Die Erlanger Stadtwerke AG (ESTW) sind das regionale Energie- und Trinkwasserversorgungsunternehmen der Stadt Erlangen. Sie sind zu 100 % im Besitz der Stadt Erlangen.Geschäftsbericht 2025; Erlangen
Geschichte Die Erlanger Stadtwerke gehen auf die Erlanger Gasgesellschaft AG (gegründet 1858), das 1891 gegründete Wasserwerk und das 1902 entstandene Elektrizitätswerk zurück. Im Mai 1915 wurden die drei Betriebe zu den städtisch technischen Werken Erlangen zusammengeführt, die 1939 in Stadtwerke Erlangen umbenannt wurden. Zum 1. Januar 1967 wurde der bisherige kommunale Eigenbetrieb in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1997/98 wurde eine Teilprivatisierung geplant, die aber bei einem Bürgerentscheid mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. Die Erlanger Stadtwerke befinden sich daher bis heute vollständig im Besitz der Stadt Erlangen. 2001 wurde die Unternehmensstruktur in eine Konzernstruktur umgewandelt, unter anderem, um den Vorgaben der Energiemarktliberalisierung und des Steuerrechts nachzukommen.
mini|Hauptgebäude der Erlanger Stadtwerke, Äußere Brucker Straße Bis 1963 betrieben die Stadtwerke ein Gaswerk an der Äußeren Brucker Straße. Ebenfalls bis in die 1960er Jahre betrieben wurde das Elektrizitätswerk an der Fuchsenwiese, das später von der Stadt Erlangen in ein Kulturzentrum (eröffnet 1982) umgebaut wurde. Seit 1961 betreiben die Stadtwerke an der Äußeren Brucker Straße ein Heizkraftwerk, in dem nach verschiedenen Umbauten, Erweiterungen und Modernisierungen neben Wärme zur Fernwärmeversorgung auch Strom produziert wird. Hier erfolgte im März 2020 der Wechsel vom Brennstoff Kohle auf Erdgas. Laut dem technischen Vorstand Frank Oneseit hatte die Umstellung nichts mit dem Thema „Klimanotstand“ zu tun, sondern vielmehr mit Fördergeldern des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes, die man „mitnehmen“ wollte.
1949 übernahmen die Stadtwerke zusätzlich den Betrieb des Erlanger Stadtverkehrs, von 1963 bis 2017 außerdem den Betrieb eines Hallenbads Frankenhof. Mitte der 1990er Jahre stiegen die ESTW mit einer gemeinsamen Tochter mit den Nürnberger und Fürther Stadtwerken (NEFkom) in den Telekommunikationsmarkt ein. Die NEFkom ging 2004 in der M-net auf, an der die ESTW bis Ende 2025 beteiligt waren.
Seit der Liberalisierung des Energiemarktes Ende der 1990er Jahre stehen die Erlanger Stadtwerke in ihrem Kerngeschäft Strom- und Gasversorgung im Wettbewerb. Das Netz dagegen steht nicht im Wettbewerb, unterliegt aber der Regulierung durch die Bundesnetzagentur.
Geschäftsbereiche Netzbetrieb Die ESTW betreiben das Verteilnetz für Strom und Gas im Wirkungskreis der Stadt Erlangen. Das Stromverteilungsnetz wies dabei Ende 2025 eine Länge von 1.088 km bei 20.673 Hausanschlüssen auf, die entnommene Energiemenge betrug 583 Mio. kWh. Das Erdgasverteilungsnetz hat eine Länge von 255 km. Dabei bestehen 7.559 Hausanschlüsse, die Energieentnahme betrug 1.202 Mio. kWh.
Energieversorgung Die ESTW sind sowohl in der Stromerzeugung als auch in der Stromversorgung aktiv, außerdem in der Gasversorgung und der Erzeugung und Versorgung mit Wärme. Die ESTW sind dabei für Strom und Gas Grundversorger für das Gebiet der Stadt Erlangen.
Die Stromproduktion erfolgt über Kraft-Wärme-Kopplung in den Heizkraftwerken der ESTW im Erlanger Stadtgebiet. Daneben betreiben die ESTW eine Wasserkraftanlage sowie mehrere Photovoltaik- und Windkraftanlagen. Über ihre Beteiligung an der Regnitzstromverwertung AG (RSV, 33 % Anteil der ESTW) sowie weitere Unternehmensbeteiligungen sind die ESTW Miteigentümer an weiteren Anlagen. Die RSV übernimmt auch den Einkauf der Strommenge, den die ESTW nicht aus eigener Produktion decken.
