Generation Y (kurz Gen Y) oder (zu Deutsch etwa „Jahrtausender“) bezeichnet die Bevölkerungskohorte bzw. Generation, die im Zeitraum der frühen 1980er bis zu den späten 1990er Jahren geboren wurde. Der Buchstabe Y wird wie („warum“) ausgesprochen, was auf die als charakteristisch für die Generation Y beschriebene Neigung zum Hinterfragen verweist.

Der Begriff Generation Y tauchte 1993 zum ersten Mal in der Marketingzeitschrift Advertising Age auf. Welche Eigenschaften den Angehörigen der Generation zugeschrieben werden können, wird in der Fachliteratur und anderen Medien vielfältig diskutiert.

mini|Ein typisches Millennial-Bild: junger Vater mit Babytrage Durch die zeitliche Einordnung gilt sie als Nachfolgegeneration der Generation X (bis 1980). Die nachfolgende Generation wird von Vertretern dieser Klassifikation als Generation Z bezeichnet, die im internationalen Rahmen nach Meinung einiger Experten die Geburtsjahrgänge 1997 bis 2010 umfasst. Nach Auffassung anderer Wissenschaftler endet die Generation Y bereits mit früheren oder erst mit späteren Geburtsjahren (beispielsweise 1995Christina Scholz: Generation Z. Wiley-VCH, Weinheim 2014, S. 31 oder 1999). Andere internationale Forschungszentren unterscheiden die Generation Y als Geburtsjahre 1980–1994 und zählen die Jahrgänge 1995–2010 bereits zur Generation Z. Die Abgrenzung der Zeiträume wird in der deutschen und US-amerikanischen Literatur oft unterschiedlich vorgenommen.Beverly Kaye, Sharon Jordan-Evans: Love ’Em or Lose ’Em: Getting Good People to Stay. 4. Auflage. Berrett-Koehler Publishers, San Francisco 2007, S. 236.

mini|Zeitleiste der Generationen, angelehnt an das Pew Research Centerhttps://web.archive.org/web/20190117172604/http://www.pewresearch.org/fact-tank/2019/01/17/where-millennials-end-and-generation-z-begins/ 2015 gehörten in Deutschland nach Daten des Statistischen Bundesamtes rund 22 Prozent der Gesamtbevölkerung und rund 20 Prozent der Arbeitskräfte zu den Geburtsjahrgängen 1980–1999.

Erkenntnisinteressen Ein besonders ausgeprägtes Erkenntnisinteresse besteht darin zu erfahren, welche „typischen“ Merkmale künftige Entscheider aufweisen, die heutige Manager ablösen werden und sollen. Das Zukunftsinstitut macht dies in einem Porträt der Generation Y deutlich:

Folgerichtig wird in vielen deutschen Studien die Aufmerksamkeit auf Kandidaten für den Führungsnachwuchs in Deutschland gerichtet. Im Januar 2017 stellte auch die IG Metall sich und den Lesern ihres Textes die Frage: „Wie tickt die junge Generation von heute?“ Das Interesse der Gewerkschafter besteht nach eigenen Aussagen darin herauszufinden, wie groß die Chance sei, dass junge Arbeitnehmer Gewerkschaftsmitglieder würden, aktiv an der Gewerkschaftsarbeit mitwirkten und zur Teilnahme an Warnstreiks bzw. Streiks bereit seien.

Die Heinrich-Böll-Stiftung warb für eine Veranstaltung am 3. September 2018 mit dem Titel: „Y [Generation Why] – Zwischen Sinnsuche und Sicherheitsbegehren“ mit den Worten:

