mini|Jäger mit erlegtem Hasen und Hasenfell-Innenfutter (Jan Wildens, 1624) Als Hasenfell werden Felle von Tieren der Gattung der Echten Hasen bezeichnet. Diese werden im Rauchwarenhandel vertrieben und von Kürschnern zu Pelzen verarbeitet.

Im Rauchwarenhandel waren Hasenfelle bzw. Hasenbälge schon immer weniger gefragt als die ähnlichen Felle der verwandten Gattung der Kaninchen, speziell der Hauskaninchen. Sicherlich spielt dabei die geringe Haltbarkeit eine wesentliche Rolle, das Hasenfell neigt vergleichbar stark zum Haaren wie das des Wildkaninchens.

Neben der Verwertung des Fells war die Nutzung der Haare (Scherware) bedeutender. Aus Hasenhaaren (Hasenhaar) oder Kaninhaaren wurden unter anderem feine Hutfilze und Garne hergestellt. Zusammen mit Baumwolle oder Seide versponnen ergaben sie Fäden hauptsächlich für Samtgewebe und für die Strumpfwirker.Johann Heinrich Moritz Poppe: Johann Christian Schedels neues und vollständiges Waaren-Lexikon, Erster Teil A bis N, Vierte durchaus verbesserte Auflage. Verlag Carl Ludwig Brede, Offenbach am Mayn 1814, S. 448–449.Meyers Konversations-Lexikon. 1885, S. 8.201. Aus den dabei abfallenden Häuten wurde Leim gekocht.

Arten Europäischer Feldhase mini|Fell eines europäischen Feldhasen Die Felle der Europäischen Feldhasen haben für die Pelzwirtschaft nur eine geringe Bedeutung. Das dünne Leder reißt leicht und die Felle haaren stark aus. Der Haarschlag ist struppig und unansehnlich, das Haar hat eine besonders harte Schuppenschicht. All das macht das Fell, zusammen mit der dunklen, ungleichmäßigen Naturfarbe, für ein gleichmäßiges Färben nahezu ungeeignet.Polarhasen und ihre Veredlung. In: Kürschner-Zeitung. Verlag Alexander Ducker, Leipzig, ca. nach 1932 (undatiertes Zeitschriftenblatt), S. 698. Die Hasen dienen vorwiegend der Jagdwirtschaft und damit der Fleischverwertung, das Fell fällt als wenig bezahltes Nebenprodukt an.

Oberhaar sowie Unterhaar sind nicht glatt, sondern gekrümmt (gekräuselt). Die ungleichmäßig über das Fell verteilten Grannen stehen büschelweise zusammen. Die Nackenhaare sind oft dicht und länger und werden zum Fellende abrupt, fast wie in Stufen, flacher. Dieser Unterschied kann selbst durch Scheren nicht völlig ausgeglichen werden.

mini|links|hochkant|Köcher aus Hasenfellen (2011) Das Fell ist deutlich größer als das des Wildkaninchens (= 35 bis 45 cm), es erreicht eine Felllänge bis etwa 70 cm, die Gliedmaßen sind ebenfalls länger. Der Schwanz ist stummelförmig und kürzer als beim Kaninchen. Für das gegerbte Fell wird festgestellt, dass es durch das „krause“ Leder leicht vom Kaninfell zu unterscheiden ist.„l-n“: Die verschiedenen Kaninchen. In: Kürschner-Zeitung. Nr. 19 vom 1. Juli 1928, Verlag Alexander Duncker, Leipzig, S. 672. Das braungelbe, erdfarbene Haar ist schwarzbraun gesprenkelt, die seidige Unterwolle ist weiß.

Als „Kränze“ bezeichnet die Rauchwarenbranche die Übergangsfelle von Hasen und Kaninchen. Bei Fellen, die vor der richtigen Zeit angefallen sind, sieht man auf beiden Seiten des Rückens im Leder sogenannte „Kränzchen“. Auch wenn das Haar sonst gut entwickelt ist, befinden sich hier ovale kurzhaarige Flecken, die zu einem späteren Zeitpunkt ausgewachsen wären. Als „Krauthasen“ wurden in einzelnen Auktionsberichten, zum Beispiel in der Slowakei, neben den Winter-, Herbst- und Sommerhasenfellen die letzte Qualität bezeichnet. Sie wurden etwa zu einem Viertel des Preises für Sommerhasen bewertet.Alexander Tuma: Pelz-Lexikon. Pelz- und Rauhwarenkunde. XIX. Band. Verlag Alexander Tuma, Wien 1950. S. 69–70. Der Haltbarkeitskoeffizient für den grauen Feldhasen beträgt 5 bis 10 Prozent.Paul Schöps, H. Brauckhoff, K. Häse, Richard König, W. Straube-Daiber: Die Haltbarkeitskoeffizienten der Pelzfelle. In: Das Pelzgewerbe, Jahrgang XV, Neue Folge, 1964, Nr. 2, Hermelin Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin / Frankfurt am Main / Leipzig / Wien, S. 56–58.Der angegebene vergleichende Wert (Koeffizient) ist das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch Gerbung und Veredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden.