Bei der Stromversorgung setzten die ESTW 2025 rund 255 Mio. kWh ab, bei der Gasversorgung 305 Mio. kWh. Mit Fern- und Nahwärme wurden 2.280 Abnehmer versorgt, die 360 Mio. kWh bezogen.
Wasserversorgung Die ESTW versorgen das Erlanger Stadtgebiet – mit Ausnahme der 1972 eingemeindeten Stadtteile – mit Trinkwasser. Außerdem erledigen sie die Betriebs- und Geschäftsführung für den Zweckverband zur Wasserversorgung der Eltersdorfer Gruppe, der außerhalb des Erlanger Stadtgebiets auch Tuchenbach, Ober- und Untermichelbach umfasst. Für weitere Zweckverbände und Gemeinden im nahen Umkreis übernehmen die ESTW ebenfalls die technische Betriebsführung, Wasserbelieferung und/oder -verteilung. Im eigenen Netz wurden 2025 14.403 Hausanschlüsse versorgt, der Absatz betrug 7,7 Mio. Kubikmeter.
Bei der Energiedienst Erlangen GmbH (EDE) fand zum 1. Mai 2026 eine Umfirmierung auf Erlanger Stadtwerke Energiedienst GmbH (ESTW Energiedienst) statt. Die ESTW Energiedienst ist eine Tochtergesellschaft der ESTW AG. Gesellschaftsgegenstand ist das Erbringen, der Vertrieb und die Finanzierung von Energiedienstleistungen einschließlich der Vornahme der dazugehörigen Installationsarbeiten im Rahmen der Elektromobilität, von Contracting-Aufträgen sowie Komplettaufträgen in Zusammenhang mit Planung, Bau und Finanzierung von Gas- und Wärmeanschlüssen gemeinsam mit Heizkesselanlagen. Seit 1. Januar 2025 ist die ESTW Energiedienst Eigentümer und Betreiber der Ladeinfrastruktur. Die Elektromobilität stellt das überwiegende Geschäft der Gesellschaft dar. Zum Jahresende 2025 waren 101 eigene Ladepunkte im Erlanger Stadtgebiet installiert, der Stromabsatz im Jahr 2025 hierüber betrug 1.107 Mio. kWh.
Stadtverkehr
Die Erlanger Stadtwerke Stadtverkehr GmbH ist ein 100%iges Tochterunternehmen der Erlanger Stadtwerke AG und für den öffentlichen Personennahverkehr zuständig. Sie betreibt den Stadtbusverkehr mit 18 Linien, davon 3 NightLiner. Im Jahr 2025 wurden 14,2 Mio. Fahrgäste transportiert. Das Stadtbusnetz hat eine Gesamtlänge von 228 km mit etwa 461 Haltepunkten.
Linienübersicht Tagesverkehr Folgende ESTW-Buslinien fahren in Erlangen (ohne Nachtbuslinien):
Linie Betreiber Aktueller Linienweg 280 ESTW Lindnerstraße – Schulzentrum West – Neumühle – Paul-Gossen-Straße – Gebbertstraße – Technische Fakultät/Wohnheim – Busbahnhof Buckenhof/Spardorf 281 ESTW Hugenottenplatz – Paul-Gossen-Straße – Frauenaurach – Kriegenbrunn – Hüttendorf 283 ESTW Hugenottenplatz – St. Johann – Dechsendorfer Weiher 284 ESTW Bruck Bahnhof – Arcaden – Hauptbahnhof – Hugenottenplatz – Zollhaus – Markuskirche – Sieglitzhof 285 ESTW Max-Planck-Str. – Bruck – Arcaden – Zollhaus – Markuskirche – Buckenhof 286 ESTW Lindnerstraße – Schulzentrum West – Martin-Luther-Platz – Hauptbahnhof – Arcaden – Max-Planck-Straße 287 ESTW Steudach – Lindnerstraße – Schulzentrum West – Martin-Luther-Platz – Hauptbahnhof – Arcaden – Technische Fakultät/Wohnheim – Sebaldussiedlung 289 ESTW Klinikum am Europakanal – Büchenbacher Anlage – Paul-Gossen-Straße – Gebbertstraße – Arcaden – Hauptbahnhof – Martin-Luther-Platz – Waldkrankenhaus 290 ESTW Nürnberg Am Wegfeld – Boxdorf – Großgründlach – Erlangen Tennenlohe – Roncalli-Stift – Gebbertstraße – Arcaden – Hauptbahnhof – Unikliniken/Maximiliansplatz – Waldkrankenhaus 293 ESTW Lindnerstraße – In