Revanche ist ein österreichisches Filmdrama aus dem Jahr 2008. Der von Götz Spielmann inszenierte Film wird von der Filmkritik einhellig gelobt und als sein bislang bestes Werk bezeichnet.

Die Weltpremiere des Films fand Anfang Februar 2008 auf der Berlinale statt. Der mit positiven Kritiken im In- und Ausland überhäufte Film war für den Auslands-Oscar 2009 nominiert.

Handlung

Alex arbeitet in Wien für den Bordellbesitzer Konecny. In dessen Bordell Cinderella arbeitet auch Tamara, eine ukrainische Prostituierte. Alex und Tamara haben ein geheimes Verhältnis und wollen beide so bald wie möglich Wien verlassen und gemeinsam ein neues Leben anfangen, ihnen fehlt aber das Geld dafür.

Alex beschließt, die Bank im Heimatort seines Großvaters, dem Hausner, der auf einem kleinen Bauernhof lebt, zu überfallen.

Susanne, eine Nachbarin, die auf der anderen Seite eines kleinen Waldstücks abgelegen in einem neuen Einfamilienhaus wohnt, besucht regelmäßig den Großvater, leistet ihm Gesellschaft und sieht nach dem Rechten. Susanne ist mit dem Polizisten Robert verheiratet. Die beiden hätten gerne ein Kind. Susanne war bereits schwanger und sie haben schon ein Kinderzimmer eingerichtet, doch sie hat dann das Kind verloren. Die Ärzte haben festgestellt, dass die Schwangerschaft ein großer Glücksfall war, da Robert nahezu zeugungsunfähig ist. Susanne überlegt, ein Kind zu adoptieren. Doch Robert lehnt das ab und glaubt weiterhin, dass sie auch so schwanger werden kann.

Tamara hat bei dem geplanten Banküberfall ein ungutes Gefühl und möchte dabei sein. Während Alex in der Bank ist, wartet sie im Fluchtauto auf ihn. Da dieses im Halteverbot steht, wird Tamara von Robert angesprochen, der zufällig vorbeikommt. Als Alex von seinem Überfall zurückkehrt und den Polizisten erblickt, maskiert er sich wieder und bedroht ihn mit seiner Waffe. Er steigt ins Auto und fährt mit Tamara davon. Robert zielt auf die Reifen des davonfahrenden Autos, trifft aber Tamara, die kurz darauf stirbt.

Verzweifelt lässt Alex das Auto mit Tamaras Leiche, die von der Polizei nicht identifiziert werden kann, in einem Wald zurück, und taucht beim Hausner unter. Beim Einkaufen treffen Alex und Hausner auf Susanne, die dem Hausner vom Banküberfall erzählt und dabei erwähnt, dass ihr Mann dabei war.

Alex ist aufgrund des Verlustes sehr in sich zurückgezogen, redet nur wenig und verbringt täglich Stunden beim Holzhacken für den Winter, wo er seine Aggressionen und seinen Frust abladen kann. Er beginnt, Robert nachzuspionieren, findet heraus, wo dieser regelmäßig joggt und schleicht sich in der Dunkelheit an das Haus von Robert und Susanne, um die beiden zu beobachten.

Die Beziehung von Robert und Susanne leidet darunter, dass Robert die unbeabsichtigte Tötung Tamaras psychisch sehr belastet, er sich mit Schuldvorwürfen selbst überhäuft und keinen Weg findet, damit umzugehen. Er hat ein Foto der toten Tamara eingesteckt, das er immer wieder betrachtet. Auf der Polizeiinspektion nimmt man Roberts Selbstvorwürfe nicht ernst und spricht ihm nur insofern Mut zu als dass er ohnehin nur die Komplizin eines Bankräubers getötet habe, und dass er sich wegen der Ermittlungen, die gegen ihn wegen der tödlichen Schüsse eingeleitet wurden, keine Sorgen zu machen brauche. Zu Hause wiederum kann oder will er nicht über den Zwischenfall reden.

