Die Meyer Burger Technology AG (MBT) war ein Schweizer industrieller Hersteller von Solarzellen und Solarmodulen, mit Sitz in Gwatt, einem Stadtteil von Thun und befindet sich seit September 2025 in der Nachlassstundung.

Geschichte Ausrüster der Uhren- und Chipindustrie Das Unternehmen wurde 1953 in Hünibach gegründet und lieferte zunächst Bohrmaschinen für die Uhrenindustrie. Mit ihnen konnten Uhrensteine aus Saphir und Rubin gebohrt werden. In den 1970er Jahren startete die Produktion von Sägen für Silizium-Wafer, die in der Chipindustrie gebraucht wurden.Daniel Meier: Der Sonnen-König von Thun. In: Blick, 29. September 2011.

Anbieter in der Solarindustrie 1999 gab sich das Unternehmen mit der Gründung der Meyer & Burger Holding AG in Zug eine HoldingstrukturFlorence Vuichard: Neue Besitzverhältnisse – gleiche Politik. In: Der Bund, 16. Dezember 1999. und brachte im selben Jahr seine erste Bandsäge für die Solarindustrie auf den Markt.Meyer Burger Technology AG: Geschäftsbericht 2007, S. 14. Im Zuge der wachsenden Solarindustrie expandierte das Unternehmen ab 2003 mit der Erschliessung des russischen, asiatischen und amerikanischen Marktes und gründete Tochtergesellschaften in China und Japan. 2006 wurde der Konzern von Meyer & Burger Holding AG in Meyer Burger Technology AG umbenannt und der Konzernsitz nach Baar verlegt. Im November 2006 ging das Unternehmen an die Börse.Guter Start für Meyer Burger. Sägen für die Chip- und Solarindustrie. In: Neue Zürcher Zeitung, 24. November 2006.

Die Solarmodule wurden mit Ökostrom hergestellt und enthielten laut eigenen Angaben nicht die Schadstoffe Blei und PFAS.

Zwischen 2010 und 2012 wurde die Konzerngruppe durch Unternehmensübernahmen vergrössert. Diese umfassen die gesamte Wertschöpfungskette (Wafer – Zelle – Modul) in der Photovoltaik-Produktion mit eigenen Produktionsmaschinen.Meyer Burger Technology AG: Geschäftsbericht 2011, S. 44.

Entwicklung seit 2019 2019 erfolgte eine Abkehr vom Maschinenbau für die Solarindustrie und eine Konzentration auf die eigene Solarzellenfertigung und -verbindung, d. h. auf die Heterojunction-Zellbeschichtung und die SmartWire Connection Technology (SWCT) zur Zellverbindung. Hierzu wurde im Mai 2019 der gesamte Geschäftsbereich «Säge- und Trenntechnologie» an die Precision Surfacing Solutions verkauft. Der Firmensitz befand sich seit 2012 in Thun,Solarfirma verlegt Sitz. In: Thuner Tagblatt, 27. April 2012. der Hauptproduktionsstandort für Fertigungsanlagen dagegen im sächsischen Hohenstein-Ernstthal, wo Meyer Burger 2011 die Mehrheit am Unternehmen Roth & Rau übernommen hatte.

Nach einer öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzung zwischen dem Verwaltungsrat und den Hauptaktionären, darunter Sentis Capital und Elysium Capital, wurden die Aktionärsvertreter Mark Kerekes und Urs Fähndrich ins oberste Leitungsorgan gewählt und Mitte 2020 nach acht Verlustjahren eine veränderte Unternehmensstrategie angekündigt. Um eine Neuausrichtung zu ermöglichen, wurde eine Kapitalerhöhung von 165 Millionen Franken durchgeführt; Sentis Capital verpflichtete sich vorab, 50 Millionen Franken einzubringen. An den deutschen Produktionsstandorten in Freiberg in Sachsen (vormals Solarworld) und Bitterfeld-Wolfen (vormals Sovello) in Sachsen-Anhalt begann Mitte 2021 die Herstellung von Heterojunction-Solarzellen und Photovoltaik-Modulen. Im Folgejahr kündigte das Unternehmen den Ausbau der Produktion an.

