Denzlingen ist eine Gemeinde rund zehn Kilometer nördlich von Freiburg im Breisgau im Landkreis Emmendingen im Südwesten des Landes Baden-Württemberg.

Geographie Lage mini|Luftbild von Denzlingen (2003) Die nur aus dem Dorf dieses Namens bestehende Gemeinde Denzlingen liegt im Breisgau, einer südöstlichen Teillandschaft der Oberrheinischen Tiefebene, zu Füßen des Schwarzwalds. Im Norden der Gemarkung fließt die Elz, durch den Ort selbst zieht die Glotter.

Weitere Fließgewässer im Gemeindegebiet sind das Lossele im Osten, der Schwan, denzlingen-online.de, 12. April 2006, abgerufen am 28. Januar 2012 (PDF; 1,4 MB). (auch Schwanen) im Norden sowie der Taubenbach (früher DaubenbachKarte zur Gemarkung Denzlingen anno 1813, eingelegt in Denzlingen – Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, Heft 6/7, Jahrg. 1978.) im Süden.

Von Ostsüdosten her mündet das Glottertal aus dem Schwarzwald in die flache Talebene, das sich in weitem Winkel nach Westen hin öffnet bis hin zum kleinen Massiv des Kaiserstuhls, der die Rheinebene noch vor dem Rhein unterbricht. In Richtung Nordosten erreicht man das Elztal. Auf dem Weg nach Norden gelangt man bald zu den westlichsten Ausläufern des Schwarzwaldes und über das Tennenbacher Tal nach Freiamt.

Die Ebene gibt den Blick auf den Kaiserstuhl frei und bei klarer Sicht auf die etwa 50 km entfernten Vogesen auf der französischen Seite der Oberrheinebene.

Im Norden der Gemeinde befindet sich der Mauracher Berg, eine geologisch interessante Erhebung der Vorbergzone in der Ebene von Elz und Glotter. Weitere Erhebungen auf Denzlinger Gemarkung sind die zum Mittleren Schwarzwald gehörenden Einbollen und Flissert.

Im Gemeindegebiet lagen die in Denzlingen aufgegangenen Ortschaften Mauracherhof und Unterdenzlingen.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-007174-2, S. 205–206. Unmittelbar westlich der heutigen Gemarkungsgrenze befand sich die Ortschaft Thiermondingen.

Nachbargemeinden An Denzlingen grenzen folgende Gemeinden an (von Westen im Uhrzeigersinn): Vörstetten, Emmendingen, Sexau und Waldkirch im Landkreis Emmendingen; Glottertal, Heuweiler und Gundelfingen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.

Klima

Geschichte mini|Der Beiname Langen-Denzlingen am Denzlinger Bahnhof mini|Die Glotter in Denzlingen (2008) mini|Altes Denzlinger Rathaus mini|Kohlerhof in Denzlingen Bis zum 19. Jahrhundert Denzlingen war schon in römischer Zeit besiedelt, wie die Reste einer Villa rustica aus dem 2./3. Jahrhundert n. Chr. am Fuße des Mauracher Bergs bezeugen. Wie die Endung „-ingen“ bereits andeutet, handelt es sich bei Denzlingen um eine von Alemannen gegründete Siedlung. Namensgeber war der Stammesfürst Denzilo, der sich im 5. Jahrhundert hier niederließ. Die erste urkundliche Erwähnung des Orts stammt aus dem Jahr 984. Das mittelalterliche Denzlingen bestand aus zwei getrennten Ansiedlungen. Nieder- und Oberdorf, beide an der Glotter gelegen, erstreckten sich entlang eines alten Weges von Riegel am Kaiserstuhl ins Glottertal (Herrenweg). Sie wuchsen im Lauf der Zeit zu einem langgestreckten Straßendorf zusammen, das den Beinamen Langendenzlingen erhielt.Geschichte

Vor allem für das 12. Jahrhundert ist ein Ortsadel nachgewiesenJulius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch, Band 1, Heidelberg 1898, S. 213 (Digitalisat der UB Heidelberg). – so wird 1111 ein Burchart de DencelingenJohann Daniel Schöpflin: Historia Zaringo Badensis. Bd. 5, S. 41, Urk. XXI, für 1112 im Rotulus Sanpetrinus „ein freier Mann von Denzlingen, Ludewicus“ erwähnt (verkürzt: Ludwig von Denzlingen)Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden, Band 6, Tübingen 1904, S. 127 (Digitalisat der UB Heidelberg)., glottertal.de, 2012, PDF: 3,31 MB. – jedoch haben diese keine Spuren im Ortsbild hinterlassen.