Der Hausner merkt nichts von der schweren Last, die auf Alex ruht. Er freut sich über die unverhoffte Gesellschaft, die ihm plötzlich zuteilwird, und spielt häufig Akkordeon. Bei ihren Besuchen will Susanne freundlich mit Alex Kontakt aufnehmen, doch er reagiert sehr abweisend, was Susanne jedoch kaum zu stören scheint. Eines Tages, als sie wieder Hausner besucht, spricht Alex sie an und will sie endgültig vom Hof des Großvaters fernhalten. Darauf reagiert sie relativ gefasst und lädt Alex mit dem Hinweis, diese Nacht alleine zu sein, zu sich nach Haus ein. Alex reagiert auf ihre Einladung zunächst nicht, erscheint aber am Abend vor Susannes Terrassentür. Sie bietet ihm sogleich ein Glas Wein an. Dem heiteren, etwas nervösen Redefluss von Susanne steht Alex mit ernstem bis deprimiertem Gesichtsausdruck beinahe wortlos gegenüber. Nach einer Weile fragt Alex, warum Susanne Sex mit ihm haben will. Sie lässt sich auf einen beinahe brutalen Akt ein, der Alex als Ventil für all seine aufgestauten Aggressionen zu dienen scheint. Danach geht Alex duschen und entdeckt das fertig eingerichtete Kinderzimmer. Er spricht Susanne darauf an, sie antwortet aber nur, dass sie keine Kinder habe. Zum Abschied fragt Susanne Alex, ob er wieder einmal kommt.

Als Alex beim Spazierengehen im Wald das nächste Mal Robert beim Joggen trifft, zieht er eine Pistole und zielt auf den davonjoggenden Robert, drückt aber nicht ab.

Beim Einkaufen trifft Alex wieder auf Susanne. Sie teilt ihm mit, dass sie diesen Abend allein sei und Alex sie besuchen soll. Bei diesem Besuch fragt Susanne Alex, ob er eine Freundin habe. Alex erklärt, dass er bis vor kurzem eine hatte, diese aber ermordet wurde und er Tag und Nacht daran denke, den Mörder zu töten. Susanne sagt Alex, dass er das nicht tun darf, nicht einmal denken darf. Sie versteht aber jetzt, warum Alex so kalt ist und nimmt ihn mit ins Bett.

In der Nacht wird Susanne von Motorengeräusch geweckt. Sie hört, dass Robert heimkommt und fordert den neben ihr liegenden Alex zum Gehen auf. Robert erzählt weinend Susanne, dass er für dienstuntauglich erklärt und vom Dienst freigestellt wurde. Er zeigt Susanne das Foto von Tamara, das er immer ansehen muss. Susanne geht das Foto wegwerfen und bemerkt dabei, dass Alex das Haus verlässt.

Alex sitzt auf einer Bank am Waldsee und wartet auf Robert. Als dieser kommt, setzt er sich neben Alex. Es kommt zu einem Gespräch, in dessen Verlauf Alex den Banküberfall anspricht. Robert erzählt, dass ihn der Tod der jungen Frau schwer belastet und dass er auf die Reifen gezielt habe. Alex fragt, ob Robert sich nicht davor fürchte, dass der Bankräuber kommt und Robert aus Rache erschießt. Robert meint nur resignierend, „soll er ruhig“. Dann bricht er auf, dreht sich noch kurz um und sagt, er würde aber den Bankräuber noch fragen, wieso er die Frau überhaupt mitgenommen habe. „Die ganze Scheiße wäre nicht passiert, wenn die nicht sinnlos im Auto sitzt.“ Als Robert verschwunden ist, wirft Alex die Pistole in den See.

Abends teilt Susanne ihrem Mann mit, dass sie endlich schwanger ist.

Am Sonntag will Susanne wieder den Hausner besuchen, trifft aber nur Alex, weil der Hausner, der im Laufe des Films immer wieder Schwächeanfälle hatte, im Spital ist. Sie bittet Alex, die Affäre zu beenden und Robert nichts davon zu erzählen. Alex verspricht es. Danach sieht Susanne am Tisch ein Foto von Tamara liegen und ihr werden plötzlich die Zusammenhänge klar. Alex bejaht ihre Frage, ob er der Bankräuber gewesen sei.

Hintergrund mini|Götz Spielmann bei der Präsentation von Revanche am Crossing Europe Filmfestival in Linz, Ende April 2008.

Der Filmverleih wird in Österreich von Filmladen wahrgenommen, die Weltvertriebsrechte hält das Kölner Unternehmen The Match Factory. Der Film wurde vom Österreichischen Filminstitut, dem Land Niederösterreich und im Rahmen des Film-/Fernseh-Abkommens gefördert.

Die Ausstattung des Films wurde von Maria Gruber durchgeführt, die dafür mit dem Femina-Filmpreis ausgezeichnet wurde. Für den Ton zeichnete Heinz Ebner verantwortlich. Die gesamte Filmpostproduktion wurde bei der Firma Listo in Wien durchgeführt.