Im Oktober 2022 kündigte das Unternehmen eine weitere Kapitalerhöhung von 250 Millionen Franken an. Dieses wurde auf einer ausserordentlichen Hauptversammlung am 28. Oktober beschlossen und durch die Depotbanken bis zum 7. November 2022 umgesetzt. Es wurden dafür 934 Millionen neue Namensaktien mit einem Nennwert von jeweils 0,05 Schweizer Franken ausgegeben, der Bezugspreis lag bei 0,267 Schweizer Franken pro neuer Aktie.

Am 26. März 2024 kündigte Meyer Burger allen Mitarbeitern in Freiberg und gab die Schliessung des Produktionsstandorts bekannt. Noch im September desselben Jahres wurden weitere Schritte nötig: Am 18. September schied der CEO Gunter Erfurt aus und wurde vom VR-Präsident Franz Richter abgelöst, ausserdem verliess der Finanzchef Markus Nikles das Unternehmen, dessen Aufgaben im Unternehmen intern neu verteilt werden sollten. Zusätzlich sollten 200 Stellen abgebaut, Solarmodule aus Beständen abverkauft und «weitere Vermögensgegenstände» veräussert werden.

Im Mai 2025 wurde die Einstellung der Produktion in den USA bekannt, mit der sofortigen Schliessung des Betriebs in Goodyear im Bundesstaat Arizona. Grund für den Rückzug sei ein Liquiditätsengpass. Am 1. Juni 2025 wurden die Aktien von Meyer Burger «bis auf weiteres» von der Schweizer Börse SIX suspendiert. Grund dafür sei der fehlende Unternehmensbericht, der von Meyer Burger auf den 30. Mai angekündigt und erneut verschoben wurde. Am 13. Oktober 2025 wurde der Handel an der Schweizer Börse wieder aufgenommen, bevor am 14. Januar 2026 die endgültige Dekotierung erfolgen soll.

Am 17. September 2025 gab Meyer Burger bekannt, dass die den drei Schweizer Gesellschaften der Unternehmensgruppe bisher gewährte stille Nachlassstundung als ordentliche provisorische Nachlassstundung weitergeführt werde. Die Gruppe hat damit Insolvenz angemeldet.

Meyer Burger hat den meisten Mitarbeitern der Meyer Burger (Germany) GmbH in Deutschland gekündigt. Bis auf ein Team zur Abwicklung der Standorte wurden den 600 Beschäftigten der Solarzellenproduktion in Bitterfeld-Wolfen und der Entwicklung in Hohenstein-Ernstthal (Sachsen) gekündigt. Auch den verbliebenen 45 Mitarbeitern beim Schweizer Mutterkonzern wurde gekündigt.Endgültiges Aus für Thuner Solarzellenfirma: Meyer Burger sieht keine Chance auf Rettung. Watson, 17. September 2025.

Firmenstruktur Im Jahr 2010 fusionierte Meyer Burger mit dem zuvor eigenständigen Unternehmen 3S Industries.Weg frei für Solar-Zusammenschluss. In: Der Bund, 15. Januar 2010. Die 3S Industries AG hatte ihren Sitz in Lyss und wurde 2001 gegründet.3S erweitert Aufsichtsrat. In: Thuner Tagblatt, 4. Juni 2008. 3S war seit 2005 an der Berner Börse BX Berne eXchange kotiert.Jon Mettler: 3S macht sich fit für nach der Krise. In: Thuner Tagblatt, 27. März 2009. Die ehemaligen Kompetenzzentren von 3S Industries wurden Geschäftsbereiche von Meyer Burger.

Meyer Burger (Germany) GmbH

Die Roth & Rau AG wurde 2015 in Meyer Burger (Germany) AG umbenannt.Meyer Burger (Germany) AG: Handelsregister-Bekanntmachungen, 1. September 2015, publiziert im Bundesanzeiger. Das Unternehmen entwickelte und produzierte Anlagen und Maschinen zur Oberflächenbearbeitung in der Photovoltaik-Industrie und war massgeblich an der Industrialisierung der sogenannten PERC (Passivated Emitter and Rear Contact) Technologie beteiligt.Josephine Bollinger-Kanne: Schutzzölle bringen Industrie nicht voran. In: VDI nachrichten, 28. Juni 2013. Zudem entwickelt und baut das Unternehmen Massen-Produktionsanlagen zur Herstellung hoch-effizienter Solarzellen mit Heterojunction-Technologie.Meyer Burger (Germany) GmbH: Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2020 bis zum 31.12.2020. Veröffentlicht im Bundesanzeiger, 11. Februar 2022.

