Die Tote Hand ( oder Mjortwaja ruka, offiziell )Bruce G. Blair: (PDF) ist ein Atomwaffen-Führungssystem der Sowjetunion und Russlands. Es soll im Falle eines nuklearen Enthauptungsschlags, der die Führung des Landes aktionsunfähig macht, automatisch oder semi-automatisch einen allumfassenden Gegenschlag auslösen.

Medienberichten zufolge ist das System weiterhin in Betrieb.

Beschreibung Aufgabe des Systems „Tote Hand“ (benannt nach dem Buch Dead Hand von Harold Coyle)Harold Coyle: Dead Hand. Forge Books, ISBN 0-8125-7539-3, ISBN 978-0-8125-7539-2Siehe auch: Doomsday: On The Brink, eine Dokumentation des Learning Channel von 1997. „Dead Hand“ bezog sich gleichfalls auf den Zwischenfall anlässlich des Starts einer norwegischen Forschungsrakete im Jahr 1997 sowie auf die Weiterverbreitung von Atomtechnologie in der islamischen Welt. Ziel war es aufzuzeigen, dass die Bedrohung durch den sogenannten „Doomsday“ (der nukleare Weltuntergang) durch den Fall der Berliner Mauer und die daraus entstandenen Umwälzungen nicht verschwunden ist. „That order will ultimately be obeyed, even if nobody is left alive to obey it.“ („Dieser Befehl wird letztlich ausgeführt, auch wenn es keinen Überlebenden mehr gibt, der ihn befolgen kann.“) war es, den Atomstreitkräften der Sowjetunion im Falle der Ausschaltung der politischen Führung durch Freigabe ihrer Waffen eine Zweitschlagfähigkeit zu bewahren. Dies wurde durch die Entwicklung von zielgenauen U-Boot-gestützten ballistischen Interkontinentalraketen (SLBM) während der 1980er Jahre zum vorherrschenden Thema.

Vor Beginn der 1980er Jahre galten landgestützte Interkontinentalraketen (ICBM) und von Bombern transportierte Nuklearwaffen als am zielgenauesten. Dagegen wurden die frühen US-amerikanischen, auf Atom-U-Booten (SSBN) stationierten SLBM-Systeme wie die UGM-27 Polaris der 1960er Jahre sowie die während der 1970er Jahre eingeführte UGM-73 Poseidon als nicht genau genug für einen Counterforce-Angriff – gegen das Waffenpotential – oder Erstschlag (First strike) der USA gegen die Sowjetunion angesehen. Auf U-Booten stationierte SLBMs wurden daher primär gegen Bevölkerungszentren gerichtet (als sogenannte Countervalue-Ziele), bei denen die Zielgenauigkeit eine geringere Rolle spielte. Ein mit guten Radar- und Satellitenüberwachungssystemen ausgerüsteter Gegner konnte mit Vorwarnzeiten von etwa 30 Minuten zwischen Raketenstart und Einschlag rechnen – genug, um nach dem Prinzip „Launch on warning“ seine eigenen Waffen zum nuklearen Gegenschlag zu starten. Ein wirkungsvoller Erstschlag war unter diesen Bedingungen wenig erfolgversprechend.

Die strategische Balance änderte sich, als mit den neuen US-amerikanischen SLBM vom Typ Trident C4 und Trident D5 hochgenaue Systeme eingeführt wurden. Mit der Trident-D5 (Entwicklung ab 1983, Indienststellung 1990) waren Zielgenauigkeiten (CEP50 etwa 90 Meter) erreichbar, die denen von landgestützten ICBM nahekamen. Damit waren die US-amerikanischen und britischen Trident-U-Boote in der Lage, durch verdeckte Annäherung an die Küsten des Gegners die Vorwarnzeiten auf weniger als drei Minuten zu reduzieren, wodurch ein gegen Militär und Führung gerichteter Counterforce-Angriff auch als Enthauptungsschlag führbar wurde.

Nach Aussagen von Militärstrategen galt es als plausibel, dass eine Seite die Durchführung eines Erstschlages erwägen würde, wenn sie zur Überzeugung gelangt sei, das Führungssystem der anderen Seite mit Erfolg ausschalten zu können. Die UdSSR unternahm aus diesem Grund Schritte zur Sicherstellung ihrer Fähigkeit zur nuklearen Vergeltung, falls ihre Führung durch einen Überraschungsangriff ausgeschaltet würde.

Das System wurde im Januar 1985 in Dienst gestellt.

Durchführung Die Fernmeldeverbindungen zwischen der Führung der Sowjetunion und ihrem Generalstab sowie mit militärischen Einrichtungen, darunter Radarstationen, Raketensilos und Kommandozentralen, waren rund um die Uhr unter Überwachung. Wurden Atomexplosionen auf dem Gebiet der UdSSR festgestellt oder traten unvorhergesehene Ausfälle von Fernmeldeverbindungen auf, konnten bereits vergleichsweise rangniedrige Offiziere ohne Zustimmung höherer Gefechtsstände die Freigabe von Atomwaffen erteilen.

Ein 1993 von der New York Times veröffentlichter Artikel schildert das System wie folgt:

Heutige Bedeutung Ein Artikel in Wired von September 2009 deutet an, dass „Tote Hand“ noch immer existiere und in Betrieb sei. Im Jahr 2011 bestätigte der Oberbefehlshaber der russischen Strategischen Raketentruppen Sergei Wiktorowitsch Karakajew, dass das System im vollen Einsatz sei. Sputnik, 21. August 2017 Im Gegensatz zu früheren Vorstellungen scheint das System aber nicht vollautomatisiert zu sein (was ursprünglich von der Sowjetunion geplant, aber als zu gefährlich verworfen wurde), sondern benötigt als letzte Kontrolle weiterhin eine menschliche Freigabe aus einem Militärbunker.

Siehe auch Weltvernichtungsmaschine Letters of Last Resort

Literatur

Weblinks Artikel. In: Rossijskaja Gaseta (russisch)

Einzelnachweise

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