chefin eines Fotostudios, besucht, erfährt sie, dass sie einen Anteil an einer Familienerbschaft in Höhe von mehreren Hunderttausend Dollar bekommen kann. Susans Anwalt, der zwielichtige Porter, ist jedoch dagegen, dass das junge Mädchen das Geld erbt, und möchte gerne seine Klientin Susan als Alleinerbin sehen.

The Kelly Affair werden zu einer Party des Musikproduzenten Ronnie „Z-Man“ Barzell eingeladen, bei der die Rockgruppe Strawberry Alarm Clock spielt. Auf der Party lernen die Mädchen und ihr Manager Harris unter anderem die Pornodarstellerin Ashley St. Ives und den narzisstischen Schauspieler Lance kennen. Während Ashley mit Harris flirtet, knüpft Petronella Kontakt zum Jurastudenten Emerson. Casey schließlich erweckt das Interesse der lesbischen Modedesignerin Roxanne. The Kelly Affair werden auf die Bühne gebeten und begeistern mit ihrem Vortrag die Zuhörer. Musikproduzent Z-Man gibt den Mädchen einen Plattenvertrag und verleiht ihnen den neuen Namen The Carrie Nations. Die Band kann bereits nach kurzer Zeit große Erfolge feiern.

Nach einem Konzert der Carrie Nations verführt Ashley Harris in ihrem Rolls-Royce. Kelly schläft mit dem Schauspieler Lance, der ihr einredet, ihr stünde ein weit größerer Anteil des Erbes zu. Lance erhofft sich, so letzten Endes selbst an das Geld zu kommen, denn seinen Lebensunterhalt bestreitet er hauptsächlich damit, sich von reichen Damen aushalten zu lassen. Unterdessen sind Petronella und der Student Emerson zusammen glücklich und schlafen miteinander. Susans Anwalt Porter intrigiert ohne das Wissen von Susan gegen Kelly und will sie mit einem Betrag von 50.000 Dollar abspeisen. Kelly jedoch gelingt es, Porter zu verführen, um ihn vorerst von seinen Plänen abzuhalten.

Z-Man gibt erneut eine Party, bei der Susan ihrer alten Liebe Baxter begegnet. Die beiden verlieben sich erneut ineinander. Susan entlässt wütend ihren Anwalt Porter, nachdem sie herausgefunden hat, dass er Kelly hintergehen wollte. Während der Boxer Randy mit der einsamen Petronella flirtet, da deren Freund Emerson mit dem Studium beschäftigt ist, gibt Ashley Harris den Laufpass und wendet sich Lance zu. Der eifersüchtige Harris verwickelt Lance in eine Schlägerei.

Harris sucht Trost bei Casey, die inzwischen tablettensüchtig ist. Auf ihren Rat hin nimmt er ebenfalls Beruhigungstabletten, doch am nächsten Morgen setzt sie ihn vor die Tür, weil er sich in der Nacht an ihr vergangen hat. Emerson erwischt Petronella und den Boxer Randy in flagranti in Bett, es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden, bei der Emerson verletzt wird. Bei einem Fernsehauftritt der Carrie Nations stürzt sich der verzweifelte Harris von der Beleuchterbühne und zieht sich dadurch eine Querschnittlähmung zu. Casey, die schwanger von Harris ist, treibt das Kind auf Anraten ihrer Freundin, der Modedesignerin Roxanne, ab. Randy will Petronella nicht aufgeben und sucht sie und Emerson auf. Petronella kann Randys aggressives Verhalten nur mit einem Messer stoppen.

Z-Man lädt zu einer Kostümparty ein. Er selbst geht als Superwoman, während Lance als Tarzan verkleidet wird. Unter dem Einfluss von Peyote und Haschisch entwickelt sich eine Sexorgie. Roxanne und Casey schlafen miteinander. Z-Man will Lance verführen und gibt ihm zu erkennen, dass er in Wirklichkeit eine Frau ist, indem er seine Brüste entblößt. Lance verhöhnt Z-Man, worauf er/sie so wütend wird, dass er/sie Lance mit einem großen Schwert enthauptet. Z-Mans nächstes Opfer wird sein/ihr deutscher Diener Otto, den er/sie am Strand mit dem Schwert durchbohrt. Danach erschießt Z-Man die schlafende Roxanne. Casey kann telefonisch ihre Freunde um Hilfe rufen. Kelly, Petronella, Emerson eilen mit dem querschnittgelähmten Harris zu Z-Mans Haus, doch als sie ankommen, ermordet Z-Man auch Casey. Den Freunden gelingt es, Z-Man zu stellen und zu töten. Durch die schockierenden Ereignisse erfährt Harris eine Spontanheilung: Er kann wieder gehen.