Die Einteilung erfolgte in Stufen von jeweils 10 Prozent, nur die schwächsten Arten bekamen die Wertklasse von 5 bis 10 Prozent. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt. Bei einer Einteilung der Pelztiere in die Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart wird das Haar des weißen Hasen als fein, das des grauen Hasen als mittelfein eingestuft.Paul Schöps, Kurt Häse: Die Feinheit der Behaarung – Die Feinheits-Klassen. In: Das Pelzgewerbe Jg. VI / Neue Folge, 1955 Nr. 2, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig / Berlin / Frankfurt am Main, S. 39–40.

Feldhasen sind fast weltweit verbreitet. Die meisten Felle sind durch Schrotlöcher für Pelzzwecke entwertet und werden der Schneideindustrie für Filze zugeführt. 1989 waren über den Weltanfall keine Zahlen bekannt, doch wurde er für die Pelzwirtschaft als unbedeutend eingestuft.

Schneeschuhhase (Polarhase) Der Schneeschuhhase hat den Namen wegen seiner behaarten Hinterpfoten; er lebt im Hohen Norden Amerikas. In den nördlichsten Gebieten bleibt das Fell ganzjährig weiß. In den südlichen kanadischen Provinzen und einigen nördlichen Staaten der USA (Maine, Connecticut, Nordminnesota) wechselt das Haar im Sommer zu bläulichgrau, Rücken, Wangen und Ohren mehr dunkelgrau. Die Unterwolle hat immer einen leichten rosafarbenen Anflug. Das Fell ist etwas kleiner als das des Schneehasen, auch ist das Leder nicht so fest.

Wie beim Schneehasen ist die Behaarung auf dem Rücken dickwollig; die Wamme dagegen flattrig mit feinem langen Haar, die Verarbeitung erfolgt deshalb oft getrennt.

Trotz der großen Populationen kommen nur wenige Felle in den Handel. 1988 hieß es, dass die Felle meist nur von den Indianern und Eskimos verwertet werden. Die nordamerikanischen Cree-Indianer beherrschten bereits die, Ende des 20. Jahrhunderts wiederentdeckte, Technik, aus schmalen (Schneeschuhhasen-)Fellstreifen durch Weben Bekleidungsstücke herzustellen (siehe dazu Kaninfell, Kaninweben bei den Cree).Ohne Autorenangabe (zu Fotos von A. B. McIvor): Rabbit Skin Robe. In: The Beaver, Winter 1958, Hudson’s Bay Company, S. 46–47 (engl.) 1971/1972 wurden aus Kanada etwa 10.000 Felle angeliefert, neuere Zahlen waren nicht bekannt.Christian Franke, Johanna Kroll: Jury Fränkel’s Rauchwaren-Handbuch 1988/89. 10. überarbeitete und ergänzte Neuauflage. Rifra-Verlag Murrhardt, S. 211–216.

Die Felle werden rund abgezogen angeliefert, mit dem Haar nach innen.

Schneehase mini|links|Zwei Schneehasenmäntel (1966) Der Schneehase, oder auch Weißer Hase genannt, ist nahe mit dem Feldhasen verwandt. Er lebt vorwiegend in der Arktis, u. a. auf Grönland, Tschukotka und der Halbinsel Taimyr sowie in Ostsibirien bis zur Tundra, im Süden bis Kasachstan, in Europa bis zu den Alpen.

Im Sommer ist das Fell rotbraun bis bräunlichgrau, im Winter reinweiß, arktische Schneehasen bleiben ganzjährig weiß.

Russische weiße Hasen haben ein weiches, seidiges und sehr dichtes Haar. Die Leithaare werden bis zu 43 mm lang. Das blaugraue Unterhaar verläuft nach oben zu weiß, das Grannenhaar ist weiß. Die Übergangsfärbung des Sommerfells rührt von der graubraunen Färbung des Grannenhaars her. Skandinavische weiße Hasen sollen ein besonders feines Haar aufweisen. Amerikanische Felle unterscheiden sich dadurch, dass die rötlichbraune und blaugraue Unterwolle durch das weiße Deckhaar durchschimmert; sie haben ein besonders dünnes Leder. Die Haardichte beträgt 13.000 bis 14.000 Haare pro cm².

mini|Schneehasenfelle: links gefärbt, Mitte natur, rechts luchsartig bedruckte Wamme Die Rückenbehaarung ist dickwollig, die Wamme hat ein langes, feines und offenes Haar. Das Leder ist dicker und stabiler als beim Feldhasen. Der kurze Schwanz ist buschig behaart, auch die Pfoten sind stark behaart.