Besitz in Denzlingen hatten 984 das Kloster Einsiedeln, 1147 das Kloster St. Ulrich, 1178 das Kloster Waldkirch und 1185 das Kloster St. Trudpert. Ab 1305 gehörte Denzlingen zur Markgrafschaft Baden-Hachberg, die 1415 von Markgraf Bernhard I. erworben wurde. Sie ging in der Markgrafschaft Baden und später in der Markgrafschaft Baden-Durlach auf. Den Kirchensatz in Denzlingen besaß ab 1348 die Deutschordenskommende Freiburg.

Die Gebiete Mauracherhof und Steckenhof (heute Stöckenhof) nahmen hingegen eine andere Entwicklung. Mauracherhof wird als Muron („Maurach“) bereits 962 ersterwähnt, als Otto I. den Besitz des Breisgau-Grafen Guntram an das Bistum Konstanz gibt, das ihn 1302 an das Domkapitel Konstanz verkauft. Dieses verkaufte Maurach 1466 an das Stift Waldkirch (1466), woraufhin weitere Besitzerwechsel folgten.Dieter Geuenich: Curtis in Muron cum ecclesia. Zur Lage und Bedeutung der Kirche zu Maurach (Denzlingen) im Mittelalter. In: Niklot Krohn, Ursula Koch (Hrsg.): Grosso Modo. Quellen und Funde aus Spätantike und Mittelalter. Festschrift für Gerhard Fingerlin (= Forschungen zu Spätantike und Mittelalter. Band 1). Verlag Bernhard Albert Greiner, Weinstadt 2012, S. 215–224; Schließlich kam der Mauracherhof 1714 an die Familie SonntagJohann Wilhelm Schmidt: Geographisch statistisch, topographische Beschreibung von dem Kurfürstenthum Baden. Erster Theil, enthält die badische Markgrafschaft, Karlsruhe 1804, S. 352 (Digitalisat bei Google Books) und 1970 an die Gemeinde Denzlingen.Camill Macklot: Universal-Lexikon vom Großherzogthum Baden, Karlsruhe 1844, S. 765 (Digitalisat bei Google Books) Steckenhof gehörte zunächst den Teuffel von Birkensee und anschließend den Roeder von Diersburg.Camill Macklot: Universal-Lexikon vom Großherzogthum Baden, Karlsruhe 1844, S. 1037 (Digitalisat bei Google Books).

In der frühen Neuzeit wurde am Einbollen Eisenerzbergbau betrieben, wie zahlreiche Pingen belegen.Denzlingen hatte im Mittelalter einen Erzstollen – ertragreich war er wohl nicht, Badische Zeitung, 23. Juli 2019, abgerufen am 26. Juli 2019. Bereits zu römischer Zeit fand am Südostabhang des Mauracher Bergs Eisenverhüttung statt.

Das Straßendorf wurde im Dreißigjährigen Krieg fast vollständig zerstört. Die Schlacht zwischen den kaiserlichen und schwedischen Truppen bei Denzlingen ist im abenteuerlichen Simplicissimus von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen beschrieben.

1826 befand sich das Ortszentrum mit einem neuen Rathaus gegenüber dem heutigen Gasthaus Krone. Seit dem 19. Jahrhundert ist Denzlingen beträchtlich angewachsen, insbesondere nach dem Anschluss an das badische Eisenbahnnetz 1845 (Bahnstrecke Mannheim–Basel). Von 1847 bis 1857 flüchteten viele Denzlinger wegen der revolutionären Ereignisse 1848 nach Amerika. Die beginnende Industrialisierung in der Mitte des 19. Jahrhunderts wandelte das Bild Denzlingens von einem Dorf mit vorher vorwiegend landwirtschaftlicher Struktur zu einem Industriestandort. Der erste größere Industriebetrieb war 1867 eine Zigarrenfabrik, der vielen Menschen bis in die 1960er Jahre Arbeit gab. Zeitweise gab es in Denzlingen bis zu sieben Zigarrenfabriken. Im Ort entwickelten sich neue Strukturen, darunter ein Bauverein, der Wohnraum an der Rosenstraße schuf, eine Krankenkasse und weitere soziale Einrichtungen. Viele Bürger arbeiteten im Nebenerwerb in der Landwirtschaft.

In den Jahren 1869 und 1870 wurde der Südwesthang des Einbollens am Talaustritt rechts über der Glotter gerodet und ab 1873 dann als Weinberg genutzt. Das weithin sichtbare Rebhäuschen auf dem Einbollen-Sporn wurde 1872 errichtet. Die Eisenbahnlinie in Richtung Waldkirch (Elztalbahn) wurde 1875 fertiggestellt und 1901 um zwölf Kilometer bis Elzach verlängert.