Der Film wurde am 1. September 2008 von der Austrian Film Commission als österreichischer Beitrag für das Auswahlverfahren zum Oscar in der Kategorie bester fremdsprachiger Film eingereicht und von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences aus 67 Einreichungen am 22. Januar 2009 als einer von fünf Filmen nominiert.APA: ‚Revanche‘ ringt um Auslands-Oscar. In: Der Standard. 1. September 2008 (Seite abgerufen am 4. September 2008)Die Nominierten der 81. Academy Awards Es war bereits das dritte Mal, dass Österreich einen Film Spielmanns eingereicht hat – nach Die Fremde (2000) und Antares (2004). Regisseur Götz Spielmann zeigte sich von der Vorauswahl zwar nicht besonders überrascht, da es „schon sichtbar“ gewesen sei, dass „'Revanche’ in den USA ausgesprochen gut aufgenommen wird“. Eine tatsächliche Nominierung hielt er für nicht unmöglich, es würde aber knapp werden. Für eine Auszeichnung in dieser Kategorie sehe Spielmann drei andere „ganz große“ Favoriten: Waltz with Bashir, Die Klasse und Everlasting Moments – die bis auf letztgenannten ebenso zu den Nominierten zählen.APA/dpa: Götz Spielmanns ‚Revanche‘ auf der Oscar-Shortlist. Der Standard, 14. Jänner 2009 (abgerufen am 13. Dezember 2023)

Der Film startete am 12. Februar in den deutschen Kinos und am 1. Mai 2009 in den USA.Kinostarts von Revanche In der Schweiz startete der Film am 18. Juni 2009. 3sat zeigte den Film am 26. Oktober 2010 als Sendung im „Thementag“ zum österreichischen Nationalfeiertag.

Drehorte mini|Bild vom Drehort in Eisenbergeramt Wesentliche Teile des Films wurden in der Waldviertler Gegend um Gföhl und Ottenschlag gedreht, der Banküberfall in der Gemeinde Großweikersdorf.

Rezeption

Auswertung Kinobesuche in Österreich Datum Besuche Kopien Auswertung 2008 17.493 – 25. Jänner 2009Österreichisches Filminstitut: (abgerufen am 30. Jänner 2009) 17.768 k. A. 1. Februar 2009Der Standard: Kinohits in Österreich. Stand: 30. 01.–01. 02. 4. Februar 2009, S. 13. 19.498 11 22. Februar 2009Der Standard: Kinohits in Österreich. Stand: 20. 02.–22. 02. 25. Februar 2009, S. 28. 27.223 14 1. März 2009 30.252 k. A. 16. März 2009 32.872 k. A. In Österreich kam der Film am 16. Mai 2008 in die Kinos, wo er bis Jahresende 17.493 Besucher zählte.Österreichisches Filminstitut: (abgerufen am 6. Februar 2009) Auf Grund der Oscarnominierung wird der Film seit dem 23. Januar 2009 wieder in einigen Kinos gezeigt.

Kritiken

Bei Kritikern ist der Film überdurchschnittlich gut angekommen:

Auszeichnungen

Berlinale 2008: Label Europa Cinemas als bester europäischer Film des Panorama Art-Cinéma-Award 2008 der CICAE (Confédération Internationale des Cinémas D´Art et Essai) Femina-Filmpreis des Verbandes der Filmarbeiterinnen für Maria Gruber für die Ausstattung Diagonale 2008: Großer Diagonale Preis als bester österreichischer Kinospielfilm Spezialpreis der Jury für bemerkenswerten Auftritt an Ursula Strauss Diagonale-Preis des Verbandes österreichischer Kameraleute an Martin Gschlacht für beste Bildgestaltung Spielfilm Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern 2008: Fliegender Ochse als bester Spielfilm Fünf Seen Filmfestival 2008: Fünf Seen Filmpreis als bester Spielfilm Oscar 2009: Nominierung als Bester fremdsprachiger Film Tromsø Internasjonale Filmfestival 2009: Hauptpreis AuroraTromsø Internasjonale Filmfestival: Auroraprisen. Abgerufen am 5. April 2011 (norwegisch) und FIPRESCI-PreisTromsø Internasjonale Filmfestival: FIPRESCI – Den internasjonale Kritikerprisen. Abgerufen am 5. April 2011 (norwegisch)

Einzelnachweise

Weblinks Offizielle Internetpräsenz des Films

Kategorie:Filmtitel 2008 Kategorie:Österreichischer Film Kategorie:Thriller Kategorie:Filmdrama