mini|Verwaltungsgebäude des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main, im Hintergrund das Frankfurter Bankenviertel Das Polizeipräsidium Frankfurt am Main ist ein Polizeipräsidium der hessischen Polizei. Es ist zuständig für die Stadt Frankfurt am Main (ohne das Gebiet östlich der A 661 zwischen Kaiserlei und Buchrainschneise und südlich der A 3 zwischen der Anschlussstelle Frankfurt-Süd und dem Offenbacher Kreuz), die Frankfurt umgebenden Autobahnen und den Frankfurter Flughafen einschließlich einzelner Gebiete im Kreis Groß-Gerau sowie des zur Stadt Offenbach am Main gehörenden Gebiets westlich der A 661 zwischen Buchrainscheise und dem Offenbacher Kreuz.Hessisches Ministerium des Innern und für Sport: Anlage 1 zum Erlass über die Organisation und Zuständigkeit der hessischen Polizeipräsidien vom 22. Dezember 2016, Az. LPP 4-21e30-02-15/001 Bürgerservice Hessenrecht. Abgerufen am 13. August 2021. Nach Anzahl der Mitarbeiter ist es das größte der sieben Flächenpräsidien der hessischen Polizei. Das Verwaltungsgebäude des Polizeipräsidiums gehört zu den wichtigsten Bauwerken der Frankfurter Architekturgeschichte seit der Jahrtausendwende.
Sitz mini|Eingang Seit 2002 ist das Polizeipräsidium in einem neu erbauten Verwaltungsgebäude an der Ecke Adickesallee und Eschersheimer Landstraße ansässig. Der sechsgeschossige Gebäudekomplex entstand zwischen 1998 und 2002 auf einem bis dahin von den US-Streitkräften als PX Shopping Center genutzten Gelände am Alleenring. In dem Bau mit einer Gesamtfläche von 129.000 m² sind etwa 2500 Mitarbeiter, die Behördenleitung, die Einsatzzentrale, verschiedene Sonderdienststellen und die Kriminalpolizei untergebracht. Des Weiteren befinden sich dort eine Sporthalle, eine Schießanlage, das Polizeigewahrsam, ein Hubschrauberlandeplatz, ein Kriminalmuseum und die Wache eines Polizeireviers.
Leitung und Organisationsaufbau Polizeipräsident ist seit dem 25. Juli 2022 Stefan Müller. Das Polizeipräsidium Frankfurt am Main besteht aus der Abteilung Einsatz, der Abteilung Verwaltung und der Abteilung Zentrale Dienste. Die Abteilung Einsatz ist die größte der drei Abteilungen. Sie wird von einem Abteilungsdirektor geleitet und besteht aus einem Abteilungsstab und sechs Direktionen: Vier regionale Polizeidirektionen (Nord, Mitte, Süd, Flughafen), die Kriminaldirektion, die Direktion Sonderdienste sowie die Direktion Verkehrssicherheit. Im Polizeipräsidium Frankfurt am Main sind ca. 3.700 Mitarbeiter (Beamte und Angestellte) beschäftigt.
Kriminaldirektion Die Kriminaldirektion mit ihren sechs Kriminalinspektionen bearbeitet zentral Gewalt-, Sexual-, Eigentums-, Brand-, Waffen-, Sprengstoff-, Fälschungs-, Umwelt-, Staatsschutz- sowie Rauschgiftdelikte und Delikte aus dem Bereich der organisierten Kriminalität sowie der Computerkriminalität. Außerhalb der Regeldienstzeit existiert ein Kriminaldauerdienst (KDD), der im Rahmen des Ersten Angriffs für die Erstbearbeitung von Kapitalverbrechen, Brandfällen, Vermisstensachen sowie Amtsdelikte und Bearbeitung von Haftbefehlen zuständig ist.
Direktion SE/SK Die Direktion SE/SK ist die Direktion für die Spezialeinheiten und der Spezialkräfte in Frankfurt. dem SEK-, den MEKs und der Verhandlungskräfte. Diese sind im gesamten Bundesland Hessen örtlich zuständig.