Soziologische Charakterisierung Die Generation Y gilt als überwiegend gut ausgebildet, ihre Angehörigen besitzen oft einen Hochschulabschluss.Peter Sheahan: Generation Y: Thriving and Surviving With Generation Y at Work. Hardie Grant Publishing, 2005, ISBN 1-74273-139-2, S. 7. Sie zeichnet sich durch einen technikaffinen Lebensstil aus.Daniela M. Weise: Rekrutierung der Net-Generation. E-Recruiting mit Hilfe von Web 2.0-Tools. Diplomica-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-8366-9680-7, S. 15. Die Wirtschaftsjournalistin Kerstin Bund hat versucht, das Arbeitsverhalten der Mitglieder dieser Generation in Deutschland zu beschreiben, wobei sie sich teilweise auf die Shell Jugendstudie stützt: Sie arbeiteten Bund zufolge lieber in Teams als in tiefen Hierarchien. Wichtiger als Status und Prestige sei ihnen die Freude an der Arbeit. Mehr Freiräume, die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung sowie mehr Zeit für Familie und Freizeit seien zentrale Forderungen der Generation Y: Sie wolle nicht mehr dem Beruf alles unterordnen, sondern fordere eine Balance zwischen Beruf und Freizeit und strebe einen Job an, der ihr einen Sinn biete. Sie verkörpere einen Wertewandel, der auf gesellschaftlicher Ebene bereits stattfinde, den die jungen Beschäftigten nun aber auch in die Berufswelt tragen würden.Kerstin Bund: Glück schlägt Geld. Generation Y: Was wir wirklich wollen. Murmann Verlag, Hamburg 2014, ISBN 978-3-86774-339-6. Als Hebel zur Durchsetzung dieser Ziele, die auch schon andere vor ihnen (oft ergebnislos) angestrebt hätten, diene ein „Trumpf in der Hand, der früheren Generationen vorenthalten ist: der Trumpf der Demografie. Die Macht der Knappheit in einem Land, dem allmählich die Fachkräfte ausgehen. Dadurch verändert sich das Abhängigkeitsverhältnis.“

Andere Autoren bestreiten, dass sich die Generation Y überhaupt als soziologisches Phänomen fassen lasse. Unscharfe „Zeitangaben, die sich keiner erklären kann, vermitteln den Eindruck, dass etwas Großes geschehen sein muss.“ Das sei aber nicht der Fall; die Generation Y sei ein Mythos. Derartige Generationenkonzepte seien empirisch kaum zu bestätigen: Eine soziologische Bearbeitung des Themas sei „zu riskant und kompliziert“. Auffällig sei aber eine „Affinität zur Kopie“, eine Aversion gegen Brüche. Typische Ypsiloner gestalteten die gesellschaftliche und technische Entwicklung nicht, sie beschränkten sich aufs Konsumieren. Das sei ein Zeitgeistphänomen.

Deutschland Der Berliner Jugendforscher Klaus Hurrelmann macht auf die Multioptionsgesellschaft und Grenzenlosigkeit aufmerksam, in welcher „die Generation Y“ seiner Ansicht nach groß geworden sei. Dazu passe, dass auffallend viele Berufsanfänger dieser Generation – 60 % im Jahr 2014 gegenüber 48 % im Jahr 2002 – Ansprüche auf Führungspositionen erhöben und sich für Experten hielten.Bewerber-Motto: „It’s not about you, it’s about me.“Online: In: auf der Internetpräsenz des Bundesarbeitgeberverband Chemie;Print: BAVC – Bundesarbeitgeberverband Chemie e. V., Heft 7/2014, S. 5.

In ihrem Buch Die heimlichen Revolutionäre – Wie die Generation Y unsere Welt verändertKlaus Hurrelmann, Erik Albrecht: Die heimlichen Revolutionäre – Wie die Generation Y unsere Welt verändert. Verlag Beltz, Weinheim 2014, ISBN 978-3-407-85976-1. aus dem Jahr 2014 geben der Soziologe Klaus Hurrelmann und der Journalist Erik Albrecht den ersten systematischen Überblick über bisherige Untersuchungen zu diesem Thema, ergänzt um authentische Äußerungen von Generationsangehörigen. Hurrelmann und Albrecht beschreiben die zentralen Merkmale der Karriereorientierten in der Generation Y wie folgt:

Umgang mit Krisen Die Generation Y habe in der sensiblen und formativen Zeit ihres Jugendalters den Terroranschlag in New York und weltweite Kriege und Krisen erlebt, vor allem die Finanz- und Eurokrise, die auch in Deutschland zu verschärften Problemen für junge Leute bei der Suche nach guter Arbeit geführt habe. Sie sei daher den Umgang mit Unsicherheiten und Ungewissheiten der Lebensplanung gewohnt. Sie habe gelernt, das Beste aus undurchsichtigen Situationen zu machen, zu sondieren und zu taktieren, um sich stets möglichst viele Optionen offen zu halten. Das Leben in Unsicherheit empfinde sie aus diesem Grund als völlig normal.

Improvisation und Lebensplanung Die Ypsiloner seien Meister im Improvisieren. Ihr Lebenslauf habe die Geradlinigkeit verloren, die noch für die Eltern typisch gewesen sei. Leben sei für die Generation Y viel weniger planbar als früher. Bei allem Stress, den sie durchaus empfänden, würden die Ypsiloner die geringe Geradlinigkeit auch genießen, weil es sie unabhängig und frei mache. Sie seien demnach „Egotaktiker“, die alle wichtigen Lebensentscheidungen nach den unmittelbaren Vorteilen und Nachteilen für die eigene Person und ihr Wohlbefinden abschätzten.