Ein Kommentar aus dem Off, der vor den Gefahren des Showbusiness für junge Leute warnt, führt zum Epilog des Films. Es wird eine Dreifachhochzeit gefeiert, bei der Kelly letzten Endes doch Harris, Petronella ihren Emerson und Susan ihre alte neue Liebe Baxter heiratet.

Entstehungsgeschichte Drehbuch und Vorproduktion Im Zuge der Krise der Filmwirtschaft Ende der 1960er Jahre musste sich auch die 20th Century Fox Gedanken über eine Verbesserung der Ertragssituation machen. Das Studio litt immer noch unter dem finanziellen Desaster von Cleopatra im Jahr 1963 und hatte zuletzt in teure, aber erfolglose Musikfilme wie Star! (1969) und Hello, Dolly! (1969) investiert. Ein mögliches Filmprojekt zu dieser Zeit war eine Fortsetzung des Films Das Tal der Puppen. Fox hatte sich die Rechte am Titel Beyond the Valley of the Dolls gesichert und mehrere Drehbuchfassungen in Auftrag gegeben, an denen auch die Autorin Jacqueline Susann mitarbeitete, doch es kam zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis. Richard D. Zanuck wurde auf Russ Meyer, der gerade mit seinen preisgünstig und unabhängig produzierten Sexfilmen Ohne Gnade – Schätzchen (Vixen!, 1968) und Megavixens (Cherry, Harry and Raquel!, 1969) Erfolge an der Kinokasse feierte, als möglichen Regisseur dieses Projekts aufmerksam.Thissen, S. 168. miniatur|Russ Meyer (links) und Roger Ebert (rechts) im Jahr 1970 Meyer bekam einen Vertrag bei Fox und war somit das erste Mal in seiner Karriere Angestellter eines großen Hollywood-Studios. Für den Film, von dem bislang nur der Titel feststand, sollte Meyer ein Honorar von 90.000 Dollar und eine zehnprozentige Gewinnbeteiligung erhalten.Thissen, S. 169. Meyer bezog ein Büro bei Fox und engagierte als Drehbuchautor den jungen, bislang relativ unbekannten Filmkritiker Roger Ebert. Der Regisseur hoffte, der zwanzig Jahre jüngere Ebert könne ein Drehbuch auf die Mentalität eines jungen Publikums abstimmen, das sich zu dieser Zeit von den behäbigen Großproduktionen abwandte und eher persönlichen, ihrem eigenen Lebensgefühl entsprechenden Filmen wie Easy Rider (1969) zusprach.Thissen, S. 170. Frasier merkt dazu an: „Eberts größter Beitrag zum Film war zweifellos seine Jugend. Er kannte den Jargon der Subkultur der späten 1960er-Jahre.“Frasier, S. 15.

Ebert nahm sich eine Auszeit bei seinem Arbeitgeber, der Chicago Sun-Times, und arbeitete zunächst mit Meyer in zehn Tagen ein Treatment aus, für das die beiden ein Honorar von 5000 Dollar erhielten. Auf der Basis dieses Treatments bekamen sie von Fox grünes Licht, ein Drehbuch zu erstellen. Nach sechswöchiger Arbeit konnten die beiden ein fertiges Skript präsentieren, für das Ebert 25.000 Dollar Honorar erhielt.

Ursprünglich sollte Barbara Parkins ihre Rolle als Anne Welles aus Das Tal der Puppen in Beyond the Valley of the Dolls wiederholen, doch der Plan scheiterte an zu hohen Gagenforderungen.McDonough, S. 255. Meyer griff für die Besetzung auf viele seiner Stammschauspieler zurück, von denen keiner mehr als 500 Dollar Wochengage erhielt.Frasier, S. 127. Als einzige bei Fox angestellte Schauspielerin wirkte Edy Williams mit und erhielt eine entsprechend höhere Gage. Als Hauptdarstellerin engagierte Meyer Dolly Read, die im Mai 1966 als Playmate im Playboy zu sehen gewesen war. Auch ihre Kollegin Cynthia Myers war ein Playmate und im Dezember 1968 in dem Magazin zu sehen gewesen. Die Besetzung für die Mädchenband wurde durch Marcia McBroom, ein beliebtes afroamerikanisches Fotomodel komplettiert.Thissen, S. 172. Insgesamt erhielten 55 Schauspieler eine Erwähnung in den Credits, eine ungewöhnlich hohe Zahl zur damaligen Zeit.