Im Juni 2021 verkündete Innenminister Peter Beuth (CDU) die Auflösung des Spezialeinsatzkommando der Frankfurter Polizei, nachdem Mitarbeiter des SEK Frankfurt in Online-Chats Gewalt verherrlicht, volksverhetzende Nachrichten und Nazi-Symbole verschickt hatten. 19 aktiven Elitepolizisten wird vorgeworfen, Mitglieder in rechtsextremen Chatgruppen gewesen zu sein. Gegen 29 weitere Beamte wird in diesem Zusammenhang disziplinarrechtlich ermittelt. Die Eliteorganisation hatte stets als Vorzeigeeinheit gegolten und war für besonders brisante Lagen wie Geiselnahmen und Antiterroreinsätze in ganz Hessen angefordert worden.Katharina Iskandar: Frankfurter SEK wird aufgelöst Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Juni 2021; Uwe Gerritz: Beuth löst SEK Frankfurt nach Polizei-Skandal auf hessenschau, 10. Juni 2021; Hessischer Innenminister löst Frankfurter SEK auf Süddeutsche Zeitung, 10. Juni 2021; Hessens Innenminister löst SEK Frankfurt auf Der Spiegel, 10. Juni 2021; Frankfurter SEK wird aufgelöst Deutsche Welle, 10. Juni 2021; Germany Disbands Commando Unit Over Members’ Participation in neo-Nazi Chat. In: Haʾaretz, 10. Juni 2021. Die Vorgänge wurden bekannt, nachdem die Mobiltelefondaten eines Polizisten wegen des Verdachts auf den Besitz kinderpornografischen Materials ausgewertet worden waren.Weitere Polizisten wegen rechter Chats unter Verdacht auf hessenschau.de vom 11. Juni 2021, abgerufen am 14. Juni 2021. Mittlerweile sind die Spezialkräfte in das Polizeipräsidium Einsatz eingegliedert.
Direktion Sonderdienste Die Direktion Sonderdienste ist im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main zuständig. Zur Direktion gehören die Einsatzeinheit mit dem Diensthundekommando, dem Überfallkommando und einer operativen Einheit, der zentrale Objektschutz, die AG Sozialkriminalität, die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Ausländerrecht, die BFE Frankfurt sowie das zentrale Polizeigewahrsam.
Direktion Verkehrssicherheit Die Direktion Verkehrssicherheit ist im gesamten Stadtgebiet, auf dem Frankfurter Autobahnring (A 3, A 5, A 66, A 648, A 661) und den Bundesstraßen B 40a und B 43 zuständig.
Die Direktion gliedert sich in eine Fahndungsgruppe, den Verkehrsüberwachungsdienst, den Zentralen Verkehrsunfalldienst, die Verkehrserziehung und -aufklärung und die Polizeiautobahnstation Frankfurt am Main.
Polizeidirektionen und Polizeireviere mini|Karte des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main Den vier Polizeidirektionen sind 16 Polizeireviere zugeordnet:
Revier Adresse Standort Zuständig für Direktion Mitte 1. Zeil 33 Innenstadt Innenstadt 2. Mercatorstraße 50 Nordend Nordend (östlicher Teil) 3. Adickesallee 70 (im Polizeipräsidium) Nordend Nordend (westlicher Teil), Westend (nördlicher Teil) 4. Gutleutstraße 112 (im Behördenzentrum) Gutleutviertel Bahnhofsviertel, Gallus, Gutleutviertel (östlicher Teil) 13. Schloßstraße 88–90 Bockenheim Bockenheim (südlicher Teil), Westend (südlicher Teil), Gallus (Europaviertel) Direktion Flughafen 19. Gebäude 194 Flughafen Flughafen Direktion Nord 6. Turmstraße 7–9 Bornheim Bergen-Enkheim (nordwestlicher Teil), Bornheim, Seckbach 7. Pfortenstraße 1 Fechenheim Fechenheim 11. Westerbachstraße 37–43 Rödelheim Bockenheim (Industriehof), Hausen, Praunheim (Westhausen), Rödelheim 12. Am Schwalbenschwanz 3 Eschersheim Dornbusch, Eckenheim, Eschersheim, Ginnheim, Nordend (nördlicher Teil), Preungesheim, Westend (Carl-Schurz-Siedlung) 14. Marie-Curie-Straße 32Mertonviertel Heddernheim, Niederursel, Praunheim (nördlicher Teil) Berkersheim, Bonames, Frankfurter Berg, Harheim, Kalbach-Riedberg, Nieder-Erlenbach, Nieder-Eschbach 18. Florianweg 8 Bergen-Enkheim Bergen-Enkheim, Riederwald Direktion Süd 5. Ferdinand-Happ-Straße 32 Ostend Ostend 8. Offenbacher Landstraße 29 Sachsenhausen Oberrad, Sachsenhausen 10. Goldsteinstraße 126 Niederrad Niederrad, Schwanhein 17. Gebeschusstraße 10 Höchst Höchst, Griesheim, Nied, Sindlingen, Sossenheim, Unterliederbach, Zeilsheim
Geschichte mini|Erster Sitz des Frankfurter Polizeipräsidiums war der mittelalterliche Clesernhof (rechts im Bild)miniatur|Polizeipräsidium an der Neuen Zeil/Ecke Klingerstraße, um 1888 mini|Zweites Polizeipräsidium am Hohenzollernplatz, heute Friedrich-Ebert-Anlage Erste schriftliche Überlieferungen zum Polizeiwesen in Frankfurt am Main stammen aus dem 14. Jahrhundert. Sie berichten über eine Gesundheitspolizei, die die Lebensmittelhygiene auf den Märkten und dem Hafen am Main überwachte. Darüber hinaus gab es eine Marktpolizei, die die Einhaltung von Maßen und Gewichten kontrollierte. Um 1620 wurden zu Beginn des Dreißigjährigen Kriegs 60 Polizeisoldaten angestellt, die anhand ihrer Bewaffnung mit Piken als Piketts bezeichnet wurden und in der Hauptwache sowie der Konstablerwache stationiert waren.