Der Haltbarkeitskoeffizient für Schneehasenfelle beträgt 5 bis 10 Prozent. Sie stehen damit mit an letzter Stelle der Haltbarkeitstabelle für Pelze.Heinrich Dathe, Paul Schöps, unter Mitarbeit von 11 Fachwissenschaftlern: Pelztieratlas, VEB Gustav Fischer Verlag Jena, 1986.

Der russische Handel unterteilt die Felle weißer Hasen in graue Hasen (Sommerfelle) und in Steppenhasen (aus Mittelasien). Das Fellgewicht unterscheidet sich je nach Herkommen, die schwersten sind die Kamyschlowsk (148–164 kg per 1000 Stück), die leichtesten die Ostsibirier (weniger als 81 kg per 1000). Die dazwischen liegenden Gewichtsklassen sind Ural (die zweitschwersten), Ufimsk, Kasan, Tomsk und Westliche. Die Bezeichnungen leiten sich meist von den Namen der zentralen Sammel- und Handelsplätze ab. In Kamyschlow waren auch zusammen mit Schadrinsk am Ural die bekanntesten Hasenzurichtereien.Jury Fränkel: Rauchwaren-Handbuch. Selbstverlag, Paris 1960, S. 94.

Bereits rund zugerichtete (gegerbte) Felle waren fachmännisch sortiert und wurden in Bündeln zu je 1000 Stück verpackt. Grauspitzige Hasen (Herbst-Übergangsfelle), Bussy genannt, kosteten den halben Preis der weißen Winterware. Eine Zeitlang waren in Russland Schneehasen ein wichtiger Handelsartikel, der als Besatz Verwendung fand.

mini|Adolph Juell, Mitglied der ersten Fram-Expedition mit Schneehasenmütze (1893) Der deutsche Großhandel sortierte in Mäuschen (Junghasen), IV. Sorte Sommerhasen, III. Sorte Herbsthasen (Halbe), II. Sorte Kränze (Übergangsware) Winterhasen, echte (Prima leichte), Ib Sorte Winterhasen, schwere (Prima schwere), Ia Sorte Extrahasen (Kürschnerhasen).

Das weiße Haar des Schneehasen lässt sich besonders gut in Modefarben einfärben; da es außerdem recht lang ist, ist das Schneehasenfell besonders für attraktive Besätze geeignet. Die flattrigen Bauchteile wurden manchmal getrennt von den Rücken als Polarfuchsfellimitation genutzt oder luchsgefärbt, die Rücken auf Chinchilla oder andere Edelpelzarten. Gelegentlich wurden zuletzt Hasenfelldecken angeboten; oftmals dürfte es sich hier jedoch um die ähnlichen Kaninchenfelle handeln.

Die Anlieferung an kleineren Alpenschneehasen-Fellen war unbedeutend.Alexander Tuma: Pelz-Lexikon. Pelz- und Rauchwarenkunde. XVIII. Band. Verlag Alexander Tuma, Wien 1949, S. 94–96.

Andere Arten Der chinesische Hase ist klein und hat schütteres Haar, das für die Filzfabrikation verwendet wird. Die Felle gingen meist nach Amerika (1952).Richard König: Ein interessanter Vortrag (Referat über den Handel mit chinesischen, mongolischen, mandschurischen und japanischen Rauchwaren). In: Die Pelzwirtschaft Nr. 47, 1952, S. 52.

Felle aus der Familie der Pfeifhasen werden nicht für Pelzzwecke genutzt. Das farblich recht ansprechende Fell des südamerikanischen Pampashasen (Mara) hat eine sehr geringe Haltbarkeit, gelegentlich fanden sich in den Lieferungen argentinischer Hasenfelle einige Exemplare. Das dichte, weiche und glänzende Fell wurde fast nur von den Gauchos und Indianern zu hübschen Decken verarbeitet (1923). Die Felllänge beträgt etwa 50 bis 55 cm ohne den Stummelschwanz. Die Farbe ist oben braungrau mit dichter Sprenkelung, Bauch und Beine sind hellrötlichgelb.Emil Brass: Aus dem Reiche der Pelze. Verlag der „Neuen Pelzwaren-Zeitung und Kürschner-Zeitung“, Berlin 1923, S. 736.