der Reuth – Schulzentrum West – Martin-Luther-Platz – Hauptbahnhof – Hugenottenplatz – Zollhaus – Sebaldussiedlung – Bruck Bahnhof 294 ESTW Eltersdorf – Bruck – Arcaden – Hauptbahnhof – Hugenottenplatz – Röthelheimpark – Sieglitzhof 295 ESTW Hugenottenplatz – Hauptbahnhof - Arcaden – Gebbertstraße – Tennenlohe 296 ESTW In der Reuth – Am Hafen – Werner-von-Siemens-Straße – Zollhaus – Wirtschaftsschule298ESTWLindnerstraße – Kosbach – Häusling – Steudach – Frauenaurach Sportplatz – Geisberg Ost 299 ESTW CityLinie: Busbahnhof – Unikliniken/Maximilianplatz – Zollhaus – Busbahnhof Folgende Rufbusse fahren in Erlangen:
281T: Bayernstraße – Schallershof
283T: Weisendorfer Straße – Dechsendorfer Weiher
285T: Buckenhof – Hutweide – Buckenhof
287T: Westfriedhof – Lindnerstraße
293T: Hofmannstraße – Ludwig-Erhard-Straße
Nachtverkehr 250px|rechts|Nachtbussymbol im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg
In den Nächten von Freitag auf Samstag, Samstag auf Sonntag, in Nächten auf Feiertage und Brückentage und in den Nächten auf Rosenmontag und Faschingsdienstag bedienen fünf Linien des Nachtbusses NightLiner das Stadtgebiet Erlangen. Die Linien N27, N28 und N29 werden von den ESTW betrieben.
Linie Betreiber Aktueller Linienweg ESTW Hugenottenplatz – St. Johann – Dechsendorf – Kosbach – Häusling – Steudach ESTW Buckenhof – Sieglitzhof – Hugenottenplatz – St. Johann – Büchenbach – Frauenaurach – Kriegenbrunn – Hüttendorf ESTW Hugenottenplatz – Bruck – Eltersdorf Bäderbetrieb Die Erlanger Stadtwerke AG betreiben eigenverantwortlich das Westbad sowie – im Auftrag der Stadt Erlangen – das Röthelheimbad mit Hannah-Stockbauer-Halle.
Tochterunternehmen und Beteiligungen Zum ESTW-Konzern gehören zwei Tochterunternehmen (Stand 2025): Erlanger Stadtwerke Stadtverkehr GmbH (100 %) Erlanger Stadtwerke Energiedienst GmbH (100 %)
Die Beteiligungen der ESTW dienen im Wesentlichen der Sicherung ihres Geschäftsbetriebs und der Bezugsquellen bei Strom, Gas und Wasser. 2025 verfügte das Unternehmen über folgende Beteiligungen Regnitzstromverwertung AG (Stromproduktion und -bezug, 33,3 %) Infrastruktur Windpark Römerreuth GmbH & Co. KG (Stromproduktion, 33,3 %) Infrastruktur Windpark Römerreuth Beteiligungs GmbH (Stromproduktion, 33,3 %) Reuthwind GmbH & Co. KG (Stromproduktion, 7,4 %) Bürgerwindrad Wilhelmsdorf UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG (Stromproduktion, 5,5 %) Bürgerwindrad Litzendorf-Hohenellern GmbH & Co. KG (Stromproduktion, 3,8 %) enPlus eG (Gasbezug, 11,1 %) Ökostrom Franken GmbH & Co. KG (Erneuerbare Energien, 14,9 %) Verkehrsverbund Großraum Nürnberg GmbH (Verkehrsverbund, 11,1 % über die Erlanger Stadtwerke Stadtverkehr GmbH) solid GmbH (Information über Solarenergie, 14,1 %) M-net Telekommunikations GmbH (Telekommunikation, 4,6 % bis 31. Dezember 2025) Frankenmetering Verwaltungs-GmbH (Messstellenbetrieb, 15 %) Frankenmetering GmbH & Co. KG (Messstellenbetrieb, 15 %)
Weblinks Website des Unternehmens
Einzelnachweise
Kategorie:Unternehmen (Erlangen) Kategorie:Verkehr (Erlangen) Kategorie:Stadt- oder Gemeindewerke (Deutschland) Kategorie:Busunternehmen (Bayern) Kategorie:Kommunaler Energieversorger (Deutschland) Kategorie:Verkehrsverbund Großraum Nürnberg Kategorie:Kommunaler Wasserversorger (Deutschland) Kategorie:Unternehmensgründung 1858