Anfang des 19. Jahrhunderts in der Zeit des Großherzogtums Frankfurt entstand nach französischem Vorbild eine aus der allgemeinen Verwaltung herausgelöste Polizei. Die Leitung der Polizei war im Palais Thurn und Taxis als dem Sitz des Großherzogs untergebracht. In dieser Zeit um 1812 gab es in der Stadt Frankfurt nur acht Wachtmeister und 27 Polizeidiener. Auf dem Lande bekämpfte ein Gendarmeriekorps mit 117 ehemaligen Soldaten das Räuberunwesen. Nach dem Ende des Großherzogtums 1813 wurde Frankfurt zur Freien Stadt und schaffte die Verwaltungsreformen wieder ab. Erst mit der preußischen Besetzung von 1866 erhielt die Stadt wieder ein modernes Polizeiwesen. Mit dem Bezug des neuen Polizeipräsidiums 1886 schuf die Frankfurter Polizei als neue Abteilung die Kriminalpolizei. Nachdem Frankfurt durch Eingemeindungen 1910 über 400.000 Einwohner hatte, wurde die Polizei erheblich verstärkt. 1918 gehörten ihr insgesamt fast 600 Mitarbeiter an. Bei der Novemberrevolution schuf ein neu gegründeter Arbeiter- und Soldatenrat eine 1800 Mann umfassende Hilfspolizei und einen 120 Matrosen umfassenden Marinesicherungsdienst. Mit der Ausrufung der Weimarer Republik lösten sich die Räte auf und die Polizei wurde reorganisiert. 1930 betrug der Personalbestand etwa 1400 Mitarbeiter.
Nach der Machtergreifung 1933 wurde der Polizeipräsident von den Nationalsozialisten durch einen SA-Standartenführer ersetzt. Durch das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums kam es zu einer Säuberungswelle gegenüber politisch missliebigen Beamten. Durch die Umorganisierung der Polizei 1936 in eine Ordnungs- und eine Sicherheitspolizei entstand eine Frankfurter Gestapodienststelle mit eigenem Dienstgebäude. 1941 wurde der Polizeipräsident Adolf Beckerle, ein führender SA-Angehöriger abgelöst, da der Posten durch einen höheren SS-Führer ersetzt werden sollte. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Frankfurter Polizei zur Verteidigung gegen amerikanische Einheiten eingesetzt, die am 29. März 1945 die Stadt einnahmen.
In der unmittelbaren Nachkriegszeit nahm die US-Militärregierung in der amerikanischen Besatzungszone eine Dezentralisierung der Polizei vor. In Frankfurt entstand eine kommunale Polizei mit einer Schutz- und einer Kriminalpolizei. Sie stand unter einer strengen Kontrolle der Militärregierung, die die Polizisten anfangs nur mit Gummiknüppeln ausstattete. Erst im Oktober 1945 erhielt jede Dienststelle eine Schusswaffe. 1946 betrug der Personalbestand der Polizei etwa 1600 Schutzpolizisten und rund 170 Kriminalbeamte.
Polizeipräsidenten 1867–1872 Guido von Madai 1872–1888 August von Hergenhahn 1887–1889 Ernst-Matthias von Köller 1889–1904 Wilhelm von Müffling 1904–1911 Fritz Scherenberg 1911–1918 Karl Rieß von Scheurnschloß 1918–1919 Hugo Sinzheimer 1919 Leopold Harris 1919–1925 Fritz Ehrler 1926–1929 Josef Zimmermann 1929–1933 Ludwig Steinberg 1933 Reinhard von Westrem zum Gutacker 1933–1941 Adolf Beckerle 1941–1942 vakant 1943–1945 Friedrich Ludwig Stollberg„Stollberg, Fritz“, in: Hessische Biografie 1945 Ferdinand Mührdel 1946–1951 Willy Klapproth 1951–1952 Hanns Jess kommissarisch (Polizeivizepräsident) 1952–1970 Gerhard Littmann 1970–1980 Knut Müller 1980–1994 Karlheinz Gemmer 1994 Klaus Krumb (Interimspräsident) 1995–1999 Wolfhard Hoffmann 1999–2005 Harald Weiss-Bollandt 2005–2014 Achim Thiel 2014–2022 Gerhard BereswillFrankfurter Polizeichef Bereswill geht in den Ruhestand: Nachfolge unklar (Frankfurter Rundschau vom 19. Juni 2022) seit 2022 Stefan Müller
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