Bildung In politisch und wirtschaftlich unruhigen Zeiten, in denen es den Job auf Lebenszeit möglicherweise nie mehr geben werde, investierten die jungen Leute so viel Zeit und Geld (vor allem in Form entgangenen Einkommens) in ihre Bildung und Ausbildung wie nie zuvor. Ein hoher Bildungsabschluss werde zur wichtigsten Munition im Kampf um einen Platz in der Gesellschaft. Er gelte aber auch als Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben. Mehr Angehörige der Generation Y als Angehörige früherer Generationen hätten ihren schulischen Bildungsgang mit dem Abitur abgeschlossen und seien in die Hochschulen geströmt, um sich möglichst viele Optionen offen zu halten. Fast 60 Prozent von ihnen seien dabei erfolgreich gewesen und setzten sich damit von den anderen 40 Prozent ihrer Generation ab, die mit dieser Entwicklung nicht mithalten könnten oder wollten. Klaus Hurrelmann schränkt jedoch ein: Es gehe ihnen vor allem um die Zertifikate. „Da haben die ‚Ypsiloner‘ die Unterstützung von ihren Eltern, die denken: Hauptsache Abitur. Was man wirklich dabei lernt, spielt inhaltlich keine Rolle. Was zählt, ist das gute Zeugnis.“

Berufliche Unabhängigkeit Einmal im Beruf angekommen, wollten die 60 Prozent gut Gebildeter für ihr wertvolles Humankapital so viel Erfüllung, Freude und Anerkennung eintauschen wie irgend möglich. Sie lehnten Hierarchien und Reglementierungen ab und wollten einen Arbeitsplatz in einem Team haben, in dem sie keiner gängele und sie ihr Können unter Beweis stellen könnten. Intensives Arbeiten und lebenslanges Lernen sei für sie selbstverständlich, aber sie hätten auch gelernt, mit ihren Kräften zu haushalten. Sie hätten so etwas wie eine eingebaute Burn-out-Sperre. Das können die Forscher freilich nicht empirisch belegen: Immerhin halten sich 33 Prozent aller Befragten zwischen 20 und 35 Jahren in einer Studie des Zukunftsinstituts für Burn-out-gefährdet.

Familie und Gleichberechtigung Die Generation Y fordere neue Familienmodelle konsequent ein. Bei der Familienplanung und -gestaltung setze sie auf Gleichberechtigung, Väterzeit, gleichgeschlechtliche Ehe und breche bisherige Tabus. Die Ypsiloner wünschten sich Kinder, aber wenn die Bedingungen in Partnerschaft, Privatleben und Beruf nicht stimmten, blieben sie lieber kinderlos. Sie drängen angeblich vehement auf die Vereinbarkeit von Familie und Karriere. Tatsächlich gehen in Deutschland etwa 80 % der berufstätigen Väter nur zwei Monate in Elternzeit.

Freizeit und neue Medien Die Freizeit sei das „Trainingslager“ der Generation Y. Hier lernten die sogenannten Egotaktiker, ihren eigenen Weg durch den Dschungel der Optionen zu finden. Das Internet sei immer dabei – sei es auf dem Computer, Tablet oder Smartphone. Vor allem Soziale Netzwerke seien ihnen wichtig für ihre Persönlichkeitsentwicklung. Auch andere digitale Angebote wie zum Beispiel Health Apps werden immer mehr genutzt und haben eine wachsende Bedeutung. Neue Medien seien der Bereich, in dem sie sich gesellschaftlich überlegen fühlten und ihre eigenen Akzente setzten.

Politik und Lifestyle Die Generation Y sei nicht unpolitisch. Sie definiere Politik allerdings anders als bisher gewohnt. Viele früher als „politisch“ definierte Themen seien für die Ypsiloner heute eher eine Frage von Konsum, Ethik oder Lebensstil. Die Generation Y kämpfe nicht für eine neue Gesellschaftsordnung wie andere Generationen vor ihr. Sie wolle nach ihren eigenen Vorstellungen leben und binde sich nicht an politische Organisationen. Regelmäßige Mitarbeit in und Unterstützung von politischen Parteien sei für die meisten Ypsiloner nicht erstrebenswert.