20. und 21. Jahrhundert Am 31. Januar 1911 war die neue Denzlinger Wasserversorgung mit einem Quellbrunnen am Einbollen und einer Brunnenstube am Brestenberg fertiggestellt. Der Unternehmer Otto Möllinger kaufte 1911 die ehemalige Wollenweberei beim heutigen Rocca-Areal. Er baute eine neue Zigarrenfabrik und nahm an gleicher Stelle eine Elektroturbine in Betrieb, die Denzlingen mit elektrischem Strom versorgte., denzlingen-online.de, abgerufen am 27. Juni 2017.

Im Ersten Weltkrieg verlor Denzlingen, das damals etwa 1900 Einwohner hatte, über 70 Soldaten. In der Zeit des Nationalsozialismus gab es im protestantisch geprägten Denzlingen wie in anderen Gemeinden dieses Typs einen überdurchschnittlich hohen Stimmenanteil für die NSDAP (Reichstagswahl März 1933: 59,6 %) und eine große Zahl an Parteimitgliedern (22 Mitglieder im Jahr 1932, 239 Mitglieder im Jahr 1943, darunter der evangelische Pfarrer).Dieter Geuenich, Dieter Ohmberger: Denzlingen – Band 2 – Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges (1648–1948), 2010, Medienhaus Denzlingen, S. 102–106. Zwei Denzlinger Bürger wurden in der Gaskammer der Tötungsanstalt Bernburg ermordetDieter Geuenich, Dieter Ohmberger: Denzlingen – Band 2 – Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges (1648–1948), 2010, Medienhaus Denzlingen, S. 122–124. und ein polnischer Zwangsarbeiter von einem Wachmann in Denzlingen erschossen. Zu deren Andenken wurden 2018 drei Stolpersteine in Denzlingen verlegt. Für einen bei der Flucht aus einem Konzentrationslager erschossenen Mann soll bald ein vierter Stolperstein folgen.Denzlinger Historiker betrachten zunehmenden Rechtsextremismus mit Sorge, Badische Zeitung, 9. September 2020, abgerufen am 5. Oktober 2020. Der Zweite Weltkrieg kostete über 180 Soldaten aus Denzlingen das Leben. 1950 lebten etwa 3000 Einwohner in Denzlingen. In den 1960er Jahren setzte ein rasches Bevölkerungswachstum ein und die Infrastruktur wurde ausgebaut. Zusammen mit den Nachbargemeinden Buchholz, Reute, Vörstetten und Wasser gründete die Gemeinde 1959 den Wasserzweckverband Mauracher Berg, dem 1961 zunächst Glottertal, Föhrental und Heuweiler und 1971 Waldkirch und Kollnau beitraten., denzlingen-online.de, abgerufen am 29. Juli 2019. 1972 und 1974 schloss sich Denzlingen mit den Nachbargemeinden Vörstetten und Reute zum Gemeindeverwaltungsverband Denzlingen-Vörstetten-Reute zusammen.

Im Osten der Gemeinde entstanden in den 70er und 80er Jahren neue Wohngebiete, ein Bildungszentrum und zahlreiche neue Sportstätten. In den 1990er Jahren erweiterte man das Gewerbegebiet in Richtung Westen, mehrere namhafte Unternehmen siedelten sich daraufhin an.

Von 1994 bis 2004 wurde die Ortsmitte saniert und neu gestaltet. Die Gemeinde errichtete 1996 ein neues Rathaus als Sitz der Gemeindeverwaltung Denzlingen-Vörstetten-Reute. Im gleichen Zug wurde das 1909 erbaute Alte Rathaus 1998 grundlegend saniert. Es beherbergt den Ratssaal des Gemeinderates und ein Trauzimmer. Der alte Bauernhof Kohlerhof in der Ortsmitte wurde ausgesiedelt. An seiner Stelle entstand ein Einkaufszentrum mit Flaniermeile. Das Kultur- und Bürgerhaus nahe dem Stadtpark wurde 2003 eingeweiht und setzte neue architektonische und kulturelle Akzente. Bekannte Künstler sind hier regelmäßig zu Gast. 2004 eröffnete im ehemaligen Rocca-Fabrikgelände in der Ortsmitte ein neues Kulturzentrum mit Mediathek und Kulturcafé. Entlang der Glotter und der Rosenstraße entstanden neue Plätze, vor dem Rathaus ein neuer Brunnen. Nahe dem Roccaareal wurde das historische Inselhaus saniert und einer neuen Nutzung zugeführt.

Am 29. Oktober 2009 beschloss der Gemeinderat, zum 1. Januar 2010 eigene Gemeindewerke zu gründen (Energieversorgung Denzlingen GmbH)., Badische Zeitung, abgerufen am 20. Dezember 2010., denzlingen-online.de, abgerufen am 31. Juli 2015.