Pasan SA Im Zuge der Fusion mit 3S Industries wurde Pasan 2010 Teil von Meyer Burger.Niklaus Bernhard: Berner Schwergewicht entsteht. In: Berner Zeitung, 10. Dezember 2009. Der Fokus des Unternehmens lag auf der Entwicklung und Herstellung von Test- und Messsystemen für Solarzellen und -module.Julian Witschi: Meyer Burger streicht 50 Stellen in Asien. In: Berner Zeitung, 27. Juli 2021. Dazu zählten unter anderem Sonnensimulatoren, die von internationalen Zertifizierungsstellen wie dem TÜV sowie zahlreichen Zell- und Modulherstellern genutzt werden. Der Sitz des Unternehmens befand sich in Neuchâtel (Neuenburg) in der Schweiz.

Tochtergesellschaften Weitere Tochtergesellschaften des Unternehmens befanden sich in den Vereinigten Staaten sowie in China und Singapur.Angaben zu den Standorten. Meyer Burger.

Beteiligung an Oxford Photovoltaics Ltd. 2019 wurde Meyer Burger grösster Anteilseigner bei Oxford Photovoltaics Ltd. (Eigenbezeichnung auch Oxford PV), einer Ausgründung der Universität Oxford auf dem Gebiet der Heterojunction- und Perowskit-Technologie. Den Kooperationsvertrag versuchte Oxford PV im Juli 2021 einseitig zu kündigen.

Aktie Die Namenaktien wurden seit November 2006 an der SIX Swiss Exchange in Zürich gehandelt (SIX Tickersymbol: MBTN). Sie zählten zum Swiss Performance Index und weiterer Aktienindices.

Zu den grössten Anteilseignern zählten (Stand März 2022):Abfrage der Datenbank auf der SIX Swiss Exchange Plattform am 16. März 2022. Sentis Capital PCC (Cell 3) (Pjotr Iwanowitsch Kondraschew)Zu Pyotr Kondrashev siehe Invesco Ltd. BlackRock Swisscanto Fondsleitung AG Universal Investment UBS Fund Management (Switzerland) AG

Am 9. September 2025 gab das Unternehmen bekannt, dass die SIX eine Dekotierung der Namensaktien verfügt hat.

Ehemalige Geschäftsbereiche Im Zuge einer Neuausrichtung des Unternehmens hatte Meyer Burger insbesondere ab 2018 einige Bereiche und Tochterunternehmen veräussert.

Die Firma 3S Industries mit u. a. den Bereichen 3S Modultec und 3S Photovoltaics fusionierte 2010 mit Meyer Burger und wurde als Geschäftsbereich 3S Photovoltaik weitergeführt. Im Folgenden entstanden die Marken 3S Modultec sowie Solar Building Technologies. Der Geschäftsbereich wurde später in die Business Unit «Energy Systems» von Meyer Burger integriert und 2018 in die separate Firma 3S Solar Plus AG ausgelagert und verkauft.Geschichte. 3S Solar Plus AG, abgerufen am 24. Oktober 2019Julian Witschi: Ein Solarpionier fängt neu an. In: Thuner Tagblatt, 18. Mai 2018.

Der Geschäftsbereich «Säge- und Trenntechnologie» wurde Ende April 2019 für 50 Mio. Fr. an die Firma Precision Surfacing Solutions (PSS) verkauft.

Zur Meyer Burger Gruppe gehörte bis 2019 auch die AIS Automation Dresden GmbH. Dann wurde sie an die S&T AG verkauft.

Im Zuge der Übernahme der Roth & Rau AG im Jahr 2011 wurde auch die Roth & Rau Netherlands B.V. Teil der Meyer Burger Gruppe. Der Geschäftsbereich wurde im Dezember 2019 wieder verkauft. Teil der Roth & Rau AG war auch die Muegge GmbH, die im August 2020 veräussert wurde.

Weblinks Thomas Steinmann: Interview mit Meyer-Burger-Chef Erfurt: „Uns rennt die Zeit davon“ auf capital.de vom 22. Juni 2023.

Einzelnachweise

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