Produktion und Nachproduktion Das Filmbudget für Beyond the Valley of the Dolls betrug 1.300.000 Dollar, jedoch blieben für den eigentlichen Filmdreh nur etwa 700.000 Dollar übrig; den Rest hatten bereits die Kosten für die Namensrechte und die ursprünglichen Drehbuchfassungen verschlungen. Trotzdem konnte Meyer damit auf eine Summe zurückgreifen, die ein Vielfaches der Budgets seiner Vorgängerfilme betrug.Thissen, S. 178. Die Dreharbeiten begannen am 2. Dezember 1969 und dauerten 55 Drehtage.Frasier, S. 126. Gedreht wurde aus Sparsamkeitsgründen hauptsächlich an bestehenden Sets früherer Filme auf dem Fox-Studiogelände.McDonough, S. 260. Für einige Einstellungen – etwa die Szenen, die das Stadtbild von Los Angeles in einer schnellen Montage porträtierten – setzte sich Meyer über die strengen gewerkschaftlichen Regelungen der amerikanischen Filmindustrie hinweg und drehte sie nur zusammen mit einem Assistenten am Wochenende.

Meyer wirkte auf die Beteiligten während der Dreharbeiten sehr gestresst und leicht reizbar; offensichtlich machte ihm der Druck der Hollywood-Produktion zu schaffen. Besonders die unerfahrene Hauptdarstellerin Dolly Read litt unter den hohen Leistungsanforderungen Meyers und musste sogar aufgrund der Strapazen der Dreharbeiten zwischenzeitlich in ein Krankenhaus eingewiesen werden.McDonough, S. 262. Auch der lichtsetzende Kameramann Fred J. Koenekamp – ein renommierter Künstler, der im Folgejahr für Patton seine erste Oscar-Nominierung erhielt – berichtet von den strengen Qualitätsansprüchen Meyers, der ihn immer wieder ermahnte, sorgfältiger zu fokussieren, um die gewünschten gestochen scharfen Bilder zu erhalten.

Obwohl die Produktionsliste zwei offizielle Filmeditoren ausweist, schnitt Meyer den Film größtenteils selbst.McDonough, S. 270. Zanuck war mit dem Ergebnis von Meyers Arbeit sehr zufrieden. Bereits im Februar 1970 erhielt Meyer einen Vertrag über drei weitere Filme für die Fox.Frasier, S. 130. Zur Enttäuschung von Meyer und Fox erhielt Beyond the Valley of the Dolls von der Motion Picture Association of America ein X-Rating. Meyer hatte gehofft, ein R-Rating zu erhalten, um den Film auch einen jugendlichen Publikum zugänglich machen zu können. Zu diesem Zweck hatte Meyer auf frontale Nacktdarstellungen und die Präsentation expliziter Sexualität im Film verzichtet.Meyer hatte viele Szenen des Films auch in sexuell expliziteren Versionen gedreht. Auch nach Erteilung des X-Ratings war Fox jedoch nicht bereit, den Film umzuschneiden und auf diese Szenen zurückzugreifen. Das Studio wollte den Film nun ohne Umschweife auf dem Markt bringen. Roger Ebert: Beyond the Valley of the Dolls. In: Bernard, S. 43. Meyer wurde dreimal bei der MPAA vorstellig, um eine mildere Altersfreigabe zu erhalten, doch er hatte damit keinen Erfolg.Thissen, S. 176. McDonough vermutet, dass die Gründe für die strenge Jugendschutzfreigabe einerseits in der gezeigten Gewalt, anderseits auch in der Person Meyers selbst zu suchen sind: Dem als „Schmuddelfilmer“ bekannten Meyer wollte die Organisation keinerlei Zugeständnisse machen.McDonough, S. 271.